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Archiv der Kategorie 'Kommunikation'

Jean-Claude Biver fragen

Montag, den 6. Februar 2012 um 12:01

Millionen Franken werden von Bund und Kantonen, aber auch den grossen Schweizer Städten, für Tourismus- und Marketingstudien zum Fenster hinaus geworfen. Ich habe Dutzende dieser Studien gelesen; sie sind zu 95% Schrott. Besser wäre es, einen der genialsten Schweizer Uhrenunternehmer zu fragen: Jean-Claude Biver (Blancpain, Omega, Hublot), der sagt: „Länder träumen von Swissness und wollen wie die Schweiz werden.“ Das ist der Kern allen Schweiz-Marketings im Ausland. Wir müssen es nur perfekt und mutig umsetzen.

Flexibel, offen – wacklig

Freitag, den 3. Februar 2012 um 9:20

Im Zeitalter der flexiblen Toleranz und der offenen Kommunikation, die alles zeigen und nichts verbergen will, sind die grossen Podien weitgehend verschwunden, hinter welchen sich die Referenten perfekt verbergen konnten, allein Oberkörper und intelligente Köpfe zeigend. Die armen Bundes- und Regierungsräte, Chefbeamte und Chefredaktoren müssen sich, einzeln oder zu zweit, hinter einem Alu-Tischchen aufreihen, sich dort beidhändig festhaltend, um angesichts oft wenig freundlicher Fragen nicht die Haltung zu verlieren. So geschieht es hundertfach jeden Monat, dass die Menschen im Saal, gemütlich sitzend, „denen da oben“ in wackliger Position, je nach Beinmuskulatur, die Wahrheit an den Kopf werfen. Wo früher eine Mauer aus Holz oder mindestens Tuch war, ist heute nichts mehr, nur die betuchten Ober- und Unterschenkel tänzeln nervös hin und her, später zunehmend ermüdet. Das demokratische Schauspiel hat sich in einen öffentlichen Pranger verwandelt.

Warum milenamosermartinsuter-Literatur?

Donnerstag, den 2. Februar 2012 um 8:10

Vielleicht deshalb, weil ich mich dem Sprachzauber grosser Autoren nicht entziehen kann oder bei Charles Dickens, Hermann Hesse, Thomas Mann, aber auch John Berger, Corinne Bille oder Ferdinand Ramuz jenen präzisen Ton finde, der die Welt zum Klingen bringt, frage ich mich, welche vom TV betäubten Gemüter milenamosermartinsuter lesen, deren Wortbrei von mässigen Spannungsfeldern leicht erhitzt wird. Nach dem Motto „Frau bespricht Frauenliteratur“ lässt das Feuilleton des „tagi“ von Simone Meier Milena Moser feiern, die sich diesem Trauma entzieht, indem sie deutlich macht, für wen derlei gedacht ist: Hausfrauen, Lehrerinnen, Ärztinnen und ihre Sekretärinnen, feministische Ex-Studentinnen. Wenn die kenntnisreiche Lektorin dann die Moser’schen Yoga-Exerzitien auch noch als „Sport“ apostrophiert, gehen bei mir die Lichter aus. In der Dunkelheit erkenne ich den neuen Kunstbrei: milenamosermartinsutersimonemeiertagesanzeiger. Wörtermasse für die Biomasse.

Müssen Politikerinnen gut aussehen?

