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Weblog
Archiv der Kategorie 'Gesellschaft'
Donnerstag, den 15. März 2012 um 16:30
Der Schwyzer Unternehmer Hamburger Abstammung Klaus-Michael Kühne, unternehmerischer Hauptaktionär der Hamburger Hapag-Lloyd, hat grünes Licht gegeben, mit der „Europa 2“ das luxuriöseste Kreuzfahrtschiff der Welt zum bauen. Wer mitfahren will, muss mindestens 600 Euro pro Tag und Teilnehmer bezahlen, Suiten mit Balkon obligatorisch. Kühne und Frau sind schon seit Jahren Fans der „Europa“. Als Hapag-Lloyd ins Schleudern kam, pumpte der Schweizer Logistikunternehmer hunderte von Millionen Franken in die Gesellschaft, um sie vor der Übernahme durch Ausländer zu retten.
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Dienstag, den 13. März 2012 um 13:15
In den USA fällt der Richter über Goldman Sachs her, wo er die Investment Bank öffentlich beschuldigt, die Stadt El Paso über den Tisch gezogen zu haben. In Deutschland geht die Staatsanwaltschaft München gegen den früheren Porsche-Finanzchef Wiedeking mit aller Macht vor, weil bei einem Millionenkredit Betrug im Spiel gewesen sein soll. Und in der Schweiz? Wir sind alle Engel. Keinem Richter wird es einfallen, wirklich ernsthafte Prozesse zu führen. Wir haben genügend Arbeit mit den Kleinen und deren Unglück.
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Dienstag, den 13. März 2012 um 12:15
Nicht nur in der Bündner Gemeinde Vals, die ohne den Schweizer Star-Architekten Peter Zumthor niemand kennen würde, auch auf der Insel Ufenau im Zürisee, wo er für das Kloster Einsiedeln eine neue Anlage bauen wollte, verlor der Grossmeister. In Vals siegte ein jüngerer lokaler Unternehmer, der den Einwohnern konkrete Vorteile bot, würden sie ihm die Zumthor’sche Therme verkaufen, während der Architekt unklar blieb. Auf der Ufenau siegten die konservierenden Umweltschützer gegen die Planer einer sanften Modernisierung. Zumthor denkt in grösseren Zusammenhängen, die dem Normalbürger fremd sind, ganz wie die Zürcher und Schweizer es nie schafften, dem Sohn der ETH Zürich, Calatrava, einen grossen Auftrag zu erteilen.
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Donnerstag, den 8. März 2012 um 14:05
Klaus Schwab hat Zeit seines Lebens für eine schwäbische Form des verantwortlichen Kapitalismus‘ gekämpft. Jetzt wettert der Gründer des World Economic Forums gegen den Turbo-Kapitalismus, dessen Vertretern er den Teppich ausgelegt hat.
Wie der Faust’sche Zauberlehrling hat er gesehen, wie seine Davoser Zöglinge, die er als „Masters oft he Universe“ zelebrierte, zu gierigen Monstern geworden sind, die sich, der Zeit und den Moden folgend, die Mäntelchen des Grünen oder der Frauenförderung umlegten, selbst aber nicht änderten.
Schwab verlangt einen gebremsten Turbo-Kapitalismus, welcher der sozialen Marktwirtschaft verpflichtet bleibt. Keine Chance, Herr Professor, Kapital muss sich mehren.
