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Tagesarchiv für 5. April 2011

Die Katze Tito frisst die Medienmäuse

Dienstag, den 5. April 2011 um 12:46

Auch dem Münchner Starjournalisten Hans Leyendecker („SZ“) ist es gegangen, wie allen Journalisten vor ihm: Die Katze Dr. Tito Tettamanti, welche er kritisch befragen wollte, frass ihn, wie alle anderen Medienmäuse vor ihm auch. Tettamanti ist für einen bürgerlichen Journalisten rhetorisch unschlagbar, weil er sich zu seinem Sein und seinen Taten bekennt. Als glänzender Jurist und Verhandler, wenngleich auch kein Intellektueller, was er gerne wäre, bleibt er bei seinen Aussagen auf dem schmalen Grat zwischen Wahrheit und Schweigen. Das machen ihm nur wenige nach.

Tettamanti ist „überzeugter Kapitalist“, wie er von sich sagt. Er wäre gerne ein Schweizer Hearst geworden, aber dies blieb ihm versagt. Gemeinsam mit Dr. Christoph Blocher („Er war der einzige, der mir bei der Restrukturierung (Anm. der „Basler Zeitung“)wirklich helfen wollte.“) träumte Tettamanti von einer konservativen Wende in der Schweiz (er ist auch Förderer des Vereins Zivilgesellschaft, der allerdings schwächelt), jedoch: „Wir sind von innen verraten worden.“ Verraten werden nur Verschwörer. „Weltwoche“-Verleger und Chefredaktor Roger Köppel, wie Markus Somm, Chefredaktor der „Basler Zeitung“ (vormals stv. Chefredaktor der „Weltwoche“) haben beide die „Affinità elletive“, die sich Blocher und Tettamanti wünschen. Beide wollen nicht Geld, sondern Macht, das letzte Refugium für ehrgeizige Aufsteiger. Aber ohne eigenen Geist oder Mietgeister geht dies nicht. „Geld ist Geist“, sagt Tito Tettamanti zu Horst Leyendecker. Das der grösste Irrtum der grossen Tessiner Katze.

Marktbeherrschend: SGV klagt gegen Tamedia

Dienstag, den 5. April 2011 um 12:46

Während die Wirtschaftsredaktionen der Tamedia-Zeitungen gegen jeglichen Verdacht marktbeherrschender Praktiken massiv anschreiben, hat ihr eigener Verlag eine solche Position in der Westschweiz ausgenutzt, um von kleineren Inserenten überhöhte Tarife zu verlangen. Das ist zumindest die Auffassung des Schweizerischen Gewerbeverbandes, dessen Präsident Bruno Zuppiger sich mit der Gratiszeitung „20 minutes“ fotografieren lässt, um welche es geht. Seit „Le Matin bleu“ vom gleichen Verlag eingestellt wurde, sind die Anzeigentarife von „20 minutes“ in der Westschweiz um die Hälfte angestiegen. Betroffen sind vor allem kleinere Inserenten und Werbeagenturen, denn grosse Firmen mit grösseren Aufträgen erhalten umfassende Rabatte. Hier zeigt sich, wie der Kapitalismus, den die „tagi“-Inlandredaktion mit Daniel Binswanger und Freunden so gerne beklagt, die kleinen Firmen bedroht.

Doublespeak: Was sind „humanitäre Aktionen“?

Dienstag, den 5. April 2011 um 12:46

US-General Wesley Clark war im Auftrag der damaligen US-Aussenministerin Madeleine Albright, einer gebürtigen Tschechin, bereit, Serbien in den Boden zu bomben. Er tat dies 78 Tage lang in 37 000 Lufteinsätzen als „humanitäre Aktion“, die einen „freien Kosovo“ anstrebte, der heute völlig korrumpiert ist (einer der grossen aussenpolitischen Erfolge unserer Micheline Calmy-Rey). Jetzt läuft die „humanitäre Aktion“ gegen Libyen. Trotz des Einsatzes amerikanischer, englischer und französischer Geheimdienste sieht es im Augenblick, wo ich dies schreibe, schlecht aus für unsere NATO-Soldaten aus Sindelfingen. Es macht nicht den Anschein, als wollten die Libyer befreit werden.

Luxus für Bären, nicht für Poeten

Dienstag, den 5. April 2011 um 7:17

Weil in Bern bezüglich des Bärengrabens ein grosses Chaos herrscht, wird hier addiert, was der erneuerte Berner Bärengraben gekostet hat: CHF 21,3 Mio., davon 10 Mio. vom Berner Steuerzahler. Vergessen wurde bei dem längst fertigen Projekt, das einmal 9,7 Mio. Franken kosten sollte, der behindertengerechte Zugang, der gesetzlich vorgeschrieben ist. Er wird neue Millionen kosten. Derweil sitzt auf der anderen Stadtseite, Bern-West, der soeben vom Schweizer PEN-Club als Kandidat für den Literatur-Nobelpreis vorgeschlagene E.Y. Meyer (In Trubschachen), ein Poet von europäischer Relevanz. Er muss nach 28 Jahren seine grosse Altbauwohnung verlassen; vergleichbares lässt sich zu einem vernünftigen Preis nicht finden. Schriftsteller werden in der Schweiz bekanntlich nicht reich. Merke: Die Bären leben in Fülle, der Poet findet keine schützende Hülle.

