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Monatsarchiv für Juli 2016

Tschäppät, Rihs und Freunde: Lockender Griff in die Staatskasse

Freitag, den 22. Juli 2016 um 11:23

Wenn der Hörgeräte-Milliardär Andy Rihs und Berns Stadtpräsident Alexander Tschäppät eine Sause anrichten, dann muss es krachen. Deshalb hat der Milliardär aus der staatlich geförderten Gesundheitsbranche die Tour de Suisse nach Bern gebracht und der Edel-Sozi erhält am Ende seiner Stapi-Karriere noch ein teures Abschiedsgeschenk.

Wie man am Rande erfährt, hätte der Bund, d.h. der Steuerzahler, dazu noch einen nennenswerten Beitrag zahlen sollen, was dieser glücklicherweise verweigerte. Wer Feste feiern will, soll diese selbst bezahlen.

Nicht anders unsere wunderbaren Sportler. 90% unserer Olympioniken leben von Staatsgeld, d.h. sie sind Staatssportler ganz wie einst in der DDR oder heute noch in Russland. Natürlich gilt dies auch für andere Länder, aber anders geht es nicht mehr, will man eine Medaille holen.

Wir leben in goldenen Zeiten.

Warum Hillary Clinton nicht wählbar ist

Mittwoch, den 20. Juli 2016 um 8:42

Wie heisst die Mutter des Terrorismus in Libyen? Hillary Clinton. Sie setzte als Aussenministerin den Krieg gegen Ghaddafi durch, rief siegestrunken nach seinem Tod aus: „Wir kamen, wir sahen, er starb.“ Dann vergass sie, das Land auch zu sichern und überliess es den Terroristen und libyschen Stämmen. Seither herrscht dort das Chaos. Braucht die Welt solche „leaders of the free world“? Ich meine, nein.

Die USA haben seit John F. Kennedy, der ein brillanter Täuscher, aber vorsichtiger Aussenpolitiker war, weshalb er wohl vom eigenen Geheimdienst hingerichtet wurde, keinen hochwertigen Präsidenten mehr gehabt. Margaret Thatcher hat Englands Industrie und Gewerkschaften vernichtet, Gerhard Schröder als deutscher SP-Kanzler mit der Agenda 2010 die Massenarmut eingeführt und die Grundlagen für den Exportboom gelegt.

Sollen wir grossen Einzelnen oder Teams vertrauen? Mindestens für die Finanzmärkte ist dies klar: Gemäss dem „Financial Analysts Journal“ haben in den vergangenen Jahren grosse Einzelgänger in der Fonds-Industrie bessere Ergebnisse erzielt als Entscheider in Gruppen. Je grösser die Gruppe, desto schlechter die Ergebnisse.

Auf unseren Schweizer Bundesrat bezogen, heisst dies: Mit sieben gleichberechtigten Mitgliedern dürfen wir nur schlechte Entscheide erwarten. Dort entscheidet das untere Mittelmass. In der Krise braucht es die Führerfigur, die im Ernstfall ihr Können beweist. Darauf wartet Dr. Christoph Blocher schon lange, nur hat bisher in Bern niemand die Krise ausgerufen.

Der Untergang der Glasperlenspieler

Montag, den 18. Juli 2016 um 16:10

Mit Tony Blair ist ein englischer Glasperlenspieler untergegangen, gefolgt von David Cameron, der auf der Nagelspitze balancierte und verlor. François Hollande, der französische Präsident, wird beiden bald folgen. Nur Angela Merkel steht mit beiden Beinen fest auf der Berliner Bühne, die Wirren und Krisen zwischen Knien und Hüften sanft auswiegend.

Und in der Schweiz? Die beste Trapezkünstlerin ist Doris Leuthard, ihre politischen Karten bis zuletzt ausreizend. Didier Burkhalter ist längst „dead man walking“ und wird nur von seiner Partei, der FDP, gehalten. Johann Schneider-Ammann, der sich zum Bundespräsidenten wählen liess, lädt zu ungläubigem Staunen ein; solches hat die Schweiz nicht verdient.

