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Weblog
Archiv der Kategorie 'Kultur'
Freitag, den 14. August 2009 um 9:25
Der Negativ-Hype um die Deutschen in der Schweiz ist eine peinliche Lachnummer im Ausland. Die Klischees leben auf: Schoggi, Banken, Berge, Bünzlis. So erleben viele Deutsche uns Eidgenossen. Aber nicht alle Deutschen wissen, wie man sich in der Schweizer Gesellschaft beliebt macht. Maria Liessmann, ehem. Ressortleiterin bei der “Bravo” und jetzt Leiterin des Ressorts “Life” beim “Blick am Abend” macht in Ihrem Essay vom 13. August klar, dass auch sie sich zuwenig auf die Schweiz vorbereitet hat. Dabei erwähnt sie, dass in Deutschland Autoreparaturen für ein Lächeln zu kriegen sind und in der Schweiz muss man dafür bezahlen. Also da hab ich in Deutschland andere Erfahrungen gemacht. An der Kasse im Supermarkt musste die unruhige Deutsche warten, weil sich zwei Menschen vor ihr unterhielten. Das ist eben Schweizer Gemütlichkeit. Dann hätte ihr eine Kassiererin sogar einen Sack (auf Deutsch: Tüte) angeboten und sie assoziiert das gleich mit den männlichen Genitalien. Ok man darf nicht vergessen, sie schreibt für den “Blick am Abend”, da geht das natürlich.
Fazit: Das Problem vieler jüngerer Deutscher in der Schweiz ist, dass sie unser Land verniedlichen und über die Fähigkeit, wie Schweizer Deutsch sprechen, lachen. Und wenn Deutsche dies gegenüber den Schweizern auch noch aussprechen, dann wirkt das für den Durchschnittseidgenossen wie eine Beleidigung und wirkt in höchstem Masse arrogant. Liebe Deutsche in der Schweiz – lest den Artikel “Gehen wir euch auf den Sack?” im “Blick am Abend” und dann wisst Ihr, wie man es in der Schweiz nicht machen soll.
Fidel Stöhlker
Gesellschaft, Kultur | 8 Kommentare »
Dienstag, den 7. Juli 2009 um 14:01
Im Mittelalter erlebte das Pilgerwesen in Europa seinen Höhepunkt. Das grosse Pilgerziel, neben Santiago de Compostela und Rom, war damals Jerusalem. Das Problem: Mit der Blockierung des Balkans durch die Osmanen war auch für die Pilger der Weg ins Heilige Land mühsam und gefährlich geworden. Die Vergebung ihrer Sünden durch eine Pilgerfahrt rückte für die meisten Menschen in weite Ferne. Dies brachte den Mailänder Franziskanermönch Bernardo Caini auf die Idee, eine Pilgerstätte zu erbauen, die ohne Gefahr für Leib und Leben erreichbar ist. Im Jahr 1491 begann Bernardo Caini das Werk auf dem Sacro Monte über Varallo im Piemont, das an die Höhepunkte des irdischen Lebens Jesu erinnern sollte. Entstanden ist ein Monumentalkomplex mit 43 Kapellen, in denen das Leben und Sterben Christi mit über 600 lebensgrossen Statuen – ein Reality-TV des Mittelalters, dessen Besuch in Zeiten, in denen man kaum mal das eigene Dorf verliess, ein einmaliges Ereignis im Leben war. Praktischerweise noch verbunden mit dem Ablass. Als im Jahr 1578 der Mailänder Erzbischof Karl Borromäus den Sacro Monte besuchte, war er so begeistert, dass er den Ort “Nova Jerusalem” taufte. Der neue Pilgerort war geboren.
Während Jahrhunderten fanden zur Feier von Maria Himmelfahrt Pilgerfahrten zum Sacro Monte di Varallo statt. Die letzte historisch belegte Wallfahrt unternahmen vier Walliser aus Ayer im Val d’Anniviers im Jahr 1963. Jetzt belebte der Walliser Wanderführer Peter Salzmann den historischen Pilgerweg. Vom 5. bis zum 15. August leitet er eine Pilgerreise von Spiez über den Rawilpass ins Wallis und von dort über den Moro-Pass ins Piemont nach Varallo. Ich selber werde als Protestant mitgehen. Wer weiss, vielleicht erhalte ich dabei während des meditativen Wanderns einen neuen Blick auf die Welt und kehre als alpiner Buddhist zuirück. Mehr dazu später auf dieser Plattform.
