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Archiv der Kategorie 'Wirtschaft'

Was bleibt von der Schweiz übrig?

Freitag, den 25. August 2017 um 15:04

Nach einer Banken- und Finanzkrise, die unser Land Milliarden an Substanz kostete, einer Swissair-Krise, die zur Übernahme der Swiss und der Schweizer Flughafen-Standorte Genf und Zürich durch den Deutsche Lufthansa-Konzern führte, stehen wir nun vor einer Hypothekar- und Energiekrise, deren Eintreten und Stärke derzeit nur abgeschätzt werden können.

Bei den Hypothekarkrediten stehen mindestens 300 Milliarden von 950 Milliarden auf dem Spiel. Die Idee der Banken, mit Neuverschuldung durch billiges Geld das Schlimmste zu verhüten, ist heute gestorben.

Wie gross diese Krise werden wird, soll sich im Schweizer Mittelstand entscheiden. Dort sitzen hunderttausende von Gutverdienern und Vermögenden auf Hypothekarkrediten, die sie im Ernstfall ablösen können. Ob dies notwendig werden wird, sollen wir in ca. 3-5 Jahren wissen, manche sprechen auch von zehn Jahren.

Die noch grössere vor uns stehende Energiekrise beruht auf der Tatsache, dass 80% unseres Stroms aus dem Ausland kommen. Am schlimmsten ist es in den Wintermonaten mit dem Krisengipfel Ende Januar/Anfang Februar in den letzten zwei Jahren. Mit den beiden wichtigsten Stromlieferanten, Deutschland und Frankreich, haben wir keine Staatsverträge, d.h. wir hängen in der Luft.

Die Schweizer Energiekonzerne bewegen sich auf die Pleite zu. Schon heute wird im Inland kein Geld mehr verdient; mit viel Tatkraft wird es im Ausland verdient. Obligationen dieser Konzerne von über CHF zehn Mia. sind demnächst einzulösen. Woher nehmen? Die europäischen Strompreise, vor allem für Grossabnehmer, sind mit vier Rappen mindestens 1,5 Rappen tiefer als es die Gestehungskosten in der Schweiz sind.

Die „Dunkelflaute“, jenes Loch in der Stromversorgung, das ganz Europa erlebt und befürchtet, wird auch die Schweiz erreichen. Entgegen aller grünen Visionen wird die aus Deutschland kommende Energie in erster Linie von Braunkohlewerken kommen. Die Energie aus Frankreich beziehen wir aus Kernkraftwerken.

Wird in Deutschland die Braunkohle verboten, weil sie extrem umweltschädlich ist, und wird in Frankreich die Kernenergie verboten, was sich abzeichnet, sitzen wir Schweizer in der Energiefalle. Keine Verträge, keine Lieferungen, es sei denn zu extrem hohen Kosten.

Die Derivatpreise für Stromenergie auf fünf Jahre berechnet liegen bei 3,5 Rappen. Während die erneuerbaren Energien in Deutschland 1,1 Milliarden Euro an Subventionen erhalten, liefern sie nur 5-6% der gesamten Energieleistungen.

In der Schweiz fühlt sich niemand wirklich verantwortlich für die Energiepolitik, weil die politische Führung fehlt. Dies bedeutet für den bevorstehenden Ernstfall: Jedermann möge sich zuhause rechtzeitig einen Generator zulegen, der für die private Energieversorgung Sicherheit bietet. Alles andere ist unsicher.

Die Schweiz hat einen neuen PR-Star: Mark Schneider, Nestlé

Freitag, den 30. Juni 2017 um 11:20

Wie Mark Schneider, der neue CEO des Schweizer Nestlé-Konzerns, den ersten Angriff von Daniel Loeb abwehrte, verrät Kraft und Eleganz. Der amerikanische Hedge Fund-Manager, dem ein Prozent der Nestlé-Aktien gehören, hat bereits eine Gruppe von aggressiven US-Milliardären um sich geschart und greift nun den Elefanten Nestlé an wie es eine Horde von Hyänen tut, welche die Beute erlegen und unter sich aufteilen wollen.

Mark Schneider muss leisten, was Paul Polman, dem CEO des Unilever-Konzerns, vor kurzem gelungen ist, die Meute abzuschütteln. Der ehemalige Finanzchef des Nestlé-Konzerns verliess das Unternehmen, als Peter Brabeck-Letmathé Paul Bulcke in seiner Nachfolge den Vorzug gab.