Nun haben wir einen neuen Star auf der eidgenössischen Bühne: Jean-Michel Cina, abgehender Staatsrat aus dem Wallis, wo auch die besten Freunde nichts finden, das man als grossartige Leistung bezeichnen könnte. Den Walliser Tourismus hat er so wenig retten können wie die Walliser Wirtschaft. Wer sich erinnert: Schon als Jungstar der Schweizer CVP, wo er kurzzeitig als Präsident agierte, war von Niedergängen der Partei gekennzeichnet. Nun will er als Präsident der Konferenz der Kantonalregierungen den Bund um Anteile der Mehrwertsteuer erleichtern, die jährlich 20 Milliarden Franken einbringt. Verstehen wir dies richtig: Er will nicht neue Werte schaffen, sondern sich aus anderen Kassen bedienen.

Derlei CVP-Kunststücke wird er demnächst als Präsident der SRG von Doris Leuthards Gnaden weiter beweisen können. Eine bessere SRG dürfen wir von ihm keinesfalls erwarten, vielmehr eine staatliche Organisation, die ihre Autorität auch dann wahren muss, wenn die Qualität der Sendungen weiter absinkt. Derlei interessiert ihn, der vor allem am Fussball interessiert ist, wenig. Als perfekter Glasperlenspieler lebt er vom Steuerzahler, sei es hier oder andernorts.

Die Kunst der richtigen Medien-Interpretation

Freitag, den 8. Juli 2016 um 13:17

Weil die neuen Medien, die sich merkwürdigerweise auch „soziale Medien“ nennen, was keine Institution der Sozialindustrie je zum Widerspruch gefordert hat, auch einen neuen Stil des Journalismus verlangen, dem unsere Medienhäuser eilig nachkommen, weil Gewinn wichtiger als Geist ist, bedarf die Kunst der Medieninterpretation neuer Aspekte.

Geboten wird in dieser neuen Welt ein Content, der zu unterhalten hat, bewegt und inspiriert. Knackige Erzählformen sind gefragt, was allerdings die besten Journalisten der letzten 180 Jahre ebenso gesehen haben. Es muss, der Zeitnot eingedenk, eilig informiert werden, ohne den roten Faden zu verlieren.

So ward uns jüngst geboten, allerdings nur in den streng katholischen Medien der Schweiz, dass der argentinische Papst Maria Magdalena, die Frau aus Magdala, die Jesus Christus die Füsse wusch und mit ihren Haaren trocknete, zur Apostolin ernannt hat. Ich nehme dies gefasst, denn für meine Eltern war sie, gemäss katholischer Volkslehre, noch eine Hure.

Zeitgenössische Gemüter wurden am 5. Juli aus der Schlaftrunkenheit geweckt mit der Information „Softwareriese Microsoft schwebt auf der Marihuana-Wolke“. Bill Gates will mit Sean Parker (Napster, Facebook) der grösste Rauschgiftproduzent der USA werden und damit die serbelnden Erlöse seines Konzerns verbessern. Als Vor-68er, der die Hippies in L.A. noch voll krass erlebte, weiss ich, dass „MaryJane“ höchst gefährlich ist. Sei’s drum.

Gleichzeitig erfahre ich, lesend: „Die digitale Jobwelt bedroht die soziale Marktwirtschaft“. Rund eine Million Internet-Tagelöhner seien alleine in Deutschland ohne sozialen Schutz der Ausbeutung ausgeliefert. Das kann stimmen, denn im „reichen Deutschland“, das Wirtschaftsflüchtlinge aus aller Welt anzieht, können 1,2 Millionen Menschen nicht von ihrem Salär leben. Im als reich geltenden Japan sind fast 40% aller Menschen prekär beschäftigt, weshalb die Regierung sich auch weigert, Wirtschaftsflüchtlinge aufzunehmen.

Natürlich fand ich derlei nicht in einer Zeitung, sondern es handelt sich um Informationen aus „Tagesanzeiger“, „Wirtschaftswoche“, „Walliser Bote“ und „Süddeutscher Zeitung“. Kein Schweizer Autor macht sich darauf einen Vers.

Diese merkwürdige Erschöpfung

Mittwoch, den 6. Juli 2016 um 8:26

Zu jenen vielleicht zehntausend Menschen gehörend, die regelmässig den „Schweizer Monat“ zur Hand nehmen, freut mich im Juli das Gesicht von Hans Ulrich Gumbrecht auf dem Titel. Seinen Beitrag über die Zukunft der Freiheit sofort lesend, fällt mir darin sein intellektueller Schwebezustand auf, der Vergangenes scharf, Gegenwärtiges knapp und Zukünftiges nur verwischt ins Bild rückt.

