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Monatsarchiv für Januar 2016

Die Sterne verglühen

Freitag, den 29. Januar 2016 um 16:29

Zuerst erwischte es Eric Sarasin, letzter der einst prominenten Basler Bankiers-Sippe, der als Präsident der Handelskammer Deutschland-Schweiz zurücktreten musste. Aus dem deutschen Steuerbetrugs-Skandal seiner Bank kaufte er sich mit 200 000 Euro frei. Die Bank, jetzt im Besitz der libanesisch-brasilianischen Safra-Familie, muss weitere Sarasin-Altlasten bewältigen.

Martin Senn, bisher grandios auftretender CEO der Zürich Versicherungen, musste nicht nur den Job kurzfristig aufgeben, sondern ist jetzt auch als Präsident der Swiss-American Chamber of Commerce zurückgetreten. Seine Art der Geschäftsführung, der auch Joe Ackermann zum Opfer fiel, der auf Änderungen drängte, war nicht mehr zeitgemäss.

Jetzt trifft es auch Beatrice Weder di Mauro. Sie war ein Schützling von Wirtschaftsminister Wolfgang Clement, ganz wie die nicht minder attraktive Miriam Meckel auch, die heute als Chefredaktorin der deutschen „Wirtschaftswoche“ amtiert und an der Hochschule St. Gallen beurlaubt ist. Weder die Mauro wurde (warum nur?) deutsche Wirtschaftsweise und zog in grosse Verwaltungsräte ein. Jetzt muss sie bei Roche wieder gehen und der UBS-Konzern hat sie auf die Abschussliste gestellt.

Die Zeit der attraktiven „Wonderwomen“ geht nur deshalb langsam zu Ende, weil der Zeitgeist Frauen in Spitzenpositionen verlangt. Monika Ribar, die jetzt als Präsidentin die SBB übernehmen soll, ist ein gutes Beispiel dafür. Während die Schweizer Medien, darunter viele Journalistinnen, die Ribar zur Zeit ihres Engagements für Panalpina hochjubelten, gab und gibt es heute keinen Topmanager, der sie für ihre seinerzeitigen Leistungen lobt. Bei den SBB spielt dies kaum eine Rolle, da deren Milliardenlöcher ohnehin vom Steuerzahler auf Jahrzehnte hinaus beglichen werden müssen.

In allen drei Fällen haben die Fehlbeurteilungen massgeblicher Schweizer Medien zu teuren Scheinleistungen beigetragen, indem den Lesern falsche Bilder übermittelt wurden.

Unterschreiben echte Bosse blind?

Freitag, den 22. Januar 2016 um 13:45

Schon Franz Beckenbauer, der Deutschland das Fussball-„Sommermärchen“ gebracht hat, sagte in der Bestechungsfrage: „Ich habe doch nur unterschrieben.“ Gelesen will er nie haben, was er unterschrieben hat. Das sei bei der Menge der Verträge und Post gar nicht möglich gewesen.

Gut, das ist Fussball, den man ohnehin nicht zu ernst nehmen sollte. Aber Eric Sarasin, kein unbekannter Basler Banker, der sich mit Euro 200 000.— vom Gerichtsverfahren freigekauft hat, hat vor deutschen Richtern nun auch ausgesagt: „Ich habe nur unterschrieben, was man mir vorgelegt hat.“ Immerhin sei er erschrocken, ob der hohen Provisionen, die damit verbunden gewesen seien.

Der eine Topmanager liest gleich gar nicht, was er unterschreibt, der andere unterschreibt, weil man es ihm vorlegt. Wahrscheinlich kommt derlei in Wirtschaft, Fussball und Politik häufiger vor, als der gläubige Bürger wie Fan anzunehmen bereit ist.

Keine Wärme am WEF

Donnerstag, den 21. Januar 2016 um 10:37

Prof. Dr. Klaus Schwab, der beste Partymanager der Welt, sah sich in der Vergangenheit dem Friedensnobelpreis schon näher, als dies heute der Fall ist. Unterstützt von einem gestürzten deutschen Wirtschaftsminister, Philipp Rösler, und tausend Mitgliedern seines Weltklasse-Forums, will er den sicher darob gelangweilten 1300 weiteren Gästen des Forums „Die vierte industrielle Revolution“ nahe bringen, ein Thema, das schon seit mehr als fünf Jahren die besten Geister beschäftigt.

