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Monatsarchiv für Dezember 2016

Sorgenlose Weihnacht

Freitag, den 23. Dezember 2016 um 14:18

Hätte ich nicht seit Monaten in den Medien davon gehört, es habe in Europa Attentate aller Art gegeben, es wäre mir nicht aufgefallen. Ohne Medienberichte leben wir ruhig in unserem Land. Die Wirtschaft ist vielerorts träge, dann wieder sehr bewegt und oft erfolgreich. Warum sollten wir eine „Weihnacht der Angst“ erleben, wie da und dort gesagt wird.

Ein gutes Jahr liegt hinter uns. Einige Unternehmer waren verunsichert, andere direkt bedrängt, manche stellten sich als echte Gewinner heraus. Was war anders als sonst?

Die Zürcher Börse, heute bei weitem keine Weltbörse mehr, hat sich einigermassen gehalten. Mit Novartis, Roche und Nestlé hat sie auch keine andere Wahl. Hat Roche den Husten, kommen viele Kurse nicht recht voran.

Die Menschen, welche mir begegnen, sind meist fleissig und oft alt. Die jugendlichen Vierzigjährigen kämpfen gegen die Trägheit der Märkte an. Wer in den beiden Grossbanken eine rechte Position hat, muss mit sinkenden Boni rechnen. Das ist nicht schön, aber auch nicht dramatisch.

Niemand, den ich kenne, geht in Deutschland oder Frankreich einkaufen, weil es dort billiger ist. Gut, unsere Zahncrème mag hier teurer sein, aber deshalb fahre ich sicher nicht nach Konstanz.

Im kommenden Jahr werden wir investieren, denn das Geld auf der Bank liegt dort einigermassen sinnlos. Wir wollen es schön haben – und das wünsche ich Ihnen auch.

Neue Zahlwunder

Mittwoch, den 21. Dezember 2016 um 9:43

Wenn Lukas Mühlemann, einstmals CEO der Credit Suisse Group, „eine Milliarde Franken als im Bereich der Tagesschwankungen“ abtat, hatte er vielleicht nicht einmal Unrecht. Eine Milliarde zu besitzen, ist nur knapp wirklicher Reichtum, aber eine Milliarde abschreiben zu können, das verrät Klasse.

Nun ist Christine Lagarde, die IWF-Chefin, fast in diese Klasse aufgerückt. Sie wurde soeben verurteilt,  als ehemalige französische Finanzministerin 400 Mio. Euro leichtfertig an einen französischen Unternehmer ausgezahlt zu haben, der enge Beziehungen zum seinerzeitigen Regierungschef Nicolas Sarkozy unterhielt. Sie habe unterschrieben, aber nicht gelesen, ganz wie Fussball-Kaiser Franz Beckenbauer auch, bei dem es aber nur um 10 Mio. Euro ging. Kleingeld eigentlich.

Grössere Summen stehen bei der im kommenden Februar anstehenden USR III zur Diskussion. Gemäss Bundesrat sollen damit Steuergelder in der Höhe von 1,1 Milliarden Franken ausfallen. Unabhängige Analytiker kommen auf gut 3 Milliarden Franken. Jeder bestreitet die Aussagen des anderen; das Stimmvolk ist vorläufig verwirrt.

Wohin Steuersenkungen führen, zeigt das Beispiel von Apple in Irland. Der reiche Weltkonzern zahlte dort auf seine Einkünfte aus Europa genau 0,05% Steuern, 2014 sogar nur 0,005%. Jetzt will die EU in Brüssel von der irischen Regierung 11 Milliarden Euro an entgangenen Steuern zurück, die Irland sich dann wieder bei Apple holen muss. Beide haben daran kein Interesse.

Diese neuen Zahlenwunder werden sicher nicht die letzten sein. Der Kampf um den Kuchen ist voll im Gange.

Was ist mit den Medien los?

Montag, den 19. Dezember 2016 um 17:07

Als Medien-Grossverbraucher seit gut 50 Jahren, ist mir jede Romantik fern, die alte Zeiten verherrlichen will. Verleger wollten immer schon in erster Linie Geld verdienen, Journalisten waren immer schon zynisch, weil sie mehr wussten als sie schreiben durften, und wer nur eine Zeitung täglich las, zählte schon seinerzeit zum intellektuellen Prekariat.

Heute zeigt sich: Die Schweiz hat zu wenige qualifizierte Journalisten ausgebildet, ganz wie Fachärzte auch nicht, um den Wissensbedarf gebildeter Leser, Hörer und Seher erfüllen zu können.

Der Schweizer Staatssender SRG stützt sich mehr denn je auf ausländische Content-Lieferanten ab. Auf Schwyzerdütsch geht dem aufmerksamen Hörer das ständige Gekicher auf den Wecker, mit welchem auch halbwegs seriöse Sender wie SRF 2 ihre Sendungen begleiten.

Tamedia gliedert journalistischen Content massiv nach München aus; dies war für Leser absehbar, die „tagi“ und „SZ“ regelmässig lasen. Auffallend war nur, dass das gleiche Thema oft in der „SZ“ besser und länger dargestellt wurde als im „tagi“, der den Stoff meistens kürzste.

Die „Neue Zürcher Zeitung“, die sich weiterhin elitär gebende Wundertüte des Schweizer Journalismus, ist unter Chefredaktor Eric Gujer politisch nach rechts gerutscht. Das schadet nicht, ist aber kein Synonym für bessere Kommentare als im Durchschnitt.

