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Archiv der Kategorie 'Allgemein'

Schweizer Sitten im Wandel

Mittwoch, den 2. November 2011 um 16:00

Wenn der linksorientierte Berner Schriftsteller Lukas Hartmann ein Buch schreibt, wie „Bis ans Ende der Meere“, liest dies der Burgdorfer Unternehmer Willy Michel auf seiner Yacht in den Kurzferien, wobei er sich ärgert, „dass Spekulanten den Frankenpreis so hoch getrieben haben“. Im heimischen Burgdorf hat er die Produktion „auf ein Minimalniveau zurück geschraubt“, weil im Ausland Stundenlöhne von Fr. 3.50 geboten werden. Damit könne die Schweiz nicht mithalten, sagt Schnellfahrer Michel.

Information an alle “Early Bird”-Leser:

Mittwoch, den 5. Oktober 2011 um 10:15

Unser Weblog „Early Bird“ ist ein seit sieben Jahren geführtes literarisches Tagebuch im Stil von Molière. Die Ereignisse in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft werden literarisch, das heisst aus einem persönlichen Blickwinkel überhöht dargestellt.

Revolutionäre ohne Heiligen Geist

Mittwoch, den 21. September 2011 um 13:57

Sie sparen die reformierte Kirchensteuer und spenden lieber einem Hilfswerk. Wahrscheinlicher ist aber, dass viele aus der Kirche Ausgetretene mit dem gesparten Geld in die Ferien gehen. Mit ihrem Austritt aus der Kirche gefährden sie deren soziale Leistungen, die sie als Schmarotzer im Notfall selber gerne in Anspruch nehmen. Was ist am Kirchenaustritt eigentlich so revolutionär? Mehr zu den Revolutionären ohne heiligen Geist.

Philippe Welti

Finma und SEC: Grenzen der Aufsicht

Freitag, den 19. August 2011 um 17:11

Wie die Finma, die Schweizer Banken- und Börsenaufsicht, den UBS-Konzern gerettet hat, um, gedeckt vom Bundesrat, das Schweizer Bankgeheimnis zu durchbrechen, ganz wie ein schwerer Mörser einst die Stadtmauern, hat ihre US-Schwesterorganisation SEC 9ooo Aktien verschwinden lassen, um Madoff, Goldman Sachs und grosse amerikanische Banken zu decken. Ohne einen Whistleblower hätte man nie davon erfahren. Die Täter sind geständig.

Die Folge: Als normaler Privatkunde unserer Banken sehen wir nur die Oberfläche des Ozeans der Anlagemöglichkeiten. Was sich in den Tiefen abspielt, wird tunlichst verborgen gehalten; siehe Bertolt Brecht: „Es ist besser eine Bank zu gründen, als eine zu überfallen.“

Demokratie wird zur “Diktatur der Mehrheit”

Donnerstag, den 4. August 2011 um 7:45

Was wir bisher als einziges Medium der Schweiz aufgegriffen haben, die zunehmenden Angriffe gegen die Demokratie auf demokratischer Ebene, wird bestätigt (nach Economist und Le Monde) durch den italienischen Philosophen Giorgio Agamben. In der Reihe “homo sacer” bei Suhrkamp wehrt sich Agamben gegen “die Diktatur der Mehrheit”. Agamben, milde gesagt, ist häufig schwer verständlich. Doch wollen die EU-Politiker den Weg weiter beschreiten zu den Vereinigten Staaten von Europa. Das Volk kann dabei nur stören.

Aus Büchern lernen

Freitag, den 29. Juli 2011 um 12:30

Der „Stadtstaat Schweiz“ wird im Verlag der NZZ von Prof. Dr. Franz Jaeger und dem bekannten St. Galler Privatbankier Dr. Konrad Hummler präsentiert. Eine Blüte der schweizerischen Intelligenz macht darin deutlich, weshalb unser 8 Mio.-Volk sich neu organisieren und strukturieren sollte. Hummler: „Unser Land laboriert seit nunmehr 30 Jahren an seiner Positionierung auf dem europäischen Kontinent und in der Welt herum.“ Derweil, so Hummler weiter, langweile sich unsere Jugend oder feiere ihre Parties der Zukunftslosigkeit im Leichtsinn geerbten Wohlstands. Merke: Die Lektüre lohnt sich. Hummler schlägt deshalb vor, sich von „hoffnungsloser Vergangenheitgsbezogenheit“ ebenso zu lösen wie von der „Beitrittsromantik“;  dann könne die Landesregierung den gewonnen Spielraum „lustvoll nutzen“, sodass Schweizer Politik wieder Spass mache.

