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Weblog
Archiv der Kategorie 'Wirtschaft'
Mittwoch, den 7. März 2012 um 11:45
Echte Schweizer Gipfel sind über 4000 Meter hoch, aber der 3. Schweizer Bankengipfel, der im Mai vor der Tür steht, bringt nur die B-Liga der 3000 Meter-Ebene. Ein echter Grossbanken-GD oder -VRP zeigt sich nicht; die beiden Grossbanken delegieren an obere Kadermitarbeiter. Deshalb muss Pierin Vincenz, CEO der Raiffeisen Gruppe, als Chef der drittgrössten Schweizer Bank antreten. Offensichtlich sieht er sich als Eisbrecher in einer vor dem Aufbruch stehenden Schweizer Bankenlandschaft. Prof. Birchler, der moderieren wird, ist ein kluger Kopf, aber auch er ersetzt keinen grossen Kantonalbanker, Private Banker oder einen Vertreter der Bankiervereinigung. Martin Naville von der AmCham wird alles nicht so schlimm finden und auf Zusammenarbeit setzen. Wenn das ein Gipfel sein soll, ist der Bankenplatz passé. Wirklich entschieden wird offensichtlich andernorts.
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Mittwoch, den 7. März 2012 um 11:26
Wie signalisiere ich gesundes Wachstum ohne Übertreibungen? Für ein finnisches Unternehmen liegt der Griff auf die Birke nahe. Ein Baum kann nur wachsen, wenn er gehegt und gepflegt wird. Die Birke ist nicht nur der verbreiteste Laubbaum in Finnland, sondern auch ein Symbol für die dortige Natur. Aus diesem Grund hat sich der Finanzdienstleister Estlander & Partners, der seit kurzem auch über seinen Sitz in Zürich verfügt, als Firmenloge den Querschnitt eines finnischen Birkenstammes zugelegt. Genau das Richtige für ein Unternehmen, das kein Wall Street-High Profit-Jäger sein will, sondern Wert auf dauerhaftes Wachstum legt.
Philippe Welti
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Mittwoch, den 7. März 2012 um 7:55
Wenn alle Menschen dieser Welt pro Jahr rund USD 65 Mia. erwirtschaften durch die Produktion von Gütern und Dienstleistungen ist dies eine grosse Leistung. Sieben Milliarden Menschen leben davon, mehr oder weniger gut. Eine Milliarde schlecht.
Diesen USD 65 Mia. stehen USD 87 Mia. gegenüber, das Volumen gehandelter Aktien und Bonds. Es liesse sich sagen, diese einfache Form der Spekulation, an welcher sich vielleicht ein Prozent der Weltbevölkerung beteiligt, sei noch knapp zu vertreten.
Jedoch, 1700 Milliarden USD, das ist fast 30mal mehr als alles, was die Menschen in einem Jahr erarbeiten, werden in Form ausserbörslich gehandelter Finanzderivate und in Form von Devisengeschäften (-spekulationen) abgewickelt. Die Welt sitzt im Rucksack der globalen Finanzindustrie.
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Dienstag, den 6. März 2012 um 16:10
Die seit gut 100 Jahren in der Schweiz aufgebauten Wintersportstationen fallen zunehmend in die Hand ausländischer Investoren. In Andermatt hat die schwedische Gesellschaft Skistar sogar Nationalheld Franz Steinegger vor die Tür gestellt, um ihr Projekt zum Vorteil von Samih Sawiris vorantreiben zu können. Nicht anders westlich der Furka, wo im malerischen Saas Fee der amerikanische Investor Eddy Offermann, dem 40 Prozent der dortigen Bergbahnen gehören, die örtliche Elite aus dem VR werfen liess. Offermann gehört auch das renommierte Hotel Dom, das er renovieren liess.
Im Urnerland wie im Wallis fehlen Kapital wie Managementfähigkeiten. Dem Tempo der Ausländer können die Bergvölker nicht folgen. Dazu Beat Anthamatten, ein bekannter Walliser Hotelier aus Saas Fee: „Wir haben die Seele, die anderen das Geld.“
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Montag, den 5. März 2012 um 14:55
Keine Spur. Höchstens verkaufen die europäischen Altkapitalisten ihre Firmen(-teile) an amerikanische oder asiatische Neukapitalisten. Wie jetzt Millionen Menschen in der Welt für Schweizer Firmen arbeiten, werden künftig Millionen Europäer für Asiaten, Lateinamerikaner oder Nordamerikaner malochen. Damit geht für viele die Welt unter, nicht aber der Kapitalismus.
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Montag, den 5. März 2012 um 12:45
Diese Titelzeile ist die korrekte Übersetzung dessen, was Gerold Bührer, Präsident der Economiesuisse, vom Industriestandort Schweiz und dessen Firmen verlangt. Im Original sagt er kluge Schaffhauser: „Innovation ist ein Wachstumstreiber.“ Weil die globalen und nationalen Finanzmärkte den Schweizer Franken teuer gemacht haben, müssen nun die Industrie-„Morlocks“ (H. G. Wells) schneller laufen. Besser hat es Ernesto Bertarelli gemacht, der die Pharmafirma („Nonnenpisse“) Serono seines italienischen Grossvaters für 11 Mia. Euro an die deutsche Merck-Gruppe verkaufte und seither in Freuden in Gstaad lebt. Serono schwächelt und entlässt Mitarbeiter. Ganz offensichtlich hat man dort Bührers „Run, Baby, run!“ nicht ernst genommen.
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Freitag, den 2. März 2012 um 8:00
Dutzende von Tourismus- und Verkehrsdirektoren, hunderte ihrer Mitarbeiter und noch mehr Werbeagenturen, Bundesstellen und Hochschullehrer, suchen es: das magische Wort für die Schweiz.
