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Archiv der Kategorie 'Wirtschaft'

Die stillen Wasser täuschen

Friday, den 12. March 2010 um 8:53

Manfred Manser, den langjährigen CEO der Helsana-Gruppe, habe ich stets geschätzt: Eine offensive Strategie, ein bodenständiger Appenzeller Topmanager, alles sehr realistisch. Jetzt ist die Billigkassen-Strategie Mansers zusammen gebrochen; hunderte von Mitarbeiter werden im ersten Anlauf entlassen. Manser war stets ein stilles Wasser, dem seine Mitarbeiter grosse Intelligenz zusprachen. Wie hätten wir widersprechen sollen? Hellhörig hätten wir werden sollen, als ein starkes Helsana-Team zur Visana abwanderte, um diese, seither erfolgreich, neu aufzubauen. Hinter etlichen “stillen Wassern” im Schweizer Topmanagement verbirgt sich meistens weniger als erwartet. Der stille Hugo Bütler warf die NZZ-Gruppe in entscheidenden Jahren weit zurück. Wohin der stille Walter Kielholz seine Finanzfirmen geführt hat, liegt auf der Hand. Rolf Dörig muss noch beweisen, wohin er den SwissLife-Konzern wirklich führen wird; er klagt schon heute, sein Grossaktionär Carsten Maschmeyer sitze ihm im Nacken. Meist geben die geschätzten “stillen Unternehmer” noch stiller auf, zerstörte Felder hinterlassend.

Perfekter Abgang von Bob Lutz

Tuesday, den 9. March 2010 um 10:37

Der Innerschweizer, der in der US-Armee diente, dessen Leidenschaft starke Autos und private Jets waren, Bob Lutz, ist jetzt auch bei Ford ausgeschieden. Er hat dort einen perfekten Turnaround hingelegt: die Aktie rast seit einem Jahr nach oben. General Motors wurde klar distanziert. Bob Lutz gehörte während Jahrzehnten zu den legendären Schweizern, die es auch in den USA wirklich an die Spitze schafften. Er hat den Schweizer Ruhm im Ausland mit geschaffen und das Selbstvertrauen zuhause gestärkt. Seine Nachfolger? Heute wissen wir nicht so richtig, ob wir auf “Joe” Ackermann, der als CEO die Deutsche Bank führt, wirklich stolz sein dürfen oder besser doch auf Barbara Kux, die im Vorstand des Siemens-Konzerns die grüne Welle anführt. Peter Voser, ein Aargauer, führt den Shell-Konzern von London aus mit einer stillen Eleganz, die fast branchenuntypisch ist. Die Zeit der Schweizer Haudegen im Ausland scheint vorüber zu sein; wir sind offensichtlich alle ein Stück kleiner geworden. Bye bye, Bob.

Politiker unter dem Druck der Bankiers

Tuesday, den 9. March 2010 um 8:59

Manche an der Zürcher Bahnhofstrasse zählen ihn zu den bewussten Zerstörern des Finanzplatzes Schweiz; er hat auch nie den Eindruck erweckt, als habe er irgendwelche Gefühle für diesen Teil seines Arbeitsplatzes. Die Rede ist von Haig Simonian, dem Zürcher Korrespondenten der “FTI”. Er hat soeben, man könne die Schweizer Politiker “für ihren atemberaubenden Mangel an Weitsicht” kritisieren, relativierte dies aber insofern, als sich “die einflussreiche Bankenlobby” jahrzehntelang weigerte, mögliche Alternativen zum Bankgeheimnis auch nur in Betracht zu ziehen. Kürzer und prägnanter lassen sich unsere Umstände kaum beschreiben.

Bundesverwaltung ein Mitarbeiter-Paradies

Tuesday, den 9. March 2010 um 8:44

Natürlich werden die Personalverbände des Bundes und die der Kantone es leugnen, weil sie allen Grund haben, die dort gewonnen sozialen Vorteile vor dem Steuerzahler zu verdecken. Es braucht einen echten Berner Unternehmer, den 30jährigen Christoph Wysseier, Gründer der erfolgreichen Firma Cmsbox, der sagt: “Es wäre viel besser, die vielen cleveren Köpfe hier zu unterstützen, als später mit viel Aufwand Firmen von Zürich nach Bern zu locken. Durch die vielen Bundesbetriebe und bundesnahen Unternehmen finden Informatiker sehr leicht einen Job mit paradiesischen Arbeitsbedingungen.” Paradiesische Arbeitsbedingungen auf Kosten der Steuerzahler einschl. Sanierung der Bundes-Pensionskassen in Milliardenhöhe. Wie das Beispiel Griechenland zeigt, sind derlei Selbstbedienungs-Institutionen auf dem Rückzug, demnächst auch bei uns.

