Über uns Dienstleistungen Agenda Medien Publikationen Kontakt  

Weblog

Monatsarchiv für Februar 2017

Niederlagen, Verwirrung, Chaos

Mittwoch, den 22. Februar 2017 um 14:10

Wie schlecht es den Genfer Privatbanken geht, deren marmorne Empfangshallen meist leer sind, zeigt das Beispiel der Bank Pictet. Sie, die seit 20 Jahren den Genfer Wirtschaftsindex finanzierte, hat es abgelehnt, dies weiter zu tun. Die Bank der Reichen der Welt spart damit jährlich 6000 Franken.

Der reichste Brasilianer Jorge Leman, der in Rapperswil-Kempraten wohnt, hat zusammen mit Warren Buffett, dem zweitreichsten Menschen der Welt, den Angriff auf Unilever abgeblasen. Es standen mehr USD 150 Milliarden auf dem Spiel. Paul Polmann, Unilever-Chef, hat die Attacke abgewehrt. Der ehemalige Finanzchef von Nestlé hat Unilever zu einem Börsenstar gemacht. Peter Brabeck-Letmathé, langjähriger VR-Präsident von Nestlé, liess Polmann gehen und machte Paul Bulcke zum CEO des Nestlé-Konzern. Das war ein Fehlentscheid, der die Nestlé-Aktionäre viel Geld kostete. Polman setzte bei Unilever die frühere Nestlé-Strategie des auf Dauer angelegten Wachstums und der Nachhaltigkeit fort, während das Team Brabeck/Bulcke von Idee zu Idee und von Krise zu Krise taumelte.

Ob Sonny Boy Heinz Karrer je der richtige war als Teilzeit-Präsident des Wirtschaftsdachverbandes économiesuisse ist heute entschieden: Er war es nicht. Jedoch ist mit diesem Amt noch einiges an Prestige verbunden, das die grossen Wirtschaftsfachverbände zögern lässt, einen raschen Wechsel zu betreiben. Die grössten Schweizer Konzerne, meist unter ausländischer Kontrolle, haben nicht mehr ihre A-Klasse in die économiesuisse abgestellt. Diese macht auch immer weniger Sinn, denn Swissholdings ist die wirkliche Finanzmacht und der Rest ein Mix von KMU und Gewerbe.

Unsere „Schwester“-Republik USA steckt noch tiefer in Schwierigkeiten. Die USA sind pleite, wir sind es nicht. Die Infrastruktur der USA, Strassen und Eisenbahnen, ist in einem katastrophalen Zustand; unsere funktioniert noch einigermassen, wenn auch meist überlastet.

Amerika ist nicht mehr „die leuchtende Stadt auf dem Hügel“, wie Ronald Reagan es einmal formulierte, eine Art kapitalistisches Jerusalem. Trump will nun doch etwas NATO, aber eine billigere Variante für ihn. Die EU hält er für einen „kleinen Club für Europa“, um den er sich nicht kümmern wolle. Er sei mit Mexiko und Kanada beschäftigt. Wobei kein Mensch glaubt, dass die NATO von den Europäern rasch aufgerüstet werden kann. Die deutsche Verteidigungsministerin Ursula van der Leyen rechnet mit 5-8 Jahren.

In Deutschland tobt derweil die Wut gegen die Eliten. Wie Donald Trump die Professoren verachtet, sind die Gauland-Deutschen gegen jede Form höherer Bildung, Wissenschaft und Kunst. Mir fällt dazu nur die Kulturrevolution unter Mao Tsetung ein, als er durch seine „Jungen Garden“ Millionen Städter aufs Land verschicken und dort verhungern liess.

Selbstverschuldete Niederlagen, Verwirrung und Chaos beherrschen zunehmend die einst stabilen Staaten Europas und die USA. Ist dies Spenglers „Untergang des Abendlandes“, den er vor 100 Jahren ankündigte? Zweifellos baut China sein eigenes Land und sein Welthandelsreich sehr zügig aus. Modis Indien hat angekündigt, die demnächst altersschwachen Chinesen noch vor 2030 zu überholen.

Und wir „old Europeans“? Wir zahlen Milliarden, damit die Nordafrikaner und Türken ihre Grenzen befestigen, damit nicht 800 Millionen „black Africans“ uns überschwemmen. In Genf werden 12 000 Papierlose, darunter viele Afrikaner, jetzt von der Regierung legitimiert. Es waren die steuerbefreiten Genfer Diplomatenfamilien, die ihre Billigarbeitskräfte im Haushalt endlich angstfrei beschäftigen wollten, welche dies durchsetzten. Simonetta Sommaruga war einverstanden, wen wundert’s?