Woran liegt es, dass wir Europäer es nicht wagen, unsere Zukunft genauer zum bezeichnen, jetzt, wo das englische Trio Cameron, Johnson und Farage sich als Charade der englischen Upperclass herausstellt, auf dem Näherungshorizont mehr „Chasper“ als Churchill? Wo EU-Präsident Jean-Claude Juncker mit Angela Merkel, der deutschen Kanzlerin, gleichsam in Baudelaires „Trunkenem Schiff“ dahin fahren und kein neuer Bismarck sie zur Ordnung ruft.

Der „Schweizer Monat“, eine Zeitschrift für liberale Intellektuelle, widmet dem dümmsten Kulturanlass der heuer die Schweiz heimsucht, der Zürcher „Manifesta“ gleich zwölf Seiten. Damit wurde diese schwankende Organisation wohl vor dem erwarteten Untergang gerettet. Noch ist Zürich reich und kann sich neben einer fast  Fr.7 Mio-Manifesta ein dreitägiges Stadtfest mit gleich drei Feuerwerken leisten. Mit der USR III werden Steuererhöhungen unausweichlich, zumal die beiden Grossbanken kaum Steuern bezahlen. Was die Stadt bieten will, ist Sommertheater für Touristen, wo Zürich gut abschneidet. Stadtpräsidentin Corinne Mauch ist sich nicht zu schade, auf einer noch verpackten Kindergitarre zu klimpern, den Kopf schräg zu legen und ein „Yeah, yeah!“ anzudeuten.

Der im „bypack“ gelieferte „Literarische Monat“ macht unter dem hoch talentierten Michael Wiederstein, dem demnächst der ganze „Monat“ redaktionell unterstellt sein wird, den wiederholten Versuch, aus entweder jungen oder unbedeutenden Literaten in der Schweiz mindestens Hoffnungsträger zu machen. Zum wiederholten Male taucht die Zürcher Barfrau Stefanie Sourlier auf, deren Schreibcocktail kaum gewürzt ist. Urs Mannhart sinniert im Biwaksack im Fôret de Fontainebleau. Heinz Helle, der 2015 „einmal Aufsehen erregt“ haben soll, darf formulieren: „Es gab schöne Reaktionen, die mich berührt haben, weil sie ein sehr genaues, tiefes Verständnis meines Textes zum Ausdruck brachten.“ Welche Tante von Helle war dies? Derlei Schriftsteller produzieren eine Literatur, die ich als nicht mehr konkurrenzfähig betrachte. Weder die Schweiz noch die Welt werden uns durch derlei letzte Geistesblitze aus dem Dunkel näher gebracht.

Wenn der Philosoph Marc Atallah, dem Brillianz des Denkens nicht abgestritten werden soll, über Science Fiction-Autoren interviewt wird und Stanislaw Lem nicht einmal erwähnt wird, verliert auch der Rest an Bedeutung. Ich habe sogar den Verdacht, als könne gerade Lem ein Kronzeuge gegen die Atallah-These sein, bei Science Fiction gehe es „nicht um die Zukunft“, sondern „den Menschen in seiner Gegenwart.“

Diese lockere Unverbindlichkeit des „Monat“, dem in kurzer Zeit gleich zwei Chefredaktoren abhandengekommen sind,  soll künftig im Schweizer Wirtschaftsmagazin „Bilanz“ nicht mehr vorkommen. Aus dem „bi-weekly“ wird im Herbst wieder ein Monatsmagazin, wie es einst von Beat Curti und Andreas Zgraggen angedacht war. Die aktuelle  Juli-Ausgabe ist von einer inhaltlichen Pechsträhne überschattet: Der Tesla, so heisst es, „treibt die grossen Autohersteller vor sich her.“ Der Kreuzungsunfall in den USA hat uns alle eines besseren belehrt. In England, denn wer will heute noch Grossbritannien sagen, soll gemäss „Bilanz“ Boris Johnson ein ganz besonders wichtiger Mann sein. Jetzt, wo der englische Mini-Trump von seiner eigenen Partei relegiert wurde, muss er, ganz ohne Job, erst einmal seine Wunden lecken. Mit der Titelzeile „Wer rettet die CS?“, vom Hausgrafiker derart gestaltet, dass der politische Schweizer darin zuerst „Wer rettet die CSP? sieht, stellt die „Bilanz“ immerhin eine gute Frage. Wer für CHF 9,80 eine Antwort erwartet, kauft sich besser einen Lottoschein.

Melancholie allerorten. Die ersten heissen Tage sind da. Gehen wir schwimmen, das hilft sicher.

 

 
     
     
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