Schon jetzt zeigt sich, Schneider ist, im Gegensatz zu seinem Vorgänger Bulcke, ein ausgezeichneter Kommunikator, ein PR-Mann der besten Art in eigener Sache. Er beherrscht nicht nur die finanztechnischen Abwehrmanöver, sondern ist willens, über die Medien auch die Öffentlichkeit, darunter Milliarden von Nestlé-Kunden weltweit, für sich zu gewinnen.

Nach Helmut Maucher, der den Konzern im letzten Jahrhundert schon einmal vor einem Angriff der US-Amerikaner rettete, ist bei Nestlé viel geschehen, aber der grosse Sprung nach vorn ist ausgeblieben. Jetzt könnte es wieder ein Deutscher sein, der nach Jahrzehnten des Übergangs Nestlé den lange erwarteten grossen Schub nach vorn gibt.

Gewinnt Daniel Loeb mit seinen Hedge Fund-Hyänen das Spiel, wird Nestlé für die Schweiz verloren sein. Der alte Ruf „Germans to the front“ kann für Nestlé die Rettung bedeuten.

Heinz Brestel, FAZ, unerreicht

Freitag, den 30. Juni 2017 um 11:18

Als seit Jahrzehnten treuer Abonnent und Leser der FAZ, der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, sei an dieser Stelle Dr. Heinz Brestel ein Kranz gewunden. Dieser im letzten Jahrhundert langjährige Korrespondent der FAZ aus der Schweiz hat nie mehr einen kongenialen Nachfolger gefunden.

Wenn Heinz Brestel, der schrieb, wie ein Eichhörnchen die Körner aufpickt, so seine minder begabten Kollegen, sich als Korrespondent zu den Weltfinanzplätzen äusserte, dann musste man die Augen oder Ohren weit aufhalten. Er wusste mehr als die meisten anderen.

Heinz Brestel ist nicht mehr, das ist der Gang der Dinge. Was seinen amtierenden Nachfolger, rit, angeht, sollte man aus Höflichkeit schweigen. Mit der Kompilation von irgendwelchen Ereignisse oder Vorgängen ist dem FAZ-Leser wenig gedient. Er verlangt mehr.

Heinz Brestel, diesem Wunder-Korrespondenten mit Sitz in Zollikon, sei ehrend gedacht. Derlei ist selten geworden.

Wilde Schweizer Manager – Wirtschaft ohne Wachstum

Dienstag, den 6. Juni 2017 um 9:52

Wenn sogar die NZZ am Freitag vor Pfingsten schreibt, Deutschland habe im Wirtschaftswachstum die Schweiz seit zehn Jahren überholt und die Schweiz sei nur gewachsen, weil wir in der gleichen Zeit Zuwanderer ins Land gelassen hätten, dann ist Feuer im Dach.

Am gleichen Tag feierten 1400 Schweizer Manager, darunter auch viele Stars, zusammen mit Bundespräsidentin Doris Leuthard, am Swiss Economic Forum in Interlaken ihre wilden Jahre unter dem Motto „Live the wild“. Dieses Forum gehört auch dem Verlag der NZZ, die damit jenes Geld verdienen will, das sonst schwer einzubringen ist.

Timothy Gordon Ash, einer der berühmtesten europäischen Historiker, sprach den Teilnehmern ins Gewissen: „Ich habe keine optimistische Botschaft. Der Westen ist in der Krise.“

Was Schweizer Unternehmer und Manager heute leisten müssen, nenne ich „Das Schneider Ammann-Modell“: So rasch wie möglich ein Drittel der Belegschaft in der Schweiz abbauen und nach Osteuropa und Asien verlagern.

Susanne Wille und Urs Gredig, die zur Schweizer Kreativwirtschaft zählen und via Schweizer TV ihre Prominenz mehr als ihre Leistung gesteigert haben, verdienten sich in Interlaken ein hübsches Taschengeld.

Sogar der „Blick“ applaudiert. Wenn das kein Erfolg ist!

Es ist wie immer: Der Kongress tanzt, das Volk wundert sich.

