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Sind die netten Reichen gefährlicher als die bösen Linken?

25. November 2016 um 8:58

Sitze ich in den Bänken christlicher Kirchen, bedrückt mich dort die Altersheim-Stimmung ebenso wie bei Veranstaltungen liberaler Organisationen, wo man sich mit Federn berühmter Wissenschaftler schmückt, die längst das Zeitliche gesegnet haben. Die religiösen und liberalen Ideologen tragen viel dazu bei, unsere schwankenden Gesellschaften zu stabilisieren, aber, wie es aussieht, nimmt ihr Einfluss weiter ab.

Im nächsten Jahr wird die Mont Pélérin-Gesellschaft, die oberhalb von Montreux ihren Sitz hat, 70 Jahre alt. Von dort kommt die Klage, im Kampf der Ideen seien die sozialistischen Intellektuellen in der westlichen Gesellschaft in der Übermacht. Der jetzt abgetretene Vorsitzende des liberalen Geheimbundes, Pedro Schwartz, hat den Kampf gegen den Kollektivismus neu ausgerufen.

Der westliche Kapitalismus hat mit Donald J. Trump, dem neuen US-Präsidenten, einen Anführer gefunden, dem weniger politische Reflexion als unternehmerische Wildheit frei nach Schumpeter zugesprochen werden darf. Ob er mehr zerstören als aufbauen wird, werden die kommenden zwölf Monate zeigen. Mindestens die Weltbörsen spenden lauten Applaus, einige Nebenbörsen einmal ausgenommen. Gleichzeitig bekennt sich aber China mehr denn je zum Sozialismus; soeben ist das Wort „Genosse“ wieder zur offiziellen Begrüssungsformel erhoben worden. Europa und die Europäische Union (EU) stehen etwas vertrottelt daneben, angeführt vom Brüsseler Hilflos-Trio Juncker, Tusk und Schulz, wobei der Pole Donald Tusk das Vertrauen seiner Regierung verloren hat und bald abtreten wird, und Martin Schulz einen neuen Job in Berlin sucht.

Wer sind denn diese Kapitalisten, die derlei politisches Chaos im Westen erst möglich machen? Nehmen wir als Beispiel die Schweiz:

  • Da wären die milliardenschweren Angehörigen des „Basler Daig“, die mit Hilfe einer rot-grünen Fraktion in der Stadt Basel regieren. Die Basler Roten sorgen gut für die Basler Superreichen.
  • Da wäre ein angesehener Zürcher Unternehmer, der soeben seine Firma nach Deutschland verkauft hat. Obwohl lange Zeit erfolgreicher bürgerlicher Politiker, schweigt er seit Jahren, „weil es sich so gehört“. Dabei stürzt seine liberale Partei seit 20 Jahren nur ab.
  • Da wären Grossbanker wie Oswald Grübel, die sich als Händler bewährten, aber keine Vision mehr für die eigenen Banken wie den Finanzplatz Schweiz entwickelten. Politik verstehen sie eigentlich nicht.
  • Da sind jene 0,26% der Schweizer Bevölkerung, die mehr als zehn Millionen Franken jährlich versteuern. Soweit sie selber oder ihre Kinder das Geld nicht vertun, widmen sich die wirtschaftlich erfolgreicheren unter ihnen nur einer Beschäftigung, der Vermehrung des Reichtums, auch wenn es Jahre gibt, wo dies schwer fällt.

Diese reichen Schweizer und Ausländer sind im persönlichen Umgang meist sehr nette Menschen, zuvorkommend und von einer glatten Höflichkeit, die nicht unangenehm ist. Doch eines fällt auf: Die Zeitspanne, in welcher ihre Aufmerksamkeit dauert, ist immer kürzer geworden. Wer nicht rasch aufzeigt, auf der gleichen Ebene zu denken und zu wirken, findet bei ihnen keinen Halt. Die Klassenzugehörigkeit, sei sie durch Rang, Geld oder individuelle Schönheit erkennbar, ist es, was zählt. Grosse Bankiers, Kirchen- und Ordensfürsten wie liberale Grossgeister unterscheiden sich darin kaum.

Und die so gefährlichen Linken? Sie sind, wie die Wahlen in den USA, Deutschland, Grossbritannien oder der Schweiz zeigen, höchst ungefährlich, nicht einmal „schampar unbequem“, wie es einst SP-Präsident Helmut Hubacher ausdrückte. Ob Christian Lévrat oder Cédric Wermuth von der Schweizer SP, sie jucken ein wenig im Nacken, aber ernsthaft weh tut keiner. Und linke Intellektuelle? Wer Lukas Bärfuss oder Pedro Lenz sieht und hört, staunt ob der Hilflosigkeit, mit welcher sie ihre sanften Forderungen vorbringen. Die Schweizer Linke setzt sich höchstens aus staatlich besoldeten und subventionierten Schwarmgeistern zusammen, die nicht die geringste Gefahr für den Kapitalismus darstellen.

Die netten Reichen halte ich daher für wesentlich gefährlicher als die bösen Linken, die ausser einer historisch verankerten Trotzhaltung wenig zu bieten haben. Die netten Reichen haben die Macht, aber sie wenden sie nur zögerlich an. Sie haben auch Angst und dulden daher nur solche Menschen um sich, die ihnen die Angst klein reden. Die netten Reichen halten sich Professoren, Think Tanks und liberale Vereine, damit die Idee nicht verloren geht, dass Freiheit etwas Schönes sein kann.

Was heisst das für jeden Einzelnen? Zuerst einmal zählt der Cash, ganz wie bei Donald J. Trump auch, der aus seinen Immobilienspekulationen den eigenen Wahlkampf – erfolgreich – finanzierte.“ No money – no Swiss“, das wussten Europas Fürsten und Könige schon vor 500 Jahren. Wir sollten diese Spielregel weiterhin gelten lassen.

Ist die finanzielle Basis gesichert, was oft als nicht hinreichend zutreffend gelten darf, sollten die berufliche wie private Basis gleichzeitig stabilisiert werden. Wer hoch hinaus will zu den sehr Reichen, darf nicht arm und unbedeutend sein. Finanzmanager, Immobilienhändler und Hoteliers neigen dazu, den eigenen Wohlstand höher zu bewerten als es der Wirklichkeit entspricht. Dies ist normalerweise eine lässliche Sünde, die aber gefährlich werden kann, überschreitet man seinen sozialen Rahmen.

Wie es sich kaum lohnt, viel Zeit mit Linken zu verbringen, um deren Schwärmereien zu lauschen, müssen die Grünen insofern berücksichtigt werden, als sie das Ergebnis des schlechten Gewissens vieler Reicher sind. Die rechts stehenden Liberalen wiederum vertrocknen jetzt wie Pflanzen im heissen Wind jener Wüsten, welche der Handelskapitalismus des Westens global hinterlässt.

Zweifellos sind wir jetzt wieder in die dunkle Zeit des frühen Winters eingetreten, wo es Lampen braucht, die uns den Weg leuchten. Ich schlage vor, wir bewegen uns weiter auf der rechten Wegseite, denn die linke Seite droht weiter abzurutschen. Dort wird niemand die Stürzenden halten.

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