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Archiv der Kategorie 'Kultur'

Lovebugs-Konzert - Wir verschenken Tickets

Tuesday, den 8. December 2009 um 16:35

Am Samstag, 12. Dezember 2009, findet auf der Bettmeralp die grosse Wintertaufe statt. Es handelt sich um eine Riesenparty, bei der die Lovebugs ein Konzert geben. Wir verschenken im Namen von Bettmeralp Tourismus 14 Gratistickets.

Senden Sie eine Mail an fidel.stoehlker@stoehlker.ch mit Name und Adresse und Sie erhalten pro Namen ein Ticket. Die Tickets können aber auch in unserer Agentur an der Zollikerstrasse 114 in Zollikon abgeholt werden. Die Inhaber der Tickets werden persönlich vom Tourismusdirektor der Bettmeralp zu einem Apéro eingeladen und erhalten den VIP-Status.

Fidel Stöhlker

Türkei als neuer Bankenplatz

Wednesday, den 2. December 2009 um 17:25

Türkische Politiker unterhalten uns Westeuropäer doch immer wieder auf lustige Art und Weise. Der türkische Europaminister Egemen Bagis ruft alle reichen Muslime auf, ihr Geld in der Türkei zu bunkern. Das ist wahrhaft eine amüsante Idee, zumal in der türkischen Politik gelogen, betrogen und geschmiert wird, was das Zeug hält. Reiche Muslime sind reich, weil sie nicht dumm sind und ihr Geld sicher nicht türkischen Bankern überlassen. Da hat Bagis wohl vergessen, dass die Türkei ihr Image als künftiger Bankenplatz erst einmal aufbauen muss. Da kann der Minister so laut bellen wie er will. Der Türkei gibt man kein Geld zum verwalten, dort geht man höchstens in den Urlaub, wenn man sonst keine Ahnung mehr hat, wo man Ferien machen soll.

Fidel Stöhlker

Zurich Film Festival: “Golden Eye” als “Blaues Auge”

Monday, den 28. September 2009 um 8:15

Die Verhaftung von Roman Polanski wirft Fragen auf. Hat er sich zu sicher gefühlt? Oder hat er einfach schlechte oder gar keine Berater, die ihn auf die Gefahr einer Verhaftung hingewiesen haben?
Offenbar hat man in seiner Entourage und am Zürich Film Festival die Lage falsch eingeschätzt und ging davon aus, dass das schwere Schicksal des Filmemachers vor Verfolgung schützt. Ich meine: Nein. Auch ein Überlebender des Holocaust, dessen Frau später bestialisch ermordet wurde, darf sich keine Vergewaltigung einer Minderjährigen leisten. Offenbar messen einige Kulturschaffenden mit unterschiedlichen Ellen - die meisten davon dürfen bei Entstehung seiner Filme gar noch nicht auf der Welt gewesen sein.
Während es der Polizei in der Schweiz immer weniger gelingt, die Sicherheit im öffentlichen Raum zu gewährleisten, hat sie nach dem Fall Hannibal Ghaddafi erneut gezeigt, dass ein grosser Name nicht automatischen Schutz garantiert. Dem kleinen Mann auf der Strasse wird dies gefallen. Auch, dass die kleine Schweiz wieder einmal der ganzen Welt beweisen konnte, ein unerschrockener Rechtsstaat zu sein. Als grosse Siegerin präsentiert sich heute Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf. Ob sie sich und der Eidgenossenschaft damit einen Dienst getan hat, wird sich allerdings noch zeigen.
Schon heute steht fest: Für das Zürich Filmfestival ist die Verhaftung Polanskis ein gewaltiger Imageschaden. Ihre Auszeichnung “Golden Eye” wurde für die Beteiligten zum “Blauen Auge”.