„Fake news“ sind das kleinste Problem

Freitag, den 7. April 2017 um 14:42

Wer glaubt, vor allem mit „fake news“ würden wir alle hinters Licht geführt, der irrt. Sie sind in Wirklichkeit das kleinere Problem, ist doch jede Redaktion damit beschäftigt, die Welt nach ihrem Sinn zu erklären.

Ein gutes Beispiel ist die Berichterstattung über eine wegen geringer Beteiligung so genannte „Schmalspur“-Analyse der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young.

Gemäss FAZ vom 6. April 2017, S. 25, „fehlt der Wirtschaft die Moral, weil jeder zehnte Manager bereit ist, Regulierer zu täuschen“, um sein berufliches Fortkommen zu fördern.

Gemäss SZ vom gleichen Tag, S. 17, „ist jeder vierte deutsche Chef zu nicht sauberen Geschäftspraktiken bereit“, ebenfalls um die eigene Karriere nicht zu hemmen. Erst am Ende des Berichts über die E&Y-Studie wird dann auch erwähnt, „auch Regulierungsbehörden zu täuschen, geht für jeden zehnten deutschen Chef in Ordnung“.

Der edlen FAZ wäre es nie eingefallen „deutsche Chefs“, die hierarchisch mehrere Stufen über dem Manager-Normalo stehen, derart in die Ecke zu stellen.

Es zeigt sich, eine Redaktion, die dem Unternehmertum zugeneigt ist, verzichtet eher darauf, diese anzuschwärzen. Eine andere Redaktion, die als eher Mitte links betrachtet wird, lässt sich diese nicht entgehen.

Derlei von den Verlegern und den Chefredaktionen gesteuerte Trendinformation ist in den Medien an der Tagesordnung. Sie tragen viel mehr als „fake news“ dazu bei, falsche Weltbilder zu schaffen oder zu zementieren.

Deshalb sind „fake news“ das kleinste Problem. Wichtiger ist es, die Haltung der Redaktionen einzuschätzen. Wer darin versagt, wird immer fest an seine falsche Meinung glauben.

Fleisch, „Die allzu menschliche Lust“ nach Nietzsche

Freitag, den 25. November 2016 um 10:07

Als wir noch echte Philosophen hatten, wie Friedrich Nietzsche einer war, schrieb er als junger Mann „Ein produktiver Geist muss Fleisch haben“ und liess sich auch im Alter Würste und Schinken von seinen beiden Schwestern auf seine Reisen nachsenden.

Jetzt haben wir nur noch Sekundär-Philosophen, wie Richard David Precht einer ist, der als Wiederkäuer grosser Gedanken seiner philosophischen Vorgänger dem Fleischgenuss absagen will und auf Laborfleisch wartet.

Natürlich esse ich schon lange keine Garnelen mehr, aber nicht, weil ich sie als „denkende Lebewesen“ (Precht) betrachte, sondern weil das Wasser, wo sie aufwachsen, meist verschmutzt ist. Natürlich esse ich gerne Eier und trinke Milch, beides tierische Produkte, ohne mir darüber Gedanken zu machen, ob ich damit Hühnern oder Kühen schade.

Der Mensch, ein Protein- und nicht ein Lignin-Verdauer, der Holz und Pflanzenstiele zu sich nimmt, ass in seiner Frühzeit leicht erreichbare Fleischprodukte. Sein Herz, die Muskeln und sein Hirn, ja sein ganzer Körper wuchsen seit der „Afrikanischen Lucy“ überproportional. Er begann die Tierwelt zu dominieren.

Erst 1782, als James Watt die Dampfmaschine erfand, um die menschliche Kraft zu ersetzen und zu erweitern, begann die Explosion der Weltbevölkerung. Damals, vor 234 Jahren, trug die Erde erst rund 100 Mio. Menschen.

Mit nur neun domestizierten Tiergattungen soll die Menschheit nun fleischlich am Leben gehalten werden. Von daher ist es kein Wunder, dass der heutige Konsum von Fleisch- und  anderer tierischer Produkte nicht geringer ist als früher und global sogar ansteigt.

Die jetzt auch in der Schweiz auf den Markt kommenden Alternativprodukte „Heuschrecke mit Mehlwurm“ bestätigen diesen Trend.

Ich empfehle dazu eine Flasche Cornalin von Provins und eine Cigarre von Heinrich Villiger, beides echt schweizerische Produkte.

