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Archiv der Kategorie 'Gesellschaft'

NR Schlüer – Armeeauftrag besteht doch

Thursday, den 29. July 2010 um 9:35

Nationalrat Ulrich Schlüer behauptet in einem aktuellen Interview, die Armee habe keinen Auftrag. Diese Aussage ist ganz klar falsch. Aber genau das ist das Problem der Schweizer Armee. Die Menschen wissen nicht, was die Aufgaben der Armee sind. Warum? Weil die Armee mehr damit beschäftigt ist die Wogen zu glätten, die profilierungsgierige Politiker im Vorwahlkampf losgetreten haben. Würde die Armee endlich anfangen darüber zu sprechen, was sie alles nebenbei richtig macht für die Schweiz, würde sich das Bild unserer Armee anders aussehen. Wenn man alleine die Aufgaben der Schweizer Luftwaffe genau betrachtet, sind es eigentlich viel zu viele. Dies zeigt, dass selbst ein Schweizer Nationalrat, der sich mit dem Thema lange schon beschäftigt, offenbar wenig Ahnung hat, was wirklich geleistet werden muss. Der Auftrag an Bundesrat Ueli Maurer und Korpskommandant André Blattmann ist sonnenklar: Aufräumen, informieren und eiserne Führung.

Fidel Stöhlker

Franzosen beklagen Schweizer Hochmut

Thursday, den 29. July 2010 um 7:55

Es gibt nicht nur deutsche Gastarbeiter in der Schweiz, sondern auch Franzosen, über 100 000. Sie versichern: “Les Français sont mal vus, on nous traite sans respect, comme des subalternes.” Sind wir eine Herrenrasse?

Neue deutsche Slums

Thursday, den 29. July 2010 um 7:42

Alleinstehende deutsche Hartz IV-Empfänger sollen künftig mit 25 qm Wohnfläche auskommen, um ihre Bedürfnisse zu erfüllen. Das wären 16 qm für Küche, Esszimmer und Bett sowie 9 qm für Dusche/Bad und Abstellflächen. Das deutsche Prekariat lebt allmählich schlechter als viele Favela-Bewohner in Sao Paulo, als die Invasiones in Bogota oder “slumdogs” in Mumbai. Wer kann, flüchtet nach Osterreich oder in die Schweiz. Das tun auch die sehr reichen Deutschen, die sich bevorzug auch im Kanton St. Gallen ansiedeln.

EDU – Gottes vergessene Kinder

Wednesday, den 28. July 2010 um 7:27

EDU-Nationalrat Brönnimann will eine zweite Eva Herrmann werden. Gott habe seinen Segen für die Loveparade nicht gegeben, meint er gegenüber den Medien. Das mag stimmen aber trotzdem sollte man nicht aus Mediengeilheit über die Opfer herfahren. Sie zu benutzen, damit man endlich mal wieder in die Medien kommt, ist stillos – eben, Eva Herrmann Stil. Bei der Vergabe von Stil und politischem Erfolg wurde die EDU von Gott auch nicht sonderlich gesegnet. Vielleicht beten die EDU-Mitglieder zum falschen Gott oder sprechen so zu Gott, dass er sie eben mit politischem Misserfolg straft.

