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Weblog "Early Bird"

Scheinheilige Empörung.

1. September 2017 um 17:02

Ich kenne keinen Schweizer, der sich nicht gerne empört über den Waffenmissbrauch in den USA. „Es ist grauenhaft, wie in den USA jeder Zugriff zur Waffe hat und deshalb viele unnötige Morde stattfinden“, ist die Standardformulierung.

Jetzt erfahre ich an der GV des Schweizer Ruag-Konzerns, dass die Umsätze mit Schweizer Munition schlecht gewesen seien. Die amerikanischen Waffenbesitzer hätten sich vor den letzten US-Präsidentenwahlen aus Angst vor Hillary Clinton, die eine Verschärfung der Waffengesetze wollte, übermässig mit Schweizer Pistolen- und Gewehrmunition eingedeckt. Jetzt seien sie damit gut versorgt und würden in der Schweiz weniger einkaufen.

Zweimal tief durchatmen! Bei jeden Mord in den USA, sei es Weiss gegen Weiss oder Weiss gegen Schwarz oder Schwarz gegen Weiss oder Mensch gegen Polizei oder Polizei gegen Mensch oder Schüler gegen seine Lehrer oder Mann gegen Frau oder Kinder gegen ihre Eltern, dass Schweizer Munition es ist, mit welchen Amerikaner sich gegenseitig ins Jenseits befördern. Hunderttausende von Verwundeten nicht einmal eingerechnet.

Was bleibt von der Schweiz übrig?

25. August 2017 um 15:04

Nach einer Banken- und Finanzkrise, die unser Land Milliarden an Substanz kostete, einer Swissair-Krise, die zur Übernahme der Swiss und der Schweizer Flughafen-Standorte Genf und Zürich durch den Deutsche Lufthansa-Konzern führte, stehen wir nun vor einer Hypothekar- und Energiekrise, deren Eintreten und Stärke derzeit nur abgeschätzt werden können.

Bei den Hypothekarkrediten stehen mindestens 300 Milliarden von 950 Milliarden auf dem Spiel. Die Idee der Banken, mit Neuverschuldung durch billiges Geld das Schlimmste zu verhüten, ist heute gestorben.

Wie gross diese Krise werden wird, soll sich im Schweizer Mittelstand entscheiden. Dort sitzen hunderttausende von Gutverdienern und Vermögenden auf Hypothekarkrediten, die sie im Ernstfall ablösen können. Ob dies notwendig werden wird, sollen wir in ca. 3-5 Jahren wissen, manche sprechen auch von zehn Jahren.

Die noch grössere vor uns stehende Energiekrise beruht auf der Tatsache, dass 80% unseres Stroms aus dem Ausland kommen. Am schlimmsten ist es in den Wintermonaten mit dem Krisengipfel Ende Januar/Anfang Februar in den letzten zwei Jahren. Mit den beiden wichtigsten Stromlieferanten, Deutschland und Frankreich, haben wir keine Staatsverträge, d.h. wir hängen in der Luft.

Die Schweizer Energiekonzerne bewegen sich auf die Pleite zu. Schon heute wird im Inland kein Geld mehr verdient; mit viel Tatkraft wird es im Ausland verdient. Obligationen dieser Konzerne von über CHF zehn Mia. sind demnächst einzulösen. Woher nehmen? Die europäischen Strompreise, vor allem für Grossabnehmer, sind mit vier Rappen mindestens 1,5 Rappen tiefer als es die Gestehungskosten in der Schweiz sind.

Die „Dunkelflaute“, jenes Loch in der Stromversorgung, das ganz Europa erlebt und befürchtet, wird auch die Schweiz erreichen. Entgegen aller grünen Visionen wird die aus Deutschland kommende Energie in erster Linie von Braunkohlewerken kommen. Die Energie aus Frankreich beziehen wir aus Kernkraftwerken.

Wird in Deutschland die Braunkohle verboten, weil sie extrem umweltschädlich ist, und wird in Frankreich die Kernenergie verboten, was sich abzeichnet, sitzen wir Schweizer in der Energiefalle. Keine Verträge, keine Lieferungen, es sei denn zu extrem hohen Kosten.

Die Derivatpreise für Stromenergie auf fünf Jahre berechnet liegen bei 3,5 Rappen. Während die erneuerbaren Energien in Deutschland 1,1 Milliarden Euro an Subventionen erhalten, liefern sie nur 5-6% der gesamten Energieleistungen.

