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Monatsarchiv für Oktober 2016

Die EU-Elite kann es nicht

Montag, den 31. Oktober 2016 um 16:29

Der deutsche Vizekanzler fliegt mit deutschen Unternehmern nach China, um den Chinesen mehr deutsche Produkte zu verkaufen. Gleichzeitig macht Gabriel deutlich, er wolle auf keinen Fall mehr deutsche Firmen an die Chinesen verkaufen. Boing!!! Günther Oettinger, Deutscher, gerade beförderter  „erster Kommissar“ der EU, nennt gleichzeitig in einem öffentlichen Vortrag die Chinesen „Schlitzaugen“. Das ist blanker Rassismus nach Kaisers Art.

Das EU-Trio Infernal Juncker, Tusk und Schulz hat in der Führung des 550 Mio. Menschen tragenden Supertankers seit Jahren versagt. Günther Oettinger, „die schwäbische Kalaschnikow“, passt in diesen Club. Wer sagt, wir Europäer hätten bessere Führer als die vor dem Wahlendspiel stehenden Amerikaner?

Ich denke, das sind Endzeit-Erlebnisse. Es kann nur schlimmer werden.

EU – leben mit der Dauerkrise

Freitag, den 28. Oktober 2016 um 14:28

Im überfüllten grossen Saal der Zürcher „Meise“ liess Dr. Gerhard Schwarz als Präsident des Stiftungsrates der Progress Foundation zur 43. Economic Conference zum Thema „Welche Zukunft hat Europa?“ die Puppen tanzen. Vor viel liberaler Elite kamen zwei international erfahrene Referenten zum Schluss, über Europa liesse sich nichts sagen, aber die Zukunft der Europäischen Union (EU) sei ungewiss.

In bester Churchill’scher Manier machte der Brexit-Befürworter, Lord Owen, deutlich, dass er die Zukunft Grossbritanniens in einer engen Verbindung mit den USA sehe, weshalb die Europäer gut daran tun würden, die NATO zu stärken und auf eine eigene Europa-Armee zu verzichten. Mit der EU wolle man als Handelsnation „einen Deal“ machen. Vor 2019 sei nicht damit zu rechnen, dass diesbezüglich eine Lösung gefunden werde. Der Euro zwinge die Europäer zu einer vertieften Einheit der EU-Mitglieder oder die EU werde daran zerbrechen.

Dieser staatsmännische Vortrag des englischen Sozialdemokraten wurde gut aufgenommen, auch wenn Zweifel daran laut wurden, ob die Engländer seit 1890 etwas gelernt hätten ausser der Vertretung ihrer eigenen Interessen.

Als smarter deutscher Intellektueller auftretend, hielt Prof. Dr. Michael Wohlgemuth, Direktor der EU-kritischen Denkmanufaktur OpenEurope Berlin, keine Lösungen bereit, womit er das Schweizer Publikum enttäuschte, sondern beschrieb ein „Europa ohne Kompass“, dem „die Willigen und die Fähigen“ fehlen würden. Die Krise werde zum Dauerzustand, weil Europa ohne Kompass sei. Eine Rückbildung der EU sei illusionär, die Währungsunion eine Schicksalsgemeinschaft.

Lord Owen, dies auf Bitte von Dr. Gerhard Schwarz ergänzend, fügte hinzu, die Eurozone müsse sich festigen. Erst dann sei eine Basis vorhanden, Co-Partner aufzunehmen wie GB oder die Türkei. Beitritte seien deshalb vorläufig zu sistieren.

Owen bestätigte, der Nichtbeitritt GB’s zur EFTA sei wohl ein Fehler gewesen, aber so sei es nun einmal.

