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Monatsarchiv für Februar 2016

Gottfried Honegger wird heimgeholt

Freitag, den 26. Februar 2016 um 16:24

Er nannte sich selbst „Ho“, die Bündner nannten ihn „Moli“, weil er, wie der Katalog von Jelmoli, einmal im Jahr in die abgelegenen Täler kam. Manche steigerten dies zu „Rumpel-Moli“, weil er, wenn er dies wollte, die Menschen bös anfahren konnte. Bruno Kammerer, Zürcher Star-Grafiker bis heute (VBZ), SP-Politiker und „Spanier des Herzens“, der dort Felipe Gonzalez, den jungen Ministerpräsidenten unterstützte, und zuletzt für Antonio Costa die linke Regierungsfront in Portugal aufzubauen half, nennt ihn „Honi“.

Die Rede ist von Zürichs bedeutendstem moralischem Ästheten, Gottfried Honegger, der im Pariser Exil ein Weltbürger war und in der Schweiz mit seinem Einsatz für die Konkrete Kunst das Goldene Zeitalter der Schweizer Grafik einleitete. Nur Max Frisch, sein Freund, motzte: „Er war nie konkret.“

Im Zürcher Volkshaus, wo Honi samstags duschen ging und heute die Jugend in den türkischen Hamam strömt, fanden sich im übervollen Weissen Saal vier Hundertschaften seiner Freunde ein. Die Hommage an Gottfried Honegger wurde zum Fest für einen der grossen Gestalter der modernen Schweiz, die sich dem industriellen Bauen und den flackernden Video-Installationen einer Pipilotti Rist hingegeben hat. Als Rumpel-Moli hätte er für beides kein Verständnis gehabt.

Vier Freunde schafften dieses Event-Wunder für Moli, wo sich die bürgerliche Stadt dem Künstler stets verweigert hatte und seine Freunde gezwungen waren, das Haus für Konkrete Kunst ins Leben zu rufen, das auch Ho’s Werk ist. Bruno Kammerer, Guido Magnaguagno, Peter Münger und Patrik Landolt ehrten den Seismographen Moli, der das „Zürcher Manifest“ formulierte und von Bruno Kammerer gestalten liess.

Kunst, Gesellschaft, Ethik und Moral trafen sich in Gottfried Honegger, der mit stoischer Weisheit den Gang der Weltgeschichte beschrieb. Der Architekt Mike Gujer nannte ihn an diesem Vorabend im Volkshaus einen „umfassend denkenden Menschen“.

Derlei war damals und ist auch heute nicht die höchste Priorität jener Zürcher, die nicht in Aussersihl, sondern am rechten Ufer der Sihl geboren sind. Noch immer zeigt sich Hilflosigkeit angesichts des Honegger’schen Werkes. Es wird in diesem Jahr vielerorts in der Schweiz noch zu sehen sein.

Schweizer Professoren stellen die Welt auf den Kopf

Dienstag, den 23. Februar 2016 um 16:13

Es ist äusserst mühsam, herauszufinden, was hoch bezahlte Uni-Professoren an unseren Schweizer Hochschulen treiben. Die offiziellen Jahresberichte bedienen sich einer Sprache und Darstellungsform, die den Zugang zur Information mehr erschwert als erleichtert.

Dennoch zeigen zwei Beispiele, dass es gerade Professoren an Schweizer Universitäten sind, die ganze Weltbilder infrage stellen können.

Volker Reinhardt, Historiker an der Universität Fribourg, die in hohem Masse katholisch geprägt ist, hat soeben bei C.H. Beck das Buch „Luther, der Ketzer. Rom und die Reformation“ vorgelegt. Darin wird aufgezeigt, wie „die gebildeten Italiener“ gegen die „barbarischen Deutschen“ Front bezogen, ganz so, als läge die Schlacht im Teutoburger Wald nicht 1500 Jahre zurück. Luther ist für die Südeuropäer ein zweiter Arminius.

Der Vatikan unterschätzte Luther und dessen Wirken, ganz wie Zentralmächte es immer schwer haben, von aussen kommende Barbaren zu bewerten. Ob wir Europäer die heutigen Vorgänge im Nahen Osten richtig bewerten, mag ebenso offen bleiben. Reinhardt, ein, was in Fribourg nicht erstaunt, romtreuer Autor, beschreibt den Luthersturm im Norden nicht ohne Sympathie. Das Versagen des Heiligen Stuhls wird erklärt, aber nicht bemäntelt.

Wo die Weltstädte ins Riesige anwachsen und Millionen Zuwanderer Westeuropa zu überfluten drohen, stellt sich die Frage: Ist günstiges Wohnen noch möglich? Die Antwort gibt Prof. Dietmar Eberle von der renommierten Eidg. Technischen Hochschule Zürich (ETHZ). Eberle will nicht mehr, wie dies heute der Fall ist, pro Person 50qm Wohnfläche zur Verfügung stellen, sondern wieder jenen neun Quadratmetern annähern, wie dies vor hundert Jahren in der Schweiz zutraf. Im chinesischen Nanjing, so argumentiert er, erhalte man für ein durchschnittliches Jahresgehalt drei Quadratmeter Wohnraum, in Zürich 12 qm. Eberle folgert: Wir verbrauchen zu viel Platz und meint, die meisten Menschen würden ohnehin lieber in einer Stadt und damit enger wohnen.

