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Monatsarchiv für Juni 2016

Die Wurzeln der Schweiz sind tief

Donnerstag, den 30. Juni 2016 um 14:51

Immer wieder wird die Frage gestellt, ob der Ruf der Schweiz durch die Banken, die Pharmafirmen, die Waffen- und Zigarettenindustrie gefährdet sei. Keinesfalls, denn die Wurzeln der Schweiz sind tief, wie folgendes Beispiel beweist.

Das Volk und dessen intellektuelle Vertreter sind in Deutschland der Auffassung, Goethes „Faust I“ sei das meistgelesene Buch der Deutschen, nicht einmal Karl May habe mit Winnetou und Old Shatterhand daran etwas ändern können.

Falsch. Das beliebteste Buch der Deutschen ist „Wilhelm Tell“ von Friedrich Schiller. Mit 5,5 Mio. verkauften Exemplaren seit 1948, sagen Vertreter des massgeblichen Reklam-Verlages, wurde Goethes „Faust“ um 300 000 Exemplare geschlagen. Nach Lessings „Nathan der Weise“ kommt schon Gottfried Keller mit 4,5 Mio. verkauften „Kleider machen Leute“.

Warum Wilhelm Tell? Das Lied der Freiheit, wie Friedrich Schiller es vorgetragen hat, lebt tief in eines jeden Menschen Seele. Wirtschaftliche und soziale Zwänge mögen es für einige Zeit verdrängen, aber wie die jüngsten Beispiele in England und den USA gezeigt haben, kommt der Ruf nach Freiheit und Selbstbestimmung immer wieder.

Die Schweiz ist noch ein weitgehend freies Land, wenn die Zwänge auch laufend zugenommen haben. Die Schweizerin, der Schweizer, gemessen an anderen Völkern, sind immer noch die freiesten Menschen der Welt. Wenn unsere Eliten Fehler machen, weil sie nur an den eigenen Vorteil denken, wird dies tief unten vermerkt. Dann kommt Gottfried Keller ins Spiel, auch ein Sänger der Freiheit, welcher der Dummheit ins Auge blicken musste.

Deshalb bleiben wir attraktiv für Ausländer, die unsere Klugheit ebenso schätzen wie unsere Dummheit, ihnen unsere Firmen und unser Land billig zu verkaufen. Die Reichen und Fleissigen müssen wir aufnehmen, die anderen nicht. Diese bleibt die Aufgabe, ihre eigenen Staaten aufzubauen.

Arabische und andere östliche Herausforderungen

Donnerstag, den 30. Juni 2016 um 14:49

Obwohl ich stolzer Besitzer von gleich zwei Ausgaben von „Tausend und einer Nacht“ bin, die ich seit meinem 14. Lebensjahr immer wieder lese, das Bagdad des grossen Kalifen Harun al Raschid wie dessen westliche Provinzen Al Andalus (Andalusien) und Al Gharb (Algarve) hoch schätze, auch die Leistung Saladins, eines Kurden, wie er bei den Hügeln von Hittin die christlichen Kreuzfahrer schlug, durchaus bewundere, sind mir die späteren Araber fremd geblieben.

Aus Genf mehr noch als aus Zürich und Basel pilgern unsere Banker und anderen Geld- wie Industriespezialisten gerne und oft mit Gewinn in diese sandig-heissen Wüstenstaaten, die gegen alle Natur Häuser bauen, die reichen Gewinn in die europäischen Kassen spülen.

„Sie haben keine Kultur, nur Öl“, flüstern mir schlimme Menschen ins Ohr. Dies abwehrend, greife ich zu Joseph O’Neills „Der Hund“, wo der Londoner Anwalt seine Erfahrung aus jenen Regionen romanhaft glänzend verarbeitet hat. Neill ist glaubwürdig, weil schon sein „Niederland“ über die Bankenkrise 2008 die Welt bis hin zum US-Präsidenten begeistert hat.

Sein neuer Roman heisst „Der Hund“. Warum? In den Augen der arabischen „Global Masters“ sind wir Europäer, die dort arbeiten, nur „räudige Hunde“. Das gilt auch dann, wenn sie uns gut füttern.

Ich habe es geahnt. Auch Lawrence von Arabien war nur ein englischer Spätromantiker, dessen Werk misslang.

Und weiter östlich von Arabien? Inder, Chinesen, Japaner? Eigentlich sollten wir sie kennen. Mein schlimmes Gefühl im Magen lässt nicht nach.

Einhörner haben wir nicht, Kleinhörner gehen bereits. „Gewisse Eigenschaften“ gesucht

Montag, den 27. Juni 2016 um 16:41

Der Ruf nach Einhörnern erschallt im Land, während die Kleinhörner längst schon ex Zürich nach Berlin weiter ziehen. Niemand wagt es Zahlen vorzulegen, was KTI und andere staatliche Organisationen für Fintech-Firmen aus Steuermitteln aufwenden. Die Befürchtung ist berechtigt, dass viel Geld die Bäche der Schweiz hinab schwimmt.

