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Archiv der Kategorie 'Allgemein'

„Begrabt mich nicht“

Donnerstag, den 29. Oktober 2015 um 10:09

Wenn mich irgendein Satz in diesen kriegerischen Tagen erschüttert hat, dann der des sechsjährigen Jungen, den die Rettungsmannschaften in Syrien aus einem zerschossenen Haus zogen: „Begrabt mich nicht.“ flehte er, dessen ganze Familie tot war, die Rettungsmannschaften an.

Welcher Lebenswille in diesem kleinen Körper, der schlimm zerfetzt war! Es ist der gleiche Lebenswille, der die flüchtenden Iraker, Syrer, Afghanen und Afrikaner nach Europa treibt. Es sind meist die besten und kräftigsten Männer mit ihren Familien, die keine Zukunft mehr im eigenen Land sehen. Ihr stiller Schrei heisst „Begrabt uns nicht.“ Sie wollen leben.

Wenn viele Deutsche und andere Europäer an dieser Stelle sagen: „Wir haben schon einmal, nach dem Zweiten Weltkrieg, solche Flüchtlingswellen erlebt. Zwölf Millionen Ostdeutsche, die in Westdeutschland aufgenommen wurden“, dann gerät gerne in Vergessenheit, dass es sich dabei mehrheitlich um Menschen handelte, die aus dem gleichen oder mindestens ähnlichen Sprach- und Kulturkreis stammten. Man sprach deutsch und war ein Christ.

Diese Menschen zu integrieren, fiel schon vor siebzig Jahren schwer. Ich habe als junger Mann die Turnhallen besucht, in welche Familien oft Jahre zwischen Zeltplanen leben mussten. Aber sie konnten Deutsch und die meisten wollten auch arbeiten.

Wer jetzt nach Westeuropa will, denn nach Osteuropa will keiner, ist zumeist Moslem, aufgewachsen in einer vorzivilisatorischen Kultur, die mit unserer modern-urbanen Kultur wenig gemein hat. Diese Familien, von denen kaum eine Deutsch oder eine andere europäische Sprache spricht, kennen weder unsere Sitten noch haben sie grosse Lust, nach diesen zu leben. Sie kennen unsere Arbeitswelt nicht, haben meist auch keine nennenswerte Ausbildung.

Natürlich gibt es den berühmten syrischen Arzt, der ebenso gut wie die unsrigen ist, aber es dauert Jahre bis er in unserer überhitzten, von Geschwindigkeit geprägten Spitalstruktur heimisch werden wird. Soll er als Hausarzt in die Provinz gehen? Dort leben gerade jene Einheimischen für die jeder Fremde, auch der aus dem eigenen Land, des Teufels ist.

„Begrabt mich nicht“, der Lebenswille des kleinen Jungen sagt aber noch etwas ganz anderes, eine Botschaft, die wir nicht überhören sollten: „Wir in den jungen Völkern des Ostens und des Südens, wir haben diesen unbedingten Lebenswillen, den ihr im reichen Norden nicht mehr habt. Wir wollen arbeiten und kämpfen und uns einsetzen. Was habt Ihr? Wohlstand, Reichtum, aber keine Kinder mehr.“ Und unsere Alten, unsere Schwächsten, sie gehen zu Firmen, die Selbsttötungsmaschinen für sie bereithalten.

„Begrabt mich nicht“, heisst auch, lasst mich lernen, arbeiten, etwas leisten. Ich sehe viele Menschen jeglichen Alters in Westeuropa, welche diesen Willen nicht mehr haben. Sie sagen nicht „Begrabt mich nicht“, sondern „Lasst mich in Ruhe“. Das ist schon das halbe Begräbnis.

Wir Europäer sind alt geworden, zu Sonderleistungen kaum noch abrufbar. Es riecht nach Alterstod in Europa. Einst waren es die jungen Schweizer, die als Edelsoldaten in ganz Europa die Ritter und Soldaten verprügelten. Einst waren es die jungen Freisinnigen, welche die reiche Schweiz der Neuzeit aufbauten. Heute sind sie alt geworden und verteidigen ihren Wohlstand.

Der Schrei des Kindes wird mich noch lange begleiten. Er soll auch in Ihnen etwas auslösen.

Wollen wir wirklich die Moslems bei uns?

