 |
 |
 |
|
|
Weblog
Archiv der Kategorie 'Wirtschaft'
Montag, den 6. Februar 2012 um 8:00
Wer künftig wissen will, ob die Deutsche Bank „Mitschuld daran trägt, dass die Menschen in den ärmsten Ländern Hunger leiden und am Hunger sterben“ kann sich auf „Joe“ Ackermann berufen. Er hatte Thilo Bode, dem Geschäftsführer von Food Watch, zugesagt, bis Ende 2011 darauf eine Antwort zu geben. Jetzt liess er Bode wissen, man stehe erst „am Anfang der von mir zugesagten Überprüfung unseres Geschäfts mit Agrar-Rohstoffen“ und kündigte an, man wird „in den kommenden Monaten eine umfassende Studie zum Thema erarbeiten“.
Auf gut deutsch heisst dies, man sucht bei der Deutsche Bank AG in Frankfurt jetzt Argumente, um die Bode’sche Behauptung zu widerlegen. In einem Satz „Wir tragen keine Schuld am Hunger der Menschen“ lässt sich dies nicht sagen.
Wirtschaft | Keine Kommentare »
Montag, den 6. Februar 2012 um 7:50
Selbstverständlich haben die USA in der Schweiz eine starke Lobby. Früher waren es die „soft power“ der USA, weshalb wir uns zu deren Schwesternation erklärten und stolz darauf waren, wie Schweizer in den USA Brücken bauten, im Militär und der Finanzwirtschaft eine bedeutende Rolle spielten und eine Zürcher Regierungsrätin aus Hausmädchen bei den Kennedys diente. Die Liebe zu den USA ging bei konservativen Zürcher Goldküstenbewohnern, die ohnehin New York mehr liebten als Berlin und Rom, so weit, dass sie zu Zeiten des Kampfes gegen den EWR-Beitritt der Schweiz den Anschluss der Schweiz als US-Bundesstaat forderten.
Heute zertrümmern die US-Behörden, wie sogar die liberal-konservative „Neue Zürcher Zeitung“ zugibt, den Finanzplatz Schweiz, der zum Wohlstand des Landes viel beigetragen hat (aber schon seit Jahren immer weniger).
Martin Naville, ein „gmögiger“ Schweizer, Direktor der Swiss-American Chamber of Commerce in Zürich, steht einer der mächtigsten Lobby-Organisationen der USA in der Schweiz vor. Er erinnert uns deshalb daran, dass die USA mit der Schweiz in Fragen des Finanzplatzes „geduldig“ gewesen seien. Beratungsfirmen wie McKinsey, Boston Consulting, Bain, aber auch drei der vier grossen Treuhandfirmen, sind wesentlich an US-Interessen ausgerichtet. Die grossen Zürcher Anwaltskanzleien sind fest an die grossen US-Konzerne angebunden und werden sich hüten, die Interessen der Schweizer KMU-Wirtschaft zu hoch anzusiedeln.
Die Schweiz kann ihre Selbständigkeit nur bewahren, wenn sie ein fragiles Gleichgewichtsverhältnis zwischen den grossen Wirtschaftsnationen aufrecht erhält. Derzeit sieht es nicht so aus, als würde dies gelingen.
Wirtschaft | Keine Kommentare »
Freitag, den 3. Februar 2012 um 12:55
Walter Kielholz kann es sich leisten ehrlich zu sein, wenn er sagt, er sei „hineingerutscht“. Als globaler Konzernherr und Finanzmanager ist er tatsächlich der letzte Vertreter der vor vierzig Jahren noch mächtigen Gruppe Deutschschweizer Tycoons. Schon sein Vorgänger in der Extraklasse der „Strippenzieher“, Rainer E. Gut, war masslos überschätzt, waren zu dessen Zeit die globalen Konzerne in der Schweiz längst dominierend und die Zahl bedeutender Schweizer Führungskräfte ging rapide zurück.
