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Tagesarchiv für 6. Februar 2017

USR III – sind Politiker noch glaubwürdig?

Montag, den 6. Februar 2017 um 14:49

Bundespräsidentin Doris Leuthard zog es vor, anlässlich des letzten „Kampf“-Wochenendes der Befürworter zur USR III-Abstimmung keine Empfehlung abzugeben. Sie vertrieb sich die Zeit bei der Premiere des Musicals „Mary Poppins“ in Zürich, wo sie sich sichtlich wohler fühlte.

Natürlich war dies sehr klug, musste sie doch bei einer „Ja“-Empfehlung damit rechnen, zu den Verlierern am kommenden Wochenende zu zählen. Derlei passt nicht in ihr Lebensbild.

Ohnehin, unser weiblicher politischer Führungsnachwuchs zeichnet sich durch ein gutes Gehör und viel Fingerspitzengefühl aus. Simonetta Sommaruga hat sich in ihrer prä-magistralen Zeit als Klavierlehrerin behauptet. Zürichs Stadtpräsidentin Corine Mauch klemmte sich den Bass zwischen die Beine. Damit nicht genug: Basels neue Stadtpräsidentin war ihr Leben lang Gitarrenlehrerin.

Unser politisches Orchester lahmt jedoch, wenn es um ernsthaftere Dinge als leichte Musik geht. Nicht nur sieht es schlecht aus um die Annahme der USR III; deren Kommunikation ist jetzt schon eine Katastrophe. Der Zürcher FDP-Regierungsrat Thomas Heiniger, Gesundheitsdirektor und gleichzeitig Präsident der Schweizer Gesundheitsdirektorenkonferenz, liess am letzten Traumwochenende wissen: „Ja, das Alter darf eine Rolle spielen“, wenn es um die Bewilligung von Gesundheits-Dienstleistungen geht.

Derweil schiebt sich der deutsche Bankier Martin Blessing, derzeit Chef der UBS Schweiz, in den Vordergrund. Von VRP Axel Weber in die Schweiz gerufen, wird er offen als Nachfolger von Konzern-CEO Sergio Ermotti gehandelt. Martin Blessings Vater, was junge Journalisten gerne vergessen, war ein einst berühmter Präsident der Deutschen Bundesbank. Für kleine Jobs sieht er sich wenig geeignet.

So dümpelt die Schweiz politisch dahin, während „big business“ sich ausserhalb dieser eher engen Sphäre abspielt.

Wie es aussieht, schwindet der Vertrauensbonus Schweizer Politiker schneller als der Aletschgletscher taut. Wer diesen genauer beobachtet, weiss, dass Abbrüche die Folge sind. Spätestens bei den nächsten Wahlen könnte derlei geschehen.

Unsere ihrer eigenen Sprache nicht mehr sicheren Bundesräte sind völlig verängstigt und ziehen, auch bei öffentlichen Auftritten, Johannes Schneider-Ammann allen voran, den Teleprompter bei, eine 16 000 Franken teure Krücke, wo man die Texte einer Rede ablesen kann. Bisher war dies nur bei TV-Reden üblich.

Dr. Christoph Blocher, je älter, desto schärfer, bezeichnet Akademiker gerne als Dorftrottel. Fragt sich, wo die Musik spielt.

USR III – das Chaos regiert

Montag, den 6. Februar 2017 um 14:37

Ganz offensichtlich haben die Befürworter der USR III den Überblick verloren. Die Anwälte der grossen globalen Beratungsfirmen sind weitgehend verstummt, denn sie haben ihr Pulver verschossen. Die Politiker der bürgerlichen Parteien halten sich zurück, denn sie möchten in 14 Tagen nicht als Verlierer gelten. Die grossen Wirtschaftsführer haben Besseres zu tun, als laufend Interviews zu Randfragen, wie es Steuern sind, zu geben. „C’est la grande merde“, wie die Franzosen sagen.

Einzig in Basel kämpft Eva Herzog, die eigentliche Herrscherin im Stadtkanton, gegen alle Bösewichte, die USR III nicht wollen. Die SP-Politikerin hat ihre eigene Partei, die Grünen, die Liberalen und die kümmerlichen SVP-Reste am Rheinknie gebodigt. Einzig ihr weibliches Pendant, die SP-Ständerätin Anita Fetz, hält ihr entgegen. Brunhild und Krimhild kämpfen wieder gegeneinander, ganz wie vor 1000 Jahren.

In diesem Augenblick gilt USR III als verloren. Die Befürworter, angeführt von der économiesuisse, hab en beim Timing grässliche Fehler gemacht. Wo es darum ging, dem Schweizer Volk einen grossen Fortschritt zu verkünden, verlief alles eher heimlich und hinter den Kulissen. Eveline Widmer-Schlumpf und andere hoben den Rock über die Schamzone an und das Schweizer Volk begann sich zu fragen: Ist es das, was wir wollen?

Nun beginnt die letzte Kampfwoche, die Arena tobt. Brunhilde „Eva“ will als Heldin den Gürtel, Krimhilde „Anita“ will ihn auch. Das Schweizer Stimmvolk hat sich der Basler Ständerätin zugeneigt. Wollen wir einmal sehen, ob Brunhilde der finale Schwung gelingt.

 
     
     
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