Montag, den 26. Oktober 2015 um 10:46

Ein fast 90jähriger Schweizer Unternehmer, der viele Jahre in Ägypten und den Ländern des Nahen Ostens verbrachte, wohin er Schweizer Maschinen verkaufte, schrieb mir: „Nur mein hohes Alter rechtfertigt mein Schweigen in der Öffentlichkeit. Erst nach meinem Tod wird es die geballte Macht moslemischer Protagonisten zu spüren bekommen.“

Am letzten Sonntag hörte ich in der Zürcher Liebfrauenkirche, der ältesten katholischen Kirche Zürichs, sie wurde von einem Mönch des Klosters Einsiedeln herrlich gestaltet, einem 79jährigen Jesuiten zu, ursprünglich Ägypter, der in fliessendem Deutsch zur Lage im Nahen Osten vortrug: „Unsere Christen in Syrien werden verjagt, für den Islam missioniert oder getötet. Die US-Amerikaner sind so dumm, den Alewiten Assad zu bekämpfen.“

Mein Glaube an die klugen Moslems beginnt zu wanken. Hatten sie wirklich zwei Renaissancen, jene im 8.-11. Jahrhundert in Andalusien und im 19. Jahrhundert in Europa? Waren sie es wirklich, die uns das Wissen der alten Griechen übermittelten oder waren es syrische Christen, welche die alten Schriften aus dem Griechischen in das Arabische übersetzten? Sagte nicht einmal Tayyib Erdogan als junger Politiker zu den Europäern: „Wir werden Euch mit der Zahl unserer Kinder besiegen.“

Mit Moslems kann man noch weniger frei sprechen als mit konservativen Juden. Beide leben in sehr engen geistigen Gefängnissen. Während die liberalen Juden in Wirtschaft, Finanzen und Politik eine Weltmacht geworden sind, würden die Moslems in arabischen Staaten ohne Öl wieder in Hütten leben müssen.

Wir Schweizer, Mitbürger Europas und der Aufklärung, stehen dem fassungslos gegenüber. Unsere liberale Tradition und unser Staatsverständnis verpflichten uns zu helfender Mitwirkung. Wie wenig dies allerdings bringt, zeigt das Beispiel des Kosovo, ein völlig zerstörter Staat („failed country“, wie die Amerikaner gerne sagen),ein Abenteuer, in welches uns alt Bundesrätin Ruth Dreifuss geritten hat. Gut, die Rohstoffe des Kosovo werden in Israel dringend benötigt; das erklärt viel.

Angesichts der externen Wirren sollten wir wenigstens unser Land in Ordnung halten; aber wir sind weit davon entfernt. Bundesrat Didier Burkhalter will uns zusammen mit Staatssekretär Yves Rossier dem Europäischen Gerichtshof unterstellen lassen, womit die Freiheit der Schweiz am Ende wäre. Fremde Richter. Gottseidank war es ein anderer Schweizer, Prof. Dr. Carl Baudenbacher, Präsident des EFTA-Gerichtshofes, ein weltweit renommierter Starjurist, der diesem Plan Widerstand leistete. Der demnächst zu wählende neue Bundesrat wird das Dossier unter Leitung von Staatssekretär de Watteville bereinigen müssen.

Die Zahl der Arbeitslosen in unserem Land nimmt rasch zu, vor allem auch bei der Jugend. Von Wirtschaftsminister Johannes Schneider-Ammann, FDP, der sein Gesicht schon lange verloren hat, ist keine Hilfe zu erwarten. Wenn wir uns damit trösten, dass es auch den tüchtigen Deutschen schlechter als uns geht, sollten wir nicht übersehen, dass deren Lebensstandard bei den uns benachbarten Schwaben und Bayern ebenso hoch ist wie bei uns.

Wir sind im Begriff, in der Schweiz ein Prekariat heranzuziehen, das vom Mittelstand der B-Schweiz bezahlt wird. Wenn ein mit einer Schweizerin verheirateter Afrikaner während mehr als zehn Jahren Sozialleistungen von über 500 000 Franken beziehen kann, ohne je gearbeitet zu haben, läuft etwas falsch bei uns.

Es ist an der Zeit, das „laissez faire“ in unserer Politik und den Verwaltungen zu beenden.