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Mittwoch, den 7. März 2012 um 13:30
Sozialbetrüger sind für mich ebenso wenig ein Thema wie Empfänger eines Ehrensolds. Sozialbetrüger stehlen Geld, das ihnen nicht zusteht. Empfänger eines Ehrensolds erhalten Geld, das ihnen auch nicht zusteht. Die beiden letzten deutschen Bundespräsidenten, Horst Köhler und Christian Wulff, waren glatte Versager. Jetzt erhalten sie beide lebenslang vom verarmten deutschen Mittelstands-Steuerzahler einen jährlichen (Un-)Ehrensold von Euro 199 000.–, dazu Fahrer, Sekretariat und weitere „goodies“. Ausgewählt wurden beide von der „einflussreichsten Frau der Welt“, Angelika Merkel, der deutschen Bundeskanzlerin, in enger Zusammenarbeit mit „Mr. 18%“, Guido Westerwelle, derzeit deutscher Aussenminister im Schlepptau von Hillary Clinton. Merke: Es gibt Gründe, weshalb der Westen sich im Niedergang befindet.
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Dienstag, den 6. März 2012 um 10:00
„Der heutige Liberalismus schafft keine Freiheiten, sondern fördert die Kontrolle über den Menschen“, schreibt eine Frau, die es wissen muss. Prof. Dr. Barbara Duden, Soziologin an der Universität Hannover, hat das Buch „Die Gene im Kopf – den Fötus im Bauch“ publiziert, worin sie aufzeigt, wie das Individuum den Marktgesetzen unterworfen wird. Der Liberalismus fördere den kontrollierten Menschen, der Leistung erbringen soll. Die Mütter würden früh ausgerichtet, ihre Kinder dem Leistungsdruck zu unterwerfen.
Dies trifft sicher zu, denn Freiheit wird bei uns verstanden als Freiheit, sich innerhalb der Marktbedingungen zu entwickeln. Wer aussteigen will, muss Vermögen haben oder auf ein „Normalo“-Leben verzichten. Ohne Vermögen gibt es keine echte Freiheit, worin mir Ordensbrüder widersprechen werden, aber auch ein Benediktiner-Abt Martin Werlen in Einsiedeln und ein Jesuiten-Priester Niklaus Brantschen im Lassalle-Haus haben einen Orden hinter sich, der ihrem Leben Stabilität verleiht.
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Dienstag, den 6. März 2012 um 9:20
In den traditionellen Teilen Afghanistans hat die Verbrennung einiger Exemplare des Koran durch US-Soldaten, die ihn als „unerwünschte Schrift“ bezeichneten, viele Tote zu Folge. Man darf sich daher die Frage stellen: Glauben Muslime besser als Christen es tun? Es gibt sicher Teile der christlichen Kirchen, die sich auch mehr Glaubensgewissheit, ja sogar Einsatz für den Glauben wünschen. Doch der Koran ist das Wort Gottes für die Gläubigen, während „in der Bibel das Wort Gottes steht“, so für die Christen.
Offensichtlich sind muslimische Minderheiten willens, für ihren Glauben einzutreten. Bei den „Normalo-Christen“ in meinem Umfeld bin ich nicht sicher, ob sie ein solches Engagement leisten würden. In Kano im Norden Nigerias rufen die islamischen Aufständischen „Wir siegen, weil Gott mit uns ist“. Dies klingt ganz nach frühem Christentum, nur meinen die Nigerianer mit Gott „Allah“.
Wo wohl unser Einsatz in religös-ethischen Fragen ist, zeigen die Ereignisse um die Ermordung von zehn Türken durch Neo-Nazis in Deutschland. Kaum waren die grossen Reden und TV-Übertragungen vorbei, wurde die Bitte des Vater eines der Opfer abgelehnt, die Strasse, wo der Mord geschah, nach seinem Sohn Halit zu benennen. Sie bleibt die Holländerstrasse, weil sie nach Holland weist. Wo kämen wir hin…..
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Freitag, den 2. März 2012 um 15:15
Wenn Bischof Vitus Huonder in seinem Amtsbereich zwei Personalpfarreien mit dem alten Messritus einrichtet, kann ich daran nichts Schlimmes finden. Wenn diese Pfarreien, was offensichtlich der Fall ist, sich auch noch selbst finanzieren, ist das ein gutes Zeichen. Natürlich werden sich die Synodalen weniger darüber freuen, verlieren sie doch ein Stück Autorität.