Siemens-Chef Joe Kaeser lobt Davos als „Einzigartigen Marktplatz“. Sollte er die Finanzergebnisse seines Konzerns in diesem Jahr nicht auf Vordermann bringen, ist seine Teilnahme im kommenden Jahr nicht mehr gesichert, ganz wie es Joe Ackermann erleben musste, der mangels tragender Funktionen im obersten Management schon vor einem Jahr das Handtuch werfen musste.

Schwab gibt seit Jahrzehnten vor, die Welt zu retten. In diesem Jahr nennt sich die Zauberformel „Humanitarian Impact“-Initiave, wo Königin Rania von Jordanien und Peter Maurer vom IKRK in Genf die Supermanager der Welt darum bitten, nicht Geld, sondern eigene Produkte zur Verfügung zu stellen, um jene 52% der Menschheit zu retten, die total ebenso viel verdienen wie die 62 Reichsten der Welt.

Leonardo di Caprio, der talentierte schottische Geschichtsplauderer Niall Ferguson und UBS-Präsident Axel Weber als Grossbanken-Guru werden Rationalität fordern, wo global fünf Millionen Arbeitsplätze noch in den kommenden fünf Jahren auf dem Spiel stehen, die von den digitalen Wunderkindern vernichtet werden. Sebastian Vettel und Bertrand Piccard fordern deshalb zu neuen Extremleistungen auf.

Weil nirgendwo Optimismus zu spüren ist, die zunehmende soziale Kälte das Davoser Klima weiter verschlechtert und der globalen Demonstration des Pessimismus in Davos nicht einmal eine Gegendemonstration die Ehre erweist, sind die sündteuren Sicherheitsmassnahmen des Bundes ebenso wenig der Rede wert wie das Welcome unseres Bundespräsidenten, das jene gepflegte Langeweile aufweist, die der Situation keineswegs angemessen ist.

Es geht heuer in Davos weniger um Zerstören und Erschaffen gemäss Weber’scher Maxime, sondern um Aufbruch für wenige, Abbruch für viele und Hoffnung für noch mehr, die sich in die Zukunft treiben lassen.

Europa verliert das Spiel um die FIFA-Spitze

Mittwoch, den 20. Januar 2016 um 13:45

Der grösste Fehler der Schweizer Verleger und ihrer Chefredaktoren war es, die Berichterstattung über die Ereignisse in der FIFA ihren Sportredaktionen zu überlassen. Keiner der verantwortlichen Sportredaktoren war in der Lage, den Blick vom grünen Rasen zu heben und seinen Lesern zu vermitteln, worum es bei der FIFA geht. Im Allgemeinen kam es zu einer Skandalberichterstattung, wo der Zürcher „Tagesanzeiger“ sich von der „Süddeutschen Zeitung“ beliefern liess, die „Neue Zürcher Zeitung“ gab sich elegant desorientiert, die Ringier-Redaktionen wühlen im Ungefähren und die SRG-Sender suchten den Skandal, um nicht ernsthaft recherchieren zu müssen.

Dabei hätten die Alarmglocken spätestens am 18. Januar 2016 läuten müssen, als die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ aus der Feder von Christoph Becker publizierte: „Der Scheich taugt nicht.“ Gemeint war der bahrainische Scheich Salman bin Ebrahim Al Khalifa, der Präsident der Asiatischen Fussballföderation und bekannt als Förderer von Thomas Bach, dem aus Deutschland stammenden Präsidenten des IOC.

Die „Frankfurter Allgemeine“, Sprachrohr des Deutschen Fussballbundes, benutzte einen Aufruf der Grünen-Politikerin Claudia Roth, um die Kandidatur des ebenso mächtigen wie eleganten Bahraini, als Nachfolger des Wallisers Joseph S. Blatter die FIFA zu führen, infrage zu stellen.

