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Weblog

Archiv der Kategorie 'Kultur'

„Early Bird“ macht Sommerpause

Freitag, den 1. Juni 2012 um 12:15

Da Klaus J. Stöhlker die angenehme Verpflichtung eingegangen ist, bis Ende September dieses Jahres das Manuskript seines neuen Buches abzuliefern, wird der Weblog „Early Bird“ bis zur Fertigstellung desselben Sommerpause machen. Wir danken allen Mitdenkern und Mitschreibenden für deren vielfältige Anregungen. Sie werden manches davon auch in meinen „Neuen Geschichten zur Lage des Landes“ wieder finden, zumal wir nicht damit rechnen dürfen, dass die paradiesischen Zustände, welche wir derzeit in der Schweiz, gemessen an denjenigen anderer Staaten, noch erleben dürfen, auf Dauer anhalten werden. Die Zeiten der Idylle, welche wir so gerne geniessen, sind vorüber.

26. März 2012

Wann greift Roger de Weck durch?

Mittwoch, den 4. April 2012 um 11:22

Jean-Martin Büttner, eine der beiden Edelfedern beim “Tages-Anzeiger” (die andere ist Constantin Seibt) analysiert heute das Programm des Schweizer Staatsfernsehens und kommt zu einem niederschmetternden Fazit: Beim Schweizer Fernsehen dominieren Redundanz und Nullaussagen. Das ist nichts Neues. Über die Ursachen des Missstandes äussert sich Bütter nicht. Ich werde es für ihn tun.

Ursache der Probleme beim Schweizer Fernsehen sind einerseits die Führung unter Roger de Weck und die Qualität der Journalisten, die oft voreingenommen sind (eine Todsünde im Journalismus) und unfähig zu vertiefter Recherche, andererseits der Overkill im Ausbau des Unternehmens.

Zum ersten Punkt: Die Blocherfixiertheit, die Büttner anspricht, hat mit der Faulheit und der verbreiteten Mutlosigkeit der Journalisten zu tun – wer wagt es schon, ein neues Politthema zu setzen oder neue Gesichter zu zeigen, die etwas zu sagen haben? Man muss sich nicht wundern, wenn deshalb im „Club“ vier Medienvertreter in der Runde sitzen. Ich persönlich will Experten reden sehen, nicht Journalisten. Diese sind oft, wie man so schön sagt: Universal-Dilettanten.

Zum zweiten Punkt: Mit den technischen und programmatischen Möglichkeiten werden heute Grossereignisse bis zum Gehtnichtmehr ausgeschlachtet – siehe Busunfall im Wallis. In der Not, mangels Direktbetroffenen, die zur Verfügung stehen, Sendezeit abzufüllen, hängen sich Journalisten verzweifelt an die Retter von Feuerwehr und Sanität, deren persönliches Befinden (haben Sie post-traumatische Belastungsstörungen?), plötzlich zum Thema wird. Es  gibt zu viele Sendungen, die mit Inhalten gefüllt werden müssen und zu viele Journalisten, die sich dazu Informationen aus den Fingern saugen müssen.

Die Folge dieser Entwicklungen: SF ist ein seichtes Staats-TV, dass ich, der weder Quiz noch Skirennen etwas abgewinnen kann, einigermassen gebildet ist und nicht auf dem Land wohnt, wegschaut. Das Runterschrauben der anvisierten Quoten von SF ist eine Kapitulation vor der eigenen Strategie. Wann greift Roger de Weck durch?

Philippe Welti

Bulgarisches Versteckspiel

Dienstag, den 3. April 2012 um 15:38

Das bulgarische Kino ist im Westen angekommen – die Mentalität der Schauspieler offenbar noch nicht. „Avé“ ein Roadmovie führt in den Norden Bulgariens und in die Gegenwart eines Landes, das den Anschluss an die Welt noch sucht. Dazu passt auch, wie der Regisseur auf Anjela Nedyalkova, die Avé spielt, stiess.