Gegen alle Asketen: Geld macht Spass

Tuesday, den 9. March 2010 um 8:26

Der Erfolg eines Menschen lässt sich an seinem Kontostand ablesen. Dieser Auffassung sind 84 % aller Chinesen. Konfuzius dient nur dazu, diesen Zustand zu erreichen oder die Schmerzen zu lindern, ist dies nicht der Fall. Die Medien berichten ohnehin nur über Konzerne und Konzernstars, dies obwohl der Mittelstand über 80 % der Jobs verfügt, dafür aber nur 16 % der Medienberichterstattung erhält, vernimmt man aus Deutschland. In der Schweiz ist es nicht anders. Wer will schon etwas über die geniale IT-Bude in Bern hören, die im kommenden Jahr wahrscheinlich pleite sein wird? Wer interessiert sich für den tüchtigen Schreinermeister aus dem Oberwallis, der die Krise überlebte, indem er sich auf die Herstellung von Fensterläden spezialisierte? Einige Banken leiden, weil sie 25 % ROE ausweisen wollen; ich kenne ein Dutzend KMU, die wesentlich mehr verdienen. Glauben wir den Chinesen: Geld macht Spass. Die Verehrer asketischer Künste mögen ganz, ganz liebe Menschen sein, aber ein wenig merkwürdig sind sie schon.

Schweiz weiterhin instabil - von Island lernen

Monday, den 8. March 2010 um 12:34

Paul Volcker, der vertrauenswürdigste Finanzfachmann der USA, hat soeben in der “FAZ” die Frage gestellt: Stabil in der Schweiz? Diese kurze Bemerkung (”FAZ” vom 8. März 10, S. 15) muss wie ein Schock auf uns wirken. Sind die Risiken, die auf unseren Finanzplatz zukommen, grösser als gedacht? Stehen wir vor einem neuen Einbruch der Finanzmärkte, einer Grossbank, oder hat die Nationalbank die von der UBS übernommenen Immobilienrisiken nicht in dem Masse im Griff, wie es sich die Öffentlichkeit erhofft. Volckers drei Worte “Stabil in der Schweiz? Ich denke, das kann man nicht sagen.” sind ein Fanal, das man nicht kleinreden sollte.

Wegen lächerlicher 3,9 Mia. Euro haben die Isländer gegen ihre eigene Regierung gestimmt; das ist der erste Eindruck. Der zweite Eindruck sagt etwas anderes: Bezieht man diesen Betrag auf das BIP, würde dies für die Schweiz eine Belastung von Sfr. 300 Mia. bedeuten oder für Deutschen eine Belastung von Euro 1250 Mia. Daran lässt sich erkennen: Die 300 000 Einwohner zählende Bevölkerung Islands wollte sich nicht selber den Strick um den Hals legen. Für die Finanzinstitute der Welt bedeutet dies Schreckliches. Wenn nun die Völker zu entscheiden beginnen, welche Schulden ihrer Regierungen oder Banken sie zahlen wollen, steigen die Risiken total. Insofern ist zu prüfen, was wir von Island lernen sollten. Paul Volcker hat uns soeben gewarnt.

UBS: Die Liste der Verdächtigen

Monday, den 8. March 2010 um 11:48

Es war wohl einer der merkwürdigsten Kommentare der NZZ in letzter Zeit, worin sie titelte “Späte Genugtuung für Marcel Ospel”. Angesichts der jüngsten Diskussionen in National- und Ständerat sah ich endlich die Morgenröte über der Dunkelheit des in die Westschweiz geflüchteten ex-Bankiers aufgehen. “Späte Genugtuung”? Vielleicht sogar Rehabilitation? In Wirklichkeit lobt ihn die NZZ dafür, dass er den Staatsfonds von Singapur über den Tisch zog, der bei der Sanierung des UBS-Konzerns bisher fünf Mia. Franken verloren hat. Dies erinnert mich daran, dass wir die Namen der an den Milliardenverlusten der UBS schuldigen Spitzenmanager nicht vergessen sollten:

- Marcel Ospel, CEO und VR-Präsident
- Peter Wuffli, CEO
- Hew Jenkins, CEO Investment Banking
- John Costas, sein Vorgänger
- Clive Standish,CFO
- Marcel Rohner, Nachfolger von Peter Wuffli
- Peter Kurer, Chefjurist.