In der Schweiz fühlt sich niemand wirklich verantwortlich für die Energiepolitik, weil die politische Führung fehlt. Dies bedeutet für den bevorstehenden Ernstfall: Jedermann möge sich zuhause rechtzeitig einen Generator zulegen, der für die private Energieversorgung Sicherheit bietet. Alles andere ist unsicher.

Burkhalter geht

22. August 2017 um 15:48

Die Schweiz kann es sich auch leisten, einen Kartoffelsack in ein Departement der Bundesregierung zu delegieren, ganz wie Dr. Rudolf („Fänsch“) Farner es ausdrückte, der von 1971-1978 mein erster Arbeitgeber in der Schweiz war.

Bundesrat Didier Burkhalter war mindestens ein eleganter Kartoffelsack in seiner Amtsführung, sei es als Chef des Gesundheitsdepartements, aus dem er vorzeitig flüchtete, oder als Chef des Aussendepartements, das er zu aller Überraschung auch sechs Monate früher verliess, als seine Gegner es erwarteten.

Der doppelt fahnenflüchtige Bundesrat war eine Fehlbesetzung der FDP. Er war ebenso eine Fehlbesetzung, wie Bundesrat Johann Schneider-Ammann es ist, kann ich als seine einzige Leistung doch nur erkennen, dass er als Nationalrat die Schweizerische Nationalbank dazu drängte, den Schweizer Franken künstlich tief zu halten, um die Maschinen- und Metallindustrie, der er als Unternehmer zugehörig ist, wettbewerbsfähiger zu machen.

Burkhalter geht und niemand weiss, wen die FDP jetzt auf dem Tablett servieren wird. Ignazio Cassis ist ein klassischer kantonaler Chefbeamter und Lobbyist. Er will die Beziehungen der Schweiz zu Italien verbessern. Niemand weiss, ob er mehr zu bieten hat.

Unserem Land geht es gut, weil unsere Vorfahren sparsam und voller guter Ideen waren. Dann haben wir das Bankgeheimnis vernichtet, unsere alpine Erdölquelle, haben dem Druck der US-Regierung nicht widerstanden, haben, mit Didier Burkhalter an der Spitze, eine idiotische EU-Aussenpolitik geführt, die rundum gescheitert ist. Auf „die beste Armee der Welt“ von Finanzminister Ueli Maurer folgte gleich gar nichts mehr.

Burkhalter geht. Und niemand weiss, wie sich die Schweiz in Europa und der Welt künftig behaupten will. Wir haben in Bern einen grossen Steuerkuchen zu verteilen und die Interessenten stehen Schlange, um daraus zu schöpfen. Zuerst die Staatsbeamten und Angestellten in eigener Sache, dann die „pressure groups“, zuletzt die Brosamen für das Volk.

Burkhalter geht und niemand wird ihn vermissen. Einer mehr, der sich künftig vom Steuerzahler finanzieren lässt.

Zermatt und Saint Tropez sind Schwesterstädte

14. August 2017 um 17:08

In Frankreich hat Zermatt keine Schwesterstadt, aber ich könnte mir keine bessere vorstellen als Saint Tropez. Beide Ferienstädte haben in der letzten Generation eine berauschende Entwicklung erlebt. Aus Zermatt wurde „Matterhorn City“, aus Saint Tropez die „LVMH City“. Was in der Schweiz die „Mattini“ genannt wird, sind in Frankreich die „Trapéziens“.

Einer der ersten Ausflüge zusammen mit meiner gerade angetrauten Walliser Ehefrau führte uns auf die Halbinsel Ramatuelle nach Saint Tropez, wo kurz zuvor Brigitte Bardot aus den Wellen aufgetaucht war. Die Luft war champagnös, die Strassenmaler im Hafen von Saint Tropez noch bezahlbar. Aber schon stieg der junge und letzte Krupp mit einem vergoldeten Spazierstock aus seiner weissen Luxusjacht, um die jungen Burschen der Côte d’Azur einer Augenprobe zu unterziehen.

Saint Tropez mit 4 500 Einwohnern wird heute „LVMH City“ genannt, denn der reichste Franzose, Bernard Arnault, Präsident von LVMH, hat dort nicht nur eines der schönsten Anwesen gebaut, sondern gleichzeitig die meisten Boutiquen im Zentrum der Stadt aufgekauft. Nicht alle sind glücklich darüber, aber der Rubel rollt. Offiziell nennt sich das Co-Branding, ganz wie der unvergessene Dr. Hans Peter Danuser dies für St. Moritz aufgebaut hatte und von seinen Nachfolgern ruiniert wurde.