Eine Legende bricht zusammen

Freitag, den 23. Oktober 2015 um 14:00

Die Legende von den starken Marken der Schweizer Wirtschaft bricht zusammen. Wie man aus Werbeseiten erfährt, ist die stärkste Marke in der Schweiz Google, gefolgt voon Lego (Dänemark) auf Platz 4 und Toblerone (USA) auf Platz 5. Auf den Plätzen 2 und 3 liegen der Handelskonzern Migros und die Rettungsflugwacht Rega, gefolgt vom Schweizerischen Roten Kreuz.

Wikipedia (USA) folgt auf Platz 7;Victorinox, Die Post und Rivella belegen die Plätze 8-10.Weder Lindt noch der Zirkus Knie haben es in die Spitzengruppe geschafft. Coop und Volg sind abgeschlagen.

Daran zeigt sich der Niedergang der führenden Schweizer Marken gemessen am Aufstieg der Weltmarken. Es ist nur eine Frage der Zeit bis weitere Schweizer Marken verschwinden, um von Weltmarken aus den USA, Mexiko, Südkorea und China abgelöst zu werden.

Ringier schickt Journalisten in die Wüste

Montag, den 12. Oktober 2015 um 13:42

Ringier schickt Journalisten in die Wüste

An der Stadt Lenzburg fahre ich seit vierzig Jahren meist vorbei, denn dort ist wirklich nichts los. Die Burg eignet sich für gesellschaftliche Ritualveranstaltungen, der alte Buchhändler am nördlichen Stadtrand hat auch aufgegeben, die Beizen sind wie überall – eher trostlos, woran auch die weissen Tischdecken nichts ändern.

Nun ist der Schweizer Grossverleger Ringier auf die Idee gekommen, man könne über 400 hauseigene Journalisten in diese grüne Wüste verlegen. Wo einst Hero seine Marmeladen produzierte, könne man auch angezuckerte Artikel und Kommentare schreiben. Da Boden und Immobilien in Lenzburg günstig zu haben sind, wäre die Produktion solcher verlegerischer Zuckerware auch günstiger.

Journalisten leben vom menschlichen Direktkontakt, wenn sie sich nicht darauf beschränken wollen, ihre Artikel via Internet-Recherche aus anderen Artikeln zusammen zu schneiden. Jetzt frage ich mich, wen sie in Lenzburg im Adler oder im Hirschen treffen, der ihnen sagt, wie es Glencore geht oder der UBS? Vielleicht verirrt sich ein aargauischer Autohändler oder LKW-Transporteur nach Lenzburg, aber die Wirtschafts- und Finanzelite sieht man eher im Zürcher Stadtzentrum.

Bei der „Schweizer Illustrierte“ und der „Glückspost“, die ohnehin meist Träume verkaufen, mag dies angehen, aber wie die Medienpostille „Bilanz“ oder die von der Aktualität abhängige „Schweizer Handelszeitung“ den Informationsanschluss halten wollen, ist mir rätselhaft.

Gut, Ringier ist nicht alleine an derlei schuld, der Schweizer Axel Springer Verlag, der mit im gleichen Boot sitzt, fährt die gleiche Kostensenkungs-Strategie. Ich kann mir nicht vorstellen, dass wirklich gute Journalisten, von Starjournalisten gar nicht zu sprechen, in der Lenzburger Wüste glücklich werden. Eine rasche Flucht nach Zürich? Bei den üblichen Staus am Gubrist wird dies kaum möglich sein.

Vordergründig bedeutet dies eine Abwertung des Journalismus, wie es auch die „Basler Zeitung“ kurz vor ihrem Zusammenbruch und vor der Übernahme durch das neue Markus Somm-Team erleben musste. Die Familie Hagemann verlegte aus den gleichen Kostengründen die Redaktion in das Basler Industriequartier, was sich als grosse Dummheit herausstellte und einen erneuten Umzug in die Basler Innenstadt erzwang.

Der Verlagsverbund Ringier/Springer hat sich auf Lenzburg noch nicht festgelegt. Es darf auch eine andere Aargauer Gemeinde sein. Immerhin kommt die Schweizer Verlegerfamilie aus Zofingen, wo zeitloses Dämmern ohnehin zur Regel geworden ist.

Warum reagieren alte Menschen so wenig?

Montag, den 12. Oktober 2015 um 13:40

Warum reagieren alte Menschen so wenig?

