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Zermatt und Saint Tropez sind Schwesterstädte

14. August 2017 um 17:08

In Frankreich hat Zermatt keine Schwesterstadt, aber ich könnte mir keine bessere vorstellen als Saint Tropez. Beide Ferienstädte haben in der letzten Generation eine berauschende Entwicklung erlebt. Aus Zermatt wurde „Matterhorn City“, aus Saint Tropez die „LVMH City“. Was in der Schweiz die „Mattini“ genannt wird, sind in Frankreich die „Trapéziens“.

Einer der ersten Ausflüge zusammen mit meiner gerade angetrauten Walliser Ehefrau führte uns auf die Halbinsel Ramatuelle nach Saint Tropez, wo kurz zuvor Brigitte Bardot aus den Wellen aufgetaucht war. Die Luft war champagnös, die Strassenmaler im Hafen von Saint Tropez noch bezahlbar. Aber schon stieg der junge und letzte Krupp mit einem vergoldeten Spazierstock aus seiner weissen Luxusjacht, um die jungen Burschen der Côte d’Azur einer Augenprobe zu unterziehen.

Saint Tropez mit 4 500 Einwohnern wird heute „LVMH City“ genannt, denn der reichste Franzose, Bernard Arnault, Präsident von LVMH, hat dort nicht nur eines der schönsten Anwesen gebaut, sondern gleichzeitig die meisten Boutiquen im Zentrum der Stadt aufgekauft. Nicht alle sind glücklich darüber, aber der Rubel rollt. Offiziell nennt sich das Co-Branding, ganz wie der unvergessene Dr. Hans Peter Danuser dies für St. Moritz aufgebaut hatte und von seinen Nachfolgern ruiniert wurde.

Saint Tropez, ganz unbescheiden, hat in den letzten 20 Jahren nach dem Motto gelebt „on ne veut plus les riches, on veut les ultra-riches.“ Man zieht jenen Gast vor, der jährliche eine Million Euro im Dorf ausgibt und meidet jene Millionen, die nur einen Euro ausgeben wollen. Deshalb sieht man dort kein „fast food“, aber achtzehn Palasthotels.

Wer die gut geschützten Villenviertel, meist von aussen, bewundert, sieht, die Strategie ist aufgegangen. Als neuer Investor wird nur zugelassen, wer in diesen Kreis passt, wo eine Villa nicht mehr Dutzende von Millionen, sondern Hunderte von Millionen kosten darf.

Damit es in den Bars und Läden der Stadt richtig brummt, kommen im Jahresschnitt gegen neun Millionen Besucher in die Stadt. Spätestens freitags fliegen die Helis der Reichen von Paris ein, um spätestens am Montag wieder die Kurve nach Norden zu nehmen. Einige Genfer Bankiers gehören natürlich zu dieser Crème de la Crème.

Zermatt, das immer ein Bergsteiger- und Wanderdorf sein wollte, stieg erst spät in den Luxus ein. Mit 5 700 Einwohnern, darunter der harte Kern der wohlhabenden Burger, verlegte man sich auf den Ausbau der Bahnen und der Infrastruktur. Die anspruchsvollen Hotels und Chalets zogen dann mit, sahen manche doch mit Neid nach Verbier, wo das Geschäft mit den reichen Gästen aus London, St. Petersburg und Moskau deutlich besser lief. Sogar das benachbarte Crans Montana zeigte Zeichen der Erholung.

Zermatt wie Saint Tropez sind Goldgruben für ihre Besitzer. Die Bodenpreise unterhalb des Matterhorns stiegen auf das Niveau der Zürcher Bahnhofstrasse. Jetzt sollen die Bahnen nach Italien hinüber konsequent ausgebaut werden, denn die Bettenauslastung bleibt immer noch bei 60% hängen und die Asiaten sind schlecht zahlende Hotelgäste. Saas Fee, einst die „Perle der Alpen“, nur ein Tal weiter, ist unterdessen verblasst. Bleibt nur zu sehen, was aus Andermatt wird, wo Samih Sawiris bereits über eine halbe Milliarde Franken verbaut hat und ein Ende der Investitionen nicht abzusehen ist. Die Kataris hatten mit dem „Bürgenstock“ einige Kilometer weiter unten im Tal sicher die bessere Karte gezogen.

Saint Tropez und Zermatt sind für mich zwei Seiten einer Medaille. Die frische Bergluft der Hochalpen, wo es längst nicht mehr ärmlich zugeht, passt zur mediterranen Modezone. In Zermatt holt man sich die Form, in Saint Tropez zeigt man sie.

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