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Tagesarchiv für 5. Juli 2010

Stehhafen und Hilfsschüler

Montag, den 5. Juli 2010 um 13:59

Wie hoch gezüchtet die Schweizer Binnenverhältnisse sind, zeigen zwei Beispiele:

– Swiss-CEO Harry Hohmeister baut sein Streckennetz ab Kloten zügig aus. Um seinen Umsteigern mehr Komfort zu bieten, will er beim jetzt beginnenden 7stündigen Nachtflugverbot (23.00-06.00 Uhr) die Zahl der Ausnahmen vom Flugverbot grosszügig behandelt wissen. Das BAZL ist natürlich dafür, die Zürcher Regierung sicher auch. Nur das Volk kann nicht schlafen, weil der deutsche Sonnyboy Gewinne und Bonus steigern will.

– Bildungsdirektorin Regine Aeppli will Studierende einsetzen, um das von ihr mit verantwortete Bildungs- und Lehrerchaos nicht noch grösser zu machen. Jetzt tut die Zürcher Regierung, was vor 20 Jahren schon Michael Pastore, der Chef der amerikanischen City University, der Zürcher Regierung vorgeschlagen hat: Setzt Profis aus der Wirtschaft als Lehrer ein, das werdet ihr ohnehin bald tun müssen. Die Zürcher waren damals noch taub auf diesem Ohr. Auch die Lehrerverbände, wo Beat W. Zemp heute fordert: Höhere Löhne für Lehrer, mehr Geld für den Umbau.

Die Schweiz braucht weder einen Umsteigeflughafen Kloten, wohl aber gut ausgebildete Schüler. Kloten wird mit allen Mitteln gefördert auf Kosten aller nicht direkt Profitierenden. Die Schüler hat man vergessen. Rita Fuhrer, die uns als Regierungsrätin viel versprochen hat (wenigstens das), ist jetzt ins Bankgeschäft eingestiegen und dient als Verwaltungsrätin der Raiffeisen Gruppe. Das nenne ich Fortschritt.

1824 oder 2010?

Montag, den 5. Juli 2010 um 10:12

Die heutige künstlerische Kraft Europas sieht mager aus, vergleicht man sie mit den Jahren um 1824, denjenigen der europäischen Romantik. Beethoven führte die 9. Symphonie unter völlig unzulänglichen Umständen erstmals in Wien auf. Lord Byron suchte der griechischen Niederlage gegen die Türken zu entkommen. Alexander Puschkin begann den „Godunow“. Stendhal und Delacroix schufen in Frankreich grandiose Werke. Heinrich Heine wanderte durch den Harz, um bald darauf des Landes verwiesen zu werden. Wen können wir heute neben diese Heroen stellen?

Friedens-Nobelpreis: Zwei Schweizer Kandidaten

Montag, den 5. Juli 2010 um 10:06

Sei es Prof. Dr. Klaus Schwab, der beste Partygeber der Schweiz, Erfinder des WEF, oder der Walliser Sepp Blatter, beide sind Kandidaten für den Friedens-Nobelpreis. Sepp Blatter hat die Nase derzeit vorn, denn seine Afrika-Spiele waren glanzvoll. Als FIFA-Präsident, der 207 Mitgliedsstaaten führen muss, ist er wesentlich erfolgreicher als die UNO oder der Vatikan. Miserabel ist allerdings seine Medienarbeit. Seit Jahren kämpft er dort relativ erfolglos gegen seine Gegner. FIFA-Generalsekretär Jérôme Valcke, ehemals TV-Star in Frankreich, beklagt sich. „Die Medien führen einen Kreuzzug gegen uns.“