Olaf J. Böhme und Eduard Hauser beschreiben im Peter Lang Verlag, Bern, auf über 250 Seiten, wie die Schweiz ihre Innovationsbarrieren überwinden könne. „Innovationsmanagement“ heisst das Buch, das von Staatssekretär Mauro Dell‘Ambroglio und Bundesrat Johannes Schneider-Ammann mit guten Wünschen eröffnet wird. Dann folgt ein Feuerwerk an Wissen, das mithelfen soll, der Schweiz neuen Schwung zu verleihen. Nützlich für KMU- und grössere  Unternehmer.

Schweizer Polizisten chancenlos gegen Amokläufer (Amokläufe in der Schweiz)

Dienstag, den 26. Juli 2011 um 14:06

Die neuen Pläne der Schweizer Polizeikommandanten, bei künftigen Amokläufen schneller einzuschreiten und die Täter zu stoppen, ist nach den unfassbaren Geschehnissen in Norwegen verständlich und löblich doch unwahrscheinlich, wenn man die Vergangenheit betrachtet.

1986 wütete Günther Tschanun an seinem Arbeitsplatz im Zürcher Hochbauamt – vier Menschen starben. 1990 Bijoutier Richard Breitler tötete fünf Menschen, bevor er sich selber richtete. 1992 tötete ein Italiener im Tessin fünf Menschen. 1993 erschoss ein Berner Bäcker drei Menschen. Im selben Jahr wütete ein Angestellter einer Berner Informatikfirma im Unternehmen und tötete zwei Menschen. 1994 starb bei einem firmeninternen Amoklauf ein Mann. Weitere Personen wurden verletzt. 2001 folgte das Massaker im Zuger Kantonsparlament – 14 Menschen starben. 2002 lief ein Philippino in Obfelden/ZH mit einem Stahlrohr umher und verletzte 14 Personen erheblich. 2004 mussten ZKB Angestellte mit erleben, wie ein unzufriedener Kadermann zwei Angestellte im Büro hin richtete. 2007 tötete in Baden ein Schweiz-Iraker mit einem Armee-Sturmgewehr einen Menschen und verletzt vier weitere Personen. 2008 verhinderte die Lausanner Polizei an einer Schule erstmals einen Amoklauf eines Schülers. 2010 schoss ein Bieler Rentner um sich und die Polizei war einen Tag lang nicht in der Lage, den alten Mann zu stoppen. Er verletzte sogar einen Polizisten mit einem Schuss am Kopf.

Und jetzt wollen die Schweizer Polizeikommandanten endlich etwas dagegen tun? Warum musste erst die Katastrophe in Norwegen passieren, bis unsere Polizeichefs etwas unternehmen wollen? Bisher hat es nicht geklappt, und was nützt es denn, wenn die Polizei schneller vor Ort ist, wenn die Menschen bereits tot sind? Dass unsere Polizei in dieser Hinsicht dringend professioneller werden muss, ist wohl jedem Schweizer klar. Vielleicht sollte unser Nachrichtendienst (NDB), es gibt ihn wirklich, massiv aufrüsten, damit man selbst bei kleinen Hinweisen sofort einschreitet. Ich halte den Vorstoss der Polizeikommandanten für gut aber bisher haben sie wohl geschlafen.