Gerhard Schwarz, von Dr. Konrad Hummler aufmerksam beobachtet, nannte die EU „a moving target“, das sich von einer selbstverschuldeten Krise zur anderen bewege. An die Schweizer Elite gerichtet, fragte er: „Wird der Preis eines eigenständigen Weges für die Schweiz zu teuer?“

Der Beobachter dieses Anlasses kommt zum Schluss: Die „Continental Europeans“ können sich auf Whitehall jetzt und in Zukunft so wenig verlassen, wie in den letzten gut 100 Jahren. England bleibt ein U-Boot der USA vor der Küste des europäischen Kontinents. Europa und die EU haben, wieder einmal, „kein Telefon mehr“, denn das Trio Juncker, Tusk und Schulz ist weit von jenem Niveau entfernt, das ein „strong and new Europe“ schaffen könnte. Putin bleibt deshalb aussen vor.

Nur eine pragmatisch geführte Schweiz wird dies einigermassen erfolgreich überstehen.

Erscheinung

Donnerstag, den 27. Oktober 2016 um 14:45

Ein milder Herbsttag am Zürcher Bellevue. Die Menschen sitzen vor den Cafés, die Welt geniessend. Da kommt mir Frank A. Meyer, der Weltgeist aus der Dufourstrasse, zögerlichen Schritts entgegen. Ich sehe Voltaires Totenmaske.

Die Katholiken wetzen die Messer

Montag, den 24. Oktober 2016 um 11:55

Jetzt wird es ernst: Im kommenden Frühjahr tritt Bischof Vitus Huonder in Chur zurück; im Herbst sollte über seinen Nachfolger entschieden werden.

Die zwei renommiertesten Kandidaten haben nach guter Schweizer Sitte wohl die geringsten Chancen: Generalvikar Martin Grichting wird von seinen Gegnern als „zu jung“ bezeichnet. Seine stets brillant begründete und damit glaubwürdige konservative Linie gilt den gesellschaftlich motivierten sozialen Weichspülern des Bistums wenig. Alt Abt Martin Werlen, der nach 12 Jahren ebenso brillanter Führung des Klosters Einsiedeln, als Benediktinermönch freiwillig wieder ins Glied zurückgetreten ist, würde von den Zürcher Katholiken sofort gewählt, gilt aber in Rom als zu modernistisch.

Derweil zerfallen die Kirchgemeinden und die Zahl wirklich guter Pfarrer und Prediger geht rascher zurück als der Aletsch Gletscher. Die überhitzten Glaubenskämpfe engagierter Weniger interessieren die verbliebenen Gläubigen, die sich mehr auf die Bibel und Jesus Christus berufen als auf die vatikanische Kirchenverwaltung, nur am Rande. Der Glaubens-Service der Kirche lässt nach.

Im Vordergrund stehen wohl weniger „der wahre Glaube“ als die Karriereziele ehrgeiziger Kirchenoberer, die vor dem Hintergrund der richtigen Auslegung ihre privaten Ziele verfolgen. To follow.

Nestlé wohin?

Freitag, den 21. Oktober 2016 um 15:00

Mit Paul Bulcke ist auch die Aera von Peter Brabeck-Letmathé bei Nestlé vorbei. Das Erbe von Helmut Maucher, der vor 40 Jahren den serbelnden Nestlé Konzern vor dem Zugriff amerikanischer Konzerne rettete, ist verbraucht. Nestlé, eine der grossen Schweizer Weltmarken, stagniert seit drei Jahren, weil viel Wechsel keinen echten Wandel bewirkte. Zeit für neue Gesichter.

Wünschbar ist es, dass Ulf Mark Schneider, der von Fresenius kommende neue CEO des Viviser Weltkonzerns, eine Richtung vorgibt, die wieder Wachstum bedeutet. Ganz offensichtlich hat Paul Bulcke sogar innerhalb des Konzerns die Kontrolle verloren, gab es doch in seiner Zeit zu viele Skandale in Indien, Japan und China. Derlei verträgt nicht einmal der als grundsolide geltende Nestlé Konzern.