Die Inder haben es längst gefunden: Die Schweiz, ein Ort der Liebe. Es mag daran liegen, dass wir Schweizer nicht als grosse Liebhaber gelten, es sei denn die Alphirten, Bergler und Skilehrer, wir tun uns schwer mit dieser Formulierung. Dabei hat auch Samih Sawiris in Andermatt es begriffen. In seinem im Bau befindlichen Hotel Chedi befindet sich in einem Musterzimmer eine grosse Wandverkleidung mit fülligen Frauen à la Rubens in voller Aktion.
Unsere biederen Kur- und Verkehrsdirektoren, auch Tourismus Schweiz, bringen es höchstens zu einem Bild der alternden Sofia Loren vor dem Aletschgletscher. Es fällt auch auf, dass wir das Wandern propagieren, während die gesuchten Asiaten überhaupt nicht gerne wandern. Maximal 15 Minuten. Wer wandert, das sind Schweizer, Deutsche, Holländer und Nordeuropäer, gelegentlich Padanier.
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Mittwoch, den 29. Februar 2012 um 16:20
Eines der grössten Schweizer Unternehmen, der in Schindellegi ansässige Kühne & Nagel-Konzern, verliert zwei wichtige oberste Führungskräfte an den kleineren Konkurrenten Panalpina. Derlei ist bei Kühne & Nagel selten wie bei Nestlé oder Roche. Im Unterschied zu Banken, wo man sich die Führungskräfte gleich im Schock abwirbt und persönliche Loyalität zum Arbeitgeber kaum noch eine Rolle spielt, haben Industrieunternehmen bisher noch stärkere Bindungskräfte entfaltet. Es wird sich zeigen, ob die jüngsten Vorgänge beim grössten Schweizer Logistiker eine Ausnahme bleiben.
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Mittwoch, den 29. Februar 2012 um 16:00
Erinnern wir uns: Als die damals noch echt schweizerischen Grossbanken das Kleinkreditgeschäft aufbauen wollten, rümpften die klassischen Bankiers die Nase und gliederten es aus in Tochter- und Parallel-Gesellschaften. Trotz höchster Rentabilität wollte man dieses „Schmutzgeschäft“ nicht in den eigenen heiligen Hallen haben. Die Unlust war derart gross, dass man den grössten Teil des Schweizer Kleinkredit- und Leasinggeschäfts an die Amerikaner verkaufte, die seither mit dem exzellenten Schweizer Knowhow in Europa ein gutes Geschäft machten.
Gleiches Bild beim Migros-Konzern, wo Gottlieb Duttweiler, der das soziale Kapital vertrat, keinen Alkohol im Geschäft wollte. Das gilt bei Migros bis heute, aber neben dem Eingang der Migros-Filiale finden wir immer häufiger einen Denner-Shop, wo Alkohol jeglicher Art hektoliterweise verkauft wird. Denner gehört dem Migros-Konzern, aber die sündige Tochtergesellschaft erhält kein rotes „M“-Signet.
Natürlich sind unsere Wirtschaftsführer hoch ethisch veranlagt, aber Geschäft bleibt Geschäft.
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Freitag, den 24. Februar 2012 um 8:50
Prof. Dr. Walter Wittmann gehört zu der in der Schweiz seltenen Spezies die ökonomischen Kassandras, die bekanntlich die Wahrheit sagen, auf die aber niemand hört. In seinem jüngsten Buch bei Orell Füssli („Superkrise – die Wirtschaftsblase platzt“), ein Verlag im Besitz der Schweizerischen Nationalbank, sieht er diese Krise in diesem Jahr 2012 hereinbrechen. Wir haben also noch 10 Monate Zeit, um zu wissen, ob er recht hat.
Während auf internationaler Ebene Nouriel Roubini, Marc Faber („Mr. Doom“) und Robert L. Shiller in der Kassandra-Klasse hohe Anerkennung entgegen nehmen können, haben sich in der Schweiz nur Prof. Dr. Fredmund Malik und der Bieler Finanzfachmann Dirk Schröder ähnlich hervor getan. Dr. Konrad Hummler hat vor dem Verkauf grosser Teile von Wegelin & Co. vergleichbare Warnungen in seinen AK’s formuliert, indem er das Engagement in Sachwerten empfahl. Malik ist glaubwürdig, weil er über 40 Jahre Erfahrung im Anlagegeschäft und ein weltweit bedeutendes Beratungsunternehmen aufgebaut hat. Gleiches gilt für Dirk Schröder in Biel, der vor seiner Pensionierung (ex ASUAG-Konzern) delikate Finanzoperationen erfolgreich begleitet hat.
Wittmann geht in seinem neuen Buch davon aus, dass die Geldschwemme der Nationalbanken, verbunden mit der Hochrisiko-Verschuldung der OECD-Staaten, zu explosionsartig auftretenden Entwertungen führen wird, die viel Vermögen vernichten. Er empfiehlt: Hypotheken abbauen, weil sonst Zinsen nicht mehr zahlbar werden und Enteignungen die Folge sind. Dazu ein kräftiger Goldanteil. Von Banken und Versicherungen solle man die Finger weg lassen.
Eines fehlt mir, das politische Urteil. Wie die Bevölkerungen, besonders der Mittelstand der USA, Englands, Spaniens, Italiens und Portugals, verarmen, wie die Sozialleistungen abgebaut werden, gibt dies einen Hinweis darauf, wie die Staaten sich entschulden wollen. Fragt sich nur, ob diese brutale Entschuldung schneller vorangeht als die von Wittmann angesagte Krise kommt. Wir werden es erst am 31. Dezember dieses Jahres wissen.
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