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„This country is not for turning.“

20. April 2016 um 15:23

Fünfhundert Meter vor der Gemeindegrenze Zollikons, wo einst die Täufer revoltierten, um dann verbrannt oder in der Limmat ersäuft zu werden, lud ein hochrangiges Komitee dazu ein, gleichsam in einem Doppelschlag zweierlei zu bewirken :

  • Einmal ein Ja für das bedingungslose Grundeinkommen, worüber wir am 5. Juni abstimmen sollen.
  • Dann eine Anstiftung zu einer neuen Lebensform, deren genauere Definition nicht erfolgte.

In Miller’s Theater am Stadtrand von Zürich, wo nur wenige Wochen zuvor auch die Expedition des Theaters am Neumarkt scheiterte, um Weltwoche-Verleger Roger Köppel den Teufel aus dem Leib zu treiben, liess sich Prof. Dr. Hans Ruh als Schweizer Pionier für das Grundeinkommen feiern. „Es ist meine letzte Tat für die Jugend der Schweiz“, liess der fröhliche Emeritus verlauten, der unterdessen in der Wohlstandsgemeinde Zollikon, wie viele Sozialdemokraten auch, Unterkunft gefunden hat. Ruh wünscht sich „eine selbstbewusste und lustbetonte Schweizer Gesellschaft“, was die zahlreich anwesenden „Ladies“ mittleren Alters nicht einmal zu einem Beifall bewegte. Männer reagieren ohnehin nicht auf derlei öffentliche Aufforderungen. Als bekannter Theologe distanzierte sich Ruh von Apostel Paulus und dessen in den Thessalonicher-Briefen zu findende Formulierung: „Wer nicht arbeitet, soll nicht essen.“ Es sei vor allem die untere Mittelschicht, die mehr Geld brauche, um frei leben zu können.

Oswald Sigg, ehemaliger Sprecher von Bundesrat Kaspar Villiger und des Bundesrates, sprach sich als Mitglied des Initiativkomitees für ein Grundeinkommen „wider die heutige Masslosigkeit“ aus und verlangte gleichzeitig die Verwirklichung einer „konkreten Utopie“. Derlei Dialektik, die zu einem neuen, der AHV vergleichbaren Sozialwerk führen soll, fand im vielhundertköpfigen Theaterpublikum viel Beifall. Sogar ein Unternehmer sprach sich dafür aus, wobei sich später herausstellte, dass er einmal Unternehmer war, heute aber arbeitslos. Einen Tag später traf ich an der Universität Zürich alt Bundesrat Kaspar Villiger, der, als ich ihn zu Oswald Siggs Haltung zum Grundeinkommen fragte, nur ratlos den Kopf schüttelte und sagte: „Unverständlich.“

Der Wirtschaftspublizist Werner Vontobel distanzierte sich markant von derlei Utopien. Oswald Sigg, nachdoppelnd, kündigte aber eine neue Initiative für eine Mikrosteuer auf Finanzgeschäften an, mit der 2017 zu rechnen sei. Vontobels Meinung, wir würden alle mehr arbeiten, als die Natur es ertrage, wurde vom Publikum wohlwollend zur Kenntnis genommen, das im Anschluss an die vom Aargauer Ethiker Thomas Gröbly souverän geführte Diskussion zu einem ausgezeichneten Rot- und Weisswein überging und Käseplatten, die jede Flüchtlingsfamilie an Europas Grenzen neidisch gemacht hätten.

Der gut besuchte Abend verfehlte sein Ziel, denn das Initiativkomitee plädiert für 2500 Franken pro erwachsene Person monatlich, dazu CHF 600.— für jedes Kind. Oswald Sigg präzisierte: „Das gilt für jede Familie, die rechtmässig in der Schweiz lebt.“ Einige Teilnehmer befürchteten darauf, es würden derart viele Flüchtlinge und andere Ausländer in unser Land stürmen, dass es bald 50 Mio. Einwohner haben werde. Sie wurden am darauffolgenden Morgen vom Bundesrat beruhigt, der 2000 Soldaten an die Grenze stellen will, um derlei Unfug zu verhindern.

Meine Konklusion, Margeret Thatcher folgend: „This country is not for turning.“ Prof. Ruh sagte besänftigtend, Fr. 1 500.— würden es pro Monat auch tun; aus dem Publikum kamen Stimmen: „1000 genügen auch.“

Ach ja, die Anstiftung zu einer neuen Lebensform geriet an diesem Abend in Vergessenheit. Die kommende Abstimmung vom 5. Juni zugunsten eines bedingungslosen Grundeinkommens gilt als längst gescheitert.

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