Peter Brabeck-Letmathé, reich gewordener Glacé-Verkäufer aus Nestlés lateinamerikanischem Reich, kann mit sich zufrieden sein. Er, der im Wallis bedeutende Investitionen vorgenommen hat, wird ex Riederalp über die Hochalpen fliegen. Die personellen Weichen neu gestellt zu haben, genügt ihm. Altpräsident Helmut Maucher hat vom hessischen Kronberg aus längst seinen Segen gegeben.

Den seit drei Jahren nicht verwöhnten Aktionären bleibt nur die Hoffnung. Ihre Titanic Nestlé dümpelt auf dem Ozean des Weltmarktes. Hoffen wir, dass sie bald wieder Fahrt aufnimmt.

Steuergeld für Banken-Promotion

Freitag, den 21. Oktober 2016 um 11:37

Als unsere Gross- und Privatbanken noch reich waren, haben sie Millionenpartys in Tokio, New York City und Monaco veranstaltet. Zur Gewinnung neuer Kunden wurde an Aufwand und Geschenken nicht gespart.

Jetzt übernimmt Finanzminister Ueli Maurer diese Aufgabe. Die Finanzplatz-Promotion wird jetzt Staatsaufgabe, ganz wie es die Bauern sind, der Tourismus oder die Schoggi-Produzenten.

Unternehmen der Privatwirtschaft, die dem Neo-Neoliberalismus verpflichtet sind, wie NZZ-Chefredaktor Eric Gujer dies verlangt, müssen die Märkte aus eigener Kraft erobern, sagt die ökonomische Theorie. Dies gilt so wenig für die grossen Schweizer Banken wie für Microsoft, Apple oder Facebook. Letztere sind aus den Forschungsfonds der US-Army in Stanford und am MIT hervor gegangen.

Warum soll die Schweiz ihre Steuermilliarden, die im Überfluss fliessen, nicht in Wirtschaftsförderung anlegen? Die Westschweizer Kantone und die Berner Ratslinke drängen ohnehin auf Aufhebung der Schuldenbremse. Wir sind offensichtlich sehr reich, vielleicht zu reich geworden, weshalb der Ruf nach dem Staat oft die beste Einnahmequelle ist.

Ist das Wirtschaftspolitik? Ja, Staatswirtschaftspolitik.

67 Millionen für Schweizer Image in der Slowakei

Donnerstag, den 20. Oktober 2016 um 16:02

Es ist keine Neuigkeit, dass die Bundesverwaltung das Steuergeld ihrer Bürgerinnen und Bürger mit vollen Händen aus dem Fenster wirft: Entwicklungshilfe und Militär sind seit Jahrzehnten ausgezeichnete Steuergeld-Vernichtungsmaschinen. IT-Projekte der Bundesverwaltung verschlingen gleich hunderte von Millionen Franken, ohne nennenswerte Ergebnisse zu bringen.

Jetzt sagt es auch der Aussenminister der Slowakei, Miroslav Laicak: „Mein Land hat bis 2012 etwa 67 Mio. Franken aus der Kohäsionsmilliarde der Schweiz erhalten. Der wichtigste Effekt war aber kein finanzieller. Die Mittel haben das Image der Schweiz bei uns (positiv) beeinflusst.“

Nur Nestlé, Coop, Migros und einige wenige andere Grossfirmen können es sich leisten, 67 Mio. Franken jährlich für Imagewerbung auszugeben. Dort aber wird gerechnet, was es bringt. Die Bundesverwaltung hat bis zur Stunde nicht beweisen müssen, was die Millionen in Osteuropa und andernorts dem Land bringen. Manchmal sind es Bestechungsgelder, in internationalen Gremien für die Schweiz zu stimmen. Meistens ist es auch nur der Druck der EU-Behörden, die gerne eine Milliarde aus der Schweiz abholen.

Wieviel gute PR kann man für 67 Mio. Franken machen? Da ich diesen Beruf in der Schweiz seit genau 45 Jahren ausübe, wage ich zu sagen: Damit kann man Europa auf den Kopf stellen – sofern Profis am Werk sind. Die Slowakei zählt mit 5,4 Mio. Einwohnern etwas mehr Einwohner als die Deutsche Schweiz.

