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Tagesarchiv für 19. Dezember 2016

Was ist mit den Medien los?

Montag, den 19. Dezember 2016 um 17:07

Als Medien-Grossverbraucher seit gut 50 Jahren, ist mir jede Romantik fern, die alte Zeiten verherrlichen will. Verleger wollten immer schon in erster Linie Geld verdienen, Journalisten waren immer schon zynisch, weil sie mehr wussten als sie schreiben durften, und wer nur eine Zeitung täglich las, zählte schon seinerzeit zum intellektuellen Prekariat.

Heute zeigt sich: Die Schweiz hat zu wenige qualifizierte Journalisten ausgebildet, ganz wie Fachärzte auch nicht, um den Wissensbedarf gebildeter Leser, Hörer und Seher erfüllen zu können.

Der Schweizer Staatssender SRG stützt sich mehr denn je auf ausländische Content-Lieferanten ab. Auf Schwyzerdütsch geht dem aufmerksamen Hörer das ständige Gekicher auf den Wecker, mit welchem auch halbwegs seriöse Sender wie SRF 2 ihre Sendungen begleiten.

Tamedia gliedert journalistischen Content massiv nach München aus; dies war für Leser absehbar, die „tagi“ und „SZ“ regelmässig lasen. Auffallend war nur, dass das gleiche Thema oft in der „SZ“ besser und länger dargestellt wurde als im „tagi“, der den Stoff meistens kürzste.

Die „Neue Zürcher Zeitung“, die sich weiterhin elitär gebende Wundertüte des Schweizer Journalismus, ist unter Chefredaktor Eric Gujer politisch nach rechts gerutscht. Das schadet nicht, ist aber kein Synonym für bessere Kommentare als im Durchschnitt.

Es mag für Edelfedern nicht relevant sein, aber wenn ein Chefredaktor zum Jahresende Ludwig Hasler zum „letzten Philosophen der Schweiz“ erhebt, ist das einfach lächerlich. Gerade Freundschaft erlaubt nicht jede Dummheit.

Wenn mir aus dem Bündnerland die Steinböcke als Wunder angepriesen werden, aus Gstaad die Kuh Tessa mich zu den Berner Milliardären locken soll oder mit das Wallis „ins Herz g‘meisselt“ wird, dann kommen mir die Tränen ob solcher Alpinromantik. Ohnehin wird in den Medien zu viel „Herzblut“ vergossen, weil niemand mehr bessere Ausdrücke für den vollen Einsatz zu beherrschen scheint – wow!

Mit schlecht ausgebildeten Jungjournalisten, die zwischen technischem Ansprüchen der alten und der neuen Medien zerrissen werden, aber keine Zeit mehr haben, ein gutes Buch zu lesen, verliert auch die Schweizer Demokratie ihren Sinn. Sie baut auf dem gebildeten Bürger auf. Die Medien als Bannwald der Demokratie  haben längst ausgedient; ein oder zwei Bäume machen die Suppe nicht fett.

Also werde ich über die Feiertage weiterhin sehr viele Medien kaufen und lesen. Die gesammelten Fettbrocken an gutem Journalismus lohnen immer noch, aber ich komme mir vor wie ein Goldsucher am Klondike, der jede Menge Abfall aussortieren muss, ehe er Substanz findet.

 
     
     
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