In Zürich müssen die ihre Steuern zahlenden Hausfrauen in gleicher Situation noch Angst haben, entdeckt zu werden. Nicht mehr lange, nehme ich an. Simonetta wird dies regeln.

Warum ich Umweltschützern kein Wort glaube

Donnerstag, den 16. Februar 2017 um 15:19

Jeder nennt sich heute Umweltschützer, wenn er mit dem Velo aggressiv durch die Innenstadt fährt und anständige Autofahrer mit seinem Wackelkurs behindert.

Jeder nennt sich heute Energiesparer, wenn er tagsüber im Flur das Licht ausmacht, damit weniger in die Schweiz ausgeführte „schmutzige Importenergie“ aus Braunkohle Teile Deutschlands vergiftet.

Aber unsere konsumwütigen Umweltschützer und Energiesparer senden jedes Jahr 4,5 Millionen Pakete mit Kleidern und Schuhen von Zalando nach Deutschland zurück, weil ihnen darin etwas nicht gefällt. Das ist das Geschäftsprinzip von Zalando.

Welcher Wahnsinn! 4,5 Millionen Pakete von total 7,5 Millionen Paketen, welche in die Schweiz gesandt werden, gehen wieder zurück. Ganze Züge, ganze Flugzeugladungen, sind gefüllt mit Paketen, die niemand will.

Kurzum, ich glaube den selbsternannten Umweltschützern kein Wort. Jeder Schweizer, der bei Zalando kauft und sich die Ware per Post zustellen lässt, verschmutzt die Umwelt. Er tut es doppelt, schickt er das Paket wieder zurück.

Vor zwei Wochen sass ich einem Schweizer Unternehmer gegenüber, der sagte: „Ich beschäftige in Indien 600 Mitarbeiter. Damit tue ich mehr für die Menschen dort als die meisten unserer Entwicklungshelfer.“ Wie Recht er hat.

SRF, das Minderheiten-TV

Donnerstag, den 16. Februar 2017 um 15:18

Die USR III-Abstimmung ging aus vielen Gründen verloren; der wichtigste war der strategisch falsche Ansatz von économiesuisse, die Umsetzung mit der Rechtsaussen-Agentur GOAL war mittelalterlich.

Das Schweizer Fernsehen mit seinen meist recht verklemmten Informationssendungen hat auch wenig dazu beigetragen, das Vertrauen in die Ueli Maurer’sche Vorlage zu steigern. Warum? An einem normalen Arbeitstag sehen eine viertel Million Menschen um 19.56 Meteo. Bei der Tagesschau um 19.30 Uhr sind nur noch 200 000 Zuschauer dabei, „Kassensturz“ und „10 vor 10“ bringen weitere Abstürze der Zuschauerzahlen um 10-20%.

Unser Land hat jetzt 8,4 Mio. Einwohner, davon 5,5 Mio. in der Deutschen Schweiz. Minus 25% Ausländer bleiben noch 4,4 Mio. potentielle Zuschauer übrig. Was sind dann 200 000 Zuschauer für die „Tagesschau“? Ein extremes Minderheiten-TV.

Man sollte davon ausgehen, dass unsere Medien mit ihren politischen Info-Sendungen nur noch eine Minderheit erreichen. Es dürfte eine weitgehend gebildete, d.h. ältere Minderheit sein, die sich dann aufsplittert in Stimmbürger und Nicht-Stimmbürger.

Offensichtlich werden wir von einer Minderheit regiert, die zunehmend unter Kontrollverlust leidet.

„Am Ende bleibt die Liebe“

Dienstag, den 14. Februar 2017 um 10:32

So ein Blödsinn. Die Feierlichkeiten zum Tod des verdienten Berner Dichters und Pastors Kurt Marti, dessen Sohn als „Füdli Marti“ in die Werbegeschichte einging, wurden oft überschrieben mit seinem Wort „Am Ende bleibt die Liebe“.