Fidel Stöhlker

Verwerfungen

Tuesday, den 27. July 2010 um 8:31

Wenn Martin Meyer in der “NZZ” einen ältlichen Professor einer Schweizer Hochschule über erotisches Kapital schreiben lässt, muss dieser, Peter Gross, Emeritus für Soziologie und eher politisch links stehend, natürlich zum Schluss kommen, dass dies von begrenzter Laufzeit ist, ganz im Gegensatz zum kulturellen Kapital, welches der Autor sich in hohem Masse selber zuspricht. Gross meint, erotisches Kapital spiele nur in einem bestimmten Alter und nimmt nicht zur Kenntnis, dass gerade die Kombination von ökonomischem Kapital mit erotischem Kapital (i.e. attraktives Model oder Krankenschwester heiratet älteren HNIV) von beängstigender Aktualität ist. Die Kombination von erotischem Kapital mit kulturell-politischem Kapital können wir nicht nur in Paris, sondern auch am Beispiel des neuen deutschen Bundespräsidenten bewundern. Sean Connery, Clint Eastwood und in der Schweiz lange Zeit Dölf Ogi, verkörpern auch erotisches Kapital für viele im fortgeschrittenen Alter. Mir ist jedoch kein HSG-Professor und kein NZZ-Redaktor bekannt, dem solches nachgesagt würde.

Die träumenden Unternehmer

Tuesday, den 27. July 2010 um 8:31

Daniel Model, Herr über 3000 Mitarbeiter und Fr. 600 Mio. Umsatz in der Verpackungsindustrie, möchte eine Gesellschaft ohne Sozialstaat. Er lässt sich jetzt im Thurgau einen “Modelhof” bauen; die dafür notwendigen Fr. 20 Mio. für sein eigenes Versailles bringt er spielend auf.
Dr. Christoph Blocher, Herr über die Ems Chemie und erfolgreicher Finanzspekulant, möchte eine Welt, wo er um sich herum keine Mitarbeitenden mehr sieht, sondern nur noch Untertanen. Er wird die Welt dann ganz alleine retten, mindestens aber die Schweiz.
Der bayerische König Ludwig II. baute sich mit den Bestechungsgeldern des preussischen Königs eine Phantasiewelt. Ob sie Reist, Jacobs oder Grübel heissen, viele Unternehmer und Spitzenmanager bauen sich eigene Traumwelten, weil ihnen die reale Welt nicht mehr genügt. Diese Gebilde nennen sich Kultur- und Begegnungszentren, obwohl sie als Staatsgebäude gedacht sind. Die Schweiz ist reich an solchen Luftschlössern des gehobenen Bürgertums; dem Volk, im Kern nicht anders, bleiben die Schrebergärten. Nur die wenigsten sind so erfolgreich wie die Herrscherfamilie in Singapur, die innert 50 Jahren aus ihrem Ministaat eine kleine Weltmacht machte.
Es sind diese Träume, welche auch Europa gross gemacht haben. Die Spanier und Portugiesen suchten die Goldstaaten Lateinamerikas und Asiens. Engländer und Deutsche wollten als Könige einen afrikanischen Staat, mindestens aber einen Stamm beherrschen. Die Italiener wollten vor 80 Jahren noch ein neues Grossreich in Äthiopien erobern. Es war selten die Weisheit, welche sie antrieb, wie im Falle William Penns im heutigen Pennsylvania, meist war es die Gier.

Schwieriger Liechtensteiner

Tuesday, den 27. July 2010 um 8:28

Nirgendwo überlebt das europäische Mittelalter besser als im Umfeld des Fürsten von Liechtenstein, Hans Adam II. Nicht nur lebt er in einem Burgschloss oberhalb seiner 16000 Untertanen, die von der Hauptstadt Vaduz aus, wo er die grösste Bank besitzt, zu ihm nach oben aufschauen dürfen. Auch besitzter die grösste private Kunstsammlung der Welt (1600 Gemälde, 400 hochkarätige Skulpturen und eine riesige Grafiksammlung). Nicht zu finden sind darunter Werke aus den letzten 100 Jahren, denn diese sind dem Fürsten fremd geblieben. Zu seinem 65. Geburtstag, der in der Schweiz kein Aufsehen erregte, liess sich der Fürst in seinem Wiener Gartenpalais feiern. Dort wo 140 seiner Werke jettzt ausgestellt sind, wollten sich jedoch kein 300000 Besucher pro Jahr einstellen, sondern nur 40000, was auf die geistige Verarmung der Wiener wie der dortigen Touristen schliessen lässt. Der Fürst seufzt: “Jetzt kommen wenigstens die Russen wieder”. Ende 2012 wird allerdings das Stadtpalais der Liechtensteiner im Zentrum Wiens eröffnet. Dann wird mit Besucheransturm gerechnet, weshalb darin auch eine Filiale der fürstlichen LGT-Bank integriert wird. Was bei der UBS scheiterte, die “Miami Fair” als Zubringer wertvoller Kunden, soll in Wien nicht geschehen. Die von und zu Liechtenstein, einst in den armen Westen ihres grossen Reiches verdrängt, kehren Zug um Zug wieder in ihre eigentliche Hauptstadt zurück.