Der Niedergang der im Wesentlichen von Zürchern bestimmten nationalen Wirtschaftselite ist, blickt man zurück, erschreckend. Kaspar Villiger, der nach seiner Zeit als Bundesrat kurze Zeit Tycoon spielen durfte, gab vor einem Jahr zu: „Die 67 grössten Schweizer Firmen sind alle unter ausländischer Kontrolle.“ Raymond Bär, Bankierserbe, fragte zu Beginn dieses Jahres: „Sind UBS, CS und Bär noch echte Schweizer Banken?“
Auch Kielholz hat nichts mehr aufgebaut, sondern höchstens knapp halten können. Die A-Schweiz der grossen Konzerne findet fast ohne Schweizer statt, es sei denn als VR-Präsidenten, um den Anschein zu erwecken, man sei noch schweizerisch geführt, oder als Chefjurist. Natürlich haben wir noch grössere Schweizer Unternehmerfamilien, die Schmidheiny, die Schindler, die Hoffmann, die Hayek, aber ihre Prägungskraft haben sie für die Schweizer Gesellschaft längst verloren. Einzig die beiden Milliardäre Dr. Christoph Blocher und Walter Frey suchen noch nationale Politik zu machen, tun dies aber im Retro-Stil zur Wahrung eigener Interessen.
In der Westschweiz und im Tessin ist dieser Verkaufsprozess einstiger Schweizer Wirtschaftsmacht an Ausländer längst beendet. Was bleibt, sind einige stattliche Vermögen, die gerade jetzt Gefahr laufen, langsam abgeschmolzen zu werden.
Dazu passt, dass unsere amtierende Bundespräsidentin Eveline Widmer-Schlumpf besser Romantsch als Englisch spricht. Die dominierenden Ausländer in der Schweiz kann sie ohnehin nicht regieren, wohl aber ihnen die Tür öffnen, was der klassischen Schweizer Hoteleldirektoren-Tradition entspricht.
Wirtschaft | Keine Kommentare »
Donnerstag, den 2. Februar 2012 um 16:00
Im kommenden Jahr feiern wir das Jubiläum „50 Jahre Stempelsteuer“. 1963 eingeführt, jährlich etwa drei Milliarden Franken Ertrag bringend, ist sie zu einem festen Bestandteil der Schweizer Steuerpolitik geworden. Sie ist der Vorläufer jener Transaktionssteuer, nach welcher man in der EU jetzt ruft. Die Banker hätten das Geld lieber selber kassiert, aber ihr Lobbying scheiterte an den Verhältnissen, die halt „so sind“.
Wirtschaft | Keine Kommentare »
Dienstag, den 31. Januar 2012 um 15:45
Schon seit einem Jahr schleichen sich bei mir leichte Zweifel über die Performance von Nestlé ein. Kann es sein, dass die Auswirkungen der goldenen Nestlé-Zeit von Helmut Maucher jetzt vorüber sind? Der Konzern kommuniziert in Westeuropa kaum noch, der Aktienkurs ist überaus langweilig, während Unilever sich immer besser behauptet, wo ein ehemaliger Nestlé-Mann die Führung übernommen hat. Jetzt haben Lionel Barber und Lakshmi Mittal im Rahmen ihres „Boldness“-Preises über die FTI Unilever ausgezeichnet, Nestlé taucht in keiner der sechs Preiskategorien auf. Fehlt es den Vivisern an dieser „boldness“?
