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Weblog
Tagesarchiv für 5. Februar 2007
Montag, den 5. Februar 2007 um 15:53
Unsere Schweizer Republicans, eine Unterformation von FDP und SVP-nahen Unternehmern, überschlagen sich im Lob Englands. Dort sei die wahre Freiheit, dort könne man als freier Mensch gut leben, dort zahle man wenig Steuern. Sogar Blair habe diesen Zustand nur verbessert. Der wirtschaftliche Aufschwung Englands, das wird dann weniger laut gesagt, beruht vor allem auf einer sehr starken Immigrationswelle von Osteuropäern, Afrikanern und Asiaten. Diese intelligenten Menschen haben England Schwung gegeben. Wir sollten es ihnen im eigenen Land nachmachen. Niemand hindert unsere reichen Leute, sich dann in ihre Ghettos zurück zu ziehen.
Gesellschaft | Keine Kommentare »
Montag, den 5. Februar 2007 um 14:58
Schon wird zwischen Gstaad, Verbier, Zermatt und St. Moritz geklagt, die Immobilienpreise rasten in den Himmel. Keine Spur davon, wir stehen erst am Anfang eines gewaltigen Aufschwungs, der höchstens durch eine ernsthafte Börsenkrise gebremst werden könnte. Die teuersten “flats” hat immer noch Monaco, wo man für 120 qm rund Euro 3 Mio bezahlen muss. Die gleiche Fläche kostet in den teuersten Quartieren von London gut die Hälfte davon und in Zürich nur ein Viertel. Genf ist nochmals 20% billiger als Zürich. Geht der Zug in die Schweiz erst einmal ab, dann liegen Verdoppelungen der Preise immer noch drin. Die Schweiz ist “The Golden Nugget of the World”. Wenn die Reichen dieser Welt dies erst einmal richtig merken, wird es eng für uns Einheimische.
Wirtschaft | Keine Kommentare »
Montag, den 5. Februar 2007 um 13:57
Wenn Werbern nichts mehr einfällt, was in 99% aller Kampagnen der Fall ist, kupfern sie bei anderen Kampagnen ab. So auch im Fall von “Wir leben Zürich”, dem neuen Slogan der Limmatstadt, die damit und mit Fr. 2,9 Mio. international Aufsehen erregen möchte. Nur einer kann sich darüber freuen, das ist die Migros, die gratis eine Folgewerbung erhält, ist der Slogan doch eine Variante einer Migros-Musik. “Wirt leben Zürich” ist auf dem Niveau unterbelichteter Einwanderer, die der deutschen Sprache noch nicht mächtig sind. Dieser Flop reiht sich ehrenvoll an das Weihnachtslicht-Desaster an der Zürcher Bahnhofstrasse an. Die Weihnachtsbeleuchtung, welche seit zwei Jahren alle Besucher der Zürcher Bahnhofstrasse ärgert, hat den gleichen Charme wie der neue Slogan. Daraus kann geschlossen werden: Spannt man Beamte, Fachleute und Werbeberater zusammen, werden Form und Inhalt auf Schwachstrom ausgerichtet.
Kommunikation | 1 Kommentar »
Montag, den 5. Februar 2007 um 13:01
Das Inserat von Stapi Elmar Ledergerber, worin er die Süddeutschen zu überzeugen sucht, sie möchten ihre “einseitige Verordnung” zurücknehmen, ist der Versuch eines Ausbruchs aus einem politischen Kessel. Die Argumentation ist vernünftig und entspricht dem, was wir auf diesem blog seit drei Jahren fordern: Ganzheitlich mit den Deutschen verhandeln, Druck aufsetzen. Jedoch, die Deutschen sind nicht dumm, sie werden diese sich fragen, warum dies nur vom Zürcher Stapi unterschrieben ist und nicht von einer höheren Instanz, die dafür eigentlich zuständig ist. Die ersten Reaktionen waren entsprechend harsch. So darf angenommen werden, dass Stapi Leuenberger von einigen Südanflug-Gegner-Hardlinern überzeugt wurde und es opportun fand, seine im Wahlkampf darniederliegende Partei durch einen leicht gekünstelten Auftritt im Ausland zu unterstützen. Merke: Wer die Trompeten tönen lässt, muss auch Truppen haben.
Politik | 1 Kommentar »
Montag, den 5. Februar 2007 um 11:45
Noch nie wurde ein Chefredaktor der “Neue Zürcher Zeitung” so glanzlos verabschiedet wie Dr. Hugo Bütler. Der Vorsitzende der Gruppenleitung und Leiter Publizistik musste nach nur einem Jahr überstürzt zurücktreten. Kaum jemand in den Schweizer Medien weinte ihm eine Träne nach; die Nachrufe (es gab kaum welche) waren dünn. Bütler tut mir leid, denn diesen schmachvollen Abschied hat er nicht verdient.
Wir beide waren keine Freunde, denn von seinem hohen Olymp herunter, den seine Vorgänger ihm aufgebaut hatten, fühlte er sich durch jede, auch verdiente Kritik angepinkelt. Indigniert hob er knapp seine Augen und versank dann wieder ein jenes brütende Schweigen, das man nur in seinen ersten drei Jahren als Chefredaktor des “Weltblattes NZZ” als Intelligenz interpretieren konnte. Seine Leistung war es, dass die “Neue Zürcher Zeitung” in seinen Jahren als Chefredaktor seit 1985 den Ruf des Weltblattes verlor. Nennenswerte journalistische Beiträge aus seiner Feder, die das Land oder die Welt bewegten, sind nicht bekannt.