Dann können wir auf die Vegetarier und Veganer anstossen und ihnen mit Nietzsche „Die menschliche, allzu menschliche Lust auf den Fleischgeschmack“ vorleben.

Übrigens: Der schwierigste Gedanke über Essen ist für einen Vegetarier der Verzicht auf ein Rinder-Rib-eye.

Schweizer Finanzplätze sterben ab

Freitag, den 4. November 2016 um 10:44

Eric G. Sarasin selber, letzter Erbe eines grossen Basler Bankiernamens, schreibt in der „Basler Zeitung“, bei Basel handle es sich um einen untergehenden Finanzplatz. Die Nichtbasler Privatbanken, welche sich in Hoffnung auf Geld aus dem Basler Daig angesiedelt hätten, seien alle defizitär.

Wirklich schade, denn Alfred Sarasin war mehr als ein grosser Privatbankier, sondern auch Unternehmer und Staatsmann, dessen Reden bejubelt wurden. „Barfuss-Bankier“ Robert Jeker, der so genannt wurde, weil er aus dem sozialen Nichts kam, war ein liebenswürdiger und gescheiter Mensch, dem man gerne folgte.

Basel am Ende und Genf nicht weit davon entfernt, das sind Realitäten. Wie ich mich bei einem Besuch in Lugano vergewissern konnte, ist dort auch nicht mehr viel von grossen Banken zu sehen. Der Verkauf der BSI an die griechische EFG wird dort allseits bedauert. Ob der schöne BSI-Sportclub in Lugano-Cadro diesen Merger überlebt, wird sich zeigen. Bekanntlich entstand auf dem Zürcher Edelsportgelände der Credit Suisse dann der Hauptsitz der FIFA.

Der Finanzplatz Schweiz stirbt zügig ab. Die Banken in ihrem ungenügenden Selbstverteidigungs-Modus bauen auch in Zürich laufend Personal ab oder siedeln zentrale Funktion nach Polen oder Indien aus. Im Tessin zahlen die Unternehmer des „Textil Valley“ schon mehr Steuern als die Tessiner Banken und die Basler Pharmakonzerne verwalten mehr flüssige Mittel als die Basler Banken.

Pierin Vincenz war der letzte grosse Sprecher des Finanzplatzes Schweiz. Niemand sonst scheint die Bildung und den Willen zu haben, mannhaft für ihn einzutreten. Herbert J. Scheidt, einst Deutscher, jetzt Schweizer, wurde zum neuen Präsidenten der Schweizerischen Bankiervereinigung gewählt. Ein gebürtiger Schweizer kam nicht mehr infrage.

Nestlé wohin?

Freitag, den 21. Oktober 2016 um 15:00

Mit Paul Bulcke ist auch die Aera von Peter Brabeck-Letmathé bei Nestlé vorbei. Das Erbe von Helmut Maucher, der vor 40 Jahren den serbelnden Nestlé Konzern vor dem Zugriff amerikanischer Konzerne rettete, ist verbraucht. Nestlé, eine der grossen Schweizer Weltmarken, stagniert seit drei Jahren, weil viel Wechsel keinen echten Wandel bewirkte. Zeit für neue Gesichter.

Wünschbar ist es, dass Ulf Mark Schneider, der von Fresenius kommende neue CEO des Viviser Weltkonzerns, eine Richtung vorgibt, die wieder Wachstum bedeutet. Ganz offensichtlich hat Paul Bulcke sogar innerhalb des Konzerns die Kontrolle verloren, gab es doch in seiner Zeit zu viele Skandale in Indien, Japan und China. Derlei verträgt nicht einmal der als grundsolide geltende Nestlé Konzern.

Peter Brabeck-Letmathé, reich gewordener Glacé-Verkäufer aus Nestlés lateinamerikanischem Reich, kann mit sich zufrieden sein. Er, der im Wallis bedeutende Investitionen vorgenommen hat, wird ex Riederalp über die Hochalpen fliegen. Die personellen Weichen neu gestellt zu haben, genügt ihm. Altpräsident Helmut Maucher hat vom hessischen Kronberg aus längst seinen Segen gegeben.

Den seit drei Jahren nicht verwöhnten Aktionären bleibt nur die Hoffnung. Ihre Titanic Nestlé dümpelt auf dem Ozean des Weltmarktes. Hoffen wir, dass sie bald wieder Fahrt aufnimmt.

