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Ringier und NZZ greifen durch

22. Februar 2016 um 9:47

Das Ende von „Cicero“ hat in der Schweiz wenige berührt. Dabei war es der anspruchsvolle Versuch des Ringier Verlags, während 12 Jahren Deutschland eine politische Intellektuellen-Zeitschrift zu schenken. Frank A. Meyer, in der Schweiz mehrfach gescheiterter Chefpublizist des Ringier-Verlags, Botschafter des europäischen Citoyen, hat auch diese Niederlage zu verantworten. Sie bedeutet den Ausstieg des Ringier Verlags aus dem deutschen Markt; nicht einmal Partner Axel Springer wollte die im Markt nicht gefragte intellektuelle Ruine kaufen. Dass damit auch die Ringier-Kulturzeitschrift „Monopol“ zu Ende ging, interessiert noch weniger.

 

Es ist nicht nur eine Niederlage für Michael Ringier, sondern vor allem für Frank A. Meyer, der stets als intellektuelles Flaggschiff des Ringier Verlags gegolten hat. Der aus Biel stammende Salonsozialist, der sich das Gewand des „bourgeois“ umhängte, zeigte sich dem Ansturm des deutschen wie europäischen Kapitalismus’ intellektuell nicht gewachsen. Wo er den Bürger suchte, antworteten ihm nur Konsumenten, Höherem abgeneigt.

 

Für Ringier bedeutet dies eine notwendige Entlastung, für Deutschland nichts; das ist die schlimmste Botschaft für die Schweizer Edelfeder.

 

Fast gleichzeitig hat die NZZ ihre Regionalmedien „Luzerner Zeitung“ und „St. Galler Tagblatt“, mit zahlreichen Untertiteln der stärkste Regionalmedienverbund der Schweiz, zusammen gelegt. Das Chefredaktoren-Duo Bornhauser-Landmark ist zurückgetreten, weil es keinen neuen Publizistischen Leiter akzeptieren wollte. Beide Chefredaktoren, alten Denkweisen verpflichtet, machten damit deutlich, dass sie die Gesetze der kapitalistischen Akkumulation nicht verstanden: Zwei teure Schwache müssen gehen zugunsten eines starken Neuen. Dieser heisst Pascal Hollenstein und wartet auf seine Chance, die er nun bekommen hat.

 

Niemand weiss, ob dies das Werk von Veit Dengler, CEO der NZZ-Gruppe, ist. Der smarte Österreicher ist wenig zu vernehmen, ist die Sanierung des prestigereichsten Schweizer Verlags doch erst an ihrem Anfang. Die „Neue Zürcher Zeitung“ müht sich kräftig, den Lesermarkt mit atraktiven Geschichten aufzumischen. Sie hat mit Chefredaktor Eric Gujer, Inlandchef René Zeller und Feuilletonchef René Scheu ein starkes Team, das offensichtlich handlungswillig ist.

 

Bei dieser Gelegenheit sei auch der „Zeit“ gedacht, einer deutschen Wochenzeitung, die derzeit ein rundes Jubiläum feiert. Ihr Schweizer Kurzzeit-Chefredaktor Roger de Weck, Ziehkind von Helmut Schmidt, taucht darin kaum auf, es sei denn als Übergangskanzler vor wirklich starken Chefredaktoren. Die heutige „Zeit“, obwohl mit erfolgreicher Auflage, ist deutlich dünner gestrickt. Sie hat keinen Fritz J. Raddatz mehr, keinen Dieter E. Zimmer und einen Ulrich Greiner, dem das richtige Umfeld fehlt. Ein Theo Sommer verteidigt die alten Zeiten gegen die niveaulosen Fragen engagierter Jungjournalistinnen. Deutschland hat an intellektuellem Niveau verloren; „Cicero“ von Ringier brachte es nicht zurück.

2 Kommentare zu “Ringier und NZZ greifen durch”

  1. schwennicke

    welches Ende von Cicero?

  2. Spörri

    Der gute alte Stöhlker lässt sein provokatives Mundwerk spielen. Was solls !!

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