Meine Erfahrung mit Sterbenden ist es, dass sie keineswegs von „Liebe“ sprechen, sondern erschöpft sind und das Ende herbei sehnen. Dabei spreche ich vom normalen Tod und nicht den vielen Extremfällen, wo Menschen vorzeitig Abschied nehmen müssen. Dort habe ich Widerstand erlebt und unsägliches Staunen darüber, dass es schon zu Ende geht.

Was ist das für eine Liebe, die von Geistlichen und anderen Schöngeistern gepredigt wird? Sie ist ein Schaumteppich, der alles überdecken soll, was ein Leben an Hässlichem geboten hat.

Ob Dalai Lama oder Papst, was die Religionen uns verkaufen, findet nur noch bei über Sechzigjährigen Anklang. Jüngere wissen, was Überlebenskampf bedeutet, alleine schon, wenn sie an die AHV denken. Auch Allah bringt nur Leben oder Tod. Die Liebe ist dort, wie im Hinduismus, nur ein seltener Reflex am Himmel, eine Art Lottogewinn für wenige.

Für die Meisten bleibt am Ende ihres Lebens nur die Aufgabe. War das alles? Ja, das war es. Finis terrae.

Das Comeback des Staatsbauern

Donnerstag, den 9. Februar 2017 um 17:11

Es ist unmöglich, Toni Brunner, den Staatsbauern aus St. Gallen, nicht einen netten Menschen zu finden. Der Profi-Politiker, dessen Eltern die Kühe melken und dessen Frau eine PR-Agentur betreibt, die auch Roger Köppel betreut, setzt sich nun dafür ein, keine deutschen Professoren und Lehrer mehr an Schweizer Universitäten und Schulen zuzulassen.

Das passt.

Unsere Kantone fördern einen Lehrplan 21, welcher der Verdummung der Primar- und Sekundarschüler dient. Sie sollen nichts mehr lernen, ganz im Unterschied zu den fleissigen Asiaten, sondern nur noch „Kompetenzen“ erwerben, vor allem jene, einen Computer zu bedienen und sich in der IT-Landschaft des 21. Jahrhunderts zurecht zu finden.

Toni Brunner, das „Sünneli“ seiner Partei, der SVP, hat vergessen, dass ETH und Uni Zürich von Deutschen aufgebaut wurden. Er weiss auch nicht, dass der Ruf unserer Schweizer Hochschulen ganz entscheidend von ausländischen Professoren abhängig ist.

Welche Schweiz will er?

Eine SVP-Schweiz, wo mehr als 50% der Bevölkerung „Blocher TV“ sehen, wo die Milliardäre Christoph Blocher, Walter Frey und Peter Spuhler den Tarif für das Volk durchgeben und sich von diensteifrigen SVP-Intellektuellen wie Christoph Mörgeli die Reden schreiben lassen.

Ich denke, Toni Brunner hat eine ganz andere Sorge. Sein Nachfolger im Amt des Parteipräsidenten, Albert Rösti, hat bisher nicht jenen Zug entwickelt, den sich ein Alt-SVP’ler wünschen kann. Jetzt tritt der mit Staatsmitteln geförderte St. Galler Staatsbauer wieder an die Öffentlichkeit. Der Gottseibeiuns ist wieder zurück.

Wer darf einwandern?

Mittwoch, den 8. Februar 2017 um 11:47

Da mir selten ein Ausländer erster Generation begegnet, es sei denn als Hilfskraft oder Manager, beschäftigt mich das Thema wenig. Wer etwas leistet, hat meinen Respekt; wer nur so tut als ob, wird meist rasch erkannt und aussortiert.

Doch ist es auffallend, dass die USA mit 330 Millionen Einwohnern jährlich selten mehr als 70 000 Menschen aufnehmen, das entspricht ziemlich genau den Aufnahmezahlen der Schweiz mit 8,2 Millionen Einwohnern.

Es trifft schon zu, dass man sich vielerorts bei uns von Ausländern überschwemmt fühlt. Nicht jedermann kann sich, wie Dr. Christoph Blocher und Familie, eine Burg über dem Zürichsee bauen und dann von oben gegen die Ausländer wettern, deren schlimmste Ausprägung Flüchtling genannt wird.

Unser politisch linksgesteuerter Bundesrat, dies mit tatkräftiger Unterstützung von FDP-Bundesrat Didier Burkhalter, der sich im Amt nur deshalb halten kann, weil weder seine eigene Partei, die längst an ihm verzweifelt, noch CVP und SP auf diesen Verbündeten verzichten wollen, betreibt eine Ausländer- und Flüchtlingspolitik, die so hilflos ist wie das meiste, was aus Bern kommt.