Der Mediensommer hat begonnen

Montag, den 5. Juli 2010 um 9:03

Der sich aufbäumende Schweizerfranken und der abstürzende Euro sind die Zeichen einer Schweiz, die sich rasch einem neuen Krisentief nähert. Das beschäftigt die Schweizer Medien wenig, denn endlich ist Badi- und Ausflugzeit. Der Bundesrat, ganz dem Zeitgeist folgend, malt kitschige Bild’chen (chaotisches Gekleckse) im Aargau und geht anschliessend auf’s Elektrobike, so, als gäbe es nichts Wichtigeres zu tun. In Wirklichkeit, wie das Beispiel von Gastgeberin Doris Leuthard zeigt, brauchen wir zumeist keinen Bundesrat. Es genügt, dass wir fröhliche vier Zwerge und drei Dornröschen in Bern unterhalten, die sich untereinander ein wenig streiten und mit Krachern auf die Köpfe schlagen, damit die Medien sich nicht langweilen. Einzig Bundesrat Moritz Leuenberger weigerte sich, mit derlei Kitsch auch noch fotografiert zu werden, was für ihn spricht. „Bilanz“ zeigt deshalb bunte Mädchen und Frauen, die endlich Karriere machen wollen und die „Basler Zeitung“ im Zeichen eines neuen Ernstes, erklärt uns endlich, wie Riesenwogen entstehen. Endlich, das ist das Wort des Tages, ist Sommerzeit. Was scheren uns die Krisen. Wir gehen in die Badi. Morgen wird dort kein Platz mehr sein, wenn aus 7,8 Mio. Schweizer endlich 9 Millionen geworden sind. Da es sich vorwiegend um Ausländer handeln wird, die wir ohnehin nicht verstehen, bleiben wir vorzugsweise im eigenen Pool, der Einheimischen vorbehalten ist. Diese dumme neue Welt lassen wir nicht an uns heran.

Lockert die Bremsen

Montag, den 5. Juli 2010 um 8:54

Wohin ich komme, überall in den Büros der Konzerne und KMU wird wie verrückt gearbeitet; der Leistungsdruck ist gross. Gleichzeitig werden wir im täglichen Leben laufend abgebremst. Ich bin dafür, wie es in Deutschland der Fall ist, die Geschwindigkeitsbeschränkung auf den Autobahnen wieder aufzuheben. Wo es wirklich gefährlich ist, kann man immer noch auf 100 kmh abbremsen. In Spanien diskutiert man jetzt auch die Aufhebung der staatlichen Geschwindigkeitsbeschränkungen. Bei uns will die SVP ohnehin eine Autobahn-Schnellspur für Wohlhabende. Bahnchef Gygi setzt sich, er meint es ernst, für eine SBB-Schnellspur Zürich-Bern ein. Es wird Zeit, dass wir unser Tempo im Verkehr wieder steigern.

Renaissance von E.Y. Meyer

Montag, den 5. Juli 2010 um 8:18

Dieser kräftig gebaute Mann mit markanten Zügen und einem weissen Bart, der ihn in die Nähe von Hemingway rückt, ist von grosser Behutsamkeit und Präzision. E. Y. Meyer hat keine leichten Jahre hinter sich. Im Brünnengut bei Bern lebend, wo die alten Kastanienbäume seit Jahren gefällt werden und die Nähe der Autobahn am „Westside“ von Bern im Nacken, dazu heranrückende Bienenwaben-Häuser moderner Stadtarchitektur, haben bei ihm zu einer Orientierungskrise geführt, die jetzt abgeklungen ist. E. Y. Meyer, Autor von „In Trubschachen“, das zur Schweizer Literatur gehört wie die Werke Frischs und Dürrenmatts, ist wieder zurück mit dem Manuskript für „Eine kleine Reise nach Zürich“, das im kommenden Jahr veröffentlicht werden soll. In den schönen Hallen des ehemaligen Spitals und dann alten Schlachthauses von Burgdorf gab er vor einer guten Hundertschaft hervorragender Freunde ein erstes Kapitel zum Besten, worin er die Begegnung mit einem allseits wegen seiner kulturellen Offenheit bekannten Bankier zu einem Kabinettstück Schweizer Gesellschaftskultur macht, wie es seit 20 Jahren niemandem gelungen ist. Unter Luginbühls tonnenschweren Kugeln ringt E.Y. mit dem Zürcher Bankier, ob die Welt Erfindung oder Dichtung sei, ob eine Konstruktion oder eine Schöpfung. Die in Fertigstellung begriffenen sieben Novellen sind in eine Rahmenhandlung eingebunden, also ganz nach den Beispielen des Decamerone, der Canterbury Tales und der Leute von Seldwyla. E.Y Meyer: „Die Zahlen machen die Welt zur Wüste.“ Wie recht er hat.

 
     
     
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