Junge Menschen bis zu einem Alter von vierzig Jahren regen sich gerne auf, geben Stellungnahmen ab, schreiben Leserbriefe. Für sie ist dies eine Form der Aktivität, wo sie sich zu erkennen geben. Sie meinen, sie hätten etwas zu sagen. Ganz anders Menschen über 50 Jahre: Sie reagieren wenig, z.B. auf diesen Blog, sie machen vielleicht die Faust im Sack, aber dann vergessen sie es wieder.

Es gilt, was der einst berühmte Schweizer Politiker Ulrich Bremi einmal sagte: „Jedes Wort ist eine Fehlerquelle.“ Die meisten Menschen wagen es nicht mehr, eine eigene Meinung zu formulieren; sie blicken angstvoll nach links und rechts, um erst einmal festzustellen, wohin die Herde rennt. Dann rennen sie fröhlich hinterher, andere mit sich reissend.

Viele haben auch keine Hoffnung mehr, sie könnten mit ihrem Beitrag etwas verändern. Warum soll ich etwas sagen, wenn ohnehin niemand zuhört? So ist es zu vernehmen, sitzt man in einer Kaffeerunde. Wer es nicht gelernt hat, wie man im Internet seine Meinung einbringt oder seiner Lokalzeitung in zehn Zeilen mitteilen kann, dass ein bestimmter Beitrag einfach falsch sei, der gibt den Gedanken an eine eigene Stellungnahme sofort wieder auf.

Alte Menschen haben zu viel gesehen und gehört, um noch den Glauben zu haben, sie könnten die Welt verändern, geschweige denn die Politik in ihrer Gemeinde. Ihr Leben ist von vielerlei kleinen Demütigungen gekennzeichnet, die sie müde werden liessen. Es genügen ihnen das kleine Glück, die Enkel, die Katze, der Hund, die alte Freundin aus der Primar- oder der Handelsschule.

Natürlich gibt es Ausnahmen, jene maximal zehn Prozent von Menschen, die sich gerne zu Wort melden, in Versammlungen eine Meinung äussern, öffentlich auftreten und auch die TV-Bildschirme nicht meiden. Sie haben eine Stufe erreicht, wo man sie, oben angelangt, oft Meinungsführer nennt. Diesen zu widersprechen, wagt schon gar niemand mehr, ist damit doch die Angst verbunden, mit seiner Wortmeldung nicht ernstgenommen zu werden.

Die schweigenden Alten sind ein wachsender Faktor unserer alternden Gesellschaft. Blicken wir in die Schweizer Medien, sehen wir dort jeden Tag ausländische Fachleute, welche die nicht selten abstrusesten Thesen veröffentlichen dürfen. Das ist globaler Meinungsabfall, der von unseren Verlagshäusern schon aus Kostengründen gerne vermarktet wird.

Noch viel schlimmer und für unsere gesellschaftliche Entwicklung gefährlicher ist die zunehmende Schreibunfähigkeit unserer jungen Generationen. Mir begegnen laufend 30-40jährige, die keinen geraden Satz mehr formulieren können. Sie sind mit Computer und Internet aufgewachsen, drücken sich mit Twitter und anderen Schnelldiensten aus. Ihnen fehlt die Grammatik, eine elegante Ausdrucksweise, die vor einer Generation noch die Regel war. Man ist geneigt anzunehmen, es fehle ihnen nicht nur an Ausdrucks-, sondern sogar an Denkvermögen.

Wer den halben Tag am Tisch sitzt und Kreuzworträtsel löst, um die dann verbleibende Tageshälfte am TV-Gerät Krimis und heillos dumme TV-Serien zu sehen, sollte lieber 30-60 Minuten ein kluges Buch lesen, was für Ungeübte eine Anstrengung sein kann, oder einen Brief schreiben, vielleicht sogar gegen den Inhalt dieses Meinungsblogs protestieren.

Ich warte.

 

Warum ist die Schweiz ein Verlierer

Freitag, den 2. Oktober 2015 um 14:35

Warum ist die Schweiz ein Verlierer?

Wir sind das teuerste Land der Erde und auch das Land mit den besten Voraussetzungen für die freie Entfaltung der Unternehmen. Unsere Bundesbeamten verdienen, einschl. Putzfrauen, im Jahr durchschnittlich 127 000.— Franken. Der Präsident einer mittelgrossen Stadt, wie Baden oder Romanshorn es sind, verdient rasch einmal über 200 000 Franken im Jahr. Kann es sein, dass etwas nicht stimmt bei uns?