Einhörner haben wir nicht, Kleinhörner gehen bereits. „Gewisse Eigenschaften“ gesucht

Montag, den 27. Juni 2016 um 16:41

Der Ruf nach Einhörnern erschallt im Land, während die Kleinhörner längst schon ex Zürich nach Berlin weiter ziehen. Niemand wagt es Zahlen vorzulegen, was KTI und andere staatliche Organisationen für Fintech-Firmen aus Steuermitteln aufwenden. Die Befürchtung ist berechtigt, dass viel Geld die Bäche der Schweiz hinab schwimmt.

Dies gilt in besonderem Masse am 1. Januar 2019, wenn die USR III in Kraft treten soll. Alleine die Stadt Zürich wird jährlich 90 Mio. Franken an Steuereinnahmen verlieren. Schon jetzt warnen Experten, die Individualsteuern dürfe man auf keinen Fall erhöhen, weil man rund um Zürich ohnehin billiger lebe. Die USR III begünstigt auch in erster Linie Biotech- und Pharmafirmen, weshalb andere Betriebe, wie die Zürcher Kreativwirtschaft, sich gleich gar keine Hoffnungen auf tiefere Steuern machen sollte. „Gewisse Eigenschaften“ waren bisher schon notwendig, um tiefere Steuern zu bezahlen; daran ändert sich nichts.

Die Alarmrufe linker Politiker, welche die Gefahr von weniger Staat kommen sehen, weil er so nicht mehr finanziert werden kann, häufen sich. Da kommt die Aussage von Mark Haefele recht. Der Global Chief Investment Officer für Vermögensmanagement schrieb am 22. Juni im UBS House View: „So leid es uns für die Politik auch tut – aber letztlich zählt nur die Wirtschaft.“

Derlei sollte sich jeder merken, der noch Illusionen hat, man könne eine ideal-idyllische Welt schaffen, wo jedem das Seine gegeben wird. Gegeben ja, aber was?

Mark Haefele hat Gewicht, aber Otmar Issing ist auch nicht zu unterschätzen. Der langjährige Chefvolkswirt der EZB hält ohnehin von (west-)europäischen Äusserungen zur Wirtschaftspolitik wenig. Er wertet: „Die Fachdebatte bestimmen die amerikanischen Zeitschriften und Ökonomen, und die Amerikaner haben Schwierigkeiten, sich in eine andere Welt als die ihre hineinzudenken.“

Da steh‘n wir nun ganz wie ein Tor und sind so klug als wie zuvor.

Dieser Tage wurde mir berichtet, wie Bundespräsident Johann Schneider-Ammann in internationalen Gremien auftritt. Ich erspare meinen Lesern, das Urteil weiter zu leiten. Es ist schlimm.

Dieser Tage wurde mir auch berichtet, wie Bundesrat Didier Burkhalter mit wolkigen Lauten, die man sonst überlegenes Sprechen nennt, den Zustand vernebelt, dass seine EU-Aussenpolitik gescheitert ist. Es ist kaum besser als JSA’s Brummelrede (was man sich kaum vorstellen will). Hat die einstige Staatspartei FDP kein international wettbewerbsfähiges staatsmännisches Potential mehr? Doris Leuthard sieht wenigstens gut aus.

Die Schweiz, in Europa nicht minder isoliert als jetzt Grossbritannien es ist, würde gut daran tun, eine entschlossene Landesregierung aufzustellen. Sie tut dies nicht, weil unsere politisch-wirtschaftlichen Eliten, die „Gewisse Eigenschaften“ haben, mit dem jetzigen Zustand ganz gut leben können.

Lobbyisten mit sich selber im Streit

Freitag, den 15. April 2016 um 16:21

Ein Lobbyist ist jemand, der sich bezahlt für die Interessen einer Drittpartei einsetzt. Die Bezahlung muss nicht direkt erfolgen, sie kann auch aus späteren Belohnungen bestehen, einer guten Position oder, wenn die Sache gut läuft, aus einem hübschen Haus in der Schweiz oder irgendwo in Europa.

