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Archiv der Kategorie 'Gesellschaft'

„Keine Gesinnungskontrolle…“

Dienstag, den 7. Februar 2012 um 16:00

Georges Nicolas Hayek, Einwohner der Stadt Zug, der sich für einen Piraten hält, weil er keine Krawatte trägt und eine Piratenfahne aus seinem Bürofenster hängen lässt, sagt: „Ich mache keine Gesinnungskontrolle bei unseren Kunden.“ Wo kämen wir hin, wenn jeder Mafioso, jeder Gangster, jeder Betrüger, Mörder und Steuerhinterzieher keine Schweizer Golduhr oder mindestens eine Swatch kaufen dürfte? Sofern diese Schweizer Kunden mit Moraldefizit dann aber Steuern hinterziehen und dabei erwischt werden, sollten sie keine Schweizer (Bank-)Kunden mehr sein. Wer dies einigermassen plausibel begründet und auf kurze Zeit Vereinsmitglied wird, kann sich in der Schweiz ohne weitere Verfolgung töten lassen, aber wehe, er hat USD 50 000.—oder einige Euro auf dem Schweizer Bankkonto, von dem sein heimisches Steueramt nichts weiss, dann muss er an den Pranger.

Was Nick Hayek tut, macht auch jeder Schweizer Hotelier. Solange die Rechnung bezahlt wird, darf jedermann kommen und gehen. Vielerorts wird jetzt von Ethik und Moral gesprochen, aber sie schein situationsgebunden zu bleiben. Nick Hayek, zur richtigen Zeit in die richtige Familie geboren, ist der wohl reichste Pirat aller Zeiten. Immerhin teilt er ein Stück seines Schatzes mit freien Aktionären, die dann ein wenig am grossen Piratengeld schnuppern dürfen.

Sind Sie auch „tbtf“ oder sogar „titf“?

Dienstag, den 7. Februar 2012 um 8:08

99,99% aller Schweizer sind nicht „tbtf“, to big to fail. Es sind eigentlich nur die zwei Grossbanken, UBS und CS, die von ausländischem Kapital bestimmt sind. Vielleicht noch die Swisscom und die Post, aber sogar deren Dienstleistungen wären rasch durch Ausländer ersetzt.

Bei der UBS hat man Order gegeben, jede Personalisierung der Bankspitzen in der Öffentlichkeit zu vermeiden. CEO Sergio Ermotti spürt man nicht mehr in der Schweizer Öffentlichkeit, auch den Chef Schweiz nicht mehr. Die UBS, früher lebendiger Teil der Schweizer Innenpolitik mit Alfred Schäfer, Heinz Wuffli, ist heute  zur Schattenwirtschaft geworden. Von der Credit Suisse, deren CEO Craig Dougan, selten im Land ist, erhalte ich zum Trost „das älteste Bankmagazin der Schweiz“ mit Aufsätzen zum Thema „Zeit“. Wer hat Zeit, solches zu lesen? Man wird überschwimmt mit derlei Sozialfeuilletons.

Der Finanzplatz stolpert oder stürzt er schon zusammen? Einzig unser Bundesrat weiss, wer „tbtf“ ist. Wo ist eigentlich Kaspar Villiger, der es auch wissen müsste? Gottseidank, die Cigarrenfirma seines Bruders Heinrich blüht. Für uns Raucher ist sie wirklich „titf“, „to important to fail“.

Berner Geschichten

Montag, den 6. Februar 2012 um 12:35

Die Angestellten der Stadt Bern und die Mitglieder der Stadtregierung sollen höhere Löhne erhalten, was sich wie folgt rechnet: Wenn der Mindestlohn von Fr. 46 437.—auf Fr. 47 500 ansteigt, erhöht sich das Salär des roten Stadtpräsidenten Alexander Tschäppat von Fr. 225 000.—auf Fr. 255 000.–; auch die übrigen Mitglieder der Stadtregierung erhalten gut Fr. 20 000.—p.a. Der Höchstlohn in der Verwaltung steigt um Fr. 12 000.—p.a.

Damit macht der Berner Staat, der rot-grün geführt wird, genau das, was seine Politiker den Banken und Konzernen vorwirft: Die Salärschere geht immer weiter auseinander. Edel-Rote und Edel-Grüne machen das unter sich aus. Die reichen Kantone zahlen ohnehin an den armengenössigen Berner Stand.