Saint Tropez, ganz unbescheiden, hat in den letzten 20 Jahren nach dem Motto gelebt „on ne veut plus les riches, on veut les ultra-riches.“ Man zieht jenen Gast vor, der jährliche eine Million Euro im Dorf ausgibt und meidet jene Millionen, die nur einen Euro ausgeben wollen. Deshalb sieht man dort kein „fast food“, aber achtzehn Palasthotels.

Wer die gut geschützten Villenviertel, meist von aussen, bewundert, sieht, die Strategie ist aufgegangen. Als neuer Investor wird nur zugelassen, wer in diesen Kreis passt, wo eine Villa nicht mehr Dutzende von Millionen, sondern Hunderte von Millionen kosten darf.

Damit es in den Bars und Läden der Stadt richtig brummt, kommen im Jahresschnitt gegen neun Millionen Besucher in die Stadt. Spätestens freitags fliegen die Helis der Reichen von Paris ein, um spätestens am Montag wieder die Kurve nach Norden zu nehmen. Einige Genfer Bankiers gehören natürlich zu dieser Crème de la Crème.

Zermatt, das immer ein Bergsteiger- und Wanderdorf sein wollte, stieg erst spät in den Luxus ein. Mit 5 700 Einwohnern, darunter der harte Kern der wohlhabenden Burger, verlegte man sich auf den Ausbau der Bahnen und der Infrastruktur. Die anspruchsvollen Hotels und Chalets zogen dann mit, sahen manche doch mit Neid nach Verbier, wo das Geschäft mit den reichen Gästen aus London, St. Petersburg und Moskau deutlich besser lief. Sogar das benachbarte Crans Montana zeigte Zeichen der Erholung.

Zermatt wie Saint Tropez sind Goldgruben für ihre Besitzer. Die Bodenpreise unterhalb des Matterhorns stiegen auf das Niveau der Zürcher Bahnhofstrasse. Jetzt sollen die Bahnen nach Italien hinüber konsequent ausgebaut werden, denn die Bettenauslastung bleibt immer noch bei 60% hängen und die Asiaten sind schlecht zahlende Hotelgäste. Saas Fee, einst die „Perle der Alpen“, nur ein Tal weiter, ist unterdessen verblasst. Bleibt nur zu sehen, was aus Andermatt wird, wo Samih Sawiris bereits über eine halbe Milliarde Franken verbaut hat und ein Ende der Investitionen nicht abzusehen ist. Die Kataris hatten mit dem „Bürgenstock“ einige Kilometer weiter unten im Tal sicher die bessere Karte gezogen.

Saint Tropez und Zermatt sind für mich zwei Seiten einer Medaille. Die frische Bergluft der Hochalpen, wo es längst nicht mehr ärmlich zugeht, passt zur mediterranen Modezone. In Zermatt holt man sich die Form, in Saint Tropez zeigt man sie.

Soll Christian Constantin Bundespräsident werden?

11. August 2017 um 11:08

Der Besitzer des FC Sion, Christian Constantin, hat seine Millionen als Baumeister und Immobilienmakler verdient. Jetzt will er die Winterolympiade wieder in die Schweiz holen. Oft ist er in seinem Privatflugzeug unterwegs. Soll er deshalb Schweizer Bundespräsident werden? Niemand kann sich dies vorstellen.

Silvio Berlusconi war in Italien Immobilienspekulant der Extraklasse. Die Gerüchte, er habe die ersten Millionen mit Hilfe der Mafia verdient, sind nie verstummt. Wenn es eng für ihn wurde, mussten seine besten Mitarbeiter den Weg ins Gefängnis antreten. Er wurde Ministerpräsident Italiens, gewählt von einem Volk, das von seinen linken wie rechten Alternativen tief enttäuscht war. Hat Berlusconi ausser Skandalen etwas geleistet? Nein.

In den USA hat es auch ein Baumeister und Immobilienmakler der Extraklasse geschafft, Präsident zu werden. Was Donald Trump seither geboten hat, lässt sich als BerlusconiPlus bezeichnen. Viel Lärm um nichts.

