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Schweizer Sinfonik und Weltpianist Fazıl Say


Schweizer Sinfonik und Weltpianist Fazıl Say
22.05.2025
Andermatt Music feiert Pfingsten mit einem hochkarätigen Konzertwochenende: Am Samstag, dem 7. Juni 2025, präsentiert das Swiss Orchestra unter der Leitung von Lena-Lisa Wüstendörfer gemeinsam mit der Mezzosopranistin Marie-Claude Chappuis Orchesterlieder des Lachener Komponisten Joachim Raff. Ausserdem auf dem Programm stehen Werke von Mendelssohn, Wagner und Walter. Am Sonntag, dem 8. Juni, spielt der Ausnahmemusiker Fazıl Say Klavierkonzerte von Mozart und Schostakowitsch. Begleitet wird er vom Zürcher Kammerorchester unter der Leitung von Willi Zimmermann.
Das Konzert «Schatzkammer Schweizer Sinfonik» rückt am Pfingstsamstag, dem 7. Juni, eine faszinierende Facette der europäischen Musikgeschichte ins Licht: die sinfonische Tradition der Schweiz im 19. Jahrhundert. Im Zentrum stehen Komponisten, deren Schaffen eng mit der Schweiz verbunden ist.
 
So lebte Richard Wagner während seines Exils in der Schweiz, wo er nicht nur komponierte, sondern auch in regem Austausch mit Schweizer Musikern stand. Einer davon war der Lachener Joachim Raff, einer der meistgespielten Sinfoniker seiner Zeit. Obwohl Raff Wagners Musik teilweise kritisch gegenüberstand, zeigen sich in seinen Werken Einflüsse des (musikalischen) Revolutionärs – ein spannungsvolles Verhältnis, das im Konzert hörbar wird.
Auch Felix Mendelssohn, ein wichtiger Förderer Raffs, verkehrte häufig in der Schweiz und zeigte sich begeistert von deren Landschaften. Und selbst der anfangs skeptische Komponist August Walter, der das Schweizer Landleben bisweilen spöttisch kommentierte, fand schliesslich in Basel seine Heimat, wo er das musikalische und kulturelle Leben prägte.
 
Fazıl Say – ein Ausnahmekünstler zwischen Poesie und Politik
 
Im Zentrum des Konzerts am Pfingstsonntag, 8. Juni, steht der international gefeierte Pianist und Komponist Fazıl Say, der sich nicht nur als virtuoser Musiker, sondern auch als gesellschaftlich engagierter Künstler einen Namen gemacht hat. Für Say ist Musik nie losgelöst vom Leben – und damit auch nie unpolitisch. In seinen Werken verarbeitet er persönliche, kulturelle und gesellschaftliche Erfahrungen, oft mit subtilen, aber gleichzeitig deutlichen Botschaften.
 
Says Komposition «Leopards», inspiriert von einer Safari-Fahrt, thematisiert musikalisch den Schutz der Natur – ein Beispiel dafür, wie politische Aussagen in instrumentaler Musik mitschwingen können. Auch seine musikalische Sprache ist politisch im weitesten Sinne: Sie verbindet türkische und westliche Elemente zu einem eigenständigen Klangbild. Die Musik Dmitri Schostakowitschs, dessen Werk unter den schwierigen Bedingungen des Stalin-Regimes entstand, kann ohne die Berücksichtigung politischer Kontexte nur unzureichend beurteilt werden. Seine Kammersinfonie in c-Moll und das 2. Klavierkonzert – interpretiert von Fazıl Say – spiegeln den inneren Konflikt eines Komponisten wider, der Opfer von Einschüchterungsversuchen war und der zwischen Anpassung und Widerstand balancieren musste.
 
Auch im zweiten Klavierkonzert offenbaren sich hinter dem scheinbaren Spielwitz tiefe Melancholie und politische Ambivalenz. Mit Mozarts farbenfrohem Klavierkonzert Nr. 12 setzt Say einen bewussten Kontrapunkt – als Ausdruck von Leichtigkeit und künstlerischer Vielfalt. Eröffnet wird das Konzert mit Frank Martins «Pavane couleur du temps» für Streichorchester.
 
Programm und Tickets
 
Samstag, 7. Juni 2025, 19.30 Uhr: «Schatzkammer Schweizer Sinfonik»
Marie-Claude Chappuis, Mezzosopran
Sherniyaz Mussakhan, Violine
Swiss Orchestra
Lena-Lisa Wüstendörfer, Leitung
 
Programm:
Felix Mendelssohn Bartholdy:          Ouvertüre zu «Das Märchen von der schönen Melusine» op. 32
Joseph Joachim Raff:                      «Zwei Scenen» op. 199
                                                    «Traumkönig und sein Lieb» für Singstimme und Orchester op. 66
Richard Wagner:                            «Träume» aus den Wesendonck-Liedern WWV 91B
August Walter:                               Sinfonie in Es-Dur op. 9
 
 
Sonntag, 8. Juni 2025, 19.30 Uhr: «Fazıl Say in Concert»
Fazıl Say, Piano
Zürcher Kammerorchester
Willi Zimmermann, Violine & Leitung
 
Programm:
Frank Martin:                              «Pavane couleur du temps» für Streichorchester
Fazıl Say:                                   «Leopards» op. 103
Wolfgang Amadeus Mozart:          Konzert für Klavier und Orchester Nr. 12 A-Dur KV 414
Dmitri Schostakowitsch:              Kammersinfonie für Streichinstrumente c-Moll op. 110a
                                                Konzert für Klavier und Orchester Nr. 2 F-Dur op. 102
 
 
Andermatt Music
Andermatt Music bringt Musik jenseits festgetretener Pfade in die höchstgelegene Konzerthalle der Schweiz, die Andermatt Konzerthalle. Den Konzertbetrieb mit rund 20 Konzerten pro Jahr leitet seit 2022 die Schweizer Dirigentin und Musikwissenschaftlerin Lena-Lisa Wüstendörfer. Das Programm basiert dabei auf den drei Säulen «Swiss Orchestra – Schweizer Klassik», «World Stage – Weltbühne» und «Local Roots – Heimat Klänge». Neben dem Swiss Orchestra als Residenzorchester treten gefeierte Klassikstars, weltbekannte Orchester sowie herausragende Innerschweizer Formationen auf. Andermatt Music etabliert die Alpendestination als Magnet für Klassikfans und Gäste aus aller Welt sowie auch als kulturellen Treffpunkt der Innerschweiz. www.andermattmusic.ch
 
Swiss Orchestra
Die Schweiz ist für vieles berühmt, bisher aber kaum für ihre Sinfonik. Schweizer Komponist*innen der Klassik und Romantik fristen ein Schattendasein – und das im eigenen Land wie auch weltweit. Das 2018 gegründete Swiss Orchestra legt seinen Fokus auf dieses zu Unrecht vergessene, nationale Kulturgut. Der dynamische Klangkörper – als «musikalische Nationalmannschaft der Schweiz» bezeichnet – ist als einziges, professionelles Sinfonieorchester der Schweiz regelmässig landesweit zu hören. Seit 2022 ist es zudem das Residenzorchester der Andermatt Konzerthalle. www.swissorchestra.ch