Die Deutschen sind spät erwacht, mit ihnen der Europäische Fussballverband, die UEFA, denn Sheikh Salman hat nicht nur die asiatischen Mitglieder seines Verbandes hinter sich, sondern viele Afrikaner und wohl sonst auch manchen Mitläufer aus der ganzen Welt. Es sieht ganz danach aus, als würde er am 26. Februar 2016 zum neuen FIFA-Präsidenten gewählt. Damit ist nach über 100 Jahren die Zeit der europäisch gesteuerten FIFA zu Ende gegangen.

Sepp Blatter, der immer unterschätzte Walliser, der Mann, der in vierzig Jahren den Weltfussball mit einem geschätzten Umsatz von über 300 Milliarden USD schuf, war wohl der letzte Europäer, der diese Weltorganisation mit 209 Mitgliedern führen durfte. Nur langsam dürfte es den Schweizer Sportjournalisten dämmern, was die Schweiz und Europa damit verlieren. Während das FIFA-Museum in Zürich eröffnet wird, das, wie das „Home of FIFA“ ein Werk Blatters ist, übernehmen Nichteuropäer am Zürichberg die Kontrolle.

Eine Blamage ist dies vor allem für die reichen Fussballclubs Europas, die Deutschen, die Italiener, die Spanier, Holländer und Engländer, die immer glaubten, mehr als die armen Clubs dieser Welt zu sein. Ob sie es wagen, eine eigene Weltliga zu gründen, die unabhängig von der FIFA eigene Weltmeisterschaften durchführt, bleibt abzuwarten.

Unter den Arabern hat Sheikh Salman einen Gegner, Prinz Ali, Sohn Husseins, aus Jordanien. Wie Jordanien, vergleichbar mit Costa Rica, Hawai oder Haiti, abhängig ist von den USA, kann Prinz Ali, der nicht einmal die Unterstützung seiner arabischen Freunde hat, kaum damit rechnen, Sepp Blatters Nachfolger zu werden. Ali ist der Strohmann der US-Amerikaner, die mit eiserner Faust heute die FIFA unter Kontrolle haben. Wenn die US-Justiz, an der Spitze Loretta Lynch, der alten FIFA-Spitze die Rechnung macht, wird dies, wie heute schon der Fall, die FIFA Millionen kosten, aber es ist nicht damit zu rechnen, dass der Weltfussball unter amerikanische Kontrolle kommt. Sepp Blatter sagte einmal: „Wären die Weltmeisterschaften 2022 an die USA vergeben worden, hätte es keine Prozesse gegen die FIFA gegeben.“ Michael Platini, gescheiterter Kronprinz, war es, der im Auftrag von Nicolas Sarkozy, Sepp Blatter eine Abseitsfalle stellte und sich damit selber ins Aus schoss.

Von all dem haben die Schweizer Sportjournalisten nichts gemerkt. Eine Ausnahme gab es, Roger Köppel, selbst einmal Mitglied der Sportredaktion der „Neue Zürcher Zeitung“, heute Eigentümer der „Weltwoche“, dessen Unabhängigkeit bei anderen Furcht erregt.

Ob Sheikh Salman den Europäern wenigstens noch den Generalsekretär der FIFA zuhält? Zuzutrauen wäre es ihm, denn die ihn auszeichnenden diplomatischen Fähigkeiten, verbunden mit Macht und Geld, stehen den anderen Kandidaten nicht zur Verfügung. Sepp Blatter, welcher der FIFA den Weg in die Welt öffnete, hat keinen Grund, mit dieser Lösung unzufrieden zu sein.

Die Schweizer Armee ist keine Gefahr

Dienstag, den 19. Januar 2016 um 11:22

In der Türkei hat die Armee, die auch ein grosser Wirtschaftskonzern ist, manche Regierung gestürzt und neu geschaffen. Tayyib Erdogan hat seine Armee nun zum Instrument gemacht. In Ägypten und Pakistan war dies nie viel anders. In den USA beherrscht „der militärisch-industrielle Komplex“ seit Dwight D. Eisenhower grosse Teile der Politik. John F. Kennedy, der sich dem entgegen stellte, wurde ermordet.