Dies gilt in besonderem Masse am 1. Januar 2019, wenn die USR III in Kraft treten soll. Alleine die Stadt Zürich wird jährlich 90 Mio. Franken an Steuereinnahmen verlieren. Schon jetzt warnen Experten, die Individualsteuern dürfe man auf keinen Fall erhöhen, weil man rund um Zürich ohnehin billiger lebe. Die USR III begünstigt auch in erster Linie Biotech- und Pharmafirmen, weshalb andere Betriebe, wie die Zürcher Kreativwirtschaft, sich gleich gar keine Hoffnungen auf tiefere Steuern machen sollte. „Gewisse Eigenschaften“ waren bisher schon notwendig, um tiefere Steuern zu bezahlen; daran ändert sich nichts.

Die Alarmrufe linker Politiker, welche die Gefahr von weniger Staat kommen sehen, weil er so nicht mehr finanziert werden kann, häufen sich. Da kommt die Aussage von Mark Haefele recht. Der Global Chief Investment Officer für Vermögensmanagement schrieb am 22. Juni im UBS House View: „So leid es uns für die Politik auch tut – aber letztlich zählt nur die Wirtschaft.“

Derlei sollte sich jeder merken, der noch Illusionen hat, man könne eine ideal-idyllische Welt schaffen, wo jedem das Seine gegeben wird. Gegeben ja, aber was?

Mark Haefele hat Gewicht, aber Otmar Issing ist auch nicht zu unterschätzen. Der langjährige Chefvolkswirt der EZB hält ohnehin von (west-)europäischen Äusserungen zur Wirtschaftspolitik wenig. Er wertet: „Die Fachdebatte bestimmen die amerikanischen Zeitschriften und Ökonomen, und die Amerikaner haben Schwierigkeiten, sich in eine andere Welt als die ihre hineinzudenken.“

Da steh‘n wir nun ganz wie ein Tor und sind so klug als wie zuvor.

Dieser Tage wurde mir berichtet, wie Bundespräsident Johann Schneider-Ammann in internationalen Gremien auftritt. Ich erspare meinen Lesern, das Urteil weiter zu leiten. Es ist schlimm.

Dieser Tage wurde mir auch berichtet, wie Bundesrat Didier Burkhalter mit wolkigen Lauten, die man sonst überlegenes Sprechen nennt, den Zustand vernebelt, dass seine EU-Aussenpolitik gescheitert ist. Es ist kaum besser als JSA’s Brummelrede (was man sich kaum vorstellen will). Hat die einstige Staatspartei FDP kein international wettbewerbsfähiges staatsmännisches Potential mehr? Doris Leuthard sieht wenigstens gut aus.

Die Schweiz, in Europa nicht minder isoliert als jetzt Grossbritannien es ist, würde gut daran tun, eine entschlossene Landesregierung aufzustellen. Sie tut dies nicht, weil unsere politisch-wirtschaftlichen Eliten, die „Gewisse Eigenschaften“ haben, mit dem jetzigen Zustand ganz gut leben können.

Dalai Lama will keine Religionen mehr

Freitag, den 10. Juni 2016 um 13:32

Jetzt hat es auch der bei uns vielfach verehrte Dalai Lama begriffen: Er zweifelt oft an der Notwendigkeit von Kirchen und meint in seinem neuen „Appell“-Buch, das im deutschen Spiegel-Verlag erschienen ist: „Ethik ist wichtiger als Religion“. Hans Küng würde sich freuen, dies zu hören.

Derweil sind bei uns im Land die christlichen Religionen immer rascher auf dem Rückzug. Die reformierte Kirche im Kanton Zürich verliert jedes Jahr 5000 Mitglieder. Was tut sie? Sie will die Zahl der Kirchengemeinden von 174 auf 40 verringern. Gleichzeitig nehmen die Kirchensteuern laufend zu, was den Kadern der Kirche weiterhin ein wunderbares Leben und viel finanzielle Sicherheit erlaubt.

Das erinnert an den Niedergang der dänischen Kolonien auf Grönland im 11. Jahrhundert. Während die armen Siedler langsam verhungerten, wurden die reichen Siedler immer reicher – bis auch sie das unausweichliche Schicksal des Aussterbens erreichte. Ihre Frauen flohen derweil mit den Kindern auf das Hochlandeis zu den Inuit, wo man zu überleben wusste.

Wer kennt noch reformierte Geistliche? Peter Siegrist, der Grossmünster-Pfarrer, ist eine wohltuende Ausnahme, der Rest taugt zur Erneuerung der Kirche und des Glaubens wohl so viel wie ein Angler ohne Rute.

Von der rk Kirche vernimmt man kaum Besseres. Die oberen Kirchenkader kämpfen um den Zieldurchlauf in die Pension, die ihnen Unterstellten um die eigene Karriere. Es tun sich neue Bischofssitze auf; hoffentlich vergibt sie der Papst nicht an „Römer“ oder sogar Ausländer, wie der Schweizer Nuntius einer ist. Bei diesem Grad an Überfremdung, der dem in den Grossbanken gleicht, hat ein Schweizer Kandidat immer weniger Karrierechancen.

