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Weblog
Archiv der Kategorie 'Kommunikation'
Mittwoch, den 14. März 2012 um 10:00
Schon Doris Fiala, die Zürcher FDP-Nationalrätin, wollte nur „mit Herzblut“ für die Aids-Hilfe arbeiten. Der leicht angeschlagene Verein war dankbar, dass sich eine prominente Politikerin für ihn engagierte und bewilligte Fr. 50 000.—als Jahreshonorar. Von einer „Herzensangelegenheit“ spricht Beatrice Tschanz, die ob ihrer heldenhaften Verteidigung der alten Swissair zur Legende wurde, und es sich nun zur Aufgabe gemacht hat, einer älteren Dame vom Züriberg das eigene Haus zu erhalten, welches diese bereits der Stadt Zürich versprochen hat. Adelheid von Muralt, die eine wirklichhübsche Villa am Hang besitzt, hat sich mit der Stadt Zürich verkracht und will sich in ihr eigenes Schneckenhaus zurückziehen. Da „die Tschanz“ nach eigener Aussage gratis für den Züriberg-Adel tätig ist, drischt sie mindestens auf die Zürcher FDP ein, die „nicht mit tollen Vertretern glänzt“ (Fiala, Vollenwyder). Merke: Einer zahlt immer.
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Mittwoch, den 14. März 2012 um 9:00
Wer „um eine sehr gute Flasche Wein wettet“, wie Martin Spieler, Chefredaktor der „SonntagsZeitung“, traut seiner eigenen Wette zumeist nicht. Spieler, der verspricht, die an Auflage rückläufige „SonntagsZeitung“ wieder zu einem Wachstumsmedium zu machen, will nur „eine sehr gute Flasche“ riskieren, dass es auch klappt. Sein Freund Thomas Matter, Bankier, wettete bei der Reichtumssteuer auch „eine sehr gute Flasche“ gegen meine Aussage, diese werde ohnehin abgelehnt. Es sei daher Unfug, Alfred Schindler und andere Unternehmer mit riskanten Auswanderungs-Aussagen zu kompromittieren. Thomas Matter verlor seine Wette, lieferte die Flasche aber erst, als eine bekannte Zürcher Journalisten, Hildegard Schwaninger, nachfragte. Spieler wie Matter, befreundet, sind beide Mitglieder des „renommierten“ Clubs am Rennweg, dessen Mitglieder grössere Risiken offensichtlich scheuen.
NB) Der „Schweizer Journalist“ gibt der „SonntagsZeitung“ bei deren Handwerk nur die Note 2,0, während die „Blick“-Gruppe mit „SoBli“ die Note 5,0 erhält, die „NZZ am Sonntag“ die Note 3,0.
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Dienstag, den 13. März 2012 um 9:45
Martin Bäumle, Präsident der GLP, hatte den Auftrag, die Zweitwohnungs-Initiative zu bekämpfen. Seine Partei versagte, denn mit 28 000 Stimmen siegten Franz Weber mit Tochter.
Gleichzeitig herrschte ein Chaos innerhalb der Parteien: Die CVP mit Christophe Darbellay halfen der Jungpartei von Bäumle, aber nicht konsequent genug. Die FDP von Fulvio Pelli fuhr eine eigene Kampagne, die ebenfalls kein Erfolg wurde. Die grossen Wirtschaftsverbände verschliefen das Thema und die Regierungen und Handelskammern der Bergkantone kamen mit Ausnahme des Wallisers Jean-Michel Cina kaum zur Geltung.
Die Folge ist eine traumatische Niederlage der ohnehin wirtschaftlich schwachen Bergkantone, die nun keinen Plan B haben, sondern mit Tricks und Trickli Wege suchen, ihre Bauwirtschaft zu retten.