Natürlich freuen sich die slowakischen Behörden, wenn ihre Schweizer Kollegen ihnen derartige Beträge in die Taschen stecken. Sie quittieren: „Danke, Ihr Ruf ist jetzt ganz ausgezeichnet.“

Sehr gut ist der Ruf der Schweiz in der Slowakei allerdings nicht mehr. 2012 haben wir die Zahlungen eingestellt. Der Aussenminister ist leicht verschnupft.

Boom der Trosttiere und Trostmenschen

Mittwoch, den 19. Oktober 2016 um 10:51

Das Trösten von Menschen, früher eine Hauptbeschäftigung christlicher Geistlicher, hat eine unglaubliche Expansion erfahren. Nicht nur reist seit Jahren eine Asiatin um die Welt, um in jedem Stadion oder grossen Halle Tausende von Menschen an ihre Brust zu ziehen. Nicht mehr, und ein Obolus ist willkommen.

Im gleichen Geschäft ist seit fünfzig Jahren der amtierende Dalai Lama global unterwegs. Er lacht bei seinen Trostreden und hat, gut trainiert, immer noch einen starken Händedruck. Ich kenne niemand, der von einem unserer Schweizer Bischöfe getröstet werden möchte.

Die südkoreanischen und chinesischen Trostfrauen, wie sie eingefangen und als prostituierte Sex-Sklavinnen den japanischen Soldaten im Krieg zur Verfügung gestellt wurden, waren wohl ein Sonderfall der Geschichte.

Angesichts vielfältiger Ungereimtheiten in Literatur und Wirtschaftspolitik tun sich seit einiger Zeit als Tröster Roman Bucheli von der NZZ und sein Chef Eric Gujer hervor. Bucheli will wieder eine seriöse Literaturkritik, dies angesichts einer Schwemme überflüssiger Bücher, die uns Lesern die Zeit stehlen, weil massgebliche Literaturkritiker deren Autoren für ganz ausgezeichnet befunden haben.

Angesichts des Zerfalls der neoliberalen Wirtschaftspolitik, die wirtschaftliches Handeln der Banken und anderer Konzerne in extremis verlangt und gefördert hat, ruft NZZ-Chefredaktor Erich Gujer zu einer neo-neoliberalen Politik auf, bisher allerdings ohne erkennbares Echo, da niemand mehr weiss, ob eine liberale Politik angesichts weltbeherrschender Institutionen (EU, IWF, IMF, G 20 etc.) überhaupt noch möglich ist. Wen will Eric Gujer trösten mit seiner Forderung?

Wie üblich („Amerika, Du hast es besser.“), sollen nun die in den USA gratis fliegenden Trosttiere, welche von Passagieren während des Fluges auf dem Schoss gehalten werden, reglementiert werden. Schweine, Miniponys und Schimpansen, die sich während des Flugs an den Hals ihres verängstigten Herrchens klammern, sollen künftig als Gratispassagiere verboten werden. Die Tierlobby ist natürlich dagegen.

Offensichtlich brauchen die Menschen heute mehr Trost als früher, sei er intellektuell oder emotional.

Sind die westlichen Eliten verrückt geworden?

Mittwoch, den 12. Oktober 2016 um 11:14

Die gemäss den neuesten Statistiken laufend Leser verlierende Druckausgabe der „Neue Zürcher Zeitung“ schreibt am 8. Oktober 2016 „Merkels Innenpolitik beginnt auf dem afrikanischen Kontinent“, weil die deutsche Kanzlerin, die sich wieder über steigende Zustimmungsraten freuen darf, nach Mali, Niger und Äthiopien aufgebrochen ist. Derlei Grössenwahn erinnert fatal an die Aussage „Deutschland wird am Hindukusch verteidigt“, eine Strategie, die in Afghanistan gegen die Taliban fatal scheiterte. In Kundus stehen jetzt wieder die Aufständischen.

