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Monatsarchiv für September 2016

Wer gross scheitert, macht Geschichte

Mittwoch, den 28. September 2016 um 14:45

Derzeit rutscht die Riederalp, welche viele von uns kennen und lieben, hinab auf den Grossen Aletschgletscher. Die Kameras sind aufgebaut; 100 Mio. Kubikmeter werden erwartet, dreimal Randa. Weil der Gletscher immer kleiner wird, rutschen jetzt die Hänge. Das ist ganz normal im Wallis. Auf der anderen Seite des Berges arbeitet Art Furrer (der Mann mit dem Texaner Hut) unermüdlich an seinem Hotelimperium, das er zusammen mit Peter Brabeck-Letmathé von Nestlé aufgebaut hat und von seinem Sohn Andreas führen lässt.

Ins Rutschen geraten sind in Bern auch die Brüder Rihs, die meinten, sich einen Fussballclub leisten zu müssen. Jetzt stehen sie, Fr. 50 Mio. ärmer, mit dem Rücken zur Wand. Wer nimmt ihnen die Young Boys ab? Die eher geizigen, weil stagnierenden Berner Unternehmer auf keinen Fall.

Wo wir hinschauen, überall gibt es grosse Unternehmer, die sich kleine Spielsachen leisten. Einer der grössten in Deutschland wie der Schweiz ist Klaus-Michael Kühne, der Geld eigentlich nicht (mehr) braucht, aber gerne besitzt. Er hat den deutschen Traditionsclub HSV Hamburg unter seine Kontrolle gebracht. Jetzt steigen die Aktien! Weit gefehlt, Kühne dürfte gegen Fr. 100 Mio. gesetzt haben, um zur grossen Welt des Fussballs zu gehören, aber die Mannschaft schmiert ab. Wer will schon zum Ergötzen eines Milliardärs spielen? Er muss mehr bieten, wie die grossen englischen Clubs zeigen.

Mit Sport und speziell Fussball werden, weil nur wenige gewinnen können, grosse Vermögen vertan. Ob Rihs, Claassen (deutscher Unternehmer mit dem FC Mallorca) oder Klaus-Michael Kühne, es fällt den Superstars der Wirtschaft wenig mehr ein als die Arme hochzureissen und zu jubeln.

Klaus-Michael Kühne wollen wir in Schutz nehmen, weil eine seiner sehr reichen Stiftungen oberhalb von Richterswil auf dem Weg nach Einsiedeln die St. Martins Kapelle für einen siebenstelligen Betrag renovieren liess. Der Logistik-, Hotel- und Fussballkönig hatte auch ein Herz für den Einsiedler Heiligen.

Grosse Niederlagen machen Geschichte, wie Napoléon und viele andere zeigten. Unternehmer gehen selten in die Geschichte ein. Sie bauen Vermögen auf, das von ihren Erben dann wieder abgebaut wird. Ein wenig Spass wollen wir ihnen gönnen.

Von der „Churchill Aula“ zum „Churchill War Room“

Montag, den 26. September 2016 um 15:39

Zürich ist im Churchill-Fieber, denn dieser letzte grosse europäische Imperialist, dem das British Empire auch seinen Untergang verdankt, hat an der Limmat die „Vereinigten Staaten von Europa“ ausgerufen, sich wohl daran erinnernd, dass sein Landsmann Cecil Rhodes einst die „Vereinigten Staaten von Afrika“ schaffen wollte, aber nur bis Rhodesien kam. Es ist Dr. Martin Meyer, dem Präsidenten der Schweizer Stiftung für Auslandforschung, zu verdanken, dass die Aula der Universität Zürich nun häufiger „Churchill Aula“ genannt wird. Jeder politische und wissenschaftliche Star der Schweiz, Europas und der Welt, von Martin Meyer eingeladen, sucht dort eine neue „Churchill Rede“ zu halten, einige mit mehr, andere mit weniger Glück. Zu den Highlight-Rednern des letzten halben Jahres zählten mit Sicherheit Gilles Keppel, der grosse französische Arabist, und Prof. Dr. Carl Baudenbacher, der Präsident des EFTA-Gerichtshofes in Luxembourg, der massgeblichen Einfluss darauf hatte, dass im EDA Staatssekretär Yves Rossier mangels Glaubwürdigkeit im EU-Dossier gehen musste.