Revolutionäre Anstösse aus der Schweiz? Ja, aber auf einer Flughöhe, die kaum bemerkt wird.

Ringier und NZZ greifen durch

Montag, den 22. Februar 2016 um 9:47

Das Ende von „Cicero“ hat in der Schweiz wenige berührt. Dabei war es der anspruchsvolle Versuch des Ringier Verlags, während 12 Jahren Deutschland eine politische Intellektuellen-Zeitschrift zu schenken. Frank A. Meyer, in der Schweiz mehrfach gescheiterter Chefpublizist des Ringier-Verlags, Botschafter des europäischen Citoyen, hat auch diese Niederlage zu verantworten. Sie bedeutet den Ausstieg des Ringier Verlags aus dem deutschen Markt; nicht einmal Partner Axel Springer wollte die im Markt nicht gefragte intellektuelle Ruine kaufen. Dass damit auch die Ringier-Kulturzeitschrift „Monopol“ zu Ende ging, interessiert noch weniger.

 

Es ist nicht nur eine Niederlage für Michael Ringier, sondern vor allem für Frank A. Meyer, der stets als intellektuelles Flaggschiff des Ringier Verlags gegolten hat. Der aus Biel stammende Salonsozialist, der sich das Gewand des „bourgeois“ umhängte, zeigte sich dem Ansturm des deutschen wie europäischen Kapitalismus’ intellektuell nicht gewachsen. Wo er den Bürger suchte, antworteten ihm nur Konsumenten, Höherem abgeneigt.

 

Für Ringier bedeutet dies eine notwendige Entlastung, für Deutschland nichts; das ist die schlimmste Botschaft für die Schweizer Edelfeder.

 

Fast gleichzeitig hat die NZZ ihre Regionalmedien „Luzerner Zeitung“ und „St. Galler Tagblatt“, mit zahlreichen Untertiteln der stärkste Regionalmedienverbund der Schweiz, zusammen gelegt. Das Chefredaktoren-Duo Bornhauser-Landmark ist zurückgetreten, weil es keinen neuen Publizistischen Leiter akzeptieren wollte. Beide Chefredaktoren, alten Denkweisen verpflichtet, machten damit deutlich, dass sie die Gesetze der kapitalistischen Akkumulation nicht verstanden: Zwei teure Schwache müssen gehen zugunsten eines starken Neuen. Dieser heisst Pascal Hollenstein und wartet auf seine Chance, die er nun bekommen hat.

 

Niemand weiss, ob dies das Werk von Veit Dengler, CEO der NZZ-Gruppe, ist. Der smarte Österreicher ist wenig zu vernehmen, ist die Sanierung des prestigereichsten Schweizer Verlags doch erst an ihrem Anfang. Die „Neue Zürcher Zeitung“ müht sich kräftig, den Lesermarkt mit atraktiven Geschichten aufzumischen. Sie hat mit Chefredaktor Eric Gujer, Inlandchef René Zeller und Feuilletonchef René Scheu ein starkes Team, das offensichtlich handlungswillig ist.

 

Bei dieser Gelegenheit sei auch der „Zeit“ gedacht, einer deutschen Wochenzeitung, die derzeit ein rundes Jubiläum feiert. Ihr Schweizer Kurzzeit-Chefredaktor Roger de Weck, Ziehkind von Helmut Schmidt, taucht darin kaum auf, es sei denn als Übergangskanzler vor wirklich starken Chefredaktoren. Die heutige „Zeit“, obwohl mit erfolgreicher Auflage, ist deutlich dünner gestrickt. Sie hat keinen Fritz J. Raddatz mehr, keinen Dieter E. Zimmer und einen Ulrich Greiner, dem das richtige Umfeld fehlt. Ein Theo Sommer verteidigt die alten Zeiten gegen die niveaulosen Fragen engagierter Jungjournalistinnen. Deutschland hat an intellektuellem Niveau verloren; „Cicero“ von Ringier brachte es nicht zurück.

Schweiz unter deutscher Aufsicht

Dienstag, den 16. Februar 2016 um 13:57

Wir haben uns daran gewöhnt, dass unsere Banken, seit einem guten halben Jahr auch die FIFA, unter US-amerikanischer Kontrolle stehen. Die Credit Suisse-Group, ein mehrheitlich katarisch-ägyptisches Unternehmen, deren Aktien gerade in bisher ungesehene Tiefen abstürzen, hat sogar ein US-Anwaltsteam im Hause, das auf Kosten der Bank alle Bewegungen überwachen darf.