Urschweizer werden verdrängt

Monday, den 26. July 2010 um 8:11

Im Urschweizer Kanton Schwyz soll jetzt auch geprüft werden, welche Folgen die niedrigen Steuern für die einheimische Bevölkerung haben. Die Kinder der Einheimischen können sich aufgrund der steigenden Land- und Hauspreise kaum noch eine eigene Wohnung leisten, weil reiche Schweizer aus anderen Kantonen und Ausländer die Preise hoch treiben. Im Kanton Zug ist die Abwanderungsbewegung der Einheimischen schon seit über zehn Jahren im Gang, ohne dass die Politik sich etwas hat einfallen lassen. Die einflussreichen Anwälte, Treuhänder, Banken und von den Konzernen beauftragten Politiker haben solches bisher erfolgreich verhindert. In der Zürcher Goldküstengemeinde Zumikon hat der Gemeinderat ein finanzielles Förderungsprogramm für junge Familien aufgelegt, damit die gut 4000 Einwohner zählende Gemeinschaft der Superreichen nicht total überaltert. Das benachbarte Zollikon mit 12 500 Einwohnern, mit tiefen Steuern direkt an Zürich angrenzend, hat sieben seiner Superreichen verloren, da im Kanton Zürich die Vorzugssteuern für reiche Ausländer durch einen Volksentscheid zum Jahresende 2010 aufgehoben werden. 40 % aller Zolliker zahlen ohnehin keine Steuern. Doch wird es als stossend empfunden, dass CS-Chef Brad Dougan, in Erlenbach an der Zürcher Goldküste wohnend, zur Wohnraumverknappung wie Teuerung beiträgt, aber Steuern nur an seinem Hauptwohnsitz in den USA zahlt.

Entschuldigung für Zwinglis Taten

Monday, den 26. July 2010 um 8:06

Der Lutherische Weltbund hat sich durch seinen Präsidenten bei den Mennoniten entschuldigt, deren Vorfahren gerade im Raum Zürich von Huldrich Zwingli scher verfolgt und hingerichtet wurden. Die Wiedertäufer waren gegen die Kindstaufe und wurden deshalb in der Limmat ersäuft. Die Mennoniten kamen vor allem aus dem bernischen Emmental, von wo sie vor der bernischen Repression nach Amerika flohen.

Locarno – vor dem Start am Ende?

Friday, den 23. July 2010 um 7:18

Am 4. August werden die alternden Fans wieder nach Locarno strömen, um dort das, vor Zürich, noch knapp grösste Filmfestival der Schweiz zu erleben. Was dort geboten wird (”Hugo Koblet, pèdaleur de charme”) ist absolut drittklassiges Provinztheater. Festivalpräsident Marco Solari spricht daher schon im Vorfeld dieser immer unwichtigeren Veranstalter von der Gefahr, man sei kein Weltfestival mehr. Locarno ist es schon lange nicht mehr, aber die Sponsoren wagen es nicht auszusteigen, was für Solaris Talent spricht. Festival-Direktorin Irene Bignardi war eine gescheite Linke, die aber den Niedergang nicht aufhalten konnte. Frédéric Maire war eine Pleite. Olivier Père hat keine Chance. A bientôt à Locarno.

 
     
     
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