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Zwei Berner Bergler: Ueli Steck und „Unser Dölf“

12. Juli 2017 um 8:17

Weil mir 20 Meter über dem Boden schwindlig wird, habe ich mir eine grosse Sammlung von Berg- und Abenteuerbüchern zugelegt, von Sven Hedin bis Ueli Steck. Die Nachfolger der grossen europäischen Entdecker und Eroberer waren alle Einzelgänger. Ueli Steck war am Berg ein Alleingänger, den im Himalaya sein Schicksal ereilte. Gabriella Baumann-von Arx hat ihm im Verlag Wörterseh ein Denkmal gesetzt. Sie hat „Solo – der Alleingänger Ueli Steck“ mit der gleichen Leidenschaft geschrieben, wie der dynamisch-verrückte Langenthaler die Bergwände der Welt hinaufeilte.

Er, der nicht als Eishockeyspieler auf dem Boden bleiben wollte, hatte den „harte Gring“, den es braucht, in die Weltklasse aufzusteigen. Wer in den Bergen, auch in tieferen Lagen, überleben will, muss beherrschen, was auch Ueli Steck von sich verlangte: „Ich kalkuliere“. Es wird völlig unterschätzt, wie berechnend die Bergbevölkerung sein muss, um erfolgreich und alt zu werden.

Ueli Steck glaubte an sein „destiny“, an seine Bestimmung, sein Schicksal. Er wusste, wer „free solo“ gehen will, darf nicht den mindesten Zweifel an sich haben. Deshalb lohnt sich die Lektüre.

Auch eine Verlegerin der Schweizer Extra-Klasse, Annette Weber vom Werd & Weber Verlag, hat zusammen mit Lukas Heim (Weltbild) das Buch „Unser Dölf“ herausgebracht, das den aus Kandersteg stammenden Dölf Ogi in 75 Kurzportraits reflektiert.

Überraschend sind die Ähnlichkeiten zwischen Steck und Ogi. Zweifellos ist der volkstümliche Berner Ogi auch einer, der die politische Kalkulation ausgezeichnet beherrscht. Sein „Gring“ ist nicht minder hart und zuverlässig auch in kritischen menschlichen Situationen, die ihm nicht erspart blieben. Politische Fehltritte, das weiss auch ein Ogi, hätten seinen frühen Absturz bedeutet. Weil auch er es gewohnt war, über schmale Grate zu gehen, blieb er bis heute oben.

Ogi entdeckte ich früh schon 1978. Er war Marketingdirektor von Intersport, wo ich ihn einen ganzen Tag beobachten konnte und fasziniert war von seinem Talent, die Menschen zu fesseln. Als er ein Jahr später in den Nationalrat gewählt wurde und die Zürcher ihn verspotteten, er sei nur ein Primarschüler, also auf keinen Fall für den Nationalrat geeignet, widersprach ich oft und aus Überzeugung.

In „Unser Dölf“, eine Verballhornung des Namens Adolf, wird Ogi wie von einem Bergkristall gespiegelt. Jeder sieht in ihm etwas anderes, aber stets Erfreuliches. Im Kreis dieses 75köpfigen Bestätigungs-Kartells erfasst Matthias Ackeret, Chefredaktor des Fachmagazins „persönlich“, ihn gut mit dem Hinweis „In seinem Auftritt fast schon unschweizerisch elegant, eine Art Bill Clinton aus dem Berner Oberland.“ Relativiert wird dies von Willi Schnyder, einem hoch talentierten ehemaligen Walliser Regierungsrat, der über Ogi sagt: „Dem werktätigen Volk wie auch den Schwächsten unserer Gesellschaft begegnete er nie als Obrigkeit.“

Ein anderer Journalist, der für Dölf Ogi schicksalhaft werden sollte, Frank A. Meyer von Ringier, viele Jahre Ogi-Berater, durfte in diesem Buch nicht schreiben, hatte er ihm doch die schlimmste politische Niederlage beigebracht, die EWR-Niederlage und das jetzt zurückgezogene Beitrittsgesuch des Bundesrates zur Europäischen Union (EU).

Das Volk vergisst derlei gerne und wer zuletzt strahlt, strahlt am längsten. Ogi, der gerne Bergkristalle verschenkte, war selber ein solcher Bergkristall, der bis heute nicht stumpf wurde. Er hat den Dank des Vaterlands verdient.

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