Wenn er jetzt „Feuer und Wut“ verspricht, um den im Kanton Bern zur Schule gegangenen Machthaber von Nordkorea zu beeindrucken, sollten wir das nicht allzu ernst nehmen. Die USA sind eigentlich pleite und können sich einen Angriff in Asien nicht leisten. Nicht einmal 4 000 zusätzliche Soldaten, die Trump nach Afghanistan senden wollte, um einen Sieg der Taliban zu verhindern, durften die USA verlassen. Die oberste Armeeführung weigerte sich, dem präsidialen Befehl Folge zu leisten, weil sie kein Kriegsziel mehr erkennen konnte.

Die weltumspannende Macht der USA wird jeden Tag geringer. Während China seine Armee und deren globale Stützpunkte schneller ausbaut als jedes andere Land der Erde, müssen über 700 US-Botschaftsangehörige ihren Sitz in Moskau verlassen. Ob die Türkei im NATO-Ernstfall noch zur Verfügung steht, kann nicht mehr sicher sein. In Europa ist der Widerstand gegen militärische Abenteuer gross.

Immobilienmakler sind schlechte Politiker. Sie wollen immer „einen Deal“, ein Geschäft, machen. Von der Eleganz einer wirkungsvollen Diplomatie verstehen weder Constantin noch Berlusconi noch Trump etwas.

Ist Trump gerade deshalb ein Risiko? Nein, denn der Führer Nordkoreas darf nicht unterschätzt werden. Er ist die Fingerpuppe Chinas und sicher auch von Russland sekundiert. Man will der Welt zeigen, dass Trump ein Schreihals ist, dem die Muskeln fehlen. Schade um die USA.

Christian Constantin, der mit seinem Fussball-Club, dem FC Sion, genügend Ärger und Kosten am Hals hat, ist mindestens so klug, nicht Politiker werden zu wollen.

Locarno – das Festival macht Spass

10. August 2017 um 9:12

Zwei Tage hatten wir für das Festival Locarno reserviert und waren angenehm überrascht von der entspannt-südlichen Atmosphäre, die uns empfang. Es war mit gut 35 Grad extrem heiss, sodass der Platzregen am zweiten Tag uns durchatmen liess.

Gut war auch die Küche in einem gezielt altmodischen Restaurant oberhalb der Piazza, denn dort zu essen, wäre uns nicht eingefallen. Etliche weibliche Zürcher Snobs mischten sich mit Tessiner Kunstvolk. Essen und Getränke grossartig und ein Drittel billiger als in Zürich.

Locarno hat sich gemacht. Aus dem etwas verschroben gebauten Städtchen ist eine kleine See-Schönheit geworden, wo Parks, Gärten und enge Strassen der Altstadt gut harmonieren.

Das Festival selber hatte ein Filmangebot, das einen längeren Besuch gerechtfertigt hätte. Man muss allerdings Lust haben, die manchmal verschrobenen Filme auf ihre guten Seiten hin abzuklopfen. Etwas Entdeckergeist vorausgesetzt, sah man Szenen, die sich einprägten. Die Schauspieler selber spielten meist Nebenrollen, waren doch viele Filme oft auf psychologisch-politische Thesen festgelegt. Man wollte etwas aussagen und vergass dabei nicht selten die Handlung, den Spannungsbogen. Seltsamkeiten eben. Wer derlei sucht, wird nicht enttäuscht sein.

Es ist mein Eindruck, dass auf der Piazza kein besonders toller Film gezeigt wurde. Das Liebesdrama von Francesca Comencini, dessen italienischer Titel zu kompliziert war, um sich an ihn zu erinnern, brachte allerlei erotische Verrenkungen, wo sich vor allem die weiblichen Teilnehmer hervor taten und ihre jeweiligen Partner im Sturm nahmen. Neben mir der Stammgast, der seit über 30 Jahren kein Filmfestival versäumt hat, rülpste zufrieden. Pornographie als öffentliches Schauspiel wird nicht alle Tage geboten.

Wer vieles bietet, bietet am Ende vielleicht nichts. Was ich allerorten vermisst habe, sei es in den Tessiner Medien wie in den öffentlichen Diskussionen, war eine spannende Diskussion. Das diesjährige Festival hatte offensichtlich kein Thema, sondern wollte allen gefallen. Das halte ich für einen Fehler. Junge wie alte Menschen wollen, kommen sie nach Locarno, herausgerissen werden aus der Alltäglichkeit. Semi-intellektuelles Geplauder ist dann zu wenig.