Nun überrascht mich die UBS mit der Mitteilung, sie habe in London Zugang zu den „Churchill War Rooms“. Ausgewählten UBS-Klienten würde die Möglichkeit geboten, sich dort strategisch unter den Fittichen der Schweizer Grossbank weiter zu bilden. Wer würde derlei ausschlagen?

Dort lernt man allerdings nicht, wie Churchill in Gallipoli zu Beginn des 20. Jahrhunderts zehntausende englischer, indischer und neuseeländischer Soldaten gegen die siegreichen Türken verheizte, weil er unbedingt Konstantinopel erobern wollte. Man lernt auch nicht, wie er im späteren „Indochine“ nutz- und erfolglose Kriege führte, eine besondere Art naturnaher Sandkastenspiele.

Vielmehr macht man sich Gedanken darüber, wie der Krieg in Syrien Westeuropa destabilisiert, sei es auch nur durch Millionen von Flüchtlingen. Im jüngsten Seminar wurde erkennbar, dass 2017, also in einem halben Jahr, wieder bis zu einer Million Flüchtlinge in Deutschland eintreffen könnten. Das bedeute den Sturz von Kanzlerin Merkel.

Auch der Institution EU gibt man im UBS-Churchill-Seminar nur wenige Chancen, sei die EU doch überstrukturiert und deshalb zu komplex, um schon die latente Finanzkrise zu lösen.

China als Risiko war als Thema gesetzt, nicht jedoch die gewaltige Verschuldung der USA und die latenten Risiken, die von der diesjährigen Präsidentschaftskandidaten ausgehen. Léon de Winter und Oliver Stone haben dies kürzlich besser formuliert. So wurde die Aussage von Hillary Clinton zitiert, jede Regierung, die nicht die Washingtoner Politik übernehme, müsse gestürzt werden.

Was wir von den UBS-Strategen lernen können: Krieg ist angesagt, sei es auf dem Feld, in der Politik oder bei der Geldanlage.

Was soll der Jammer? – Wir sind die Reichsten

Freitag, den 23. September 2016 um 16:13

 

Man meint, die Schweiz stehe vor dem Untergang und grosse Teile des Schweizer Volks würden demnächst in Armut versinken, hört man die politischen Debatten in Bern. „AHV plus“, sagt der 80jährige Rentner auf seinem Velo, „nehme ich auf jeden Fall. Was interessiert mich die Zukunft?“ Unsere Jüngeren zahlen mehr denn je in Rentenfonds ein, weil sie von der Angst gejagt werden, die AHV sei für sie nicht mehr erreichbar. Meine Nachbarswitwe sitzt auf einem zweistelligen Millionenvermögen und rückt keinen Rappen heraus, weil sie Angst hat, sie könne den unvermeidlich kommenden Heimaufenthalt nicht mehr bezahlen.

Die aus Westafrika stammenden Jungrentner an der Zolliker Seeküste, wie Christoph Mörgeli und die „Weltwoche“ sie entdeckt haben, sollen nun von freiwilligen Schweizern bedient werden, welche die Tische mit drei Essen täglich auf- und abdecken. „Wer bedient mich?“, fragen die Alt-Singles in ihren Häusern und grossen Wohnungen. Sie fluchen auf Simonetta Sommaruga und die Berner Politik.

