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Sind die westlichen Eliten verrückt geworden?

12. Oktober 2016 um 11:14

Die gemäss den neuesten Statistiken laufend Leser verlierende Druckausgabe der „Neue Zürcher Zeitung“ schreibt am 8. Oktober 2016 „Merkels Innenpolitik beginnt auf dem afrikanischen Kontinent“, weil die deutsche Kanzlerin, die sich wieder über steigende Zustimmungsraten freuen darf, nach Mali, Niger und Äthiopien aufgebrochen ist. Derlei Grössenwahn erinnert fatal an die Aussage „Deutschland wird am Hindukusch verteidigt“, eine Strategie, die in Afghanistan gegen die Taliban fatal scheiterte. In Kundus stehen jetzt wieder die Aufständischen.

Gleichzeitig haben sich die beiden US-Präsidentschaftskandidaten eine TV-Diskussion geliefert, die in der Schweiz sofort zum Ausschluss aus der „Arena“ geführt hätte. Markus Gilli hätte hyperventiliert, aber die US-Spitzenpolitiker Donald Trump und Hillary Clinton, der eine ein Blender, die andere eine Täuscherin, taten so, als hätten sie das eigene Volk, die Zuwanderer aus Mexiko und die Welt im Griff.

Gottseidank liest man in Washington D.C. keine Schweizer Zeitungen, sondern würde man sich wundern, mit welcher Häme Schweizer Chefredaktoren, Korrespondenten und Kolumnisten über die unfassbaren Ereignisse auf dem atlantischen Schwesterkontinent berichten. Sind wir berufen zu den Lehrmeistern der Welt? Das meiste ist lächerlich, was zwischen Basel und Chiasso geschrieben wird und ähnelt dem Pfeifen von Mäusen in der Nacht.

Noch schlimmer ist das Volk. Ausgewählte Fan-Teams sozial und farblich gut gemischter Jubel-Amis belegen, mit Hüten und Fähnchen ausgerüstet, unsere Bildschirme. Es sind so wenig echte Amerikaner wie die Hintergrundfotos unserer SRG-Korrespondenten echt sind. Das Ganze ist ein Schauspiel, ein inszeniertes Theater, wo es um Milliarden geht. Deshalb sind die Einsätze hoch.

Derweil schwankt die EU samt dem Euro. Die Hedge Funds suchen mit Währungsspekulationen ihre Verluste aus den letzten zwei Jahren wieder wett zu machen. Die Deutsche Bank, gemessen an den Zeiten von Abs und Herrhausen, liegt nach dem „Joe“ Ackermann-Intermezzo halb im Koma. Italien ist fast pleite und Frankreich folgt ihm auf dem Fusse.

Nur den reichen Deutschen der nationalen Exportwirtschaft geht es wirklich gut. Die armen Hartz-Deutschen und die auf Teilzeit beschäftigten Deutschen kratzen ihr Geld am Monatsende zusammen wie eh und je. Die Berliner Republik gilt wieder als stark, sogar als einzige Retterin der EU und Europas. Das war schon 1914 und 1939 der Fall und ging gar nicht gut aus. Die letzten Angehörigen der liberalen Intelligenz gingen in den Pädo-Gymmasien des Odenwalds und bei der AfD zugrunde. Durch das Unterholz der Politik rennen hundert Retter, aber Merkel ist in Afrika und Schulz in Strassbourg.

In der Schweiz sind wir gerade im Begriff, die letzten Reste eines einst hervorragenden Schulsystems mit dem Lehrplan 21 zu vernichten. Der Niedergang dauert schon 20 Jahre an, weshalb die Fehlleistungen unserer teuer bezahlten Beamten bei staatsnahen IT-Projekten, in der Aussenpolitik oder im VBS laufend teurer werden. Das Parlament ist (wenig) bekümmert, ist es doch damit beschäftigt, die verbliebenen Steuermilliarden in die Taschen jener zu schieben, die am lautesten schreien oder demnächst eine gute Anstellung versprechen.

Europa kann auf 2500 Jahre zurückblicken, davon die meisten erfolgreich. Die Schweiz kann bald auf 800 Jahre zurückblicken, davon 600 sehr erfolgreich. Reicht’s jetzt? Mit den Geldfluten des Fed, der EZB und der Schweizerischen Nationalbank ist der Geist des Westens nicht gewachsen. Das Volk liest und sieht Krimis, das Bürgertum vom Untergang Roms. Roman Bucheli von der NZZ wünscht sich wieder eine seriöse Literaturkritik, denn auch die ist vor die Hunde gegangen.

Ich empfehle Zwerg Perkeo vor dem grossen Weinfass im Heidelberger Schloss als Symbol der Gegenwart. Hoch das Glas und runter mit dem Zeug. Die schlagenden und saufenden Studenten Heidelbergs waren vor den Kriegen immer besonders schneidig. Jetzt wollen wir einmal sehen, wie Ex-Aussenministerin Hillary Clinton, die eher zur bestechlichen Fraktion zählt, den westlichen Dampfer in Schwung bringt. Hoffen wir, dass es keine neue Titanic wird.

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