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Dienstag, den 13. März 2012 um 7:45
…ist einer der meist benutzten Sätze von Politikern, Sporttrainern und Vertretern ähnlicher High Risk-Jobs, wenn sie eine Niederlage überlebt haben. Es gilt als höchst gefährlich einzugestehen, man könnte auch einmal „etwas anders machen“ als ursprünglich vorgesehen. Als Höhepunkt folgt dann meist die Aussage „Ich bin, wie ich bin“ oder „Ihr müsst mich nehmen, wie ich bin.“ womit eingestanden wird, dass das Lernpotential des Betroffenen gleich null ist. Weil die Welt sich heute rascher ändert als die vom Tempo Betroffenen, sind Niederlagen programmiert. Dann bleibt nur noch die Formulierung „Ich übernehme die Verantwortung“, meist von Menschen vorgetragen, denen man am liebsten keinerlei Verantwortung übertragen würde. Womit der Kreislauf bekannter Aussagen von neuem beginnt.
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Montag, den 12. März 2012 um 16:44
Unsere Marketingprofis „wollen an der aktuellen Swissness Debatte“ teil haben und präsentieren daher eine vielseitige Publikation „Swiss Made“. Ganz besonders schön ist das Titelbild im Stil der 30er Jahre des 20. Jahrhunderts gelungen, wo zehn verlorene Schweizer, es mögen auch Ausländer darunter sein, mitten im Gletscher unter einer Schweizer Fahne stehen. Ringsherum nur verschneite Gipfel, kein Kontakt zu anderen Menschen, einfach nichts. Im besten Fall verrät das Motiv Trotz, dem Untergang zu widerstehen, im schlechtesten Unvermögen. Wer darin inseriert, wie Nestlé oder Toblerone, ist ohne ein von Ausländern beherrschtes Unternehmen. Die Schweizer bleiben Dekoration.
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Freitag, den 9. März 2012 um 17:45
Natürlich ist der Public Relations-Abteilung des Schweizer Holcim-Konzerns ein Coup gelungen. Die Fotos aus Anlass von „100 Jahre Holcim“ werden in Bern im renommierten Kunstmuseum unter dem Titel „Industrious“ recycliert dem Publikum vorgestellt. Es wäre auch zu schade gewesen, diese nur im Rahmen einer Buchpublikation zu verwenden. Wenn Holcim die Ausstellung mit 40% der Gesamtkosten sponsert, ist dies nur ein Beweis dafür, dass man grossen Wert auf diesen Auftritt in Bern gelegt hat. Jetzt warten wir auf die nächsten Fotoausstellungen von Novartis, Nestlé und Glencore, die mindestens gleichrangige Fotografen beschäftigen.
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Freitag, den 9. März 2012 um 9:00
Wer wüsste nicht, dass wir in einer Demokratie leben, wo doch Frankreich von einem verdunkelten Sonnenkönig geführt wird und in Italien wie Griechenland Finanz-Caudillos herrschen, die ihre Völker mit bitteren Lasten belegen, während die privaten Schuldner, vor allem die Bankiers, zu den Geretteten zählen, da deren Lasten vom nordeuropäischen Steuerzahler geschultert werden. In dieser hoch zu lobenden Demokratie hat die deutsche Bundeskanzlerin, deren politische Balancekünste von Tag zu Tag bewundernswerter geworden sind, einen Halbsatz von besonderer Tragweite geprägt: „Es handelt sich um eine nicht hilfreiche Meinung….“
Künftig sind demzufolge den Demokraten nur noch „hilfreiche Meinungen“ gestattet, die Fortsetzung der „konstruktiven Kritik“ aus dem vergangenen Jahrhundert. Echte Kritik und „nicht hilfreiche Meinungen“ sind in einer wahren Demokratie nicht mehr erwünscht.