Dienstag, den 31. Januar 2012 um 15:30

Unsere Bundespräsidentin Eveline Widmer-Schlumpf hat zu Jahresbeginn eine neue Coiffeuse, mindestens aber eine neue Frisur gefunden, was ihr jenen Charme gegeben hat, den man als „Spatz von Chur“ akzeptieren kann. Doris Fiala, Zürcher FDP-Nationalrätin, einst fast völlig, scheint derzeit völlig vom Fleisch zu fallen; vielleicht sind es auch nur die unbarmherzigen TV-Lichter, die ihrem Gesicht eine neue Härte geben. Lady Ashton, SP-Baronin von Tony Blairs Gnaden, Aussenbeauftragte der EU, gleicht einer meiner Cousinen, die wir wegen ihrer Hässlichkeit gerne aus dem Weg gingen. Würde die Ashton doch endlich etwas Kluges sagen! Die kurze Stirn, das fliehende Kinn, Mund, Nase, Augen und Haare, vom schwer faltigen Hals, den zu verdecken sich die Baronin keine Mühe gibt, macht aus ihr noch keine „Europa“, für die eine Entführung durch Zeus sich anbieten würde. Kein Wunder, dass viele Menschen kein Interesse mehr an der Politik haben.

…dass sich die Balken biegen

Montag, den 30. Januar 2012 um 8:00

„America is back!“ ruft Barack Hussein Obama. Dieser kleine Hicks in der US-Wirtschaftsgeschichte vor einem Himalaya voller Schulden soll nichts anderes als ihm den Wahlsieg bringen. Und Prof. Dr. Klaus Schwab will in Davos den Raubtier-Kapitalismus abschaffen, indem er mit den Raubtieren diskutiert, wobei die Wildesten derselben gleich gar nicht ins Bündnerland gekommen sind. Wer glaubt’s? Es wird gelogen, dass sich die Balken biegen. Jetzt fehlt nur noch des EU-Präsidenten Ruf: „EU is back!“ Natürlich werden wir es glauben, isn’t it?

„Die Zeit“ rutscht ab

Freitag, den 27. Januar 2012 um 16:00

Ein bekannter europäischer Richter schrieb mir dieser Tage: „Ich stehe nirgendwo.“ Er wollte damit sagen, keine Partei könne ihn für sich in Anspruch nehmen. Ganz im Gegensatz dazu haben sich die verlegerischen und redaktionellen Spitzen der liberalen deutschen Wochenzeitung  „Die Zeit“ insofern in eine gefährliche Lage gebracht, als sie jetzt zum zweiten Mal sich selber zum Opfer von Kampagnen-Journalismus gemacht haben.

. Herausgeber Josef Joffe machte sich mit Auftritten und Kommentaren zum Verteidiger des deutschen Bundespräsidenten Christian Wulff, indem er Wulff ein unkritisches Podium zu dessen eigener Verteidigung bot.

. Damit verletzte er das Gesetz des Abstands ebenso wie sein Chefredakteur Giovanni di Lorenzo, der mit einem eher naiven Interview-Buch den gestürzten deutschen Verteidigungsminister Baron von und zu Guttenberg zu Wort kommen liess. Guttenberg wollte damit im fränkischen Bayern wieder politisch durchstarten, was aber misslang. Er zog sich wieder in die USA zurück.

Der Kampagnen-Journalismus der beiden „Zeit“-Stars macht deutlich, dass das renommierte Weltblatt trotz wachsender Leserzahlen in eine Krise geraten ist. Was Marion Gräfin Dönhoff, die dem Kampagnen-Journalismus auch nicht abgeneigt war, oder Theo Sommer meisterlich zelebrierten, gelingt der neuen Verlagsleitung immer weniger: Eleganz in der Kommunikation.

Dazu gehört, dass der Schweizer Teil unter Leitung von Peer Teuwsen eher zu einem linken und keineswegs liberalen Parteiblatt abgesunken ist, was keinem wirklich gebildeten Leser gefallen kann. Offensichtlich wollte man einen Gegenpol zur rechtskonservativen „Weltwoche“ schaffen , womit in der Schweiz die Frage offen bleibt, ob es neben der NZZ noch Platz hat für eine aktuell-liberale Publikation.