Ich hatte sie in einem Film in einer kleinen Rolle gesehen und wollte sie zuerst für eine Nebenrolle engagieren – eine der Drogenabhängigen –, doch gefiel sie mir so gut, dass ich sie nochmals anrief, um ihr die Hauptrolle anzubieten. Nur erschien sie dann nicht zu unserem Treffen. Ich suchte in der Folge sechs oder sieben Monate lang nach einer Darstellerin für Avé und wählte schliesslich vier Mädchen aus, mit denen ich alle Szenen x-mal durchspielte, doch nie ganz zufrieden war. Mir schien, irgendetwas stimme nicht. Ich bat also den Castingverantwortlichen, Anjela ausfindig zu machen, im Wissen, dass sie an einer Kunstschule studierte. Man erklärte ihm jedoch, sie fehle systematisch in den Klassen und niemand wisse, wo sie sei. Einige Tage später trafen wir sie in einem Café. Wir vereinbarten wieder ein Treffen und sie versetzte uns aufs Neue! Als wir dann in der Kunstschule waren, um für eine Szene den Dreh vorzubereiten, sah ich sie wieder. Sie erzählte mir, dass ihrer Mutter am Abend vor dem Casting etwas Schreckliches zugestossen war und sie deshalb nicht hätte kommen können.
Ich weiss bis heute nicht, ob sie mir damals die Wahrheit erzählte. Jedenfalls warnten mich alle um mich herum, ich sei ja total verrückt, zehn Tage vor Drehbeginn eine Schauspielerin zu engagieren, die praktisch noch keine Dreherfahrung hatte. Aber ich glaubte an sie und es hat sich ausbezahlt.

Der Film im Verleih von Trigon Film startet am 12. April in den Schweizer Kinos.

Philippe Welti

Max D. Amstutz legt zu „100 Jahre FIS“ ein wichtiges Buch vor

Mittwoch, den 13. Oktober 2010 um 9:42

Die goldenen Jahre des Skirennsports

Der erfolgreiche Spitzenmanager Max D. Amstutz, dem Holderbank/Holcim, Alusisse-Lonza und viele andere Schweizer Konzerne etliches von ihrem Erfolg verdanken, hat den Unruhe-Stand genutzt, um ein Buch „Die Anfänge des alpinen Skirennsports“ zu schreiben. Der Sohn eines Hoteliers aus Mürren, dessen Onkel einer der frühen Skirennfahrer der Schweiz war, hat nicht nur seiner Familie ein Denkmal gesetzt, sondern dem ganzen Schweizer Skisport.

Es sind noch keine hundert Jahre her, dass die Schweizer auf die Bretter stiegen, angefeuert von den Norwegern und Engländern, die als Abenteurer die Schweizer Berge bestiegen und, zu faul zum Abstieg zu Fuss, sich erste Ski anschnallten, um wieder die Ebene zu erreichen. Die Engländer und die Schweizer taten sich zusammen, um gegen die Norweger Abfahrt und Slalom zu einer – 1930 akzeptierten – olympischen Disziplin zu machen. Amstutz hat sein Buch im AS Verlag, Zürich, zur rechten Zeit herausgebracht. 100 Jahre FIS stehen an, es fehlt der Schweiz an einer breiten Nachwuchsförderung im alpinen Skisport. Erst Bundesrat Ueli Maurer hat das „S“ in seinem Departement wieder ernst genommen und neue Initiativen gestartet. Der bekannte Schweizer Olympionike Beat Hodler, Präsident des Kandahar Ski-Clubs, hat das Vorwort verfasst. Er schreibt: „Wer die phänomenale Entwicklung des Skirennsports nachvollziehen will, wird dieses Buch mit Faszination lesen.“

Anlässlich der Vernissage appellierte Martin Hodler an den Schweizer Nachwuchs, die „Komfortzone“ zu verlassen und wieder „die Zone der Herausforderung“ zu betreten. Leistungswille und Leistungsvermögen müssten wieder gefördert werden. Corinne Schmidhauser, ehemaliges Mitglied der Schweizer Skinationalmannschaft, rief zu Mut und Leidenschaft auf, damit wir wieder die Besten auf die Pisten bringen.

„Die Anfänge des alpinen Skirennsports“ von Max D. Amstutz (zweisprachig deutsch/englisch, 112 Abb.), 176 Seiten, im AS Verlag, Zürich, ISBN 978-3-909111-79-4, CHF 54.–

Was ist ein Künstler?

Dienstag, den 6. Juli 2010 um 7:39

Es gibt den „dienenden Künstler“, der weniger seine Selbstverwirklichung betreibt, sondern fremdbestimmt einem grösseren Anliegen Form und Farbe gibt. Es gibt den „Kunst-am-Bau“-Künstler, der höchst tristen Gebäuden einen Erkennungswert gibt. Und es gibt den wirklichen Künstler, der sich auch nicht vom Staat fördern lässt, der tut, was er tun muss. Diesen muss man abgrenzen von den zahlreichen „Trieb-Künstlerinnen“, die ihre Seele in viel Farbe und Bewegung taumeln lassen, und den Manager- und Politiker-Künstlern, die nach aufreibenden Kämpfen den Courbet in sich entdeckt haben.

