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Tagesarchiv für 20. Januar 2016

Europa verliert das Spiel um die FIFA-Spitze

Mittwoch, den 20. Januar 2016 um 13:45

Der grösste Fehler der Schweizer Verleger und ihrer Chefredaktoren war es, die Berichterstattung über die Ereignisse in der FIFA ihren Sportredaktionen zu überlassen. Keiner der verantwortlichen Sportredaktoren war in der Lage, den Blick vom grünen Rasen zu heben und seinen Lesern zu vermitteln, worum es bei der FIFA geht. Im Allgemeinen kam es zu einer Skandalberichterstattung, wo der Zürcher „Tagesanzeiger“ sich von der „Süddeutschen Zeitung“ beliefern liess, die „Neue Zürcher Zeitung“ gab sich elegant desorientiert, die Ringier-Redaktionen wühlen im Ungefähren und die SRG-Sender suchten den Skandal, um nicht ernsthaft recherchieren zu müssen.

Dabei hätten die Alarmglocken spätestens am 18. Januar 2016 läuten müssen, als die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ aus der Feder von Christoph Becker publizierte: „Der Scheich taugt nicht.“ Gemeint war der bahrainische Scheich Salman bin Ebrahim Al Khalifa, der Präsident der Asiatischen Fussballföderation und bekannt als Förderer von Thomas Bach, dem aus Deutschland stammenden Präsidenten des IOC.

Die „Frankfurter Allgemeine“, Sprachrohr des Deutschen Fussballbundes, benutzte einen Aufruf der Grünen-Politikerin Claudia Roth, um die Kandidatur des ebenso mächtigen wie eleganten Bahraini, als Nachfolger des Wallisers Joseph S. Blatter die FIFA zu führen, infrage zu stellen.

Die Deutschen sind spät erwacht, mit ihnen der Europäische Fussballverband, die UEFA, denn Sheikh Salman hat nicht nur die asiatischen Mitglieder seines Verbandes hinter sich, sondern viele Afrikaner und wohl sonst auch manchen Mitläufer aus der ganzen Welt. Es sieht ganz danach aus, als würde er am 26. Februar 2016 zum neuen FIFA-Präsidenten gewählt. Damit ist nach über 100 Jahren die Zeit der europäisch gesteuerten FIFA zu Ende gegangen.

Sepp Blatter, der immer unterschätzte Walliser, der Mann, der in vierzig Jahren den Weltfussball mit einem geschätzten Umsatz von über 300 Milliarden USD schuf, war wohl der letzte Europäer, der diese Weltorganisation mit 209 Mitgliedern führen durfte. Nur langsam dürfte es den Schweizer Sportjournalisten dämmern, was die Schweiz und Europa damit verlieren. Während das FIFA-Museum in Zürich eröffnet wird, das, wie das „Home of FIFA“ ein Werk Blatters ist, übernehmen Nichteuropäer am Zürichberg die Kontrolle.

Eine Blamage ist dies vor allem für die reichen Fussballclubs Europas, die Deutschen, die Italiener, die Spanier, Holländer und Engländer, die immer glaubten, mehr als die armen Clubs dieser Welt zu sein. Ob sie es wagen, eine eigene Weltliga zu gründen, die unabhängig von der FIFA eigene Weltmeisterschaften durchführt, bleibt abzuwarten.

Unter den Arabern hat Sheikh Salman einen Gegner, Prinz Ali, Sohn Husseins, aus Jordanien. Wie Jordanien, vergleichbar mit Costa Rica, Hawai oder Haiti, abhängig ist von den USA, kann Prinz Ali, der nicht einmal die Unterstützung seiner arabischen Freunde hat, kaum damit rechnen, Sepp Blatters Nachfolger zu werden. Ali ist der Strohmann der US-Amerikaner, die mit eiserner Faust heute die FIFA unter Kontrolle haben. Wenn die US-Justiz, an der Spitze Loretta Lynch, der alten FIFA-Spitze die Rechnung macht, wird dies, wie heute schon der Fall, die FIFA Millionen kosten, aber es ist nicht damit zu rechnen, dass der Weltfussball unter amerikanische Kontrolle kommt. Sepp Blatter sagte einmal: „Wären die Weltmeisterschaften 2022 an die USA vergeben worden, hätte es keine Prozesse gegen die FIFA gegeben.“ Michael Platini, gescheiterter Kronprinz, war es, der im Auftrag von Nicolas Sarkozy, Sepp Blatter eine Abseitsfalle stellte und sich damit selber ins Aus schoss.

Von all dem haben die Schweizer Sportjournalisten nichts gemerkt. Eine Ausnahme gab es, Roger Köppel, selbst einmal Mitglied der Sportredaktion der „Neue Zürcher Zeitung“, heute Eigentümer der „Weltwoche“, dessen Unabhängigkeit bei anderen Furcht erregt.

Ob Sheikh Salman den Europäern wenigstens noch den Generalsekretär der FIFA zuhält? Zuzutrauen wäre es ihm, denn die ihn auszeichnenden diplomatischen Fähigkeiten, verbunden mit Macht und Geld, stehen den anderen Kandidaten nicht zur Verfügung. Sepp Blatter, welcher der FIFA den Weg in die Welt öffnete, hat keinen Grund, mit dieser Lösung unzufrieden zu sein.

 
     
     
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