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Ein Sommerabend mit Piroschka in Zürich

7. Juni 2017 um 8:27

Bis zum 18. Juni werden im Zürcher Bernhard Theater noch sieben Vorstellungen gegeben von „Ein Sommer mit Piroschka“. Wer einen unbeschwerten Abend mit viel Musik und Tanz erleben will, sollte dieses Volksstück nicht verpassen.

Das Bernhard Theater ist Zürichs klassische Volksbühne. Dort stehen nicht Wagner’sche Sagenwelten oder Verdi’sche Dramen im Vordergrund. Vielmehr spiegelt sich in den Aufführungen Freud und Leid des Volkes. Was auf der Bühne abgeht, ist den Menschen im Saal nicht fremd.

Der deutsche Schriftsteller Hugo Hartung hat 1954, zur gleichen Zeit, als die Deutschen auch den Tessin wieder entdeckten, „Ich denke oft an Piroschka“ geschrieben, eine leichtfüssige Studentenliebe in der ungarischen Puszta. Sie wurde mit Liselotte Pulver als Piroschka, Gustav Knuth als Bahnhofsvorsteher und Gunnar Möller als Student grandios verfilmt. Regisseur war Kurt Hoffmann, ebenfalls ein Ausnahmetalent der deutschen Nachkriegszeit.

Die Zürcher Piroschka im Bernhard Theater ist die Leistung zweier erprobter heimischer Theatergewächse: Jordi Viladarga, Autor der Theaterfassung, und Susanne Zürrer, Regie. Sie inszenierten mit der Truppe des Estrich Theaters die „Buntheit des Lebens“ (S. Zürrer), welche das Publikum häufig zu Szenenbeifall veranlasste.

Die eigentliche Überraschung war der Ungarisch-Zürcher Komponist Bela Balint als Arrangeur und musikalischer Leiter. Balint, der viele Jahre für Udo Jürgens, Hazy Osterwald, John Ward und Ute Lemper arbeitete und im Pepe Lienhard-Orchester ständiges Mitglied war, schaffte es, zugleich ungarisch lebhaft und doch diskret aufspielen zu lassen, damit die Schauspieler im Vordergrund standen.

Balint ist in der Schweiz längst eine grosse Nummer. Er, in den grossen Bigbands Europas aufgewachsen, verhalf schon 1986 dem Schweizer Beitrag am Concours Eurovision de la Chanson zum 2. Platz. Zwei Jahre später, beim Schweizer Siegertitel, gesungen von Céline Dion, steuerte er die Live-Orchestration bei.

Balint ist heute Inhaber der BB Concert Music, einer Schule für Jazzpiano, Arrangement und Orchestration in Zürich und unterrichtet Klavier an der Hochschule WAM – Jazz Pop Rock Academy in Winterthur.

Zurück zu Piroschka, Zürcher Variante im Bernhard Theater. Aufgefallen ist mir Laura Vogel, die eine nahezu perfekte Choreografie von oft hohem Tempo hinlegte. Die von ihr ausgearbeiteten Schnittstellen und Übergänge liessen keine Sekunde Langeweile aufkommen. Andreas Schiller gab sich erfolgreich als Wiedergeburt von Gunnar Möller im 21. Jahrhundert. Diese norddeutsche Steifheit in Ausdruck und Bewegung, jenes förmliche Verhalten der Mitglieder alter Bruderschaften und studentischer Verbindungen, wurde von ihm perfekt interpretiert. Philippe Béchir, der auf einer weiteren Handlungsebene den Romanautor gab, der sich erinnerte, verströmte pure Nostalgie und erhielt dafür viel Beifall.

Mit Ladina Huber wurde eine Piroschka ausgewählt, die Ihre Begabung unter Beweis gestellt hat.

Viele schöne und lebhafte Charaktere machen den Reiz dieser Aufführung aus. Das Bernhard Theater ist ein Gastro-Theater geblieben. Was an Speis und Trank geboten wird, ist fair. Die Preise sind nicht übertrieben.

Wie gesagt, ein schöner Abend im Zentrum der Stadt. Man sollte ihn nicht verpassen.

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