Der Festivaldirektor verströmte dauerhaft lebhaft gute Laune. Sein Präsident, Marco Solari, dessen Verdienste um das Festival, Locarno und den Tessin unübertroffen gross sind, blickte in jener leidend lächelnden Stimmung um sich, die jederzeit Hilfsangebote auslösen kann. Bundesrat Alain Berset stürmte vor die grosse Leinwand, jedermann zu Höchstleistungen anstachelnd und dabei vergessend, wie viele schlecht investierten Millionen sein Bundesamt für Kulturförderung sonst ausgibt. Dabei wären Zentralisierung und mehr Qualität die weitaus bessere Lösung. Vorgänger Moritz Leuenberger, wie üblich sehr gequält wirkend, wand sich durch die Menge, verfolgt von alt Kollegin Ruth Dreifuss, die sich walzend durch die Menge lächelte und schob. Drittweltsekretärin bleibt Drittweltsekretärin.

Gut, vieles in Locarno ist zu verbessern: Die Information, das Reservationssystem, die Einladung der richtigen Gäste an die richtigen Orte. Weder ist das Festival so klein, dass es unbedeutend wäre, aber auch nicht so gross, dass die Welt es wirklich kennen würde. Avanti popolo, es geht vorwärts. Und der Tessin ist weitaus besser als sein Ruf.

In Europa beginnt der Überlebenskampf

4. August 2017 um 10:23

Europas politische und kulturelle Elite will ihren grössten Urwald in Polen erhalten. Die Polen aber brauchen keine Wisente, sondern Holz. Sie scheren sich weder um den Europäischen Gerichtshof noch um die Empfehlungen der Unesco. Sie holzen ab.

Was sich in Polen abspielt, gilt auch für andere europäische Staaten. Jeder kämpft jetzt nur noch um sein eigenes Wohl. Putin will ein starkes Russland, Erdogan eine starke Türkei, Orban ein starkes Ungarn und Merkel ein starkes Deutschland.

Macron, die italienische Krankheit sehend, bleibt nichts anderes übrig als den Versuch zu wagen, Gerhard Schröders „Agenda 2010“ zu wiederholen. Theresa May, die wenig glückliche Engländerin an der Spitze eines Reststaates, schaukelt durch immer höhere Wellen und beweist, dass sie es nicht kann.

Im Augenblick liegen die Deutschen vorn, aber niemand weiss, was daraus nach der Wiederwahl von Dr. Angela Merkel werden soll. Mit Wolfgang Schäuble hat sie einen der besten Finanzminister seit über 50 Jahren. Wie dieser ersetzt werden soll, weiss niemand.

Dafür haben alle Europäer, die Deutschen aber ganz besonders, die Trump Administration im Nacken: kein Handels mit Russland, mehr Geld für die Armee, Sanierung der deutschen Autobranche, die heute fast so am Boden ist, wie es die Schweizer Banken vor dem Angriff der Amerikaner waren.

Eine geeint vorgehende EU, die ihre Südgrenze gegen Nordafrika und ihre Südostgrenze gegen alle Zuwanderer aus dem Nahen, Mittleren und Fernen Osten schliesst, wäre ein Zeichen an die ganze Welt, dass die Europäer nicht mit sich spielen lassen.

Schweiz hat mehr jugendliche Arbeitslose als Mexiko

25. Juli 2017 um 11:38

Wenn wir den OECD-Statistiken Glauben schenken wollen, hat die Schweiz mit 8,4% der 15-20jährigen eine höhere Jugendarbeitslosigkeit als Mexiko (7,7%). In Deutschland sind es sogar nur 7,1%.

Derlei Zahlen werden bei uns nicht kommuniziert. Sie zeigen deutlich, dass der Binnenmarkt Schweiz schwach geworden ist und seit nahezu zehn Jahren kaum ein Wachstum aufweist.

Wir können gerne sagen, dass Frankreich, Portugal, Italien, Spanien und Griechenland, alle mit über 20%, schlechtere Zahlen aufweisen, aber Spitzenklasse, „Das Land der Auserwählten“, wie der Tagi jüngst schrieb, sind wir bei weitem nicht mehr.

Ein schwaches Europa gegen viele Helden?

21. Juli 2017 um 9:09

Donald Trump will den Deutschen den russischen Erdgas-Hahn abdrehen. Wenn er sein US-Gas nach Deutschland liefern darf, wird das US-Handelsdefizit beträchtlich sinken. Wie wir die Amerikaner kennen, werden dann die Erdgas-Preise rasch steigen. Die Deutschen können nur ärmer werden.