Wie aber geht es uns wirklich? Der deutsche Allianz-Konzern hat in seinem „Global Wealth Report“ soeben festgestellt, dass wir Schweizer die reichsten Menschen auf diesem Globus geblieben sind. Jeder Schweizer hat danach ein Netto-Geldvermögen von Euro 170 590.–, das sind fast 190 000 Franken pro Kopf. Die US-Amerikaner liegen gut fünf Prozent hinter uns, auf Platz 3 die Engländer mit 103 000 Franken pro Kopf schon abgeschlagen. Den Rest der Welt können wir vergessen, auch die Deutschen sind weit zurück, noch mehr die Chinesen und Inder, die sich laufend bei uns einkaufen.

Natürlich heisst nicht jeder Schweizer Blocher, Oeri, Hofmann oder Spuhler, um einige unserer Milliardäre zu nennen. Solche seltenen Spezies individuellen Wohlstands gibt es in jedem Land; sie sind unvermeidlich.

Ich denke, dass wir auch viele arme Menschen haben, noch mehr aber jene, die Finanzmittel weit über ihre Verdienste und Fähigkeiten hinaus nutzen können. Die Welt ist ungerecht, aber in der Schweiz doch ein wenig gerechter als andernorts.

Dazu haben wir ein wunderschönes Land, das jetzt, im Herbst, zu geniessen, ich nur empfehlen kann. Das gilt für reich und arm.

Sind die Schweizer Medien zahm?

Donnerstag, den 22. September 2016 um 11:03

Die Weltpresse hat den Auftritt unseres Bundespräsidenten Johannes Schneider-Ammann vor der UNO-Vollversammlung nicht wahrgenommen. Ganz im Gegensatz zu Theresa May, deren „maiden speach“ global Beachtung gefunden hat.

Die Schweizer Medien haben unseren präsidialen Auftritt angemessen gewürdigt, ganz so, wie dies auch in Nordkorea geschehen wäre. Was sagt dies?

Bei einem Dinner im geschlossenen Kreis der Schweizer Spitzenwirtschaft und Politik fiel der verhängnisvolle Satz: „Die Schweizer Medien sind lahm.“ Lahm? Ich hätte den Aufschrei mindestens eines von achtzig Teilnehmern erwartet. Im Gegenteil: Alle nickten mit den Köpfen. Ja, so ist es.

Nun wurde dieser Tage ein Bericht vorgelegt, welches die besten Schweizer Medien seien. Ein PR-Berater präsentierte diesen Bericht, weil er einmal zum engen Kreis der wichtigen Chefredaktoren zählte. Was sein Bericht als nennenswert erwähnte, beruht auf der Annahme, 1600 ausgewählte Schweizer, die „Wahrnehmung des Publikums“, und ausgewählte Wissenschaftler wüssten, was die besten Schweizer Medien seien. Die Quersumme ergäbe die Besten.

Aus meiner Sicht, die diejenige eines Menschen ist, der seit 50 Jahren globale Medien intensiv zu nutzen weiss, ist das Schweizer Medienqualitätsranking zugeschnitten auf ehrgeizige Bauern und resignative Staatsangestellte. Diese bewundern die redaktionelle Leistung einer „Luzerner Zeitung“, die nur wenig schlechter abschneidet als die „Neue Zürcher Zeitung“. Sie hören das „Echo der Zeit“ und kennen die besseren Programme des Deutschen Länderfunks (DLF) nicht.

Glücklich wird berichtet, die Meinung der Wissenschaftler (was immer dies heissen mag) decke sich mit derjenigen des Volkes. Die SRF-Sendungen schneiden bestens ab, weil ältere Schweizer Hörer und abends müde Zuschauerinnen auf routinierte Sendungen nicht verzichten möchten. Kurt Aeschbacher lässt grüssen.

Es lohnt sich nicht, diese „Bestenliste der Informationsmedien“ genauer zu studieren, denn sie ist auf den Schweizer Mittelstand und dessen Medienbedürfnisse zugeschnitten. Wer mehr wissen will, muss die ausländischen Medien mit berücksichtigen: Le Monde, Frankfurter Allgemeine, Südddeutsche, Financial Times, Economist, Wall Street Journal, New Yorker, Die Zeit etc.