Gleichzeitig haben sich die beiden US-Präsidentschaftskandidaten eine TV-Diskussion geliefert, die in der Schweiz sofort zum Ausschluss aus der „Arena“ geführt hätte. Markus Gilli hätte hyperventiliert, aber die US-Spitzenpolitiker Donald Trump und Hillary Clinton, der eine ein Blender, die andere eine Täuscherin, taten so, als hätten sie das eigene Volk, die Zuwanderer aus Mexiko und die Welt im Griff.

Gottseidank liest man in Washington D.C. keine Schweizer Zeitungen, sondern würde man sich wundern, mit welcher Häme Schweizer Chefredaktoren, Korrespondenten und Kolumnisten über die unfassbaren Ereignisse auf dem atlantischen Schwesterkontinent berichten. Sind wir berufen zu den Lehrmeistern der Welt? Das meiste ist lächerlich, was zwischen Basel und Chiasso geschrieben wird und ähnelt dem Pfeifen von Mäusen in der Nacht.

Noch schlimmer ist das Volk. Ausgewählte Fan-Teams sozial und farblich gut gemischter Jubel-Amis belegen, mit Hüten und Fähnchen ausgerüstet, unsere Bildschirme. Es sind so wenig echte Amerikaner wie die Hintergrundfotos unserer SRG-Korrespondenten echt sind. Das Ganze ist ein Schauspiel, ein inszeniertes Theater, wo es um Milliarden geht. Deshalb sind die Einsätze hoch.

Derweil schwankt die EU samt dem Euro. Die Hedge Funds suchen mit Währungsspekulationen ihre Verluste aus den letzten zwei Jahren wieder wett zu machen. Die Deutsche Bank, gemessen an den Zeiten von Abs und Herrhausen, liegt nach dem „Joe“ Ackermann-Intermezzo halb im Koma. Italien ist fast pleite und Frankreich folgt ihm auf dem Fusse.

Nur den reichen Deutschen der nationalen Exportwirtschaft geht es wirklich gut. Die armen Hartz-Deutschen und die auf Teilzeit beschäftigten Deutschen kratzen ihr Geld am Monatsende zusammen wie eh und je. Die Berliner Republik gilt wieder als stark, sogar als einzige Retterin der EU und Europas. Das war schon 1914 und 1939 der Fall und ging gar nicht gut aus. Die letzten Angehörigen der liberalen Intelligenz gingen in den Pädo-Gymmasien des Odenwalds und bei der AfD zugrunde. Durch das Unterholz der Politik rennen hundert Retter, aber Merkel ist in Afrika und Schulz in Strassbourg.

In der Schweiz sind wir gerade im Begriff, die letzten Reste eines einst hervorragenden Schulsystems mit dem Lehrplan 21 zu vernichten. Der Niedergang dauert schon 20 Jahre an, weshalb die Fehlleistungen unserer teuer bezahlten Beamten bei staatsnahen IT-Projekten, in der Aussenpolitik oder im VBS laufend teurer werden. Das Parlament ist (wenig) bekümmert, ist es doch damit beschäftigt, die verbliebenen Steuermilliarden in die Taschen jener zu schieben, die am lautesten schreien oder demnächst eine gute Anstellung versprechen.

Europa kann auf 2500 Jahre zurückblicken, davon die meisten erfolgreich. Die Schweiz kann bald auf 800 Jahre zurückblicken, davon 600 sehr erfolgreich. Reicht’s jetzt? Mit den Geldfluten des Fed, der EZB und der Schweizerischen Nationalbank ist der Geist des Westens nicht gewachsen. Das Volk liest und sieht Krimis, das Bürgertum vom Untergang Roms. Roman Bucheli von der NZZ wünscht sich wieder eine seriöse Literaturkritik, denn auch die ist vor die Hunde gegangen.