Was Tajjib Erdogan in der Türkei treibt, sieht auch nach grosser Entschlossenheit aus. 22 Deutsche sitzen dort schon als des Landesverrats verdächtig in den türkischen Gefängnissen ein. Wer sich an Lawrence von Arabien erinnert, weiss, was dies bedeutet.

Machen die beiden NATO-Stars USA und Türkei gemeinsame Sache gegen die Deutschen, dabei noch von Israel unterstützt, ergibt dies ganz neue Koalitionen. Wir müssen die im Zerfall befindliche westliche Welt dann neu denken.

Die polnische Regierung, Vertreterin des sechststärksten EU-Staates, schafft derweil die Gewaltentrennung ab. Warum? Die Regierung will künftig die Richter bestimmen. Stop! Tun wir dies in der Schweiz nicht auch? Werden nicht alle unsere Richter von den Parteien aufgestellt und dann in ganz stillen Wahlen, wo nur Insider abstimmen, „vom Volk“ gewählt? Europa ruft aus, die polnische Justiz zu schützen. Wie ist es um die unsrige bestellt?

Natürlich herrscht auch sonst im Westen nur Chaos. Macron muss eisern sparen, um seine Versprechen einzulösen. Kein Ausbau der „Grande Armée“, Sozialleistungen werden radikal gekürzt. Jetzt hat Frankreich eine Margaret Thatcher als männliches Modell mit einer Oma als Ehefrau. Dürrenmatt, hilf!

Angela Merkel nimmt dies alles mit grösster Ruhe. Ihre Wiederwahl im September darf als gesichert gelten. SPD-Kanzlerkandidat Schulz, von einem Hype kurz hochgejubelt, stürzt immer tiefer. Vorgänger Gabriel, jetzt ein beinahe untauglicher Aussenminister, lacht sich ins Fäustchen.

Sind wir Europäer verrückt geworden? Nach einem Jahrhundert der Kriege und des Aufbaus werden wir von allen Seiten in die Zange genommen. Ob uns die Chinesen als Verbündete annehmen?

Warum Printmedien ihre Leser verlieren

13. Juli 2017 um 14:02

Viel ist die Rede davon, die Printmedien würden Leser verlieren, weil diese zu den Online-Medien überlaufen. Sicher spielt dies eine Rolle, aber wesentlich wichtiger ist die Tatsache, dass unsere heiss geliebten und teuer bezahlten Tages-, Wochen- und Monatszeitungen sich zu oft gar nicht mit den Themen beschäftigen, die ihren Lesern am Herzen liegen.

Ausgelöst hat diesen Beitrag die „Neue Zürcher Zeitung“ vom 13. Juli, wo auf einer halben Seite diskutiert wird, ob die Schweiz ein Nationaltier braucht. Redaktor Erich Aschwanden kommt nach vielen Zeilen zum Schluss, ein Nationaltier sei schon aus föderalen Gründen nicht infrage. Diese Diskussion erinnert mich an das Projekt „Neue Schweizer Landeshymne“ von SGG-Direktor Lukas Niederberger, wo viel geredet, geschrieben und gesungen, aber nichts entschieden wird.

Andere Redaktionen sind nicht besser. Wo früher Artikel oder mindestens ganzseitige Inserate prangten, bringt die „Zürichsee Zeitung“ grosse Reportagen über entlegene Destinationen. Das ist Füll- und Werbematerial für die globale Tourismusindustrie.

Hat ein Journalist ein Hobby, wird er zum Fachredaktor ernannt. Ein solcher Fall ist Michael Meier, Kulturredaktor des „Tagi“, der, auch am 13. Juli, ein ganzseitiges, durchaus lesenswertes Interview mit dem Wiener Kardinal Christoph Schönborn publiziert, dessen Inhalt aber nicht termingebunden ist.

Interessiert dies die Leser beider Medien-Grossorgane, wo Tagi und ZSZ sogar zur gleichen Verlegerfamilie gehören?

In wenigen Wochen wird der Bundesrat entscheiden, ob der Flughafen Kloten künftig auch Starts über Zürichs Süden ausführen darf. Hunderttausende von Menschen sind davon negativ betroffen, weil der Lärm, die Gesundheits- und die Umweltrisiken gewaltig sein werden. In jedem Garten, auf jeder Terrasse und in vielen lärmbedrohten Schlafzimmern zwischen dem Opfikon, Dübendorf, dem Zürcher Seefeld, in Zollikon, Zumikon, Egg bis nach Horgen wird nur darüber gesprochen, was nach den ungesetzlichen Südlandungen nun die Südstarts bedeuten werden.