Wir haben in Sachen Bankgeheimnis nach knapp hundert Jahren die Schlacht gegen amerikanische und deutsche Justizbehörden verloren. Die besten eigenen und US-amerikanischen Anwälte konnten diese Jahrhundertniederlage nicht verhindern. „We are doing our best“, war nach Millionenhonoraren die wenig befriedigende Antwort der Anwälte für den Finanzplatz.

EDA-Chef Didier Burkhalter wollte die Schweiz dem Europäischen Gerichtshof unterstellen lassen, was in Bern wenig Beifall fand. Fremde Richter im eigenen Haus? Staatssekretär Yves Rossier, aus dessen Stall dieser Vorschlag stammte, wurde zurückgebunden. Seine Karriere hat seither einen deutlichen Rückschlag erlitten. Indirekter Sieger war ein anderer Schweizer: Prof. Dr. Carl Baudenbacher, Präsident des EFTA-Gerichtshofes in Luxemburg, der vor einer solchen Lösung stets gewarnt hat. Der politisch-juristische Ausverkauf der Schweiz konnte im letzten Augenblick noch gestoppt werden.

In Verkehrsfragen verhandelt die Schweiz gegen deutsche und italienische Interessen wie ein Primarschüler gegen Hochschulprofessoren. Nicht nur nehmen wir es hin, dass der Flughafen Zürich-Kloten vor allem von deutschen Fluggesellschaften benutzt wird, sondern wir tragen es auch mit Fassung, dass Kloten zu einem Heimatflughafen der Süddeutschen Bevölkerung geworden ist. Fracht aus Württemberg und Bayern fliegt über Kloten in alle Welt. Während die Deutschen die Ruhe über ihren Schwarzwaldtannen für maximal 5000 Einwohner eisern verteidigen, leiden bei uns 300 000 Menschen unter Fluglärm und giftigen Kerosin-Abfällen, die unsere Wohngebiete wie Erholungslandschaften verdrecken.

Weil wir in der Luft schlecht verhandeln, muss dies auch für die Schiene gelten. Wir finanzieren den Deutschen im Norden der Schweiz an der Grenze auf Schweizer Boden eine Bahnlinie Ost-West und weil die Italiener kein Geld haben, finanzieren wir im Süden deren Bahnstrecke, die den Anschluss in die Schweiz sicherstellen soll. Wieso sind wir nie die Gewinner in solchen bilateralen Verhandlungen?

Schuld ist der Kompromiss. Von früher Kindheit an wird jeder Schweizer im Sinne einer liberalen Kompromiss-Haltung erzogen. Später, in den Gemeinden, Kantonen und im Bund heisst es immer: „Nicht streiten, wir suchen den Kompromiss.“ Damit kommt man im Ausland nicht weit. Wer gegen ausländische Spitzendiplomaten in Verhandlungen gewinnen will, braucht eine grosse Hutnummer. Dort will man nicht den Kompromiss, sondern den Sieg.

Wie die Mitte dort ist, wo nichts ist, wie bald auch der Wahltag am 18. Oktober zeigen wird, ist der Kompromiss nach Meinung von Margret Thatcher, die von älteren Schweizern immer noch hoch verehrt wird, wie folgt zu verstehen: „To me, consensus seems to be the process if abandoning all beliefs, principles, values and policies. It is something in which no one believes and to which no one objects.“ So ist es, der Kompromiss ist für uns oft die schlechteste Lösung, vor allem bei internationalen Verhandlungen.

Der Kompromiss hält unser Land zusammen und hat viele wohlhabend und reich gemacht. Unsere Politiker, seien sie von links oder rechts, sind Kompromisspolitiker auf Lebenszeit. Macht einer nicht mit, wie Peter Bodenmann und Christoph Blocher dies tun, gelten sie sofort als bunte Vögel.

Erstmals habe ich im Vorfeld der Herbstwahlen, die vor der Tür stehen, neue Kandidaten erlebt, die nicht den Kompromiss wollen. Einer von ihnen ist der 35jährige Marcel Dobler aus Rapperswil-Kemprathen, der für die St. Galler FDP in die Hosen gestiegen ist. Dobler, Gründer der Digitec AG, will in Bern etwas erreichen, den Beamtenapparat abbauen, die Lasten für KMU- und Gewerbebetriebe verringern und weniger Ausländer hereinlassen.

Die junge Generation wird ungeduldig. Sie sieht sich im Alter gefährdet und lehnt daher unnötige Kompromisse ab.