Fidel Stöhlker

Riester und Maschmeyer ein flottes Pärchen

Dienstag, den 12. Juli 2011 um 14:14

Die deutsche Regierung muss jetzt ein Informationsblatt herausgeben, damit 14,6 Mio. Deutsche begreifen, welches schlechte Geschäft sie gemacht haben, als sie eine Riester-Rente eingingen. Wie Oekotest belegt hat, sind die Verwaltungskosten dieser Rente derart hoch, dass diese die staatlichen Zuschüsse auffressen. „Transparenz und Kundenfreundlichkeit“ fordert sogar das Bundesfinanzministerium an. 14,6 Mio. Deutsche zittern, weil sie Gerhard Schröder, einst deutscher Kanzler,  und Prof. Riester geglaubt haben. Beide sind Freunde von SwissLife-Hauptaktionär Maschmeyer, der sein mit AWD verdientes Geld mindestens teilweise in der Schweiz in Sicherheit gebracht hat. Nun ja, Gerhard Schröder arbeitet schon längst von Zug aus.

Gerhard Schröder, eine Art Super-Ogi, reckt jetzt auch den Daumen, damit Deutschland wieder einmal eine Winterolympiade durchführen darf. Mit („Bumm-bumm“) Boris Becker und Claudia Schiffer repräsentiert er die Super-Deutschen, zu den auch das Trio Beckenbauer-Netzer-Völler gezählt wird. Armes Deutschland, im besten Sinne

Zauberlehrling Brunetti wird „Herr Professor“

Freitag, den 1. Juli 2011 um 18:00

Wenn der Schweizer Staat und insbesondere der Kanton Bern via Steuerzahler für seine Universität derart viel Geld aufwendet, hat er auch das Recht und die Pflicht, verdiente Beamte dort als Professoren unter zu bringen. Jüngster Begünstigter einer solchen Praxis ist der erst 48jährige Aymo Brunetti, bisher Leiter der Direktion Wirtschaftspolitik im Staatssekretariat für Wirtschaft, der ab 1. Februar 2012 an der Universität Bern die Professur für Wirtschaftspolitik und Regionalökonomie ausüben wird.

Nehmen wir Prof. Brunetti beim Wort:

-         Er beantwortet die Frage, warum Ökonomen die jüngste Welt-Wirtschaftskrise nicht vorausgesehen hätten mit „Diese Konstellation hat es eben in der Vergangenheit noch nie gegeben, was Prognosen grundsätzlich sehr erschwert.“ Er bestätigt damit, dass Prognostiker nur so viel voraussagen können, wie sie aus der Vergangenheit ablesen können. Das Denken in Kontinuitäten wird demzufolge an der Uni Bern mehr gelehrt werden als jenes in Diskontinuitäten. Wer an Kontinuität glaubt, liegt ohnehin falsch.

-         Er sagt „Die Regulierung der Banken war zu wenig gut.“ Dabei hätte er sagen müssen, dass mindestens in den USA die staatliche Aufsicht der Banken gut war, aber durch das Lobbying der grossen Institute, darunter auch des Schweizer UBS-Konzerns, systematisch abgebaut wurde.

-         Er sagt „Wird das von Zentralbanken in die Wirtschaft gepumpte Geld nicht rechtzeitig zurück gefahren, besteht die Gefahr von Inflationen oder neuen Blasen.“ Ohne den Zusatz, dass das Fed in Washington die Weltwirtschaft seit Jahren inflationiert, weil es zur Stützung der US-Volkswirtschaft einen Ballon aufbläst, der realwirtschaftlich keine Substanz hat, und ohne die Erklärung, dass dies bereits in vielen Staaten inflationäre Entwicklungen ausgelöst hat (z.B. Grossbritannien), bleibt Brunetti undeutlich.

Seine Behauptung, es hätte keine anderen Ökonomen gegeben, die gewarnt hätten, trifft nicht zu. In St. Gallen hat der erfolgreichste Unternehmer, Autor und Grossdenker, Prof. Dr. Fredmund Malik, seit Jahren vor der grossen Krise gewarnt. Vom Staat abhängige Technokraten wie Aymo Brunetti wollten das natürlich nicht hören.

Warum Economist lesen?

Freitag, den 1. Juli 2011 um 10:20

Lieber würde ich Sonntags auf den Lunch verzichten als auf die Lektüre des Wochenmagazins „Economist“. Chefredaktor John Micklethwait hat die gleiche Devise wie die Verfasser dieses Blogs seit gut fünf Jahren: Wir schreiben, was wir denken. Natürlich geben wir uns Mühe beim Denken.

 
     
     
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