Anmeldung:
Peter Salzmann
Mobile: 079 680 14 67
Tel: 027 946 21 40
p.salzmann@rhone.ch
www.alpevents.ch
Buchempfehlung: Pilgerweg “Neues Jerusalem”, Peter Salzmann, Kultur- und Wanderführer, 168 Seiten, 32 Franken. Erschienen im Rotten-Verlag in Visp.
Philippe Welti
Allgemein, Gesellschaft, Kultur | Keine Kommentare »
Montag, den 22. Juni 2009 um 13:50
Am Freitag um 10 Uhr startete ich im Weinberg von Diego Mathier, Winzer des Jahres 2007, in Salgesch mit der Degustation eines Merlots. Danach gings mit Degustationen im Viertelstundenrhythmus weiter. Bald nahm ich das Rauschen der Raspille, des Bachs, der Ober- von Unterwallis trennt und zugleich Sprachgrenze ist, nur noch durch einen Filter wahr.
Dafür umso mehr Diego Mathier, der als begnadeter Verkäufer nie um eine Geschichte über seiner Weine verlegen ist. Am Nachmittag lud der Gastgeber zur Tafelrunde im Carnotzet seiner Kellerei “Nouveau Salquenen” ein. Die Hochdekorierte Küchenmannschaft vereinigte ganze 71 Gault-Millau-Punkte auf sich: Markus Neff, “Koch des Jahres 2007″ und Küchenchef im Hotel “Fletschhorn” in Saas-Fee (18 Punkte), Alain Kuster, Küchenchef im Hotel “Mirabeau” in Zermatt (15 Punkte), Franz Schwery, Inhaber des Restaurants “Findlerhof” in Zermatt (13 Punkte), Jörg Walter, Küchenchef im Hotel “Ferienart” in Saas-Fee (13 Punkte), Urs Biner, Inhaber des Restaurants “Chez Heini” in Zermatt (12 Punkte) und Heinz Rufibach, Küchenchef im “Alpenhof” Hotel in Zermatt. Zu jedem der sechs Gänge kredenzte Gastgeber Diego Mathier, dessen fünf kleine Töchter sich nun auch zeigten, den passenden Wein. Ziel des Anlasses für Medienvertreter aus der ganzen Schweiz, der in Zusammenarbeit mit Wallis Tourismus durchgeführt wurde: Die Positionierung des Alpensüdkantons als Genussland. Fazit: Ich habe schon lange nicht mehr so gut gegessen und getrunken. Der Wein-Cocktail hat keine Spuren gelassen. Ausser vielleicht, dass ich mein Portemonnaie auf der Rückreise mit dem Zug irgendwo liegengelassen haben muss.
Philippe Welti
Gesellschaft, Kultur | Keine Kommentare »
Donnerstag, den 11. Juni 2009 um 9:20
Ich vertiefe mich gerade in das albanische Gewohnheitsrecht, den Kanun des Lek Dukagjini, der ins Deutsche übersetzt wurde und jetzt online zugänglich ist. Mein erster Eindruck: Der Kanun ist in sich stringent, wenn auch mit unserere heutigen Auffassung von Recht und Zusammenleben nicht akzeptierbar. Der Kanun setzt auf das Prinzip der Rache, welches die männliche Ehre (die Frau hat keine) erhält. Haftstrafen sieht der Kanun beispielsweise nicht vor. Der Grund: Diese sind nicht ehrhaft und deshalb niemandem zumutbar. Väter können ihre Kinder straflos töten, wenn Sie gegen die Ehre der Familie verstossen.
Den Kanun zu kennen, würde wohl einiges zum Verständnis der Albaner auch in der Schweiz beitragen. Das überlieferte Gewohnheitsrecht ist tief verankert und war während Jahrhunderten stärker als jedes staatliche Gesetz. Es wird auch heute noch in Teilen Albaniens und des Kosovo befolgt. Aus diesem Grund müssen nach offiziellen Angaben die Männer von über 10′000 Familien in Nordalbanien zu Hause bleiben. Sie riskierten sonst riskieren, Opfer der Blutrache zu werden.
Philippe Welti
Gesellschaft, Kultur, Politik | 1 Kommentar »
Dienstag, den 9. Juni 2009 um 12:06
Die Erhebung von “The Economist” hat in einem Punkt recht: Vancouver ist in Sachen Lebensqualität tatsächlich besser als Zürich. Die Stadt hat sich in den letzten 10 Jahren ungeheuer gut entwickelt. Sie ist wirtschaftlich erfolgreich, hat ein kleines sehr kompaktes sauberes Zentrum, liegt direkt am Meer mit Stränden, und wenn man im Winter die Lionsgate Bridge überquert, hat man das Skigebiet GrouseMountain direkt an die Stadt angrenzend. Neben der Nachtansicht vom Hausber auf Vancouver, scheint die Skyline von New York nur noch als kleines Lämpchen. Die besten Skigebiete Noramerikas sind in 1 h 20 min erreichbar: Whistler und Blackcomb.