Der „Tagesanzeiger“ schweigt darüber seit Monaten, die „Zürichsee Zeitung“, in der Kernzone des heutigen wie des künftigen Lärms, berichtet gelegentlich eher zurückhaltend. Was ihre Leser interessiert, interessiert beide Redaktionen wenig oder gar nicht. Ob Alfred Eschers Vater im 19. Jahrhundert ein Besitzer von 80 Sklaven in Kuba war, ist dem Tagi ganze Seiten wert. Die 300 000 Lärmsklaven der Lufthansa/Swiss im 21. Jahrhundert interessieren die sich „unabhängig“ nennende Schweizer Tageszeitung nicht.

Bei der NZZ rettet Fachredaktor Andreas Schürer die redaktionelle Glaubwürdigkeit, indem er seit Monaten intensiv über Kloten und dessen (notwendiges) Wachstum berichtet. Die Fluglärmgegner dürfen hie und da in Leserbriefen (kurz bitte) und zweimal jährlich in einem Meinungsbeitrag zu Wort kommen.

Der „Blick“, der auch eine Zürcher Tageszeitung ist, kennt die Wörter Fluglärm, Gesundheitsrisiken und Umweltschutz, das „Trio Infernal“ vieler seiner Leser, überhaupt nicht. Dafür sind die Ansichten der Hinterteile exponierter Frauen ein Dauerthema. Ringier könnte in London lernen, wie man intelligenten Boulevard macht.

Alle vier Redaktionen nehmen ihren Auftrag zur korrekten Berichterstattung nicht wahr. Sie versäumen es sogar, Auflage zu machen, weil sie eines der dramatischsten Probleme, die ihre Leser beschäftigen, kaum zur Kenntnis nehmen.

Müsste man denn nicht nur Airline-Fans und –Betreiber zu Wort kommen lassen, sondern auch Fachleute, die etwas davon verstehen, was dieser Hub-Krieg gegen das Volk bedeutet? Gibt es an den Zürcher Unis nicht genügend Fachleute, die alles wissen über Lärmfolgen, Umweltschäden und Gesundheitsrisiken? Unseren von Ängsten geplagten Chefredaktoren und Ressortleitern fällt dazu gar nichts ein. Sie beschäftigen sich vorzugsweise mit Weltpolitik („Warum macht Merkel alles falsch, warum ist von May nicht viel zu erwarten?“) oder lassen vielfach esoterische Aussenseiter mit Themen zu Wort kommen, die kaum jemand lesen wird. Der „Tagi“ publiziert nur, was seine bei den Lesern erfolgreichsten Artikel sind, nicht die Pleiten.

Als Mediensprecher der Zürcher Stiftung gegen Fluglärm (www.stiftungfluglaerm.ch) bin ich natürlich Partei. Ich sehe mich als parteiisch für all jene, die nicht in der Lage sind, ihre Sorgen zu formulieren. Ich sehe mich als Partei für jene, die vom Zürcher „Hub plus“ (Quelle: Deutsche Lufthansa) morgens ab 06.02 Uhr aus dem Schlaf gerissen und oft bis 24.00 Uhr wach gehalten werden. Ich sehe mich als Partei für jene Menschen, die sich eine Wohnung gekauft oder ein Haus im Süden gebaut haben, und die jetzt von der Flughafendirektion in Kloten und der Deutschen Lufthansa, die sich in der Schweiz Swiss nennt, still enteignet werden. Der Wertverlust der vom Lärm betroffenen Immobilien beträgt jetzt schon 20% und wird mit den Südstarts noch viel grösser werden.

Über alles dies könnten die Zürcher Redaktionen schreiben, tun es aber nicht. Während das Westschweizer Fernsehen das Zürcher Lärmthema in der eigenen Tagesschau zum Thema macht, ziert man sich am Leutschenbach, wo man vorzugsweise volkstümlich sendet.

Kurzum, die Medienberichterstattung in Sachen Flughafenausbau in Kloten ist nicht nur ein Skandal, sie ist auch dumm. Man schreibt an den Lesern vorbei und beklagt gerne seinen eigenen Untergang.

 
     
     
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