Wir haben im politischen Bern keine Balance der Stärke mehr, sondern eine Balance der Schwäche. Der Kampf um die Macht und die Suppentöpfe Berns hat in den Parteien zu einer Abwehrhaltung gegenüber echten politischen Talenten geführt, die nun üble Folgen hat.

Brauchen wir Einwanderer? Ja, aber klug und dosiert wie es die Amerikaner tun, die Kanadier und die Australier auch.

USR III – sind Politiker noch glaubwürdig?

Montag, den 6. Februar 2017 um 14:49

Bundespräsidentin Doris Leuthard zog es vor, anlässlich des letzten „Kampf“-Wochenendes der Befürworter zur USR III-Abstimmung keine Empfehlung abzugeben. Sie vertrieb sich die Zeit bei der Premiere des Musicals „Mary Poppins“ in Zürich, wo sie sich sichtlich wohler fühlte.

Natürlich war dies sehr klug, musste sie doch bei einer „Ja“-Empfehlung damit rechnen, zu den Verlierern am kommenden Wochenende zu zählen. Derlei passt nicht in ihr Lebensbild.

Ohnehin, unser weiblicher politischer Führungsnachwuchs zeichnet sich durch ein gutes Gehör und viel Fingerspitzengefühl aus. Simonetta Sommaruga hat sich in ihrer prä-magistralen Zeit als Klavierlehrerin behauptet. Zürichs Stadtpräsidentin Corine Mauch klemmte sich den Bass zwischen die Beine. Damit nicht genug: Basels neue Stadtpräsidentin war ihr Leben lang Gitarrenlehrerin.

Unser politisches Orchester lahmt jedoch, wenn es um ernsthaftere Dinge als leichte Musik geht. Nicht nur sieht es schlecht aus um die Annahme der USR III; deren Kommunikation ist jetzt schon eine Katastrophe. Der Zürcher FDP-Regierungsrat Thomas Heiniger, Gesundheitsdirektor und gleichzeitig Präsident der Schweizer Gesundheitsdirektorenkonferenz, liess am letzten Traumwochenende wissen: „Ja, das Alter darf eine Rolle spielen“, wenn es um die Bewilligung von Gesundheits-Dienstleistungen geht.

Derweil schiebt sich der deutsche Bankier Martin Blessing, derzeit Chef der UBS Schweiz, in den Vordergrund. Von VRP Axel Weber in die Schweiz gerufen, wird er offen als Nachfolger von Konzern-CEO Sergio Ermotti gehandelt. Martin Blessings Vater, was junge Journalisten gerne vergessen, war ein einst berühmter Präsident der Deutschen Bundesbank. Für kleine Jobs sieht er sich wenig geeignet.

So dümpelt die Schweiz politisch dahin, während „big business“ sich ausserhalb dieser eher engen Sphäre abspielt.

Wie es aussieht, schwindet der Vertrauensbonus Schweizer Politiker schneller als der Aletschgletscher taut. Wer diesen genauer beobachtet, weiss, dass Abbrüche die Folge sind. Spätestens bei den nächsten Wahlen könnte derlei geschehen.

Unsere ihrer eigenen Sprache nicht mehr sicheren Bundesräte sind völlig verängstigt und ziehen, auch bei öffentlichen Auftritten, Johannes Schneider-Ammann allen voran, den Teleprompter bei, eine 16 000 Franken teure Krücke, wo man die Texte einer Rede ablesen kann. Bisher war dies nur bei TV-Reden üblich.

Dr. Christoph Blocher, je älter, desto schärfer, bezeichnet Akademiker gerne als Dorftrottel. Fragt sich, wo die Musik spielt.

USR III – das Chaos regiert

Montag, den 6. Februar 2017 um 14:37

Ganz offensichtlich haben die Befürworter der USR III den Überblick verloren. Die Anwälte der grossen globalen Beratungsfirmen sind weitgehend verstummt, denn sie haben ihr Pulver verschossen. Die Politiker der bürgerlichen Parteien halten sich zurück, denn sie möchten in 14 Tagen nicht als Verlierer gelten. Die grossen Wirtschaftsführer haben Besseres zu tun, als laufend Interviews zu Randfragen, wie es Steuern sind, zu geben. „C’est la grande merde“, wie die Franzosen sagen.