Der Krise der “NZZ” vorausgegangen ist der Untergang der liberalen “Basler Nachrichten”, die von der Basler Oligarchie aus dem Wettbewerb gekippt wurde. Kein Wunder, dass nun auch die “Basler Zeitung vor dem Untergang steht, weil sich intern die “P” und die Familie Hagemann bekämpfen. Verkauft “P” ihren Anteil, ist die Ära Hagemann auch vorbei. Tamedia würde gerne zuschlagen, aber die “P” wird dafür etwas verlangen, ganz wie bei der “NZZ” auch. Das liberale “Journal de Genève” fiel den geizigen Genfer Privatbanquiers zum Opfer, die lieber Golf spielen als den Geist zu pflegen. Eine Neuauflage ist verjüngter Form ist geplant. Bleibt die “Neue Zürcher Zeitung”, die einen etwas altväterlichen Liberalismus vertritt, wo die Leitmacht USA, das Zürcher Finanzkapital und das Fürstenhaus derer von und zu Liechtenstein die Fixsterne sind. Die Stimmung in der Redaktion ist eher gedämpft bis verwirrt. Bütler ist nun weg; ein europäisch-globaler intellektueller Aufschwung unseres ex-Weltblatts ist nicht in Sicht. Entweder gelingt dieser Klimmzug oder aus der “NZZ” wird ein GröMaZ, das rund um den ZüriSee die Szene beherrscht. Das entspricht der Entwicklung des Binnenmarktes: Entweder sind wir global oder nichts. Warum nicht Dr. Christoph Blocher zum Herren des Hauses an der Dufourstrasse machen? Nur dies könnte für ihn ein Grund sein, frühzeitig auf einen Sitz im Bundesrat zu verzichten.
Kommunikation | Keine Kommentare »
Montag, den 5. Februar 2007 um 10:54
Über klassische Werbung (Inserate, Plakate) äussere ich mich kaum noch, denn deren Qualität hat auch nach Aussage der besten Schweizer Werber derart nachgelassen, dass man sich ernsthaft nicht mehr damit beschäftigen kann. Werbung ist eine Kunst, die wir verlernt haben; unsere Konzerne vergeben daher solche Aufträge immer mehr ins Ausland. Nun hat aber m electronics, ein Bereich der Migros, ein Inserat vorgelegt, das an Dummheit alles überbietet, was ich seit langem gesehen habe: Eine eher wenig attraktive Migros-Verkäuferin, die traurig vor sich hin blickt, hält eine Riesenschlange auf den Armen, die einen Staubsauger verschluckt hat. Bekanntlich muss man ein Inserat in maximal 1,5 Sekunden begreifen, um es zur Kenntnis zu nehmen. Ich habe bis heute nicht verstanden, weshalb ich bei m electronics etwas einkaufen soll. Ich brauche weder eine Riesenschlange noch eine traurige Verkäuferin. Was wir uns alle wünschen, ist nicht nur eine grosse, sondern auch eine intelligente Migros. Merke: Die Riesenschlange Migros ist seit einiger Zeit im Begriff, ihre Legitimation zu verlieren; Grösse heisst schon lange nicht mehr gut.
Kommunikation | 2 Kommentare »
Montag, den 5. Februar 2007 um 10:02
Wirft man uns vor, in den Autos, die morgens nach Zürich fahren und abends zurückkehren, würden pro Auto nur ein Fahrer sitzen, so wird dies übertroffen vom Privat- und Businessverkehr am Flughafen Kloten, wo im vergangenen Jahr 40 000 Flüge verzeichnet wurden, wo im Schnitt nur 1,3 Passagiere im Flugzeug sassen. Mein Auto, ein Range Rover, wird von den Grünen als umweltverschmutzend bezeichnet. Um wie viel mehr sind diese Flüge umweltverschmutzend, die mit 1,3 Passagieren pro Flugzeug über unsere Köpfe donnern.
Wirtschaft | 4 Kommentare »
Montag, den 5. Februar 2007 um 9:16
Giangiorgio Spiess ist ein reizender Mann, wenn er in Lugano um die Ecken huscht, die Schultern leicht eingezogen. Er ist ein wichtiger Mann, denn der FC Milano war sein Traumclub, den FC Lugano hätte er gerne dort eingegliedert. Jetzt ist der 73jährige Giangiorgio, der stets so freundlich war, als UEFA-Vizepräsident abgewählt worden. Ende Karriere. Als sein engster Freund, Tito Tettamanti, als junger Tessiner Politiker gestürzt wurde, hat Giangiorgio dessen Stelle angetreten. Als Tettamanti sein grossartiges Comeback in der Schweiz durchzog, stand ihm Giangiorgio zur Seite. Beide spielten über Jahrzehnte ein glänzendes Doppel. Jetzt zieht sich Tettamanti langsam aus seinen Geschäften zurück: Jean Frey verkauft, Ascom verkauft. Die beiden alten Herren werden vom Luganeser Millionärshügel aus den Gang der Dinge diskutieren. Tettamantis Zivilgesellschaft war eine Totgeburt; die beiden wunderbaren Tessiner werden sie im Doppel weiterleben.
Gesellschaft | Keine Kommentare »
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