Wirtschaft | Keine Kommentare »
Dienstag, den 31. Januar 2012 um 14:45
Die Schweiz bildet Meisterkäser aus, macht aber ein derart schlechtes Marketing auf nationaler und internationaler Ebene, dass sie diese Käser in die Arbeitslosigkeit schicken muss. Das Marketing für Tilsiter Käse aus der Schweiz ist schon seit Jahren in der Krise; Skandale im Ausland waren nicht selten. Zu Jahresbeginn sind die Absatzmärkte völlig eingebrochen. Oberkäser Bruno Buntschuh sah es kommen („Habe die Situation wohl unterschätzt.“), war „von der Hoffnung getragen“, es werde besser. Kurz, ein von Steuerzahlern finanzierter Verein, der jährlich Fr. 50 Mio. für Verkaufsförderung ausgibt, die immer weniger bewirkt. Schuld soll, wie beim Schweizer Tourismus, wieder einmal der Franken sein, der gegenüber dem Ausland zu teuer ist. In Wirklichkeit sind wir den kreativen Österreichern, Franzosen, ja sogar Deutschen, nicht gewachsen. Käse, meine Herren. Ein Ausflug ins Greyerzerland würde die Tilsiter-Brigade eines Besseren belehren. Sie müssten dann nicht die Notbremse der Hilflosigkeit ziehen und die Zahl der Käsereien verringern. Dann brauchen wir auch keine Meisterkäser mehr.
Wirtschaft | Keine Kommentare »
Freitag, den 27. Januar 2012 um 17:18
Gleich zu Jahresbeginn sind zwei Männer vom Finanzplatz Schweiz zurückgetreten, derer das Land dringend bedurft hätte: Philipp Hildebrand und Dr. Konrad Hummler. Ersterer scheiterte wohl an seiner Frau, vor allem aber an einer entschlossenen Gegnerschaft, die seinen Skalp um jeden Preis wollte. Der St. Galler Privatbankier Dr. Konrad Hummler wurde zum Opfer seiner ur-schweizerischen Bestimmung: Selbständig zu bleiben und vor niemand den Hut zu ziehen. Sein Lebenswerk, die Privatbank Wegelin & Co., von Schweizer Gesetzen nur unzulänglich geschützt, lief auf das Riff US-amerikanischer Ansprüche auf, gegen das es keinen Schutz gibt. Daran wird deutlich, wie schutzlos unser Land ausländischen Ansprüchen ausgesetzt ist, nicht nur amerikanischen.
Hummler, dem man den Druck der letzten Wochen angesehen hat, darf eine ehrenvolle Übergabe seines Werks zugestanden werden. Er hat als Kapitän das Schiff nicht verlassen, sondern durch den Verkauf der Bank die Ansprüche seiner Kunden wie die Arbeitsplätze seiner Mitarbeiter gesichert. Das Risiko der weiteren Auseinandersetzung mit den USA hat er auf seine Schultern genommen.
Natürlich geht es um viel Geld, aber es geht auch um den schweizerischen Freiheitsgedanken. Es sieht zu Beginn dieses Jahres ganz so aus, als müsse die Schweiz in den kommenden Monaten weitere Opfer bringen, politische, finanzielle und menschliche. Wir müssen nicht nur unsere Freiheit verteidigen in einem Krieg, der nicht weniger unerbittlich ist als diejenigen des vergangenen Jahrhunderts. Wir brauchen auch die Männer und Frauen an der Spitze, welche eine solche Auseinandersetzung führen können. Philipp Hildebrand und Konrad Hummler waren solche Männer. Wir sollten deshalb darüber nachdenken, wo wir sie weiter benötigen. Ihre Stimme für die Schweiz darf nicht verstummen.
Wirtschaft | Keine Kommentare »
Freitag, den 27. Januar 2012 um 9:30
Prof. Dr. Aymo Brunetti, der in wenigen Tagen das seco verlässt, um an den Universitäten Bern und Basel Ökonomie und Regionalwirtschaft zu lehren, sieht zwei schwierige Jahre auf die Schweiz zu kommen. Das BIP-Wachstum liege viel zu tief, um ein echtes Wirtschaftswachstum zu bewirken. Wir würden jetzt auf Vorrat leben; eine zweite EURO-Krise könnte diesen zerstören.