Erschreckend aber ist, dass Zürich einen Platz hinter Genf stehen soll. “The Economist” hat sich hier lediglich an der Internationalität orientiert. Das hat rein gar nichts mit Lebensqualität zu tun. Genf ist eine furchtbar langweilige Stadt und hat diese Platzierung nie im Leben verdient. Manchmal frage ich mich wirklich, welche Schwachköpfe zu solchen Ergebnissen kommen.
Fidel Stöhlker
Gesellschaft, Kultur, Sport | 3 Kommentare »
Freitag, den 22. Mai 2009 um 9:32
Die Begegnung des spanischen Arztes und Antitrinitaners Michel Servet mit Jean Calvin ist ein dunkles Kapitel in der Lebensgeschichte des Reformators. Der eingewanderte Franzose, der in Genf einen Gottesstaat errichtet hatte und der heute im Rückblick auch als Ayatollah von Genf verschrien wird, hatte einst seinen Gegenspieler Servet der Inquisition denunziert um ihn später gleich selbst auf den Scheiterhaufen zu bringen. In seinem Stück „Servet in Genf“ zeichnet mein Grossvater, der Schweizer Dramatiker Albert J. Welti, Calvin, der, gefangen in seinen Prinzipien, ein einsamer Mann ist. Im Reformator müssen dunkle und heller Kräfte gewirkt haben. Von einem Mythos der Unverletzlichkeit umgeben, aber ohne Freund vollbringt er sein freudloses Werk in der Rhônestadt, die er in eisernem Griff hat. Doch längst nicht alle Bürger der Stadt sind bereit, ihm zu folgen oder sich seinen strengen Sittenregeln zu unterwerfen. Nachdem die alteingesessenen Genfer den katholischen Bischof vertrieben haben, versuchen einige von ihnen Michel Servet für ihre umstürzlerische Sache gewinnen. Vergeblich. Michel Servet sucht in naiver Art und Weise den Dialog und die Auseinandersetzung mit dem Reformator. Doch dieser ist gefangen in seiner Dogmatik. Trotzdem möchte er Servet retten vor den Gesetzen, die er wie ein Netz über die Stadt Genf geworfen hat. Nur der Trotz Servets, nicht zu weichen und wie die Motte zum Licht zu fliegen, macht die Verhaftung des Ketzers durch Calvins angeberischen Schreiber möglich. Servets letzte Worte an den von religiöser Inbrunst getriebenen Calvin: „In unseres Vaters Hause sind viele Wohnungen – wir werden einstens doch wohl Nachbarn sein.“
Unter der Regie von Andreas Kosek gelingt es dem Wiener Teatro Caprile das Ringen der beiden Geister, des gebrechlichen Fanatikers Calvin mit dem sturen, an das Gute im Menschen glaubenden Gegenspieler Servet, packend zu vermitteln. Stefan Ragner als Servet ist ein irdischer Macht abgeneigter Schwärmer, weshalb der Sturz Calvins scheitern muss. Christoph Prückner, der als strenger Technokrat Calvin den Schwachen beisteht und die Tugendlosen verfolgt, ist auch ein gebrechlicher Mensch, der, von Einsamkeit geplagt, sich bloss eine freundliche Seele als Freund und Begleiter wünscht. Das zahlreich erschienene Publikum in der Wiener Zwinglikirche dem Ensemble mit seinem Applaus grosse Anerkennung für die gelungene Inszenierung.
“Servet in Genf” wird im Calvin-Jahr noch in mehreren reformierten Kirchen in Österreich und Deutschland aufgeführt und kommt im Herbst auch in die Schweiz.
• 4. September, Genf, Temple de la Madeleine (Lutheranische Kirchgemeinde)
• 5. September, 20 Uhr, Offene Kirche St. Jakob, Zürich
• 1. Oktober, Reformierte Stadtkirche St. Laurenzen, St. Gallen
Philippe Welti
Kultur, Politik | Keine Kommentare »
Mittwoch, den 20. Mai 2009 um 7:49
Wir haben diesen Vorwurf häufig gehört und gelesen: Die Deutschen nehmen die Schweizer nicht ernst und denken, dass die Schweizer eigentlich Deutsche seien. Aber wie kann man solche Missklänge vermeiden? Vielleicht müssten Deutsche lernen, dass die Schweiz ein ganz normales Nachbarland mit einer eigenen Sprache und einer eigenen Kultur ist. Wie ist es mit Schweden oder Finnland? Niemand kommt auf den Gedanken, die Schweden anzuprangern, sie sprächen eigentlich Finnisch, nur irgendwie falsch. Und es würde wohl zum Kopfschütteln führen, wenn die Russen plötzlich erklären, die Letten sollten wieder mehr richtiges Russisch sprechen, weil das doch ihre Sprache sei.