Philippe Welti

Körperwelten – Konfliktstoff seit Jahrhunderten

Monday, den 21. September 2009 um 9:58

Die Körperwelten, die derzeit in Zürich gezeigt werden sind so wenig neu wie die Proteste, die ihnen entgegenbranden. Vor 250 Jahren bereits hatte Gunter von Hagens einen Vorläufer: Honoré Fragonard aus dem südfranzösischen Grasse war auf seinem Gebiet, der Aufdeckung der verborgenen Strukturen des menschlichen Körpers, ein Pionier. Und: Er hatte, wie sein Zauberlehrling Gunther von Hagens, durchaus auch ein Gespür für die spektakuläre Umsetzung der präparierten Körper. Die wohlhabende Familie Fragonards hatte sich traditionellerweise dem Körper gewidmet. Man hatte sich einen Namen als Parfumproduzenten gemacht. Neben den Duftwässerchen wurde der Familienname aber lange nur im Zusammenhang mit der Verfeinerung französischen Kulturgutes in Verbindung gebracht: Die Bilder von Jean-Honoré Fragonard, Cousin des Honoré, gelten im Louvre als bedeutendste Exponate des zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.
Nun, Honoré ging schon immer seinen eigenen Weg. Er fühlte sich mehr zu Formaldahyd als zu Terpentin oder Patchuli-Essenzen hingezogen und wurde Chirurg. Später, mit 33 Jahren, wurde er Anatom an die Veterinär-Fakultät im Pariser Vorort Alfort-Maisons. Hier baute er sich eine regelrechte Freak-Show mit dem auf, was die Natur an Eigenartigem zustande bringt.
Pfeffer und Gewürze statt Plastination
Fragonard entwickelte dabei als erster eine Technik, die es erlaubte, Tier- und Menschenkörper zu enthäuten und trocken zu konservieren. 50 seiner Werke sind heute noch in dem nach ihm benannten Museum aufbewahrt. Über seine Arbeitsmethode schwieg sich Fragonard, im Gegensatz zu von Hagens, der die Plastination entwickelte, sein Leben lang aus. Es wird angenommen, dass er die Körper in Alkohol, dem Pfeffer und Gewürze beigemischt wurden, tränkte. Später dann injizierte er farbigen Wachs in Bronchien, Venen und Arterin. In ihre endgültige Position gebracht, liess er die Körper dann in der Luft trocknen.
So wie sein Ruf in der Pariser Aristokratie wuchs, nahm auch der Neid des Akademie-Direktors auf den Emporkömmling zu. 1771 stoppte schliesslich ein Gerücht Honoré Fragonards Arbeit: Bei einer seiner präparierten Figuren handle es sich in Wirklichkeit um Fragonards frühere Verlobte. Die junge Frau war aus Gram über die von ihren Eltern verweigerte Heirat mit dem Anatomen freiwillig aus dem Leben geschieden. Für das Werk “Le cavalier de l’Apocalypse” – es zeigt einen Menschen auf dem Rücken eines Pferdes – habe Fragonard die Frau aus dem Grab geholt, um sie für die Ewigkeit zu präparieren, hiess es. Erst eine Inspektion im Schrittbereich der menschlichen Gestalt liess das Gerücht schliesslich verstummen – seinen Job war Fragonard da aber bereits los geworden. Nach seiner Entlassung profitierte Fragonard davon, dass es zu jener Zeit in Adelskreise gerade en vogue war, sich Kuriositäten-Kabinette zuzulegen. So präparirte er denn weiter, was ihm unter die Hände kam. Im Jahr 1799 starb er wohlhabend mit 66 Jahren.
Die Zürcher Körperwelten sind also nichts Neues. Und umstritten waren die Präparatoren schon immer. Was treibt sie an? Die Antworten müssen in der Stille der ausgestellten Kreaturen liegen. Zu Lebzeiten gefragt, was er in seiner Welt der Kadaver treibe, soll Fragonard jeweils geantwortet haben: “venez et voyez” – eine Einladung, die auch heute noch gilt.