Die Berner Lobbyisten rund um das Bundeshaus und deren Standesgesellschaft, die Schweizerische Public Affairs-Gesellschaft, liegen seit Monaten untereinander im Streit, wer sich Lobbyist nennen darf und wie er sich deklarieren muss. Dieser Vorgang ist nicht ganz lächerlich, denn das ganze Berner Politiksystem beruht darauf, in gegenseitiger Abstimmung zu einem Ergebnis zu kommen, das Nutzen bringt. Fragt sich nur wem. Tatsächlich werden unsere Steuergelder in Bern in hohem Masse mehr verschwendet als gezielt eingesetzt. Das Prinzip Verschwendung, ich denke nur an die Luxussaläre und Pensionen der Bundesbeamten, ist volkswirtschaftlich bedeutend. Die Stadt Bern wäre bei weitem nicht so wohlhabend, könnte sie sich nicht auf die Steuereinnahmen ihrer Staatsangestellten verlassen.

Ohnehin sind die Agentur-Lobbyisten der oft am wenigsten bedeutende Teil des Berner Politik-Systems. Martin Schläpfer, ehemaliger „Bilanz“-Journalist, hat als Lobbist für die Migros und den Schweizer Detailhandel mehr zustande gebracht als viele Agenturen. Thomas Cueni hat das gleiche für die Schweizer Pharma-Industrie geleistet. Bei ihnen weiss man, meist, wo sie stehen. Ein Agentur-Lobbyist ist deshalb stark, weil er meist vielen Herren dient und im besten Fall über ein breites Wissen verfügt.

Nun geht es in Bern um die Deklarierung der Mandate: Selbstverständlich ist es sinnlos, im Lobbyisten-Register auch Corporate Communications- oder Marketing Communications-Kunden anzugeben. Das schreibt sich leicht, stimmt aber nicht ganz. Wenn ich mich für Schweizer Chüngelzüchter einsetze, die nach Schweizer Vorgaben im Ausland produzieren, muss ich auch im Auge haben, dass die Schweizer Landwirtschaftspolitik dieser Notwendigkeit nur ungenügend Rechnung trägt. Sie fördert kleine Ställe, die aber nie der Nachfrage Rechnung tragen können. Das ist das Werk der starken Schweizer Bauern-Lobby.

Die Agentur-Lobbyisten sind in Bern ohnehin nur deshalb notwendig, weil viele Konzerne, Verbände und Organisationen nicht über Kader verfügen, die gelernt haben, was eine Zielsetzung, eine Absicht für das Vorgehen und eine zielorientierte Umsetzung sind. Auch die Kraft einer guten Formulierung, die erfolgsentscheidend sein kann, geht vielen ab. Eines der schönsten Beispiele fand ich dieser Tage bei Nicole Burth Tschudi, dem CEO Schweiz des Arbeitsvermittlers Adecco, als sie sagte: „Temporärarbeit ist ein Lifestyle“. Selbstverständlich stimmt das nur teilweise, ist aber glänzend formuliert. Von Profi-Lobbyisten darf man erwarten, dass in dieser Kunst kein Problem haben.

Wer in Bern die Lobby in den Griff bekommen will, darf nicht vergessen, dass bei den Internationalen Organisationen in Genf, Lausanne, Basel und Zürich grosse Lobbyaufgaben zu lösen sind. Schliesslich haben wir die kantonalen Parlamente und Regierungen, das gleiche in den grossen Städten und Gemeinden, in den Bezirken und übergreifenden Organisationen, wie es die Müllverbrennung ist, um ein harmloses Beispiel zu nennen. Die zu vielen Heizkraftwerke, Müllverbrennungsanlagen und grossen elektrischen Umspannwerke, welche wir haben, sind letztlich auf die alte Schweizer Armee zurückzuführen, wo sich die Herren Oberst beim Café-Schnaps die Geschäfte zuhielten. Heute ist es etwas schwieriger geworden.

Der Lobbyismus in Bern liegt in erster Linie in den Händen der Parlamentarier, der Spitzenbeamten und der Bundesräte. Die Kunst, sich „einen Stein in den Garten zu werfen“, will geübt sein. Wer übertreibt, wird ohnehin entdeckt, wie es jüngst von VBS-Chef Parmelin an seinem Vorgänger Ueli Maurer durchexerziert wurde.

Ergo: Mein sollte das übertriebene Getue von sogenannten Profis nicht zu ernst nehmen. Wir leben nicht im Ernstfall, sondern einer Zeit der Verteilungskämpfe.

 
     
     
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