Es mag für Edelfedern nicht relevant sein, aber wenn ein Chefredaktor zum Jahresende Ludwig Hasler zum „letzten Philosophen der Schweiz“ erhebt, ist das einfach lächerlich. Gerade Freundschaft erlaubt nicht jede Dummheit.

Wenn mir aus dem Bündnerland die Steinböcke als Wunder angepriesen werden, aus Gstaad die Kuh Tessa mich zu den Berner Milliardären locken soll oder mit das Wallis „ins Herz g‘meisselt“ wird, dann kommen mir die Tränen ob solcher Alpinromantik. Ohnehin wird in den Medien zu viel „Herzblut“ vergossen, weil niemand mehr bessere Ausdrücke für den vollen Einsatz zu beherrschen scheint – wow!

Mit schlecht ausgebildeten Jungjournalisten, die zwischen technischem Ansprüchen der alten und der neuen Medien zerrissen werden, aber keine Zeit mehr haben, ein gutes Buch zu lesen, verliert auch die Schweizer Demokratie ihren Sinn. Sie baut auf dem gebildeten Bürger auf. Die Medien als Bannwald der Demokratie  haben längst ausgedient; ein oder zwei Bäume machen die Suppe nicht fett.

Also werde ich über die Feiertage weiterhin sehr viele Medien kaufen und lesen. Die gesammelten Fettbrocken an gutem Journalismus lohnen immer noch, aber ich komme mir vor wie ein Goldsucher am Klondike, der jede Menge Abfall aussortieren muss, ehe er Substanz findet.

Was kostet ein neuer F-35?

Dienstag, den 6. Dezember 2016 um 9:56

Die Preisgestaltung von Flugzeugen ist eine Kunstform, die bei allen Beteiligten meist sehr viel Adrenalin auslöst. Einst wollte die Schweiz den schwedischen Billigflieger Gripen zum Stückpreis von 140 Mio. Franken kaufen, was vom Schweizer Volk verworfen wurde. Es sickerte auch durch, dass der Gripen nicht wirklich konkurrenzfähig im Luftkampf war – dann lieber neue Subventionen für die Landwirtschaft und deren Traktoren.

Im letzten Sommer drangen Gerüchte durch, Lockheed Martin, ein bekannter US-Waffenhersteller, wolle der Schweiz etliche F-35 verkaufen. In Washington rechne man mit einem Stückpreis von 155 Mio. Franken bei einer Abnahme von rund 2 500 Stück.

In der Schweiz hat man das Projekt, mindestens offiziell, zurück gestellt. Die Boden-Luft-Abwehr gilt jetzt wieder als dringlicher, aber, wer weiss, der Wind dreht rasch in Bern.

Desto überraschender ist die Nachricht aus Tel Aviv, man interessiere sich für den F-35B, einen „supermodernen“ Stealth-Düsenjet, wolle aber nur per Stück USD 100 Mio. auf den Tisch legen, ohne Sonderausstattungen.

Die Finanzierung muss die Israeli nicht gross kümmern, hat Präsident Obama doch noch im September für Israel ein Militärhilfepaket über 38 Mia. USD bewilligt.

Mit derlei kann die Schweiz wohl nicht rechnen. Wir bleiben am Boden.

Sind wir alle unglaublich naiv?

Freitag, den 2. Dezember 2016 um 13:43

Die hoch talentierte Journalistin Natalie Wenger befragt den Schweizer Militärstrategen Albert A. Stahel: „Steht es wirklich so schlimm um die Welt?“ Stahel antwortet: „Die geopolitische Lage war selten so schlimm wie heute“, um nachzuschieben „Wir Schweizer sind unglaublich naiv.“

Die tatsächlich naive Journalistenfrage, wie wir sie auch andernorts wahrnehmen können, zeigt mehr die Schwächen des Schweizer Tagesjournalismus auf als alle engagierten Diskussionen zum gleichen Thema. Schweizer Verleger haben während Jahren kaum in die Aus- und Weiterbildung „ihrer“ Journalisten investiert; im Gegenteil, sie bauten solche Stellen im Rekordtempo ab. Was übrig bleibt, ist Tendenz- oder Billigjournalismus. Ansgar Gmür, der Direktor des Schweizerischen Hauseigentümerverbands, hat dies in der jüngsten Ausgabe seiner Verbandszeitung detailliert beschrieben.

Sind dies Ausnahmefälle? Auf keinen Fall:

  • Der Weltkonzern Nestlé erhielt im 2015 den Betrag von 35,4 Mio. Franken aus der Bundeskasse, damit es seine Produktion nicht aus der Schweiz abzieht („Schoggi-Gesetz“). Kleine Betriebe erhalten kaum etwas. Die Kosten für das Konzernlobbying in Bern bringen eine glänzende Rendite.
  • Der grüne Politiker Alec von Graffenried will Stadtpräsident von Bern werden. Als Berner Patrizier residiert er in einem Luxusschloss. Wer schreibt schon, dass viele Linksgrüne nichts anderes, chemisch ausgedrückt, als Abfallprodukte der bürgerlichen Gesellschaft sind?
  • Aus „sozialethischen Gründen“ kämpft der Zürcher reformierte Pfarrer gegen USR III. Er sagt nicht, dass die Zürcher reformierten Pfarrer die bestbezahlten der Welt sind.

Derlei Beispiele naiv-schizophrener Denkweise gibt es viele in unserem Land. Es ist ein Zeichen der Zerrissenheit, in welcher sich viele Menschen befinden. Die Realität wahrzunehmen, ist nicht jedermanns Sache.

 
     
     
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