Philippe Welti

Deutsche - Ihr seid willkommen aber bitte versteht die Schweizer

Friday, den 14. August 2009 um 9:25

Der Negativ-Hype um die Deutschen in der Schweiz ist eine peinliche Lachnummer im Ausland. Die Klischees leben auf: Schoggi, Banken, Berge, Bünzlis. So erleben viele Deutsche uns Eidgenossen. Aber nicht alle Deutschen wissen, wie man sich in der Schweizer Gesellschaft beliebt macht. Maria Liessmann, ehem. Ressortleiterin bei der “Bravo” und jetzt Leiterin des Ressorts “Life” beim “Blick am Abend” macht in Ihrem Essay vom 13. August klar, dass auch sie sich zuwenig auf die Schweiz vorbereitet hat. Dabei erwähnt sie, dass in Deutschland Autoreparaturen für ein Lächeln zu kriegen sind und in der Schweiz muss man dafür bezahlen. Also da hab ich in Deutschland andere Erfahrungen gemacht. An der Kasse im Supermarkt musste die unruhige Deutsche warten, weil sich zwei Menschen vor ihr unterhielten. Das ist eben Schweizer Gemütlichkeit. Dann hätte ihr eine Kassiererin sogar einen Sack (auf Deutsch: Tüte) angeboten und sie assoziiert das gleich mit den männlichen Genitalien. Ok man darf nicht vergessen, sie schreibt für den “Blick am Abend”, da geht das natürlich.

Fazit: Das Problem vieler jüngerer Deutscher in der Schweiz ist, dass sie unser Land verniedlichen und über die Fähigkeit, wie Schweizer Deutsch sprechen, lachen. Und wenn Deutsche dies gegenüber den Schweizern auch noch aussprechen, dann wirkt das für den Durchschnittseidgenossen wie eine Beleidigung und wirkt in höchstem Masse arrogant. Liebe Deutsche in der Schweiz - lest den Artikel “Gehen wir euch auf den Sack?” im “Blick am Abend” und dann wisst Ihr, wie man es in der Schweiz nicht machen soll.

Fidel Stöhlker

Pilgerwanderung zum Reality-TV des Mittelalters

Tuesday, den 7. July 2009 um 14:01

Im Mittelalter erlebte das Pilgerwesen in Europa seinen Höhepunkt. Das grosse Pilgerziel, neben Santiago de Compostela und Rom, war damals Jerusalem. Das Problem: Mit der Blockierung des Balkans durch die Osmanen war auch für die Pilger der Weg ins Heilige Land mühsam und gefährlich geworden. Die Vergebung ihrer Sünden durch eine Pilgerfahrt rückte für die meisten Menschen in weite Ferne. Dies brachte den Mailänder Franziskanermönch Bernardo Caini auf die Idee, eine Pilgerstätte zu erbauen, die ohne Gefahr für Leib und Leben erreichbar ist. Im Jahr 1491 begann Bernardo Caini das Werk auf dem Sacro Monte über Varallo im Piemont, das an die Höhepunkte des irdischen Lebens Jesu erinnern sollte. Entstanden ist ein Monumentalkomplex mit 43 Kapellen, in denen das Leben und Sterben Christi mit über 600 lebensgrossen Statuen - ein Reality-TV des Mittelalters, dessen Besuch in Zeiten, in denen man kaum mal das eigene Dorf verliess, ein einmaliges Ereignis im Leben war. Praktischerweise noch verbunden mit dem Ablass. Als im Jahr 1578 der Mailänder Erzbischof Karl Borromäus den Sacro Monte besuchte, war er so begeistert, dass er den Ort “Nova Jerusalem” taufte. Der neue Pilgerort war geboren.
Während Jahrhunderten fanden zur Feier von Maria Himmelfahrt Pilgerfahrten zum Sacro Monte di Varallo statt. Die letzte historisch belegte Wallfahrt unternahmen vier Walliser aus Ayer im Val d’Anniviers im Jahr 1963. Jetzt belebte der Walliser Wanderführer Peter Salzmann den historischen Pilgerweg. Vom 5. bis zum 15. August leitet er eine Pilgerreise von Spiez über den Rawilpass ins Wallis und von dort über den Moro-Pass ins Piemont nach Varallo. Ich selber werde als Protestant mitgehen. Wer weiss, vielleicht erhalte ich dabei während des meditativen Wanderns einen neuen Blick auf die Welt und kehre als alpiner Buddhist zuirück. Mehr dazu später auf dieser Plattform.

Anmeldung:
Peter Salzmann
Mobile: 079 680 14 67
Tel: 027 946 21 40
p.salzmann@rhone.ch
www.alpevents.ch

Buchempfehlung: Pilgerweg “Neues Jerusalem”, Peter Salzmann, Kultur- und Wanderführer, 168 Seiten, 32 Franken. Erschienen im Rotten-Verlag in Visp.