In der Schweiz ist die Armee innenpolitisch keine Gefahr. Armeechef André Blattmann sieht sich nicht als „General“, sondern als Angestellter des Bundesrats. Sein strategisches Fazit lautet: „Überall ist mehr Spannung drin und man weiss nicht, was rauskommt.“ Um noch als Armee wahrgenommen zu werden, erhält er fünf Milliarden Franken Steuergelder pro Jahr, die er zur Erhaltung seiner Friedenstruppe einsetzen darf.

Die Schweizer Offiziere, vor 20 Jahren noch ein innenpolitischer Machtfaktor, treffen sich zu Kaffeekränzchen frustrierter Kalter Krieger. Die Lobbyisten reiben sich die Hände, geht es doch um neue Flugzeuge (Gripen?), viel IT und Funk sowie Instandhaltung. Mangels Gegner gibt es nichts zu verteidigen, aber manches zu verteilen.

Joseph Deiss im Abseits

Freitag, den 15. Januar 2016 um 14:10

„Herr Deiss wird sich zunächst nicht äussern können“, heisst es aus der Zentrale von General Electric in Deutschland. Gemeint ist unser alt CVP-Bundesrat Joseph Deiss, der als VR-Präsident von Alsthom in der Schweiz in der Region Baden 1 300 Arbeitsplätze abbauen muss.

Selten deutlich wird daraus erkennbar, wie machtlos Schweizer VR-Präsidenten ausländischer Konzerne sind. Sie sind die Aushängeschilder ihrer mächtigen Aktionäre, seien diese aus den USA, Ägypten, den arabischen Emiraten oder, neuerdings, aus China. Dem Schweizer Volk wird der Eindruck vermittelt, Schweizer Topmanager- oder Politikstars hätten in diesen Firmen etwas zu sagen. Der im Abseits stehende Joseph Deiss zeigt mir aller Klarheit, wie sehr er für ein anständiges Honorar als Beigabe zur Bundesrats-Rente käuflich geworden ist. Als Familienpolitiker der CVP diskreditiert er gleichzeitig seine Partei; er kann sich damit die trösten, in dieser Taglöhner-Klasse nicht der Einzige zu sein.

Die Aargauer Politiker flattern wie aufgescheuchte Spatzen durch die Öffentlichkeit. Der Badener FDP-neu-Nationalrat Thierry Burkart sagt pflichtgemäss „Ich war schockiert.“ SP-Star, Ständerätin Pascale Bruderer, kann für ihr Aargauer Wahlvolk auch wenig tun und sagt: „…macht mich sehr betroffen“, will aber mit Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann sprechen, von dem wir schon heute wissen, dass er auch nichts tun kann.

Ergo: Die Schweiz hat die Kontrolle über ihre grössten Konzerne längst verloren. Einige Politiker, Anwälte und Manager, verdienen damit als Aushängeschilder noch gutes Geld.

Konsument zahlt gescheiterte Energiepolitik

Donnerstag, den 14. Januar 2016 um 8:35

Bereits siebzig Prozent aller Schweizer Grosskunden versorgen sich mit billigem Strom aus der EU. Bundesrätin Doris Leuthard hat nun die von ihr versprochene Liberalisierung unseres Strommarkts auch für „Normalkunden“ auf den St. Nimmerleinstag verschoben. Die Schweizer Elektrizitätswerke, die mehrheitlich den Gemeinden und Kantonen gehören, würden jährlich Hunderte von Millionen Franken verlieren, wenn auch die Normalkonsumenten im Ausland günstigen Strom einkaufen würden.

Die Schweizer Energiepolitik à la Doris Leuthard ist gescheitert, weil der Schweizer Konsument seither nur mit steigenden Strompreisen konfrontiert ist. Während Grosseinkäufer davon weitgehend dispensiert sind, müssen „Hans und Heiri“ eine Energiewende finanzieren, deren Erfolg in den Sternen steht. Das „grüne Denkmal“, welches die Aargauer Anwältin mit dem Verkaufstalent eines Bill Clinton für sich bauen wollte, wird, ganz wie die ägyptischen Pyramiden auch, mit dem Schweiss des Volkes aufgerichtet. Man kann nur ahnen, wann diese Konstruktion kracht. Dass sie es tun wird, ist nicht zu bezweifeln, aber alt Bundesräte haben dafür kein Musikgehör mehr.

 
     
     
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