Noch deutlicher sagt dies Dr. Gerhard Schwarz, Direktor von Avenir Suisse, der Inflation und Austerität erwartet, während Brunetti die Deflation nicht ausschliesst. Schwarz plädiert für eine Anhebung des EURO-Mindestkurses, ganz wie BR Schneider-Ammann auch; Brunetti bleibt in dieser Frage zurückhaltend. Schwarz beklagt, seit September 2009 seien die Auslandvermögen der Schweiz aufgrund der Währungsentwicklung um über CHF 210 Mia. gesunken, wogegen der SNB-Verlust von CHF 20 Mia. im 2010 „ein Klacks“ sei (Anmerkung: Euro 50 Mio. gelten bei deutschen Bankern aus Peanuts; mit „ein Klacks“ wurde eine neue Währungseinheit vorgestellt). Schwarz ist gegen künstlich tief gehaltene Mehrwertsteuern und Subventionen für Tourismus, Landwirtschaft und Cleantech.
Schwarz wie Brunetti sehen schwarz.
Merke: Wer sich und seine Firma fit hält, wird sich allen Grosstrends entziehen können. Das ist die eigentliche Aufgabe eines Unternehmers.
Wirtschaft | Keine Kommentare »
Mittwoch, den 25. Januar 2012 um 17:00
Wie ein wirtschaftlicher Aufschwung ausgelöst werden kann, zeigt das Beispiel von „chainsaw“ Joe Jimenez am Standort Nyon. Die geplante Schliessung der Novartis-Produktion wird rückgängig gemacht, hunderte von Entlassungen wurden vermieden.
Wie erfolgte dies?
- Die Mitarbeiter müssen 2,5 Stunden pro Woche mehr arbeiten.
- Sie verzichten auf einen Teil der Salär-Erhöhungen für das laufende Jahr.
- Der Kanton hat während zehn Jahren auf kantonale und Gemeindesteuern verzichtet.
- Durch eine Baurechtsveränderung wird ein sehr grosses Grundstück aufgewertet, was Novartis zu Gute kommt.
Aufschlussreich: Es war ein 58jähriger Holländer, Jacob Zijlstra, der zusammen mit der Unia den Vergleich erarbeitete. Solche Zuwanderer in die Schweiz brauchen wir.
Der Standort Nyon soll damit „nachhaltig“ gesichert sein, zumal Novartis neue Investitionen zusagte. Setzen wir dieses Modell konsequent durch, d.h. wird es es auch bei anderen Firmen verwirklicht, können wir den Standort Schweiz dauerhaft sichern. Natürlich bedeutet dies für alle mehr Einsatz, weniger Cash und den Verzicht auf Luxusfaktoren, die wir heute für selbstverständlich halten.
Wirtschaft | 1 Kommentar »
Mittwoch, den 25. Januar 2012 um 16:05
Stefan Borgas, der CEO der Lonza Group, galt einmal als potentieller Nachfolger von Daniel Vasella bei Novartis. In seiner Aufstiegsphase nahm man ihm das gerne ab. Jetzt liefert Borgas, wie schon seit zwei Jahren, immer schlechtere Zahlen. Er musste soeben zurücktreten.
Sein VR-Präsident Rolf Soiron muss nun selber das Ruder übernehmen, woraus hervor geht, wie ungeplant dieser Rücktritt erfolgt ist. Soiron gilt als der weise Melancholiker unter den obersten Führungskräften der Schweiz. Er muss das Ruder bei der Lonza rasch herumwerfen, weshalb sich bald die Frage stellen wird, ob die Schweizer Produktionsstandorte, die schon lange als gefährdet galten, gehalten werden können. Das Oberwallis hat Grund zum Zittern. Es droht ein neuer Fall Nyon, wie Hunderte von Novartis-Arbeitsplätzen nur gehalten werden konnten unter Verzicht auf Saläre und Sozialleistungen.
Wirtschaft | Keine Kommentare »
|
|
| |
|
|
| |
|
|
|