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Tagesarchiv für 10. Juni 2016

Dalai Lama will keine Religionen mehr

Freitag, den 10. Juni 2016 um 13:32

Jetzt hat es auch der bei uns vielfach verehrte Dalai Lama begriffen: Er zweifelt oft an der Notwendigkeit von Kirchen und meint in seinem neuen „Appell“-Buch, das im deutschen Spiegel-Verlag erschienen ist: „Ethik ist wichtiger als Religion“. Hans Küng würde sich freuen, dies zu hören.

Derweil sind bei uns im Land die christlichen Religionen immer rascher auf dem Rückzug. Die reformierte Kirche im Kanton Zürich verliert jedes Jahr 5000 Mitglieder. Was tut sie? Sie will die Zahl der Kirchengemeinden von 174 auf 40 verringern. Gleichzeitig nehmen die Kirchensteuern laufend zu, was den Kadern der Kirche weiterhin ein wunderbares Leben und viel finanzielle Sicherheit erlaubt.

Das erinnert an den Niedergang der dänischen Kolonien auf Grönland im 11. Jahrhundert. Während die armen Siedler langsam verhungerten, wurden die reichen Siedler immer reicher – bis auch sie das unausweichliche Schicksal des Aussterbens erreichte. Ihre Frauen flohen derweil mit den Kindern auf das Hochlandeis zu den Inuit, wo man zu überleben wusste.

Wer kennt noch reformierte Geistliche? Peter Siegrist, der Grossmünster-Pfarrer, ist eine wohltuende Ausnahme, der Rest taugt zur Erneuerung der Kirche und des Glaubens wohl so viel wie ein Angler ohne Rute.

Von der rk Kirche vernimmt man kaum Besseres. Die oberen Kirchenkader kämpfen um den Zieldurchlauf in die Pension, die ihnen Unterstellten um die eigene Karriere. Es tun sich neue Bischofssitze auf; hoffentlich vergibt sie der Papst nicht an „Römer“ oder sogar Ausländer, wie der Schweizer Nuntius einer ist. Bei diesem Grad an Überfremdung, der dem in den Grossbanken gleicht, hat ein Schweizer Kandidat immer weniger Karrierechancen.

Was mir an Predigern begegnet, wird immer älter, aber kaum weiser. Kürzlich lief mir bei einer Predigt Pater Ziegler über den Weg, den früher alle Schweizer Manager kannten. Ihm, der sein Alter nicht leugnet, ist das Charisma geblieben, aber die Uhr tickt. Leider.

Es steht ziemlich trostlos um unsere Staatskirchen. Die Freikirchen sind kein wirklicher Trost, denn die dort verlangte Art der Gymnastik und des lauten Bekennens sind nicht meine Sache. Bleibt die Flucht ins Lassalle-Haus oberhalb von Zug, wo Roshi-Pater Niklaus Brantschen, schon fast selig um sich blickend, noch immer den Weg ins Innere sucht.

Dies erfahrend, packt mich eine Art von Fröhlichkeit. Ist unser Glaubensleben nicht sehr vielfältig? Jetzt packen wir die Juden mit ihren brillanten Ritualen und die Moslems mit ihrem „inschallah“ und einer Gebetshaltung, die schon unser Rücken nicht zulässt, in den Topf, dann sehen wir, wie in der Schweiz „Zehntausend Blumen“ blühen. Wenn einige verwelken, tut dies wenig zur Sache.

 
     
     
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