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Tagesarchiv für 6. März 2017

Ist die Linke ratlos?

Montag, den 6. März 2017 um 11:34

Wenn das Schweizerische Institut für Auslandforschung (SIAF) einlädt, wird Besonderes erwartet. Die Hallen der Universität Zürich waren deshalb bis an ihre Grenzen ausgebucht, als Dr. Sahra Wagenknecht als Referentin angesagt war zum Thema „Europa – wie weiter?“ Die Oppositionsführerin im Deutschen Bundestag ist durch Bücher aufgefallen, die auch Schweizer Wirtschaftsführern und Ordo-Liberalen Respekt einflössen. Dazu die charismatische Ausstrahlung einer attraktiven Frau.

Sahra Wagenknecht, mit einer schweren Grippe kämpfend, sagte erst im letzten Augenblick ab, sodass ihr nicht minder bekannter Ehemann, der einstige SP-Starpolitiker Oskar Lafontaine, ex Saarbrücken in den Wagen stieg zur dreistündigen Fahrt nach Zürich. Er löste, ganz im Unterschied zu Wladimir Iljitsch Lenin, der gerade im Landesmuseum eher verschämt gefeiert wird, mit seiner Fahrt keine Revolution aus, liess aber erkennen, wie ratlos die europäische Linke den jüngeren politischen Entwicklungen in Europa gegenüber steht.

Wenig überraschend war, dass er die USA als „von der Wall Street finanziertes korruptes System“ bezeichnete. Sein Hinweis darauf, dass „nicht Griechenland, sondern die Banken gerettet werden mussten“, was die hohe Staatsverschuldung von heute zur Folge hatte, überraschte die zahlreich anwesenden Bankiers und Finanzmanager ebenfalls nicht.

Sein Lob Michail Gorbatschows, der soeben von einem zweitklassigen Schweizer Politiker aus der Organisation „Green Cross“ vertrieben wurde, dieser habe, wie Wladimir Putin auch, „Das europäische Haus“ gewollt, erhielt aus dem jugendlichen Publikum zweimal starken Applaus.

Worin sieht Lafontaine eine Zukunft für Europa? Als er Subsidiarität und Dezentralität nannte, wurde er aus dem Publikum sofort belehrt, dies seien „Schweizer Erfindungen“.

„Mehr Flexibilität im Währungssystem und freier Personenverkehr unter Anrechnung des Imperativs der sozialen Gerechtigkeit für Flüchtlinge“ war als Forderung dann auch nicht sehr überraschend.

Sein Ruf nach „Mehr Selbstvertrauen der Europäer“ löste wiederum Beifall aus. Man sieht, was die jungen Studenten sich wünschen. Gute Beziehungen der Europäer zu Russland gehören dazu.

Später, beim Weg aus der Uni, sagte der Saarländer: „Die deutsche Kriegsgeneration brachte in der Nachkriegspolitik viele starke Persönlichkeiten hervor.“ Er selber sieht sich als deutlich schwächere zweite Generation, der nun eine nochmals schwächere dritte Generation folge.

Den mit hohen Erwartungen begonnen und dann immer schwächer werdenden Vortragsabend rettete, nicht unerwartet, Dr. Martin Meyer, der Präsident des Vorstands des SIAF. Mit grosser und von Beifall angereicherter Eloquenz überbrückte er die sich auftuenden Sprünge im Ablauf des Abends, wo von Beginn an die Lautsprecheranalage, dies vielleicht ahnend, schon früh ihren Geist aufgegeben hatte. Die Ratlosigkeit der Linken, ihr Anlehnungsversuch an die deutschen Ordo-Liberalen, wurde ersichtlich angesichts des amerikanischen militärisch-politischen Finanzmarktkomplexes, auf dessen Forderungen die Europäer heute keine Antwort haben.

 
     
     
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