Philippe Welti

71 Gault-Millau-Punkte, 1 Winzer des Jahres und mein Portemonnaie

Monday, den 22. June 2009 um 13:50

Am Freitag um 10 Uhr startete ich im Weinberg von Diego Mathier, Winzer des Jahres 2007, in Salgesch mit der Degustation eines Merlots. Danach gings mit Degustationen im Viertelstundenrhythmus weiter. Bald nahm ich das Rauschen der Raspille, des Bachs, der Ober- von Unterwallis trennt und zugleich Sprachgrenze ist, nur noch durch einen Filter wahr.
Dafür umso mehr Diego Mathier, der als begnadeter Verkäufer nie um eine Geschichte über seiner Weine verlegen ist. Am Nachmittag lud der Gastgeber zur Tafelrunde im Carnotzet seiner Kellerei “Nouveau Salquenen” ein. Die Hochdekorierte Küchenmannschaft vereinigte ganze 71 Gault-Millau-Punkte auf sich: Markus Neff, “Koch des Jahres 2007″ und Küchenchef im Hotel “Fletschhorn” in Saas-Fee (18 Punkte), Alain Kuster, Küchenchef im Hotel “Mirabeau” in Zermatt (15 Punkte), Franz Schwery, Inhaber des Restaurants “Findlerhof” in Zermatt (13 Punkte), Jörg Walter, Küchenchef im Hotel “Ferienart” in Saas-Fee (13 Punkte), Urs Biner, Inhaber des Restaurants “Chez Heini” in Zermatt (12 Punkte) und Heinz Rufibach, Küchenchef im “Alpenhof” Hotel in Zermatt. Zu jedem der sechs Gänge kredenzte Gastgeber Diego Mathier, dessen fünf kleine Töchter sich nun auch zeigten, den passenden Wein. Ziel des Anlasses für Medienvertreter aus der ganzen Schweiz, der in Zusammenarbeit mit Wallis Tourismus durchgeführt wurde: Die Positionierung des Alpensüdkantons als Genussland. Fazit: Ich habe schon lange nicht mehr so gut gegessen und getrunken. Der Wein-Cocktail hat keine Spuren gelassen. Ausser vielleicht, dass ich mein Portemonnaie auf der Rückreise mit dem Zug irgendwo liegengelassen haben muss.

Philippe Welti

Der Kanun des Lek Dukagjini – der Schlüssel zum Verständnis der Albaner

Thursday, den 11. June 2009 um 9:20

Ich vertiefe mich gerade in das albanische Gewohnheitsrecht, den Kanun des Lek Dukagjini, der ins Deutsche übersetzt wurde und jetzt online zugänglich ist. Mein erster Eindruck: Der Kanun ist in sich stringent, wenn auch mit unserere heutigen Auffassung von Recht und Zusammenleben nicht akzeptierbar. Der Kanun setzt auf das Prinzip der Rache, welches die männliche Ehre (die Frau hat keine) erhält. Haftstrafen sieht der Kanun beispielsweise nicht vor. Der Grund: Diese sind nicht ehrhaft und deshalb niemandem zumutbar. Väter können ihre Kinder straflos töten, wenn Sie gegen die Ehre der Familie verstossen.
Den Kanun zu kennen, würde wohl einiges zum Verständnis der Albaner auch in der Schweiz beitragen. Das überlieferte Gewohnheitsrecht ist tief verankert und war während Jahrhunderten stärker als jedes staatliche Gesetz. Es wird auch heute noch in Teilen Albaniens und des Kosovo befolgt. Aus diesem Grund müssen nach offiziellen Angaben die Männer von über 10′000 Familien in Nordalbanien zu Hause bleiben. Sie riskierten sonst riskieren, Opfer der Blutrache zu werden.

Philippe Welti

Vancouver schlägt Zürich

Tuesday, den 9. June 2009 um 12:06

Die Erhebung von “The Economist” hat in einem Punkt recht: Vancouver ist in Sachen Lebensqualität tatsächlich besser als Zürich. Die Stadt hat sich in den letzten 10 Jahren ungeheuer gut entwickelt. Sie ist wirtschaftlich erfolgreich, hat ein kleines sehr kompaktes sauberes Zentrum, liegt direkt am Meer mit Stränden, und wenn man im Winter die Lionsgate Bridge überquert, hat man das Skigebiet GrouseMountain direkt an die Stadt angrenzend. Neben der Nachtansicht vom Hausber auf Vancouver, scheint die Skyline von New York nur noch als kleines Lämpchen. Die besten Skigebiete Noramerikas sind in 1 h 20 min erreichbar: Whistler und Blackcomb.