Intelligente Schweizer informieren sich global. Das gilt für die A-Schweiz, die B-Schweiz ist mit der Studie zufrieden.

Merkel besser verstehen

Dienstag, den 20. September 2016 um 11:13

Es brauchte den Anstoss eines Freundes aus Brasilien, der mich darauf aufmerksam machte, wie schwach Europa und wie stark die Deutschen geworden seien. Diese könnten im Weltmarkt gegen alle starken Länder noch mithalten.

Ja, wir sollten Angela Merkel, die deutsche Kanzlerin, besser verstehen. Sie steht wie Bismarck im Sturm und hält das Ruder fest. Das Schiff wankt, die Besatzung jammert, manche Schiffsoffiziere wollen die Segel anders setzen.

Merkel sieht die Chance, Deutschland könne mit seiner enormen Leistungskraft ein Zeichen für Europa und die Welt setzen. Die Steuereinnahmen sind hoch, durch die Zuwanderung sogar noch gestiegen (ganz wie in der Schweiz zwischen 2000 und 2010 auch), die staatlichen Organe funktionieren weitaus besser als in den Nachbarstaaten. Merkel hält Kurs.

Schon zweimal in der jüngeren Geschichte waren gerade die Engländer neidisch auf diese „German Power“. Die Elite hatte auch Angst vor einer unkontrollierbaren Expansion. Es kam zu zwei Weltkriegen.

Merkel und Schäuble haben begriffen, dass Deutschland sich wieder einmal in einer historischen Situation befindet. Vizekanzler Gabriel sitzt zähneklappernd in der Kombüse und wartet auf bessere Zeiten.

Ich denke, die deutsche Kanzlerin sollte durchhalten.

Petra Gössi, Schülerin des „grossen Franz“ aus Uri

Montag, den 19. September 2016 um 14:05

 

Es war der legendäre Urner Politiker Franz Steinegger, in dessen Zeit, den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts, die FDP Schweiz fast unterging, der mit Petra Gössi ein politisches Enkelkind als neue FDP-Präsidentin vorschlug. Seither sucht das Schweizer Volk herauszufinden, was es von der strammen 40jährigen zu halten hat. Erste Auftritte von ihr geben Hinweise:

  • „Unsere Kinder werden nicht mehr im selben Wohlstand leben, wie wir.“ Damit macht Gössi deutlich, dass der wirtschaftliche Abstieg der Schweiz für die meisten Schweizer unvermeidlich ist.
  • „Es ist egal, wo wir die Mehrheiten finden; es ist wichtig, dass wir sie finden.“ Damit wiederholt sie nach gut 20 Jahren Franz Steineggers „Furka Koalition“ mit dem damaligen SP-Präsidenten Peter Bodenmann. Konsequente bürgerliche Einigung ist nicht ihr Ziel.
  • „Wir wollen bei den nächsten Wahlen 21% Wähleranteil“, eine ihrer ersten Aussagen, ganz wie Guido Westerwelle einst in Deutschland, der für die FDP 18% wollte und scheiterte. Jetzt ist sie von dieser Aussage abgerückt mit der Formulierung „Mir ist die absolute Zahl nicht wichtig, wir wollen die 2. Kraft im Land werden.“

Sicher ist Petra Gössi keine Christine Langenberger, die als Kurzzeit-Präsidentin der Schweizer Liberalen wenig erfolgreich war. Was die Schülerin des „grossen Franz“ aus Uri wirklich erreichen wird, werden wir bald wissen.