Sicher sind an dieser Stelle sehr wichtige Mitwirkende an diesem Trauerspiel nicht erwähnt, aber der UBS-Konzern will das Vertrauen seiner Kunden ja zurückgewinnen mit einer Nullkommunikation, dies in der Hoffnung, “dass glücklich ist, wer vergisst”. Solange die Schweizerische Nationalbank, die sich im Besitz der Kantone und damit des Schweizer Volkes befindet, allerdings noch Milliardenrisiken in ihren Büchern hat, die man als Kollateralschaden UBS bezeichnen kann, ist übertriebene Rücksicht nicht angesagt. Zehntausende von Schweizern haben zum Teil bedeutende Vermögenseinbussen erlitten, anderen haben diese Führungskräfte Anlagen andrehen lassen, welche die UBS noch viele Millionen kosten werden. Eine PUK ist das Mindeste, um den oben genannten Führungskräften ein angemessenes nationales Podium zu bieten, das ihrem Ego entspricht.

Bundesverwaltung ein Mitarbeiter-Paradies

Friday, den 5. March 2010 um 13:40

Natürlich werden die Personalverbände des Bundes und die der Kantone es leugnen, weil sie allen Grund haben, die dort gewonnen sozialen Vorteile vor dem Steuerzahler zu verdecken. Es braucht einen echten Berner Unternehmer, den 30jährigen Christoph Wysseier, Gründer der erfolgreichen Firma Cmsbox, der sagt: “Es wäre viel besser, die vielen cleveren Köpfe hier zu unterstützen, als später mit viel Aufwand Firmen von Zürich nach Bern zu locken. Durch die vielen Bundesbetriebe und bundesnahen Unternehmen finden Informatiker sehr leicht einen Job mit paradiesischen Arbeitsbedingungen.” Paradiesische Arbeitsbedingungen auf Kosten der Steuerzahler einschl. Sanierung der Bundes-Pensionskassen in Milliardenhöhe. Wie das Beispiel Griechenland zeigt, sind derlei Selbstbedienungs-Institutionen auf dem Rückzug, demnächst auch bei uns.

Rätselhafte Vorgänge

Thursday, den 4. March 2010 um 11:47

1. Urs Schoettli, Asien-Korrespondent der NZZ, der diese verlassen hat, weil sie für seine Reisespesen nicht mehr aufkommen kann, empfiehlt: “Wenn wir im Westen die Güter, Marken und Dienstleistungen bereitstellen, nach denen die neuen, an Qualität und Status interessierten asiatischen Mittelschichten trachten, dann wird uns die Arbeit noch lange nicht ausgehen.” Haben wir dies richtig verstanden: Europa soll keine Glasperlen mehr nach Asien liefern, wie im 19. Jahrhundert, wo die Engländer dort auch das Opium unter das Volk brachten, wir sollen uns an den Bedürfnissen der Asiaten ausrichten? Der ganze Niedergang der westlichen Weltmächte geht aus diesem Kurzkommentar des erfahrenen NZZ-Journalisten hervor. Früher bestimmten wir, was wir liefern wollten; heute sagt man uns, was wir liefern dürfen.

2. In Haiti brachen die Grashütten zusammen und das Volk blieb friedlich; in Chile brachen die Backsteinhäuser zusammen und die Armee musste ausrücken, um das Volk ruhig zu halten. Haiti ist arm, weil es als Armenhaus der USA billig produzieren musste, z.Bsp. Textilien. Chile geht es seit Milton Friedman besser, für den oberen Mittelstand fast eine Musterdemokratie, aber das leidende Volk steigt auf die Barrikaden. Merke: Unzufriedenheit ist ein Motor für den Fortschritt. Wer nur zufrieden ist, darf für die Touristen tanzen, Griechenland incl.

Oerlikon mal 2: Bilder und Poker

Thursday, den 4. March 2010 um 8:47

Emil Bührles Bilder, viele schöne Impressionisten, lassen sich derzeit im Kunsthaus Zürich bewundern. Gekauft wurden sie zu Billigpreisen vom deutschen Weltkriegsgewinnler, der Schweizer Waffen an die kriegführenden Mächte verkaufte, vor allem auch an die Hitler-Armee. Gleichzeitig haben sich die globalen Banken, Hedge Funds und ein russischer Milliardär, der schon einmal reicher war, Viktor Vekselberg, um die 16 000 Mitarbeiter zählenden Reste des Oerlikon-Konzerns zu einem Pokerspiel versammelt. Wer am besten zockt, erhält seinen Einsatz zurück und vielleicht einige hundert Millionen mehr. Vekselberg will nochmals 300 Mio. Franken setzen, die Citi Bank und Texas Pacific wollen mindestens den Einsatz, gut verzinst, zurück. Die Familie Bührle hat in der dritten Generation ihren Hauskonzern wieder verspielt. Mindestens haben wir bisher nicht vernommen, wie das in Frankreich und Deutschland laufend der Fall ist, der Staat müsse auch noch einen Beitrag leisten, um die Arbeitsplätze zu erhalten.

 
     
     
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