Ich empfehle Zwerg Perkeo vor dem grossen Weinfass im Heidelberger Schloss als Symbol der Gegenwart. Hoch das Glas und runter mit dem Zeug. Die schlagenden und saufenden Studenten Heidelbergs waren vor den Kriegen immer besonders schneidig. Jetzt wollen wir einmal sehen, wie Ex-Aussenministerin Hillary Clinton, die eher zur bestechlichen Fraktion zählt, den westlichen Dampfer in Schwung bringt. Hoffen wir, dass es keine neue Titanic wird.

Ist linker Snobismus links?

Montag, den 10. Oktober 2016 um 16:19

Roger de Weck, der linksliberale Generaldirektor der SRG, muss vorzeitig seinen Abschied nehmen. Ihm, der sich immer als linker Intellektueller und Journalist sah, folgt ein welscher Manager, Gilles Marchand. De Wecks Reden zu hören, war das eine; seine Managementfähigkeiten das andere.

Weitgehend in Vergessenheit geraten ist es, dass er schon als Chefredaktor des „Tagesanzeigers“ einen vorzeitigen Abschied nahm; Gerüchte sagen, die Budgets seien nicht wie gewünscht ausgefallen. Auch als Chefredakteur der deutschen Wochenzeitung „Die Zeit“, wozu ihn Helmut Schmidt machte, hielt es ihn nur kurze Zeit. Sein Nachfolger als Chefredakteur sagte auf entsprechende Fragen stets, de Weck habe den notwendigen Modernisierungsprozess der „ZEIT“ eingeleitet. Der Aufschwung kam später.

Roger de Weck war von einem geistreichen linken Snobismus getragen, womit er sich vom Rest der Meute leicht absetzte. Wer vor ihm sprach, blieb Vorredner; wer nach ihm sprach, blieb zweitklassig, auch Bundesräte. Dieser leichte Narzissmus führte im Laufe der Zeit dazu, dass die Selbstschutzmassnahmen des Wort-Kulinarikers zunahmen. Einen Hauptkritiker der SRG, Dr. Roger Schawinski, ins Spätprogramm von SRF 1 zu nehmen, mag als genial gelten, ist aber letztlich durchsichtig geblieben. Professionelle Kommunikation war nicht seine Sache.

Linker Snobismus ist ohnehin gefährlich. „tachles“-Chefredaktor Yves Kugelmann liess dieser Tage Deutschlands eigensinnigsten Linken zu Wort kommen, Wolf Biermann. Dieser diktierte ihm eine Aussage ins Wochenblatt, die geschichtliches Format hat. Biermann: „Aber ja, das ist das Ur-Elend, der eingeborene Fehler jeder Demokratie: Man muss auch vom Pack gewählt werden, um hoffentlich etwas Gutes zu bewirken.“

Das Pack, das Proletariat, das Prekariat, diente stets dazu, von den Geistes-Linken besungen zu werden. Das galt auch für Bertolt Brecht, der seine Frauen dichten liess, während er die Cigarre rauchte. Wolf Biermann, jetzt mit der vierten Frau verheiratet, lässt sich feiern, weil er von diesen mindestens neun Kinder hat; Günther Grass brachte es mir drei Frauen nur auf sechs Kinder. Weiter rechts würde man ausrufen: Das sind muslimische Zustände.

Eines Abends in Zürich geriet ich in einen linken Raucherclub, wo Adolf Muschg und Hugo Loetscher den Ton angaben. Sie rochen sofort, dass ich nicht zur Klasse der Fragesteller, sondern der Antwortgeber gehöre. Derlei bleibt der Staatslinken vorbehalten.

Adieu Roger de Weck, eine neue Aufgabe wird sich unter dem weiten Mantel der Helvetia leicht für Dich finden lassen. Von einem Jean-Michel Cina abserviert zu werden, wird er nicht als standesgemäss empfunden haben. Aber in der Demokratie, siehe oben, muss man auch mit dem Pack zu leben lernen. Cina weiss, wie das geht.

 
     
     
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