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Donnerstag, den 8. März 2012 um 16:50
Weil Stil in vielem wichtiger als Inhalte geworden ist, müssen wir dem „Stil“-Magazin des einzig verbliebenen Schweizer Weltblattes „Neue Zürcher Zeitung“ die gebotene Aufmerksamkeit schenken. Schon auf derTitelseite mit einem Visconti’schen Model, das apart auf einer Empire-Kommode platziert wurde, zeigt dieses Zürcher „Magazin für Lebensart“ auf, wie eine echte Zürcherin auszusehen hat, was den älteren Goldküstenbewohnern sicher Schauer über den Rücken rieseln lässt. Der Jetset, den Zürich eigentlich schon lange nicht mehr hat, zeigt sich weiblich-püppchenhaft kokett, eher anbiedernd. Der Mann vom „Herren Globus“ gleich gegenüber wirkt äusserst cool und daher „Mehr Mann“. Was sich auf der folgenden Fotostrecke, günstig eingekauft, an empfehlenswerter Locker- oder Verruchtheit präsentiert, finde ich wesentlich eleganter im „What to by“ der „Financial Times“, wo auch die Inserate Weltklasse sind, während „Stil“ à la NZZ doch wohl nur ein Versuch ist.
„Mitten im Leben“ nennt sich das Stilmagazin des „Sonntag Blick“, das mich auf der Titelseite und 12 folgenden mit dem geplanten Elefantenpark des Zirkus Knie in Rapperswil vertraut machen soll. Franco Knie, der wesentlich vitaler wirkt als der monegassische Fürst oder Prinz Philipp von England hat sehr wahrscheinlich einen Marketingvertrag mit dem Ringier-Konzern geschlossen, der dann auch die Tickets für den Kinderzoo in Rapperswil verkaufen darf. Dennoch muss dem „Mitten im Leben“-Magazin von der Dufourstrasse zugute gehalten werden, dass es mit der folgenden Frage im Immobilienteil „Was bekomme ich für 700 000Franken?“ einen Leseknüller gelandet hat, wobei nicht jeder junge deutsche Arzt für ein 278 qm-Haus nach Sembrancher ins Wallis ziehen wird, wenn er für den gleichen Preis eine 55qm 2,5 Zimmer-Wohnung in Zürich erhält.
Beide Magazine machen intensiv Produktwerbung, um den Lesernutzen zu steigern. Ringier bietet jede Menge „action“ an und ist damit wahrscheinlich näher am Markt als die „Stil“-isten der NZZ, die mit der wirklichen Elite nicht schritt halten können.
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Donnerstag, den 8. März 2012 um 10:10
Thomas Gottschalk, der Entertainer der deutschen Unter- und Mittelklasse, soll der in den roten Zahlen befindlichen UBS Deutschland helfen, zu reichen Kunden der Oberklasse zu kommen. Anstelle von „la Hunziker“ soll Beatrice Weder die Mauro auftreten, die deutsche Bundesweise von Gerhard Schröders Gnaden. Quelle comédie! Die UBS zieht allerdings nur nach, ist Dieter Bohlen doch längst für die Branche der Anlageberater aktiv; sein Geld hat er bei der Commerszbank.
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Mittwoch, den 7. März 2012 um 11:26
Wie signalisiere ich gesundes Wachstum ohne Übertreibungen? Für ein finnisches Unternehmen liegt der Griff auf die Birke nahe. Ein Baum kann nur wachsen, wenn er gehegt und gepflegt wird. Die Birke ist nicht nur der verbreiteste Laubbaum in Finnland, sondern auch ein Symbol für die dortige Natur. Aus diesem Grund hat sich der Finanzdienstleister Estlander & Partners, der seit kurzem auch über seinen Sitz in Zürich verfügt, als Firmenloge den Querschnitt eines finnischen Birkenstammes zugelegt. Genau das Richtige für ein Unternehmen, das kein Wall Street-High Profit-Jäger sein will, sondern Wert auf dauerhaftes Wachstum legt.
Philippe Welti
Kommunikation, Wirtschaft | Keine Kommentare »
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