Tragischer Gorbi-Geburtstag

Dienstag, den 5. April 2011 um 7:17

Zu Michail Gorbatschows 80. Geburtstag, der in London gefeiert wurde, kamen Sänger, Tänzer und Showstars in Mengen. Kein bedeutender westlicher Politiker gab dem tragischen Russen die Ehre, der dem Westen das grösste Geschenk gemacht hatte: Die Auflösung der UdSSR, des Angstgegners des Kapitalismus. Russen kamen natürlich auch keine, denn diese hassen Gorbi, und mit Nachfolger Wladimir Putin will es niemand verderben.

FDP: Nicht Fukushima, sondern Pyjama

Dienstag, den 5. April 2011 um 7:17

Wie FDP-Präsident Fulvio Pelli die durchaus dramatische Niederlage seiner Partei mit den Ereignissen in Fukushima verknüpfen will, ist fragwürdig. Sein Präsidialkollege Guido Westerwelle ist wegen mehrfacher „kantonaler“ Wahlniederlagen vom Parteivorsitz zurück getreten. Derlei fällt dem Tessiner nicht ein; er hat seinen Rücktritt erst für 2012 angekündigt. Das hilft der FDP Schweiz nicht, die den Wandel dringend braucht.

Der Wähler will nicht nur neue Parteien, wie es der intellektuelle, aber führungsschwache Markus Arnold sagt, der als CVP-Präsident des Kantons Zürich die gleiche knallharte Niederlage eingefahren hat wie Dr. Beat Walti, sein FDP-Kollege, der nur noch ein „Fähnlein der 23 Aufrechten“ im Kantonsrat zur Verfügung hat. Nur Gletscher schmelzen rascher, denn vor 20 Jahren waren es noch über 50 FDP-Parlamentarier im Zürcher Kantonsrat.

Die FDP Schweiz, sich immer noch als staatstragende Partei fühlend, schiebt die Ereignisse in Fukushima als Grund ihrer erneuten (und kommenden) Niederlage vor sich her. In Wirklichkeit lebt sie seit 20 Jahren im Pyjama, wo scheinbares Wohlbefinden die Schwäche verbirgt. Es war Franz Steinegger, alt Präsident, dem es in neun Jahren gelang, sich aus seiner Urner Talzone national in den Vordergrund zu schieben, während die Fundamente der Partei unter seiner Führung verwahrlosten. Es war genau jene Zeit, wo Christoph Blocher und Ueli Maurer die SVP national zur vollen Entwicklung brachten. Fulvio Pelli, dem nach allerlei präsidialen Wirren die Führung der FDP irrtümlicherweise anvertraut wurde, weil man ihn als erfolgreich im Tessin betrachtete, was nie der Fall gewesen ist, kam in der Deutschen Schweiz nie an. In seinen ersten Jahren sprach er, ohne dass man ihn verstand; in der letzter Zeit versteht man ihn besser, zweifelt aber an seinem politischen Verstand.

Meine Urteile werden in der Parteiführung als zu hart, aber auch als nicht ganz grundlos empfunden. Angesichts einer Fraktionschefin, Gabi Huber aus Uri gemeint, die nach der Zürcher Niederlage ankündigt, man werde im Herbst die Sozialdemokraten überholen, könnte ich in meinem Urteil sogar als zu zurückhaltend gelten. Derartige Blendmanöver, die vom wesentlichen ablenken sollen, sind nicht erstaunlich angesichts eines nationalen FDP-Vorstands, der als kleingewerblich bezeichnet werden darf. Hatte die FDP früher Professoren und andere grosse Geister in ihren Reihen, ist heute dort die Diskussion auf Vorstadtniveau abgesunken.

Die FDP Schweiz fährt seit 20 Jahren einen Selbstmordkurs. Die jüngste innenpolitische Annäherung der Freisinnigen an die SVP macht die FDP mehr denn je zum Seitenwagen einer Partei, die in Europa zu den Rechtspopulisten zählt. Sie will am 23. Oktober um jeden Preis 30 % der Stimmen, um innenpolitisch noch mehr an Macht zu gewinnen. Derzeit sieht es nicht so aus als gäbe es eine bürgerliche Partei, die sich ihr in den Weg stellen könnte. Unter dem Blocher’schen Druck ist das einstige bürgerliche Festeis für alle Zeiten aufgebrochen, was die Situation unseres Landes nicht einfacher macht.

 
     
     
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