Jetzt melden sich auch vermehrt Deutsche, welche Aufsicht über die Schweiz führen wollen. Die elegante Berliner Staatssekretärin Rita Schwarzelühr-Sutter vom deutschen Ministerium für Umwelt, sagt öffentlich: „Die Vorgänge im AKW Leibstadt sind Indizien für eine unzureichende Sicherheitskultur.“ Sie bezieht sich auf die deutsche Reaktorsicherheitsbehörde, die ihren Glauben an Schweizer Ingenieurskunst wohl verloren hat.

Was US-Justizministerin Loretta Lynch am Beispiel der FIFA durchexerziert, die Herrschaft über Schweizer Belange, darf offensichtlich auch einer deutschen Staatssekretärin nicht verboten werden. Das erinnert mich an die spanische Herrschaft über die Niederlande im 16. Jahrhundert. Die Niederländer erkämpften sich ihre Freiheit, die wir zu verlieren im Begriff sind.

Schon lange steht der Flughafen Zürich-Kloten unter deutscher Kontrolle. Unsere Flughafendirektion darf Services bieten, die Putzfrauen kontrollieren und allerlei Produkte verkaufen, aber der Flugbetrieb selber wird weitgehend von der deutschen Lufthansa bestimmt, die in der Schweiz unter dem Decknamen Swiss fliegt. Die Air Berlin als zweitgrösster Anbieter in Kloten kommt aus Berlin, vertritt aber arabische Interessen, was den Schweizer Einfluss nicht vergrössert.

Wir sind unter Kuratel.

Italienische Sitten im Wallis

Mittwoch, den 10. Februar 2016 um 15:18

Der um seinen touristischen Ruf kämpfende Kanton Wallis hat für die Verbesserung des Belags in den von Schnee und Eis beschädigten Strassen für das Jahr 2016 keinen einzigen Franken eingesetzt. Damit müssen die Touristen nach dem Ende der Schneeschmelze um Schlaglöcher herum fahren, die höchstens mit „Unebenheiten“ gekennzeichnet sind.

Was wir sonst nur aus Italien kennen, erreicht nun auch die südlichen Kantone der Schweiz. Man gibt sein Geld für Prestigeprojekte, wie die merkwürdige Weltausstellung in Milano, aus. Wo der dann gewonnene Tourist wirklich anfährt, muss er auf Räder, Reifen und die Achsen achten, damit er nicht vorzeitig stecken bleibt.

Merke: Zuerst kommt die Erhaltung und Verbesserung eines guten Produktangebots. Wer dies versäumt, muss sich über ausbleibende Gäste nicht wundern.

Wie saniert man Seilbahnen? Beispiel Gstaad

Dienstag, den 2. Februar 2016 um 13:25

Die wohlhabende Berner Gemeinde Gstaad hat zwei seit Jahren stagnierende Seilbahnen saniert. Dazu haben die Kantone Bern, Waadt und einige Private 40 Millionen Schulden abgeschrieben. Milliardär Ernesto Bertarelli hat mit Freunden nun die Bergbahnen Gstaad saniert und darf dafür auf dem sonnigen Rellerli eine private Luxuslodge bauen. Die bisher dort hinauf führende Bergbahn für die Öffentlichkeit wird abgebaut; Privatfahrten auf den Berg, mit Ausnahme derjenigen Bertarellis und seiner Freunde sind verboten. Die Gondelbahn auf das beliebte Eggli wird mit acht Millionen Franken von anderen Privatiers saniert. Diese dürfen dafür im Berghaus Eggli einen Privatclub verwirklichen.

Dieses „Gstaader Modell“ sollten sich auch andere Schweizer Berggemeinden zum Vorbild nehmen. Wer zu wenig eigene Milliardäre und Millionäre aufweist, muss dann selber in die Tasche greifen oder die Anlagen schliessen.

Schweizer Bauern – die USA läuten das Ende ein

Montag, den 1. Februar 2016 um 9:05

Die USA wollen ein Handelsabkommen mit der EU, dem auch die Schweiz beitreten will: TTIP. Martin Naville, CEO der Swiss-American Chamber of Commerce, ein Club, der den meisten Schweizern unbekannt ist, sagt es sonnenklar: „Bauern dürfen uns nicht im Wege stehen.“

Naville, ein Schweizer aus den USA, sagt, die Bauern würden nur 0,7% der Schweizer Wirtschaftsleistung ausmachen. Er wolle die Schweizer Landwirte „nicht vor den Zug werfen“, aber sie dürften der Wirtschaft nicht im Wege stehen.

Die erfolgreiche Schweizer Bauernlobby muss aufrüsten, um diesem Druck stand zu halten. Bundesrat Johannes Schneider-Ammann ist ein Industrievertreter, der, obwohl Emmentaler, keinen Finger rühren wird, seine Bauern zu retten.

Die Schweizer Landwirtschaftslobby steht vor ihrer grössten Herausforderung. Die USA wollen in den europäischen und schweizerischen Markt eindringen; wer klein ist, soll Platz machen.

 
     
     
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