Im Literatursumpf der Provinz

Donnerstag, den 15. April 2010 um 7:32

Kaum haben wir Peter Bichsel’s 75. gefeiert und ihn, wie seine Paris-Reise, rasch wieder vergessen, denn gesagt wurde nichts, legen die Feuilletons das jüngste Buch des bernischen Kultautors (für mich ohnehin ein verdächtiges Wort) Pedro Lenz vor „Der Goali bin ig“. Wir befinden uns damit im tiefsten Literatursumpf der Provinz, wo die Gestalten nur noch dahindämmern und die Serviertochter die einzig rettende Seele ist. Die Schweiz hat keinen Autor mehr, welcher jenseits unserer Landesgrenzen etwas mitzuteilen hat. Aus fernen Zeiten grüssen Dürrenmatt-Frisch und E. Y. Meyer (lebt noch, fast vergessen). Der „Geldsozialismus“ (Vontobel Stiftung) und die globalen Wanderarbeiter fegen über die Schweiz hinweg. Martin Suter, die letzte Hoffnung der Schweizer Literatur, eine männliche Hedwig Courths-Mahler der Gegenwart, reizt die Lesebedürfnisse von Hausfrauen und Arztgehilfinnen, welche die grosse Welt kennenlernen möchten. Die Sonne alten Geistes und alten Wohlstands liegt in leichtem Winkel über dem Land, einige wärmen sich daran.

Lovebugs-Konzert – Wir verschenken Tickets

Dienstag, den 8. Dezember 2009 um 16:35

Am Samstag, 12. Dezember 2009, findet auf der Bettmeralp die grosse Wintertaufe statt. Es handelt sich um eine Riesenparty, bei der die Lovebugs ein Konzert geben. Wir verschenken im Namen von Bettmeralp Tourismus 14 Gratistickets.

Senden Sie eine Mail an fidel.stoehlker@stoehlker.ch mit Name und Adresse und Sie erhalten pro Namen ein Ticket. Die Tickets können aber auch in unserer Agentur an der Zollikerstrasse 114 in Zollikon abgeholt werden. Die Inhaber der Tickets werden persönlich vom Tourismusdirektor der Bettmeralp zu einem Apéro eingeladen und erhalten den VIP-Status.

Fidel Stöhlker

Türkei als neuer Bankenplatz

Mittwoch, den 2. Dezember 2009 um 17:25

Türkische Politiker unterhalten uns Westeuropäer doch immer wieder auf lustige Art und Weise. Der türkische Europaminister Egemen Bagis ruft alle reichen Muslime auf, ihr Geld in der Türkei zu bunkern. Das ist wahrhaft eine amüsante Idee, zumal in der türkischen Politik gelogen, betrogen und geschmiert wird, was das Zeug hält. Reiche Muslime sind reich, weil sie nicht dumm sind und ihr Geld sicher nicht türkischen Bankern überlassen. Da hat Bagis wohl vergessen, dass die Türkei ihr Image als künftiger Bankenplatz erst einmal aufbauen muss. Da kann der Minister so laut bellen wie er will. Der Türkei gibt man kein Geld zum verwalten, dort geht man höchstens in den Urlaub, wenn man sonst keine Ahnung mehr hat, wo man Ferien machen soll.

Fidel Stöhlker

Zurich Film Festival: „Golden Eye“ als „Blaues Auge“

Montag, den 28. September 2009 um 8:15

Die Verhaftung von Roman Polanski wirft Fragen auf. Hat er sich zu sicher gefühlt? Oder hat er einfach schlechte oder gar keine Berater, die ihn auf die Gefahr einer Verhaftung hingewiesen haben?
Offenbar hat man in seiner Entourage und am Zürich Film Festival die Lage falsch eingeschätzt und ging davon aus, dass das schwere Schicksal des Filmemachers vor Verfolgung schützt. Ich meine: Nein. Auch ein Überlebender des Holocaust, dessen Frau später bestialisch ermordet wurde, darf sich keine Vergewaltigung einer Minderjährigen leisten. Offenbar messen einige Kulturschaffenden mit unterschiedlichen Ellen – die meisten davon dürfen bei Entstehung seiner Filme gar noch nicht auf der Welt gewesen sein.
Während es der Polizei in der Schweiz immer weniger gelingt, die Sicherheit im öffentlichen Raum zu gewährleisten, hat sie nach dem Fall Hannibal Ghaddafi erneut gezeigt, dass ein grosser Name nicht automatischen Schutz garantiert. Dem kleinen Mann auf der Strasse wird dies gefallen. Auch, dass die kleine Schweiz wieder einmal der ganzen Welt beweisen konnte, ein unerschrockener Rechtsstaat zu sein. Als grosse Siegerin präsentiert sich heute Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf. Ob sie sich und der Eidgenossenschaft damit einen Dienst getan hat, wird sich allerdings noch zeigen.
Schon heute steht fest: Für das Zürich Filmfestival ist die Verhaftung Polanskis ein gewaltiger Imageschaden. Ihre Auszeichnung „Golden Eye“ wurde für die Beteiligten zum „Blauen Auge“.