 

Der Untergang Grossbritanniens

Montag, den 4. Mai 2015 um 10:20

Natürlich sind wir Schweizer viel zu gut erzogen, um den Engländern, welchen unseren alpinen Tourismus erfunden haben, der uns seit 160 Jahren Milliarden eingebracht hat, vorzuwerfen, ihr „Great Britain“ sei am Ende. Es sind die US-Amerikaner, die voller Enttäuschung bemerken, dass ihr bester Verbündeter in Europa immer ärmer, immer verschuldeter und immer weniger in der Lage ist, an der Seite Washingtons die Welt zu befrieden.

Immerhin hat sich Anthony Atkinson aufgemacht („Inequality: What can be done?“) für England aufzuzeigen, wie man an frühere Goldene Zeiten wieder anschliessen kann, wo nicht nur globale Milliardäre die City belebten, sondern jener englische Bourgois noch vorherrschend war, der seit dreissig Jahren zunehmend verarmt ist.

Der Versuch, England wieder aufzurichten, denn das „British Empire“ ist verloren und Schottland und Wales suchen Wege, der Londoner Herrschaft zu entkommen, dürfte als misslungen gelten. War es nicht Sir Winston Churchill, Sohn einer amerikanischen Mutter, der in Omdurman und von den Burenkriegen an über Gallipoli bis zum Zweiten Weltkrieg den Versuch machte, das Reich der Engländer wieder aufzurichten? Er scheiterte, wurde abgewählt, bis zu Tony Blair, der im Gefolge der Amerikaner die Iraker besiegen wollte, ging es bergab.

Die Engländer hatten Helden. Sie hiessen in der grossen Zeit des 19. Jahrhunderts Joseph Thomson, Livingstone und Mungo Park, Kapitän Cook und Sir  John Franklin, Captain Scott und „Ruffian Dick“, Richard Burton, der Mekka und Medina besuchte, als es noch, unter Todesstrafe, verboten war. Heute schlägt dort auf dem Turm eine Schweizer Uhr, ein Zeichen der Zivilisation.

Grossbritannien ist als „British Empire“ zuerst zerfallen, vom „nackten Mönch Gandhi

ebenso besiegt wie von den eigenen Ambitionen. Die uralte Königin Elisabeth II. hält noch zusammen, was längst nicht mehr existiert. Der Niedergang Englands ist identisch mit dem Frankreichs, der Niederlande, Belgiens und mancher anderer einst grosser Nationen.

Die Schweiz hat überlebt, weil sie klein und wenig auffällig, eher schwach, gewesen ist. Vielleicht werden wir die letzten sein, die noch vom alten Europa künden können.

 

Der Schweizer Sepp Blatter-Krieg

Mittwoch, den 22. April 2015 um 10:27

Die Welt bejubelt einen Schweizer, den Präsidenten der FIFA, Sepp Blatter. In der Schweiz gilt der elegante Walliser, welcher seit vierzig Jahren den Weltfussball aufgebaut hat, als Kandidat für den Rücktritt. Woher kommt dieser Widerspruch?

Die FIFA ist ein Weltkonzern, der von Zürich aus geführt wird. Vor vierzig Jahren, als Sepp Blatter dort angetreten ist, war dies ein 12 Personen-Büro. Der Fussball war europäisch, die FIFA nahezu bankrott. Heute wird der FIFA-Sitz über dem Zürichberg täglich von Touristen aus aller Welt besucht, die sich dort vor dem Hauptsitz fotografieren lassen wie sonst nur Katholiken vor dem Vatikan.

Am 28. und 29. Mai kommen Delegierte aus 209 Ländern der Welt nach Zürich, um Sepp Blatter im Zürcher Hallenstadion wieder zum Präsidenten des grössten Sportverbandes der Welt zu wählen. Daran besteht kein Zweifel mehr. Sie vertreten 1,6 Milliarden Menschen, von denen über 300 Millionen aktive Fussballer sind.

Normale Schweizer, die noch nie im benachbarten Fürstentum Liechtenstein waren und Europa nur von seinen Stränden her kennen, begreifen nicht, was dies an Positivem für die Schweiz und Zürich bedeutet. Wo überall in unserem Land innovative Unternehmen gesucht werden, wird nicht begriffen, dass eines der innovativsten, die FIFA, genau vor uns sitzt.

