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Ist linker Snobismus links?

10. Oktober 2016 um 16:19

Roger de Weck, der linksliberale Generaldirektor der SRG, muss vorzeitig seinen Abschied nehmen. Ihm, der sich immer als linker Intellektueller und Journalist sah, folgt ein welscher Manager, Gilles Marchand. De Wecks Reden zu hören, war das eine; seine Managementfähigkeiten das andere.

Weitgehend in Vergessenheit geraten ist es, dass er schon als Chefredaktor des „Tagesanzeigers“ einen vorzeitigen Abschied nahm; Gerüchte sagen, die Budgets seien nicht wie gewünscht ausgefallen. Auch als Chefredakteur der deutschen Wochenzeitung „Die Zeit“, wozu ihn Helmut Schmidt machte, hielt es ihn nur kurze Zeit. Sein Nachfolger als Chefredakteur sagte auf entsprechende Fragen stets, de Weck habe den notwendigen Modernisierungsprozess der „ZEIT“ eingeleitet. Der Aufschwung kam später.

Roger de Weck war von einem geistreichen linken Snobismus getragen, womit er sich vom Rest der Meute leicht absetzte. Wer vor ihm sprach, blieb Vorredner; wer nach ihm sprach, blieb zweitklassig, auch Bundesräte. Dieser leichte Narzissmus führte im Laufe der Zeit dazu, dass die Selbstschutzmassnahmen des Wort-Kulinarikers zunahmen. Einen Hauptkritiker der SRG, Dr. Roger Schawinski, ins Spätprogramm von SRF 1 zu nehmen, mag als genial gelten, ist aber letztlich durchsichtig geblieben. Professionelle Kommunikation war nicht seine Sache.

Linker Snobismus ist ohnehin gefährlich. „tachles“-Chefredaktor Yves Kugelmann liess dieser Tage Deutschlands eigensinnigsten Linken zu Wort kommen, Wolf Biermann. Dieser diktierte ihm eine Aussage ins Wochenblatt, die geschichtliches Format hat. Biermann: „Aber ja, das ist das Ur-Elend, der eingeborene Fehler jeder Demokratie: Man muss auch vom Pack gewählt werden, um hoffentlich etwas Gutes zu bewirken.“

Das Pack, das Proletariat, das Prekariat, diente stets dazu, von den Geistes-Linken besungen zu werden. Das galt auch für Bertolt Brecht, der seine Frauen dichten liess, während er die Cigarre rauchte. Wolf Biermann, jetzt mit der vierten Frau verheiratet, lässt sich feiern, weil er von diesen mindestens neun Kinder hat; Günther Grass brachte es mir drei Frauen nur auf sechs Kinder. Weiter rechts würde man ausrufen: Das sind muslimische Zustände.

Eines Abends in Zürich geriet ich in einen linken Raucherclub, wo Adolf Muschg und Hugo Loetscher den Ton angaben. Sie rochen sofort, dass ich nicht zur Klasse der Fragesteller, sondern der Antwortgeber gehöre. Derlei bleibt der Staatslinken vorbehalten.

Adieu Roger de Weck, eine neue Aufgabe wird sich unter dem weiten Mantel der Helvetia leicht für Dich finden lassen. Von einem Jean-Michel Cina abserviert zu werden, wird er nicht als standesgemäss empfunden haben. Aber in der Demokratie, siehe oben, muss man auch mit dem Pack zu leben lernen. Cina weiss, wie das geht.

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