Einzig in Basel kämpft Eva Herzog, die eigentliche Herrscherin im Stadtkanton, gegen alle Bösewichte, die USR III nicht wollen. Die SP-Politikerin hat ihre eigene Partei, die Grünen, die Liberalen und die kümmerlichen SVP-Reste am Rheinknie gebodigt. Einzig ihr weibliches Pendant, die SP-Ständerätin Anita Fetz, hält ihr entgegen. Brunhild und Krimhild kämpfen wieder gegeneinander, ganz wie vor 1000 Jahren.

In diesem Augenblick gilt USR III als verloren. Die Befürworter, angeführt von der économiesuisse, hab en beim Timing grässliche Fehler gemacht. Wo es darum ging, dem Schweizer Volk einen grossen Fortschritt zu verkünden, verlief alles eher heimlich und hinter den Kulissen. Eveline Widmer-Schlumpf und andere hoben den Rock über die Schamzone an und das Schweizer Volk begann sich zu fragen: Ist es das, was wir wollen?

Nun beginnt die letzte Kampfwoche, die Arena tobt. Brunhilde „Eva“ will als Heldin den Gürtel, Krimhilde „Anita“ will ihn auch. Das Schweizer Stimmvolk hat sich der Basler Ständerätin zugeneigt. Wollen wir einmal sehen, ob Brunhilde der finale Schwung gelingt.

Die Kirchenelite lebt gut – auch ohne Gläubige

Freitag, den 3. Februar 2017 um 15:02

Die ausgezeichneten Steuereingänge in den letzten zehn Jahren haben auch die evangelisch-reformierte wie die römisch-katholische Kirche wohlhabend gemacht.

Während die Eliten beider christlicher Kirchen den stattlichen Wohlstand geniessen, ohne der Ausbildung des predigenden Nachwuchses genügend Aufmerksamkeit zu schenken, laufen ihnen die Gläubigen davon, die Reformierten sehr schnell, die Katholiken etwas langsamer.

Nur noch jeder vierte Schweizer ist reformiert, gut jeder Dritte nennt sich katholisch. Fast jeder Vierte ist konfessionslos, jeder Zwanzigste bereits zu einer Freikirche übergelaufen.

Überall sonst in der Schweizer Gesellschaft würde man dies als Management-Versagen bezeichnen, aber die Spitzen beider christlicher Kirchen haben dutzende von Ausreden, weshalb das Volk, die Medien, die Lehrer und die Eltern daran schuld sind, weshalb die Kirchen sich lehren.

Mit schuldig sind auch jene staatsbürgerlichen Organisationen in verschiedenen Kantonen, die sich Kirchenräte nennen, die das Geld und die Verwaltung „ihrer“ Kirchengemeinden beanspruchen, aber keinen nennenswerten Beitrag zur Vertiefung des Glaubens leisten. Mit den fleissig fliessenden Kirchensteuern und hohen Spesenentschädigungen lässt sich gut leben.

Kurzum, die reichen Schweizer Kirchen sind verwahrlost. Die Katholiken schneiden nur deshalb besser ab, weil Zuwanderer aus Italien, Spanien, Portugal, Indien und den Philippinen die Bilanz der Gläubigen aufbessern.

In den Kirchen selber sieht es trostlos aus. Ein überaltertes Schweizer Kirchenpublikum sitzt gekrümmt auf den Bänken. Die Predigten sind zumeist Routine; die seltenen guten Prediger werden von der Kirche eher ausgestossen als gefördert.

Die Frauen stehen treuer zu ihrer Religion als die Männer. Sie, die im Jenseits immer noch etwas erwarten, haben Thomas von Aquin, den Kirchenvater, nie gelesen. Die hohe Geistlichkeit kennt seine Glaubenslehre, tut sich aber schwer damit, sie auch zu vermitteln.

Die Schweiz hat kein Schwert mehr, denn die Armee ist verrottet. Sie hat auch kein Kreuz mehr, höchstens ein Kreuzchen. Die Fluchtwege in die Mystik stellen sich als Sackgassen heraus. Mehr denn je hält die Menschen die Hoffnung am Leben, dass es nicht schlimmer werde. Sie könnten sich täuschen.

 
     
     
Home Kontakt Sitemap Weblog Home
Home | Über uns | Dienstleistungen | Agenda | Medien | Publikationen | Kontakt | Sitemap | Weblog