Die Schweizer Medien sind daran nicht unschuldig. Sie haben meist einen sehr begrenzten nationalen und oft sogar nur regionalen Blick. Die Fussball-Journalisten können auf den FC Basel stolz sein, aber schon die beiden Zürcher Stadtclubs GC und FC spielen eher kniend als auf den Füssen laufend. Einen wirklich grossen Schweizer Spieler haben wir nicht mehr, höchstens einige talentierte Gastspieler, Ausländer meist, die rasch weiter ins Ausland verkauft werden.

Der FIFA fehlt eine stabile „home basis“. Sie ist zu gross, zu erfolgreich geworden für die Fussball-Provinz Schweiz. Sepp Blatter überspielt dies lächelnd, bringt hunderte von Millionen Franken jedes Jahr in unser Land, lässt in Zürich ein FIFA-Museum bauen, eine Attraktion, die künftig zehntausende von Touristen jährlich anziehen wird.

Es wird Zeit, dass wir dies begreifen. In einer Ära nach Blatter werden wir um den Sitz der FIFA in der Schweiz wieder kämpfen müssen. Wenn die Welt ihn ob seiner Leistungen gewaltig verehrt, sollten auch wir es fertig bringen, ihm Respekt zu erweisen.

 

Kleine Zürcher Wahlbonbons

Dienstag, den 14. April 2015 um 9:31

Bei der FDP im Kanton Zürich hat niemand mit einem derartigen Wahlerfolg gerechnet. Bei der Siegesfeier in Zürich-Oerlikon waren nur wenige Personen anwesend, sodass Parteipräsident Beat Walti nur den „aficionados“ seiner Liberalen zujubeln durfte. Das Parteivolk blieb ebenso zuhause wie zuvor das Zürcher Wahlvolk.

Wie sich die drei neuen Zürcher Regierungsrätinnen zulächelten, als sie gewonnen hatten, ist nicht weniger verräterisch. Silvia Steiner, CVP, ist der eigentliche „Macho“ unter den Frauen, Jacqueline Fehr, SP, von überströmender Herzlichkeit, die wohl dann zu Ende ist, wenn es um die Departements-Verteilung geht, Carmen Walker Späh, FDP, mit gewohntem Charme, der nun sein Ziel erreicht hat.

Klar, auch in der Demokratie zählen nur die Sieger/-innen.

 

Bundesräte: Kampf um die Kommunikations-Hoheit

Donnerstag, den 9. April 2015 um 17:20

Regelmässig wie der Frühling stellen sich jetzt Artikel ein, der Bundesrat beschäftige mehr Öffentlichkeitsarbeiter als je zuvor. Gemäss Dominik Feusi in der „Basler Zeitung“, die Markus Somm als Chefredaktor zur Muss-Lektüre gemacht hat, sind es jetzt 308 Bundesbeamte, die offiziell als staatliche Kommunikatoren dienen, hoch bezahlt selbstverständlich, mindestens Fr. 120 000.—im Jahr.

Nach dem Motto „Je unglaubwürdiger die Politik, desto mehr Kommunikatoren“ dreht sich das Rad jedes Jahr eine Nabe weiter.

Da lassen sich die bürgerlichen Parteien nicht lumpen. Sie lauschen in Bern einem US-Politikberater, der einen „blutigen Wahlkampf“ in den USA für das kommende Jahr ankündigt. Ich rechne nicht mit Toten im Stil Chicago 1930, wohl aber mit Milliarden, um Hillary Clinton in den Sattel zu heben oder einen ihrer derzeit ca. sechs republikanischen Gegner.

Die Mode, das Heil der Welt in den USA zu suchen, ist wohl nicht abzuschaffen. Selbiger Alec Ross hat für die ehrgeizige Hillary in zwei Wochen via Internet USD 40 Mio. für Haiti gesammelt. Unsere „Glückskette“ macht dies mit weniger Lärm besser. Die Haitianer hatten natürlich nichts von diesem Clinton’schen Einsatz, denn sie sind so arm wie eh und je.

Dieser jugendliche Held aus Baltimore sagt auch „In den westlichen Demokratien gibt es keine Stasi“. Er hat mit Sicherheit noch nie von der NSA und ihren Abhörprogrammen rund um den Globus gehört. Vielleicht irrt er sich auch und unsere Wahlen im Herbst werden „blutig“. Nein, dazu sind wir viel zu vorsichtig.

 

 
     
     
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