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Boom der Trosttiere und Trostmenschen

19. Oktober 2016 um 10:51

Das Trösten von Menschen, früher eine Hauptbeschäftigung christlicher Geistlicher, hat eine unglaubliche Expansion erfahren. Nicht nur reist seit Jahren eine Asiatin um die Welt, um in jedem Stadion oder grossen Halle Tausende von Menschen an ihre Brust zu ziehen. Nicht mehr, und ein Obolus ist willkommen.

Im gleichen Geschäft ist seit fünfzig Jahren der amtierende Dalai Lama global unterwegs. Er lacht bei seinen Trostreden und hat, gut trainiert, immer noch einen starken Händedruck. Ich kenne niemand, der von einem unserer Schweizer Bischöfe getröstet werden möchte.

Die südkoreanischen und chinesischen Trostfrauen, wie sie eingefangen und als prostituierte Sex-Sklavinnen den japanischen Soldaten im Krieg zur Verfügung gestellt wurden, waren wohl ein Sonderfall der Geschichte.

Angesichts vielfältiger Ungereimtheiten in Literatur und Wirtschaftspolitik tun sich seit einiger Zeit als Tröster Roman Bucheli von der NZZ und sein Chef Eric Gujer hervor. Bucheli will wieder eine seriöse Literaturkritik, dies angesichts einer Schwemme überflüssiger Bücher, die uns Lesern die Zeit stehlen, weil massgebliche Literaturkritiker deren Autoren für ganz ausgezeichnet befunden haben.

Angesichts des Zerfalls der neoliberalen Wirtschaftspolitik, die wirtschaftliches Handeln der Banken und anderer Konzerne in extremis verlangt und gefördert hat, ruft NZZ-Chefredaktor Erich Gujer zu einer neo-neoliberalen Politik auf, bisher allerdings ohne erkennbares Echo, da niemand mehr weiss, ob eine liberale Politik angesichts weltbeherrschender Institutionen (EU, IWF, IMF, G 20 etc.) überhaupt noch möglich ist. Wen will Eric Gujer trösten mit seiner Forderung?

Wie üblich („Amerika, Du hast es besser.“), sollen nun die in den USA gratis fliegenden Trosttiere, welche von Passagieren während des Fluges auf dem Schoss gehalten werden, reglementiert werden. Schweine, Miniponys und Schimpansen, die sich während des Flugs an den Hals ihres verängstigten Herrchens klammern, sollen künftig als Gratispassagiere verboten werden. Die Tierlobby ist natürlich dagegen.

Offensichtlich brauchen die Menschen heute mehr Trost als früher, sei er intellektuell oder emotional.

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