Tennis: Vom Herren- zum Athletensport

Freitag, den 3. Februar 2012 um 12:00

Erst zwei Generationen ist es her, dass der internationale Tennissport noch von Spielern beherrscht wurde, die man Herren nannte, die noch ein wenig früher in eleganten langen Hosen auftraten. Wer den 24jährigen Novak Djokovic, dem ich alle Siege gönne, aus der Nähe erblickt, meint einen Vierzigjährigen zu sehen. Djokovic ist Athlet und Gladiator zugleich; was zählt, ist der Sieg. Sein Sieg.

Roger Federer, dem die Gabe des eleganten Ausdrucks so wenig in die Wiege gelegt wurde wie seinem Vorgänger „Bum Bum Becker“, verkörpert das Ende des athletischen Herrensports. Jetzt ist die Zeit der Kämpfer bis zum Umfallen gekommen, in den römischen Arenen sagte man „Bis zum Tod“. Wer siegte, wurde schon vor 2000 Jahren Millionär.

Charisma gesucht

Freitag, den 3. Februar 2012 um 11:30

Als Napoléon I. sein Charisma verlor, blieb nur noch ein kleiner dicker Mann übrig, der auf einer Felseninsel im südlichen Atlantik sass. Hans-Rudolf Merz, den Bundesrat aus dem Appenzell, Verfasser schwülstiger Romane, hatte Charisma auf kleinem Feuer, das völlig verschwand als seine Steuertricks zugunsten Schweizer Grossaktionäre bekannt wurden. Wem würde das Schweizer Volk im Ernstfall folgen? Niemand, denn bei uns geht jeder seinen eigenen Weg. Der Klein-Charismatiker wird geduldet, der Gross-Charismatiker ausgelacht.

Dramatik richtig offenlegen

Donnerstag, den 2. Februar 2012 um 11:30

Warum wollen die Massen Autorennen sehen? Doch nicht wegen dieser monotonen Kurvenfahrerei, die Geraden sind noch langweiliger. Sie wollen Unfälle, Fast-Unfälle und Karambolagen sehen.

Deshalb ist der VW-Konzern zu beglückwünschen, der im von ihm gesponserten Kunstmuseum Wolfsburg die Zusammenstösse zweier Autos in Originalgrösse mit echten Autos zeigt. Hier weicht man der Gefahr, dem Rausch der Geschwindigkeit, der mit dem Autofahren verbunden ist, nicht aus.

Als ich im Wallis den Touristikern einmal sagte, die Dramatik des Bergtodes trage viel zur Mystik des Bergwanderns bei, brach dort blankes Entsetzen aus. Das Matterhorn, heute zum Wahrzeichen der Schweiz geworden, ist mit fast 500 Toten der Berg der Welt, der bisher die meisten Opfer forderte. Der Himalaya und die Anden halten in dieser Statistik bei weitem nicht mit, denn sie wurden später „entdeckt“.

Blicke ich aus unserem Wohnzimmer auf die malerische Südflanke des Bietschhorns, das zu den schönsten Bergen der Alpen gehört, werden mir alle Geschichten der Abstürze, die sich dort abspielten, lebendig. Der Berg ist gefährlich. Das ist Teil seiner Schönheit.

Räucherwerk?

Donnerstag, den 2. Februar 2012 um 10:20

Wenn im Vatikan wieder einmal von Korruption die Rede ist und der eine Untersuchung durchführende römische Kardinal ins Ausland strafversetzt wird, lächeln erfahrene Schweizer Priester nur, um zu kommentieren: „War dies je anders?“ Wenn im Bistum Chur von der Trennung von Kirche und Staat in der Schweiz geträumt wird, was durchaus Sinn machen würde zur Rettung einer echten römisch-katholischen Kirche mit echten Gläubigen und nicht nur einem Altersheim dahin dämmernder Gewohnheitschristen, dann lächeln die Diplomaten in Bern und sagen: „Nicht traktandiert.“ Wenn mich dann sonntags der Weihrauch einhüllt, dann denke ich: „Im frühen Christentum war das Räucherwerk in der Liturgie verpönt.“ Hier hilft nur das fromme Gebet.