Philippe Welti

Körperwelten – Konfliktstoff seit Jahrhunderten

Montag, den 21. September 2009 um 9:58

Die Körperwelten, die derzeit in Zürich gezeigt werden sind so wenig neu wie die Proteste, die ihnen entgegenbranden. Vor 250 Jahren bereits hatte Gunter von Hagens einen Vorläufer: Honoré Fragonard aus dem südfranzösischen Grasse war auf seinem Gebiet, der Aufdeckung der verborgenen Strukturen des menschlichen Körpers, ein Pionier. Und: Er hatte, wie sein Zauberlehrling Gunther von Hagens, durchaus auch ein Gespür für die spektakuläre Umsetzung der präparierten Körper. Die wohlhabende Familie Fragonards hatte sich traditionellerweise dem Körper gewidmet. Man hatte sich einen Namen als Parfumproduzenten gemacht. Neben den Duftwässerchen wurde der Familienname aber lange nur im Zusammenhang mit der Verfeinerung französischen Kulturgutes in Verbindung gebracht: Die Bilder von Jean-Honoré Fragonard, Cousin des Honoré, gelten im Louvre als bedeutendste Exponate des zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.
Nun, Honoré ging schon immer seinen eigenen Weg. Er fühlte sich mehr zu Formaldahyd als zu Terpentin oder Patchuli-Essenzen hingezogen und wurde Chirurg. Später, mit 33 Jahren, wurde er Anatom an die Veterinär-Fakultät im Pariser Vorort Alfort-Maisons. Hier baute er sich eine regelrechte Freak-Show mit dem auf, was die Natur an Eigenartigem zustande bringt.
Pfeffer und Gewürze statt Plastination
Fragonard entwickelte dabei als erster eine Technik, die es erlaubte, Tier- und Menschenkörper zu enthäuten und trocken zu konservieren. 50 seiner Werke sind heute noch in dem nach ihm benannten Museum aufbewahrt. Über seine Arbeitsmethode schwieg sich Fragonard, im Gegensatz zu von Hagens, der die Plastination entwickelte, sein Leben lang aus. Es wird angenommen, dass er die Körper in Alkohol, dem Pfeffer und Gewürze beigemischt wurden, tränkte. Später dann injizierte er farbigen Wachs in Bronchien, Venen und Arterin. In ihre endgültige Position gebracht, liess er die Körper dann in der Luft trocknen.
So wie sein Ruf in der Pariser Aristokratie wuchs, nahm auch der Neid des Akademie-Direktors auf den Emporkömmling zu. 1771 stoppte schliesslich ein Gerücht Honoré Fragonards Arbeit: Bei einer seiner präparierten Figuren handle es sich in Wirklichkeit um Fragonards frühere Verlobte. Die junge Frau war aus Gram über die von ihren Eltern verweigerte Heirat mit dem Anatomen freiwillig aus dem Leben geschieden. Für das Werk „Le cavalier de l’Apocalypse“ – es zeigt einen Menschen auf dem Rücken eines Pferdes – habe Fragonard die Frau aus dem Grab geholt, um sie für die Ewigkeit zu präparieren, hiess es. Erst eine Inspektion im Schrittbereich der menschlichen Gestalt liess das Gerücht schliesslich verstummen – seinen Job war Fragonard da aber bereits los geworden. Nach seiner Entlassung profitierte Fragonard davon, dass es zu jener Zeit in Adelskreise gerade en vogue war, sich Kuriositäten-Kabinette zuzulegen. So präparirte er denn weiter, was ihm unter die Hände kam. Im Jahr 1799 starb er wohlhabend mit 66 Jahren.
Die Zürcher Körperwelten sind also nichts Neues. Und umstritten waren die Präparatoren schon immer. Was treibt sie an? Die Antworten müssen in der Stille der ausgestellten Kreaturen liegen. Zu Lebzeiten gefragt, was er in seiner Welt der Kadaver treibe, soll Fragonard jeweils geantwortet haben: „venez et voyez“ – eine Einladung, die auch heute noch gilt.

Philippe Welti

 
     
     
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