Erschreckend aber ist, dass Zürich einen Platz hinter Genf stehen soll. “The Economist” hat sich hier lediglich an der Internationalität orientiert. Das hat rein gar nichts mit Lebensqualität zu tun. Genf ist eine furchtbar langweilige Stadt und hat diese Platzierung nie im Leben verdient. Manchmal frage ich mich wirklich, welche Schwachköpfe zu solchen Ergebnissen kommen.

Fidel Stöhlker

Welti zeigt Jean Calvin als einsamen Menschen

Friday, den 22. May 2009 um 9:32

Die Begegnung des spanischen Arztes und Antitrinitaners Michel Servet mit Jean Calvin ist ein dunkles Kapitel in der Lebensgeschichte des Reformators. Der eingewanderte Franzose, der in Genf einen Gottesstaat errichtet hatte und der heute im Rückblick auch als Ayatollah von Genf verschrien wird, hatte einst seinen Gegenspieler Servet der Inquisition denunziert um ihn später gleich selbst auf den Scheiterhaufen zu bringen. In seinem Stück „Servet in Genf“ zeichnet mein Grossvater, der Schweizer Dramatiker Albert J. Welti, Calvin, der, gefangen in seinen Prinzipien, ein einsamer Mann ist. Im Reformator müssen dunkle und heller Kräfte gewirkt haben. Von einem Mythos der Unverletzlichkeit umgeben, aber ohne Freund vollbringt er sein freudloses Werk in der Rhônestadt, die er in eisernem Griff hat. Doch längst nicht alle Bürger der Stadt sind bereit, ihm zu folgen oder sich seinen strengen Sittenregeln zu unterwerfen. Nachdem die alteingesessenen Genfer den katholischen Bischof vertrieben haben, versuchen einige von ihnen Michel Servet für ihre umstürzlerische Sache gewinnen. Vergeblich. Michel Servet sucht in naiver Art und Weise den Dialog und die Auseinandersetzung mit dem Reformator. Doch dieser ist gefangen in seiner Dogmatik. Trotzdem möchte er Servet retten vor den Gesetzen, die er wie ein Netz über die Stadt Genf geworfen hat. Nur der Trotz Servets, nicht zu weichen und wie die Motte zum Licht zu fliegen, macht die Verhaftung des Ketzers durch Calvins angeberischen Schreiber möglich. Servets letzte Worte an den von religiöser Inbrunst getriebenen Calvin: „In unseres Vaters Hause sind viele Wohnungen – wir werden einstens doch wohl Nachbarn sein.“
Unter der Regie von Andreas Kosek gelingt es dem Wiener Teatro Caprile das Ringen der beiden Geister, des gebrechlichen Fanatikers Calvin mit dem sturen, an das Gute im Menschen glaubenden Gegenspieler Servet, packend zu vermitteln. Stefan Ragner als Servet ist ein irdischer Macht abgeneigter Schwärmer, weshalb der Sturz Calvins scheitern muss. Christoph Prückner, der als strenger Technokrat Calvin den Schwachen beisteht und die Tugendlosen verfolgt, ist auch ein gebrechlicher Mensch, der, von Einsamkeit geplagt, sich bloss eine freundliche Seele als Freund und Begleiter wünscht. Das zahlreich erschienene Publikum in der Wiener Zwinglikirche dem Ensemble mit seinem Applaus grosse Anerkennung für die gelungene Inszenierung.
“Servet in Genf” wird im Calvin-Jahr noch in mehreren reformierten Kirchen in Österreich und Deutschland aufgeführt und kommt im Herbst auch in die Schweiz.
• 4. September, Genf, Temple de la Madeleine (Lutheranische Kirchgemeinde)
• 5. September, 20 Uhr, Offene Kirche St. Jakob, Zürich
• 1. Oktober, Reformierte Stadtkirche St. Laurenzen, St. Gallen

Philippe Welti

 
     
     
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