Was mir an Predigern begegnet, wird immer älter, aber kaum weiser. Kürzlich lief mir bei einer Predigt Pater Ziegler über den Weg, den früher alle Schweizer Manager kannten. Ihm, der sein Alter nicht leugnet, ist das Charisma geblieben, aber die Uhr tickt. Leider.

Es steht ziemlich trostlos um unsere Staatskirchen. Die Freikirchen sind kein wirklicher Trost, denn die dort verlangte Art der Gymnastik und des lauten Bekennens sind nicht meine Sache. Bleibt die Flucht ins Lassalle-Haus oberhalb von Zug, wo Roshi-Pater Niklaus Brantschen, schon fast selig um sich blickend, noch immer den Weg ins Innere sucht.

Dies erfahrend, packt mich eine Art von Fröhlichkeit. Ist unser Glaubensleben nicht sehr vielfältig? Jetzt packen wir die Juden mit ihren brillanten Ritualen und die Moslems mit ihrem „inschallah“ und einer Gebetshaltung, die schon unser Rücken nicht zulässt, in den Topf, dann sehen wir, wie in der Schweiz „Zehntausend Blumen“ blühen. Wenn einige verwelken, tut dies wenig zur Sache.

Dem Verstorbenen die Ehre geben….

Mittwoch, den 8. Juni 2016 um 9:28

Beerdigungen sind stets eine heikle Angelegenheit, weshalb ich jede Gelegenheit wahrgenommen habe, nicht daran teilzunehmen. Einerseits befindet sich der Verstorbene auf dem Weg in den Himmel, sofern er vom rechten Glauben erfüllt war, wie dies im Falle von Martin Senn sicher zugetroffen ist; anderseits ist der Selbstmord dem rechten Christen verboten, was den Eintritt durch die Paradiespforte etwas verzögern könnte.

Martin Senn, den vormaligen Chef der Zürich Versicherungen, könnte man als Opfer des Kapitalismus bezeichnen, rief ihm sein Freund Marwan Shakarchi bei der Trauerzeremonie doch nach: „Konzerne haben keine Seele.“ Anderseits hat Senn als CEO nicht jene Leistungen erbracht, welche Verwaltungsrat und Aktionäre von ihm erwartet haben, die Mehrung des Gewinns.

Die Trauerzeremonie selber war von den üblichen Eitelkeiten und Besonderheiten angereichert. Marwan Shakarchi, während er die Trauernden umarmte, vergass nicht, dabei auch in die Kameras der Medien zu blicken. Carolina Müller-Möhl, im Gesicht irgendwie wieder einmal anders aussehend, hatte das Handy am Ohr. Philipp Hildebrand, Vize-Chairman von Blackrock, kam gleich mit drei Frauen: Seiner neuen Partnerin Margarita Louis-Dreyfus, seiner Ex Kashya und deren erwachsener Tochter. Er, elegant wie immer, die Frauen in Mini-Röcken, die oberhalb der Knie endeten. Wie man Kirchen besucht, haben viele der jüngeren Generation schon verlernt.

Martin Senn hat mit 59 Jahren den Zieleinlauf verpasst; das ist immer schade. Im Krieg nennt man dies Kollateralschäden.

Schweizer TV-Qualität genügt nicht mehr

Dienstag, den 7. Juni 2016 um 10:59

Weil der Vorgang typisch ist für unsere ungenügenden Qualitätsbegriffe, nehme ich dieses Beispiel: Beatrice Eglis TV-Show wurde im ARD-Fernsehen nach zwei Sendungen abgesetzt, weil die Einschaltquoten zu tief waren. Gleichzeitig jubelt unser SRF-Unterhaltungschef Christoph Gebel, der auch die Dauer-Niederlagen der Schweiz am European Song Contest zu verantworten hat, er wolle eine eigene Show für die herzige, wenn auch etwas füllige Beatrice Egli prüfen.

Da haben wir es: Was im Ausland nicht genügt, reicht bei uns immer noch für den heimischen TV-Zuschauer. Das ist ein grosser Irrtum. Abgesehen von Ramba-Zamba-Provinzlern und Altersheim-Bewohnern will nämlich kaum jemand „die Egli“ sehen. Ich hatte einmal – in Rapperswil – das Missvergnügen sie zu hören und fand, das genüge für die nächsten zwanzig Jahre. Anschliessend kann sie als Deutschweizer Version von Nella Martinetti immer noch an den Stammtischen tingeln.

Weil unsere Bevölkerung immer internationaler und damit anspruchsvoller wird, muss unser teuer bezahltes Staats-TV auf jeden Fall europäisches Niveau haben. Weil dies für viele SRF-Kader nicht zutrifft, müssen wir uns nicht wundern, wenn die Einschaltquoten sinken. Beatrice Egli zieht den Begriff „Schweizer Qualität“ nach unten; die SRG macht sich trotz rekordverdächtiger Zwangsabonnements auf europäischem Niveau zu einem Regionalsender. Mit dieser neuen Situation müssen wir uns zufrieden geben.

 
     
     
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