Der Abzug der FIFA aus der Schweiz hat begonnen

Mittwoch, den 14. September 2016 um 17:07

Die Fussball-Gala „Ballon d’Or“ wird im kommenden Jahr nicht mehr in Zürich stattfinden. Die Übernahme des Weltfussballs durch die Angelsachsen ist längst im Gange. Was Sepp Blatter als Spielführer der FIFA nie zugelassen hätte, ist Gianni Infantino, seinem Nachfolger, missglückt. Wer das grösste Fussballfest der Welt künftig sehen will, muss nach London reisen.

Die FIFA ist einer der dicksten Fische, den die US-Anwälte unter Leitung der amtierenden US-Justizministerin Loretta Lynch in Europa geangelt haben. Seit über einem Jahr wird die FIFA porentief von diesen Anwälten kontrolliert. Dabei wird nicht nur die Vergangenheit des Weltfussball-Verbandes abgeklärt, sondern auch seine Zukunft bestimmt.

Sepp Blatters Ballabgabe an Michel Platini ist kolossal missglückt. Es hätte nicht so schlimm herauskommen müssen, wären die beiden Fussball-Supermanager eher intelligenter gewesen als noch reicher geworden. Sie hatten beide in der eigenen Verbandsmannschaft (FIFA und UEFA) nicht jene Talente engagiert, die der Weltfussball gebraucht hätte.

Aber auch die Schweiz und Zürich haben sich ungeschickt angestellt. Sepp Blatter wird heute nach seiner letzten Verurteilung durch die von ihm geschaffene Ethik-Kommission nur noch vorgeworfen, er habe Michel Platini „ein unangemessenes Geschenk“ gemacht. Reicht dies aus, um zwei Weltkarrieren zu beenden? Sicher nicht.

Der „Ballon d’Or“ ist weg aus Zürich; die Weltmedien haben keinen Grund mehr, aus der Limmatstadt zu berichten. Die FIFA abzureissen, wird etwas länger dauern, aber der Umzug wird kommen. Zuletzt bleibt Zürich noch das FIFA-Museum, auch ein Werk des Wallisers, der jetzt durch die Provinz tingelt. Schade, ein kleiner Weltuntergang für die Schweiz.

Die Welt spinnt

Donnerstag, den 8. September 2016 um 17:04

Zeichne ich jetzt eine Schweizer Staatsanleihe, erhalte ich im besten Fall im Alter von 110 Jahren einen Ertrag zurück. Was ich dann damit noch anfangen kann, wird sich zeigen.

Die Welt spinnt; sie ist ausser Rand und Band. Unsere Berner „élite politique“, Christoph Blocher mit eingeschlossen, ergeht sich in gewaltigen Versprechungen, die sie nicht einlösen muss:

  • Bleiben wir eine unabhängige Schweiz, werden wir unseren Wohlstand weiter steigern. Wozu dies nützen soll, sagt kein Mensch, denn jeder vernünftige Schweizer über 60 hat weitgehend ausgesorgt, wenn er fleissig war und keine übertriebenen Risiken eingegangen ist.
  • Jetzt verzichten wir auf Geld und angenehmes Leben, damit die Merkel-Leuthard’sche Energiewende den Zustand der Erde wieder verbessert. Wie wir alle wissen, taugen die Klimaverträge und –Konferenzen wenig, aber unsere hoch subventionierten Firmen und Professoren-Päpste für neue Energien sind dankbar.
  • Die SRG will das Schweizerische fördern und in Bern zur politischen Stabilität beitragen. Dabei werden die tausend grössten Schweizer Firmen massgeblich von Ausländern geführt und Universitäten wie Hochschulen sind personell und inhaltlich hoffnungslos überfremdet. Für wen sendet die SRG? Für das gegen Abend ermüdete Volk und viele alte Menschen, die sich in die Vergangenheit zurück sehnen. Kurt Aeschbacher forever.
  • Gegen die Deutschen wagen wir nichts zu sagen, sei es bei gestohlenen Bankdaten oder dem Flughafen Zürich-Kloten, wo die Deutschen fliegen und wir eine geschädigte Umwelt und lärmgeplagte Bürger. Gegen die US-Amerikaner wagen wir auch nichts zu sagen, wenn sie uns ihre Milliardenbussen auferlegen und ganze Firmen besetzen (FIFA) oder unseren Mail- wie Telefonverkehr überwachen. Freie Schweiz, wieso?