Reizvolle elitistische Meinungsbildung

Freitag, den 27. Januar 2012 um 7:05

Wer sich zur Bildungselite zählt, ist zu Gedankensprüngen   fähig, die nicht ohne Reiz sind. Die Rede ist von Äusserungen des Politologen Prof. Georg Lutz von der Uni Lausanne:

  • Wenn Teile der Schweizer Bevölkerung Angst vor Zuwanderern haben, nennt er dies „Sockel-Xenophobie, die von der SVP bewirtschaftet wird“.
  • Wenn die SVP während des Wahlkampfes erfolgreich Unterschriften für ihre Initiative „Gegen Masseneinwanderung“ sammelt, ist dies nur ein  „zu relativierender Erfolg“. Andere würden sagen: Clever getimt.

Modewort „schillernd“

Donnerstag, den 26. Januar 2012 um 15:00

Weiss ein Journalist nicht mehr, wie er einen Menschen negativ beschreiben soll, ohne eine Klage befürchten zu müssen, benutzt er das Modewort „schillernd“. Dies hat NZZ-Korrespondentin Cornelia Derichsweiler aus Madrid getan, als sie den dort auf der Anklagebank sitzenden prominenten Richter Baltasar Garcon beschrieb.

  • Garcon hat Häftlinge abhören lassen, was in Spanien „umstritten“ ist. Bei vermuteten Terroristen wir es getan.
  • Mit der Operation „Gürtel“ ist er den Konservativen Spaniens wegen Korruptionsfällen, die er nachgewiesen hat, in die Quere gekommen.

Jetzt wird er juristisch abgeschlossen, eher er schlimmeres tun kann. Muss man einen solchen Mann „schillernd“ nennen?

Käufliche Stars

Donnerstag, den 26. Januar 2012 um 9:49

Wer sich Kofi Annan, Ogi-Freund und ehemaliger UNO-Generalsekretär, als Referent zum Firmenfest wünscht, muss Euro 150 000.—auf den Tisch legen. Dölf Ogi kommt für CHF 10 000.—gerne mit. Ogi hat eigene Stiftungen.

Bill Clinton verlangt immer noch USD 250 000.—pro Vortrag; alle Zeugen bestätigen, Inhalt null. Hans-Dietrich Genscher, ex Aussenminister, Mentor von Guido Westerwelle, erhält immer noch Euro 30 000.—für jeden Vortrag; lohnt meistens. Heiner Geissler für Euro 15 000.—ist deutlich besser, weil jesuitisch ausgebildet. Billig-Philosoph Richard David Precht ist schon für Euro 10 000.—zu haben, was dem Inhalt seiner Bücher entspricht. Gerhard Schröder, der als deutscher Kanzler die Einkommen der deutschen Arbeitnehmer auf Hartz IV drückte und damit einen Export-Boom auslöste, verlangt ehrliche Euro 75 000.–. Peer Steinbrück, der deutscher Bundeskanzler werden will, ist noch für Euro 20 000.—zu haben, Beatrice Weder di Mauro, Bundesweise, ist für günstige Euro 12 000.—zu haben.

Hohe Berge stören einfach

Montag, den 23. Januar 2012 um 10:00

Den „Freien Blick auf’s Mittelmeer“ unter Umgehung des im Weg stehenden Gotthard-Massivs haben die jungen Menschen in Zürich schon vor 30 Jahren verlangt. Seither sind die Strassenverbindungen in den Süden schneller geworden, der SBB-Verkehr lahmt.

„Zwischen Frankreich und Spanien darf es keine Pyrenäen geben“, versicherte Frankreichs Premier Sarkozy, der in Madrid die höchste spanische Auszeichnung, den Orden mit Goldenen Vlies, entgegen nahm. Er beschränkte dies allerdings auf die Terrorbekämpfung, was weniger weit geht als die Schweizer Forderungen.

Alpen und Pyrenäen, soweit nicht touristisch erschlossen, entwickeln sich derweil zu Schutzzonen für Wölfe, Bären und Geier. Neue Abenteuer-Spielwelten sind im Entstehen.

 
     
     
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