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Tagesarchiv für 7. März 2016

Ratlose Antiquare

Montag, den 7. März 2016 um 17:09

Die 21. Antiquariatsmesse in Zürich lieferte ein gutes Zeitbild und wirft gleichzeitig irritierende Fragen für die Zukunft auf. Ein traditionelles Geschäftsmodell erodiert in rasendem Tempo, Kundschaft schwindet und chronische Ratlosigkeit beherrscht die Szene. Wo in früheren Jahren die Bibliophilen unterschiedlichen Alters in regen Gesprächen fachsimpelten und die Verkaufenden in interessante Gespräche rund um das Buch verwickelten, herrscht heute ein tiefes Schweigen. Die Messefeierlichkeiten rund um das geschriebene Wort fanden ohne Publikum im eigenen Kreis statt. Umsätze sinken bei dramatisch steigendem Durchschnittsalter der Besucher.

Was ist geschehen? Gesellschaftliche Veränderungen wurden offensichtlich verschlafen. Auch hat man bis heute keine Wege gefunden, die elektronischen Medien für eine effektive und nachhaltige Interaktion mit dem eigenen Zielpublikum zu nutzen. Auf folgende Herausforderungen, die den „neuen Konsumenten“ prägen, müssen Antiquare eine Antwort finden:

  1. Im Freizeitbudget spielen Bücher eine abnehmende Rolle. Zu schnellen Aussenreizen ist das Buch, das Eigeninitiative und Ruhe abverlangt, keine eskapistische Alternative.
  2. Klassische Bildung erodiert. Informationen nehmen zu, der Wissensstand sinkt auf breiter Front und lässt historische Kontexte ins Vergessen entschwinden.
  3. Antiquarische Angebote über das Internet sind eine erstrangige Konkurrenz zu den Ladenlokalen. Kundenbetreuung und Beratung, auch über Social Media, wird zum Kerngeschäft. Der erfolgreiche Antiquar ist heute Sammlungsbetreuer, der seine Kunden kennt und sie beim Aufbau seiner Bibliotheken oder Buchwünsche mit Rat und Tat proaktiv unterstützt.

Antiquariate als stille Orte der kontemplativen Begegnung zwischen Büchern und Interessierten sind antiquarische Relikte aus vergangenen Tagen, wie aktuelle Eindrücke von Zürich belegen. Mehr denn je gilt es, unkonventionelle Wege zu finden, die neuen Kundensegmente an ihren Orten aktiv aufzusuchen und im globalen Raum gezielt abzuholen. Die Zeichen der Zeit müssen erkannt werden. Sie rufen nach neuen Perspektiven im Antiquariat jenseits physischer Ladengrenzen. Wer das nicht befolgt, landet in der Papiermühle.

 

 

 
     
     
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