Zum Dank wollen uns die Amerikaner ihre überteuerten Kampfflugzeuge verkaufen, die Rechte an der Software aber behalten.

 

Ich sehe, wie wir immer kleiner werden. Unsere Politiker in Bern haben höchstens noch Baukastenformat für Vorschulkinder. Wie ein Trump mit ihnen umgehen wird, kann man sich leicht vorstellen. Hillary Clinton wird sie als mögliche neue „Kaiserin von Washington D.C.“ nicht einmal beachten. Wir dürfen am ihrem Hof Geschenke hinterlegen ohne die Gewissheit, dafür ein Lächeln zu erhalten.

 

Die Welt ist verrückt. Niemand wird sie wieder gerade rücken.

 

Demokratie heute: Volk gegen Elite

Montag, den 5. September 2016 um 14:18

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hat in der äussersten deutschen Provinz, Mecklenburg-Vorpommern, eine indirekte Wahlniederlage erlitten. Ein Drittel aller Wahlberechtigten des 1,8 Mio. Einwohner zählenden Bundeslandes (das ist etwas mehr als der Kanton Zürich Einwohner hat) setzte die Anarchistenpartei AfD auf Platz 2 nach den Sozialdemokraten. War dies Merkels Schuld? Höchstens zur Hälfte, denn SP und AfD hatten überzeugende Sprecher, während CDU-Landesvorsitzender Coffier bekannt dafür ist, dass er kaum ein Wort über die Lippen bringt. Die CDU hat in Mecklenburg-Vorpommern den falschen Wahlkampf geführt; mehr ist dazu nicht zu sagen.

Natürlich sollte die CDU-Bundesvorsitzende Angela Merkel in den kommenden zwölf Monaten darauf achten, dass ihre Partei nicht den gleichen Fehler macht, aber das werden wir sehen.

Das Stimmvolk, nicht zu verwechseln mit dem Stimmbürger, war immer schon leicht verführbar. Bei der Masseneinwanderungsinitiative (MEI) gaben 40 000 Schweizer den Ausschlag für ein Ja. Jetzt ist die Staatspolitische Kommission des Nationalrats zurück gerudert, sodass einzelne Parlamentarier eher die Verfassung ändern wollen als dem Volkswillen und dem neuen Gesetz im Wege zu stehen. Dieses Zufallsmehr hat viel böses Blut ausgelöst, steht dahinter doch Europas Kernfrage: Wollen wir Nationalstaaten sein oder den Staatenverbund EU tragen? Eine intelligenter operierende Europäische Union hätte den Fall schon entschieden, aber Juncker und Vorgänger Barroso sind weit von der Delors-Klasse entfernt.

In seine eigene Falle ist jüngst ex Premier David Cameron gelaufen, als er unnötigerweise einen Brexit-Entscheid vom Volk wollte. Dieses, von den Tories enttäuscht, sagte ja, was kein Londoner „snob head“ verstehen wollte. Jetzt ist es an seiner Nachfolgerin Theresa May, als Premierministerin den Rückwärtsgang einzuschalten. Grossbritannien/England brauchen die EU mehr als umgekehrt. Das Volk wird den Kürzeren ziehen.

Da auf das Volk immer weniger Verlass ist, muss dem Brecht’schen Diktum gefolgt werden, die Regierung habe ich sein neues Volk zu wählen. Derlei ist natürlich schleichend längst im Gang. Politisch aktive Ausländer spielen in der Schweiz wie in Europa längst eine wachsende Rolle. Das ist nicht weiter tragisch, mindestens was die Schweiz betrifft, sind es doch zu 44% ausländische Manager, welche unsere tausend grössten Unternehmen leiten. Prof. Michael Hartmann, ein Emeritus für Soziologie aus Deutschland, hat die Daten dazu der wichtigsten Industriestaaten ermittelt; sein Buch zu diesem Thema wird noch in diesem Monat erwartet.