Druck aus dem Süden nimmt zu

Mittwoch, den 1. Februar 2012 um 10:35

Südlich der Sahara liegt ein Land, das an Grösse alles übertrifft, was Afrika zu bieten hat, aber die wenigsten Menschen begreifen, dass mit Nigeria ein Koloss heranwächst, der in der kommenden Generation eine halbe Milliarde Menschen haben wird, mehr als Indonesien und Brasilien.  Sein BIP hat sich alleine in diesem Jahrhundert bereits verdreifacht. Präsident Goodluck Jonathan hat bisher nicht gezeigt, dass er das Land führen kann. Der Kampf um das Erdöl ist erneut entbrannt.

In der Folge nimmt der Druck aus dem Süden auf uns in Europa zu. Afrika wächst, der Mittlere Osten  gewaltig, Asien noch gewaltiger. Nur bei uns in Europa heisst das Gesetz: Austerity.

Mehr Freiheit, Sire

Mittwoch, den 1. Februar 2012 um 10:20

In der Stadt St. Gallen kostet es jetzt Fr. 20.–, wenn ein Bürger bei Rot die Strasse überquert.

Als ich in Zollikon eine Minute vor der Bäckerei im Halteverbot parkierte, um ein Frühstücksbrötchen zu kaufen, weil alle anderen Parkplätze besetzt waren, drohte mir ein vorspazierendes Polizistenpärchen, eine Doppelpatrouille, eine Busse von Fr. 140.—an. Als ich nur lachte, gingen auch sie in die Bäckerei, um in der Wärme einen Café zu trinken. Neulich verfolgte mich ein ziviler Streifenwagen bis in die private Parkgarage, um mir eine Busse zu geben, weil ich während der Fahrt das Handy am Ohr gehabt haben soll. Erst als sie die Lautsprecheranlage im Auto sahen und mein Handy kontrolliert hatten, liessen sie von mir ab. Der Triumphbegrüssung „Ah, das ist ja der Herr….“ angesichts einer fetten Beute folgte nur eine knappe Entschuldigung. Die durchgreifende Erfassung des Bürgers, dem exzentrische Normalität offensichtlich ausgetrieben werden soll, zeigt sich auch in der Doris Leuthard’schen Vorlae, alle Briefkästen müssten mit vollen Vor- und Familiennamen beschriftet sein, Familienname alleine genügt nicht mehr.

Natürlich wollen unsere örtlichen und kantonalen Polizeidirektoren mit derlei Umtrieben nichts zu tun haben. Ich kann mir aber gut vorstellen, wie es einem nichtweissen Ausländer (oder Einheimischen) geht, der von solchen Fangkommandos „gestellt“ wird. Mehr Freiheit, Sire.

Zweitwohnungen sind nicht auszurotten

Mittwoch, den 1. Februar 2012 um 8:05

Die Stadt Jerusalem, mit 780 000 Einwohnern doppelt so gross wie Zürich, hat über 10 000 Zweitwohnungen reicher Ausländer, darunter mit Sicherheit auch vieler Schweizer Juden, für die es ein Statussymbol ist, eine Wohnung oder ein Haus in der „Heiligen Stadt“ zu besitzen. Die wunderbare Farbtönung des „Jerusalem Steins“, wenn ihn die Sonne am Nachmittag bestrahlt, hat dort einen Zweitwohnungs-Boom ausgelöst, wie ihn auch das Engadin und Teile des Wallis kennen.

In der Schweiz wehrt man sich gegen eine Beschränkung des Zweitwohnungsbaus, denn die aufstrebenden reichen Menschen, darunter auch viele jüngere, haben gerne ein Chalet in den Alpen. Solange die Schweiz ein kapitalistisches Land ist, kann man dies auch nicht verwehren, zumal viele Landbesitzer gerne und immer teurer verkaufen und die Bau- wie Bauzulieferbranche davon lebt.

Die Einwohner Jerusalems haben das gleiche Problem: Hier die sehr reichen Juden aus aller Welt, dort die 40% der städtischen Einwohner, meist orthodoxe Juden und Palästinenser, die unter der Armutsgrenze leben. Die junge jüdische Intelligenz verlässt die Stadt zunehmend, denn der bigotte Geist der jüdischen Orthodoxie, wo man die Tora studiert und seine Familie vom Staat ernähren lässt, widerspricht den Vorstellungen jener, die Israel einigermassen in Schwung halten.

 
     
     
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