Sollte dies im Jubiläumsjahr des 2. Vatikanischen Konzils die einzige Innovation bleiben, wäre dies natürlich traurig. Wie traurig, können wir in Österreich erleben, wo 300 Pfarrer sich zusammen getan haben, um gegen die reformunwilligen Strukturen ihrer Kirche eigene Reformen bekennend in Gang zu setzen. Vorerst sind dies Risse, denen Brüche folgen können. Am Ende steht ein Schisma, das rascher kommen kann als in den Bistümern erwünscht.
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Freitag, den 2. März 2012 um 15:00
Vorzugsweise würde der Vatikan das jetzt beginnende 50. Jubiläumsjahr des 2. Vatikanischen Konzils am liebsten vergessen. Die beiden letzten Päpste, der polnische wie der deutsche, lassen das Uhrwerk der römisch-katholischen Kirche rückwärts laufen; zwischen Sex- und Finanzskandalen bleibt wirklich keine Zeit, sich den Gläubigen zuzuwenden, es sei denn, diese knieten in den Bänken, um den Hieb des Herrn zu empfangen.
Es sind „bleierne Jahre“, in denen sich der belebende Heilige Geist, der Wind des Glaubens, nur nahe am Boden regt, wo die Gläubigen und aufmerksame wie talentierte Priester zu finden sind, die Gott und den Menschen als Gemeinschaft sehen. Das war auch die Botschaft des Konzils vor 50 Jahren.
So reist ein Kardinal Koch selig um die Welt, die Ökumene zu suchen, froh, dieser lokalen Wirren, die in der Schweiz „Röschenz“ genannt werden, entkommen zu sein. Wie kann aber ein Kardinal die Ökumene gestalten, wenn seine eigene Position schwach ist?
Die evangelisch-reformierte Zürcher Landeskirche gilt vielerorts als zu sozial, gar linkslastig. Geht man von einer rechtslastigen Position aus, mag dies gar nicht so falsch sein. Auf jeden Fall hat sie in ihrem Logo, das heute jeder braucht, um erkannt zu werden, auf den Begriff „evangelisch“ verzichtet, was nicht unbemerkt blieb. Ein Glaubenswechsel? Nein, es war der Grafiker, der Form vor Inhalt stellte. So ist das mit den Kirchen, die Inhalte gehen verloren, sie wechseln so still wie möglich. Der Zeitgeist will andere Glaubensbekenntnisse.
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Mittwoch, den 29. Februar 2012 um 13:50
Die Theler kommen aus Ausserberg an der Lötschberg-Südrampe. Wie die Sage berichtet, stammt Wilhelm Tell von dem gleichen Stamm ab; sein Vater wanderte ins Urnerland aus, wo der Sohn sich dann gegen die Habsburger behauptete.
„Er hatte Dynamit gefressen“, sagt einer der besten Journalisten der Schweiz, Luzius Theler, auch aus Ausserberg, dessen Artikel wir in der NZZ (lth.) und im Walliser Bote mit Gewinn lesen können. Er meint damit nicht Wilhelm Tell, sondern Hans Theler, den langjährigen Generaldirektor, VR-Delegierten und Ehrenpräsidenten der Basler National Versicherung. Hans Theler und sein Sohn René haben den Baslern, von Picasso bis Tinguely, tausende von Kunstwerken erworben, die heute als „Basler Kunst“ weltweit gerühmt werden.
Hans Theler starb 94jährig im Mai 1998. Dem harten Walliser Grind haben die Basler viel zu verdanken, weshalb ein Besuch in Ausserberg, der Heimat der Theler, durchaus einmal angebracht wäre. Es gibt noch einen weiteren Grund, diese sehr schön über Visp gelegene Walliser Gemeinde zu besuchen. Dort verbrachte Jean Piaget immer seine langen Sommerferien, den Wind und die Sonne geniessend.
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