Murat Ham, Leiter Stöhlker – Berlin
Gesellschaft, Kultur, Politik | 4 Kommentare »
Montag, den 18. Mai 2009 um 8:11
Wie wird die Schweiz in Deutschland gesehen? Fakt ist: Die Schweiz ist eben nicht das 17. Bundesland und Schweizerdeutsch nicht einfach ein Dialekt, sondern eine Sprache. Deshalb passen Vergleiche wie beispielsweise mit dem Berliner nicht, der im Schwabenländle kein Schwäbisch spricht.
Momentan kursiert in Deutschland ein anderes Vorurteil: Schweizer lehnen Deutsche im Grunde ihres Herzens ab. Und sie wüssten aber nicht so richtig, warum sie das tun. Spekulationen gibt es viele: Vermutlich habe es was mit der Größe des Nachbarlandes zu tun. Und: Deutsche seien arrogant und überheblich im Umgang mit Schweizern. Auf der anderen Seite ist es jetzt höchste Zeit, aufeinander zuzugehen – zumal über 250.000 Deutsche in den vergangenen Jahren einen Job in der Schweiz angenommen haben. Ein Grund mehr für Deutsche die feinen Unterschiede in der Kultur zu ergründen.
Sicher ist: Die Schweiz hat eine große Lebensqualität, die eben gerade auf den feinen kulturellen Unterschieden steht – und es ist für viele Deutsche sehr schön, ein Teil dieser Kultur und dieser Lebensqualität zu werden.
Murat Ham, Leiter Stöhlker – Berlin
Gesellschaft, Kultur | 2 Kommentare »
Montag, den 27. April 2009 um 10:48
Religion ist Teil unserer Kultur. Die christlichen Grundwerte zu kennen, auf denen unser Staat aufgebaut ist, ist für das Verstehen der eigenen Geschichte unerlässlich. Gestern nun ist in Berlin die von Prominenten und den Kirchen unterstützte Initiative Pro Reli, welche von der ersten Klasse an das Wahlpflichtfach Ethik/Religion durchsetzen wollte, an der Urne gescheitert. In der Schweiz ist für die Kirchen und den Religionsunterreicht noch nicht alles verloren. In meinem Umfeld sind die meisten aus der Kirche ausgetreten. Ich allerdings nicht. Der Grund: Ich bin der Meinung, dass die reformierte Kirche mit den 1000 Franken, die ich jährlich an Kirchesteuer bezahle, sinnvolle Arbeit leistet. Seit die Verteilung der Tsunami-Gelder doch eher intransparent erfolgte, spende ich nicht mehr an Hilfswerke. Ziemlich überrascht war ich, als mir vor ein paar Tagen Carola Jost-Franz, Pfarrerin der Kirchgemeinde Höngg, brieflich zum Geburtstag gratuliert haben. Aha, man hat mich registriert. Als PR-Berater und Kommunikator bin ich der Meinung, dass die Kirchen offensiver kommunizieren sollten. In Höngg tut man es. Auch mit der Ausstellung www.glaubenunglaublich.ch demonstriert die Kirchgemeinde Volksnähe. Die Zeitung “Reformiert” ist ein weiteres Kommunikationsmittel der Kirchen, das ich schätze. Die Anstrengungen der reformierten Landeskirchen zeigen bereits Wirkung: Diese verbuchen bis zu anderthalbmal mehr Eintritte als vor zehn Jahren. Im Vergleich zu den Austritten sind die Zahlen noch klein. Im Kanton Zürich nahmen sie in den Jahren 1997 bis 2007 von 366 auf 462 zu.
Philippe Welti
Gesellschaft, Kultur | 1 Kommentar »
Montag, den 9. Februar 2009 um 14:20
Es gibt eine Alternative zur römisch-katholischen Kirche. Die Christkatholiken leben die zeitgemässe Form des Katholizismus. Die Kirche kommuniziert allerdings kaum gegen aussen. Obwohl sie eine der Landeskirchen ist, kennt man sie kaum. Mehr hier…
Philippe Welti
Allgemein, Gesellschaft, Kultur | Keine Kommentare »
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