Umweltschützer gegen ökologisches Vorzeigeprojekt
Montag, den 7. März 2011 um 16:23Der umweltbewussteste Unternehmer kann nicht in Friede Leben, wenn es den selbsternannten Umweltschützern nicht passt. Die Firma Pleisch AG, die seit Jahrzehnten im Zürcher Oberland Aktivkohle für Gasfilter produziert, möchte einen unterirdischen Lagerraum in der Landwirtschaftszone errichten. Aufgrund der ständig steigenden Nachfrage ist ein Ausbau des bestehenden Betriebes notwendig. Das dafür benötigte Land könnte nach dem Bau uneingeschränkt weiterhin landwirtschaftlich genutzt werden. Jetzt droht das ökologische Vorzeigeprojekt zu scheitern. Grund: Pro Natura und die Baurekurskommission des Kantons Zürich wollen das Projekt gegen den Willen des Unternehmers und der Gemeinde verhindern. Was die Gegner des Projektes aus Prinzip – man will ein Exempel statuieren – in Kauf nehmen: Muss der Lagerraum mehrere Kilometer vom Produktionsstandort im Industriegebiet von Bäretswil erstellt werden, sind die negativen Auswirkungen auf die Umwelt durch Tausende von Lastwagenkilometern um ein Vielfaches höher als beim geplanten Projekt.
In den letzten Jahren hat die Pleisch AG grosse Investitionen für verschiedene kantonale Auflagen, Sanierungen und Erweiterungen in den heutigen Standort getätigt. Die Expansionsmöglichkeiten sind aber begrenzt. In der gegenwärtigen Wirtschaftslage erachtet das Unternehmen das Risiko einer Betriebsverlegung als zu hoch und somit für das Unternehmen nicht finanzierbar.
Auch die Gemeinde, welche das Ausbauprojekt unterstützt, hat ein Interesse, den wichtigen Arbeitgeber und Steuerzahler in der Gemeinde zu behalten. Für die Pleisch AG ist der Bau eines Lagers fernab des Firmengeländes keine Option. Laut einer Studie des Wirtschaftsprüfungsunternehmens PWC würde der Betrieb eines Aussenlagers nicht nur den Zielen der nachhaltigen Raumplanung und dem haushälterischen Umgang mit dem Boden widersprechen, sondern hätte auch negative Folgen für Mensch und Umwelt:
• Zusätzliche Transportleistung von über 14‘000 Kilometern pro Jahr (Zu- und Wegtransport)
• Lärmbelastung durch jährlich 1‘200 Fahrten mit Lastwagen
• Ausstoss von Feinstaub, Kohlendioxid und Stickoxide (durch Lastwagen)
• Verschlechterung der CO2-Bilanz durch Abgase
• Eingriffe ins Landschaftsbild
Soll die Pleisch AG weiterexistieren, so macht der Bau des unterirdischen Lagers Sinn. Der haushälterische Umgang mit dem Boden, die Maxime des Raumplanungsgesetzes aus dem Jahr 1979, ist damit getan. Die Frage sei deshalb erlaubt: Worum geht es Pro Natura?
Philippe Welti