Wo das Volk der Elite nicht mehr vertraut und ausländische Führungskräfte wie Politiker zunehmend die Macht übernehmen, sollte die Frage gestellt werden: Was ist noch national?

NZZ-Feuilleton weckt den Affen in uns

Freitag, den 2. September 2016 um 16:40

Wie der erzliberale Meisterdenker René Scheu sich als neuer Leiter des NZZ-Feuilletons nach dem legendären Dr. Martin Meyer bewähren würde, liess vielerorts leichte Schauer über die Rücken rieseln. „Don’t touch it“, war die meistgehörte Empfehlung. „Ich brauche etwas Zeit“, so René Scheu selber bei einer seiner stürmischen Überquerungen des der Redaktion benachbarten Bellevue-Platzes in Zürich.

Jetzt sind seine ersten 100 Tage abgelaufen und bisher nicht gesehene Themen bereichern das Feuilleton des einstigen Weltblatts, das auf diesen Titel aus den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts bisher nicht verzichten wollte. Eher schamhaft verschweigt man heute die Eric Gujer vorangegangenen zwei Chefredaktoren: Hugo Bütler, der den Anspruch auf das Weltblatt verspielte, und Markus Spillmann, als vormaliger Marketing- und PR-Berater eine eklatante Fehlbesetzung

Wer, aus vielen Gründen, nicht mehr zum Feuilleton der seit Veit Dengler, CEO, verjüngten alten „Tante“ greifen will, macht einen grossen Fehler. Beispielhaft sei an dieser Stelle der ganzseitige Artikel „Der Primat in uns“ des Physikers und langjährigen Chefs von McKinsey in der Schweiz, Hans Widmer, genannt (NZZ vom 2. 9. 2016, S. 41). Darin gliedert er die Entwicklung des Menschen, sich auf Wilhelm von Humboldt berufend in drei Stufen:

  • Der unbewusste Primat (womit der Affe in uns gemeint ist, von der NZZ-Grafik als Gorilla dargestellt).
  • Der bewusst denkende Mensch mit Denkvermögen zur Erleichterung des Zusammenhalts und gesteigerten Lebensfreude.
  • Die Persönlichkeit, die ihr Dasein durchgestaltet, sich nicht bewegt, sondern von anderen umkreist wird.

Diese neue, historisch aufgebaute Dreieinigkeit ähnelt der französischen Gesellschaft vor der Revolution: Bauern, Bürger sowie König mit Klerus und Adel, letztere als Schmarotzer ihrer Gesellschaft, die dann auf der Guillotine landeten.

Diese Standesgesellschaft war noch von Gott legitimiert. Hans Widmer ersetzt ihn durch den Menschenaffen, besänftigt aber die ihn lesenden NZZ- „Persönlichkeiten“ mit der Aussage: „Das Hohe dieser dritten Stufe wird um nichts vermindert dadurch, dass es aus den unteren Stufen emporwächst.“ Wem dies nicht gefällt, wird zurechtgewiesen: „Was als Wirklichkeit erscheint, ist da und ohne Begründung hinzunehmen.“

Neo-Mystiker Hans Widmer, geleitet vom göttlichen Funken, ruft den Leser deshalb zuletzt auf: „Unsere tierische Natur ist nur das Rohmaterial, aus dem du das Göttliche formst. Du!“

Diesem Imperativ folgend, ahne ich, dass René Scheu Grosses vorhat, sei es mit sich oder der „Neue Zürcher Zeitung“ als Leitorgan „der Hohen dieser dritten Stufe“, die alleine imstande sind, aus unserer Affennatur das Göttliche zu schaffen.

 
     
     
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