Über uns Dienstleistungen Agenda Medien Publikationen Kontakt  

Weblog

Monatsarchiv für Dezember 2015

Schlechter Journalismus zu überhöhtem Preis

Montag, den 28. Dezember 2015 um 8:53

Seit Jahrzehnten lese ich die deutsche „WirtschaftsWoche“, die gute und schlechte Chefredaktoren hatte. Manche wurden PR-Berater (Tichy und Baron); letzterer als Zudiener von Josef Ackermann in dessen Funktion als wenig glücklicher Chef der Deutschen Bank, weil er „endlich einmal richtig Geld verdienen“ wollte. Baron war auf jeden Fall weitaus besser und erfolgreicher als es Ackermanns US-Berater waren, die von Deutschland und Europa kaum etwas verstanden.

Jetzt hat die „Wirtschaftswoche“ eine beurlaubte HSG-Professorin und nebenberufliche PR-Beraterin als Chefredaktorin, Miriam Meckel.

Derlei spielt eine Rolle, wenn Meckel eine Frau im Interview vorstellt, welche als Aufsichtsratschefin des Henkel-Konzerns die „Gläserne Decke“ offensichtlich durchbrechen konnte. Man liest mit Interesse, dass Frau Simone Bagel-Trah, eine promovierte Mikrobiologin, die Merkel’sche Politik des „Wir schaffen das schon!“ unterstützt und das Volk dazu auffordert: „Wir werden noch eine Zeit der Ungewissheit aushalten müssen.“ Ganz offensichtlich gilt dies nicht für sie, denn sie betont, das Familienvermögen sei gut investiert und Henkel-Vorstandschef Kasper Rorsted „in Ordnung“.

Erst im letzten Absatz des mehrseitigen Interviews erfahren wir, dass die begabte Topmanagerin in Wirklichkeit die Grossnichte ihres Grossonkels Konrad Henkel ist. Ganz klein gedruckt, wurde auf der Startseite darauf hingewiesen, sie sei die Ururenkelin von Unternehmensgründer Fritz Henkel.

Warum sage ich, dies sei schlechter Journalismus zu überhöhtem Abonnementspreis? Die Erbin einer der reichsten deutschen Milliardärsfamilien ist in die Schuhe ihrer Vorfahren geschlüpft. Sie vertritt im Aufsichtsrat als dessen Präsidentin die Aktionärsinteressen. Nicht einmal ein Finanzanalyst kann mit solchen Wohlfühl-Interviews viel anfangen. Chefredaktorin Miriam Meckel deckt die inneren Zusammenhänge nur am Rande und spät auf. Gute PR, von Frau zu Frau, sonst aber ein Zeitverlust.

Stiller Auszug eines Revolutionärs

Donnerstag, den 24. Dezember 2015 um 9:43

Als er nach zehn Jahren Gefängnis in Sibirien in der Schweiz landete, nahm er Sitz im stillen Rapperswil. Von dessen Seerücken aus organisierte er zusammen mit seinem Sohn die Revolution in Russland. Hundert Jahre nach Lenin wollte Chodorkowski wiederholen, was seinem marxistischen Vorläufer gelang, die russische Regierung zu stürzen. Die Zarenfamilie überlebte den Angriff Lenins nicht, Chodorkowski rief am 9. Dezember die neue Revolution in Russland aus. Wladimir Putin, uneingeschränkter Herrscher im Moskauer Kreml, sitzt noch auf seinen vergoldeten Sesseln.

Lenins Schreibtisch, an welchem er „Die Fackel“ und „Was tun?“ formulierte, steht noch immer in Zürich. Was Chodorkowski uns hinterlassen hat, ist noch unbekannt. Vielen war nicht ganz wohl, dass der wohlgelittene Asylant, nicht weit entfernt von der Rapperswiler Burg, die den polnischen Revolutionären gegen die Russen Heimat bietet, sein wenig koscheres Tun entfaltete. Vielleicht war es ein diskreter Hinweis aus Bern, der ihn veranlasste, die Eidgenossenschaft zu verlassen, um in London Sitz zu nehmen.

Die Schweiz ist kein sicherer Aufenthaltsort mehr für Menschen, deren Tun und Planen nicht mehr den Richtlinien der Aufsichtsbehörden entspricht. Während die lateinamerikanischen FIFA-Topfunktionäre im Zürcher Hotel Baur au Lac vor dem Frühstück abgefangen wurden, liess man Chodorkowski, von dessen Tun und Planen niemand etwas wissen wollte, durch die Netze der Geheimdienste schlüpfen. Immerhin ist er ein Freund des Westens, der die USA darin unterstützt, das ungute Tun Putins vorzeitig zu beenden.

Die Cameron’sche Regierung, einer englischen Tradition folgend, ist grosszügiger als die schweizerische in Fragen revolutionärer Tätigkeit. Die Schweiz hatte immer den Ruf, politische Flüchtlinge aufzunehmen, aber die Engländer waren es, die es wirklich dauerhaft getan haben. Auch die französischen Präsidenten von de Gaulle bis Mitterrand waren bekannt dafür, afrikanischen Revolutionären oder solchen aus Asien Asyl zu bieten. Nicht immer ging dies für den Westen gut es, denn der Pariser Küchengehilfe Ho Tschi Minh führte in Indochina/Vietnam den Aufstand gegen Franzosen und US-Amerikaner an. Ajatollah Khomenei, unweit von Paris wohnend, flog dann nach Teheran, um dort Schah Pahlevi samt Familie zum stürzen.

Am Standort Genf, der internationalsten Schweizer Stadt, gab es immer wieder Gruppen und Grüppchen aus aller Welt, die den Regierungen ihrer Heimatstaaten schlecht gesinnt waren. Benito Mussolini erhielt von der Universität Lausanne den Ehrendoktor. In der Deutschen Schweiz, und vor allem in der Ostschweiz, war man vorsichtiger. Wer auffiel, wurde rasch aus dem Lande expediert.

Nun ist Chodorkowski wieder weg; wahrscheinlich ist es besser so.

Machen „Unternehmer des Jahres“ Sinn?

Donnerstag, den 17. Dezember 2015 um 11:38

Weil in der demokratischen Schweiz keine Orden verteilt und Schweizer von Ausländern auch keine Orden empfangen und schon gar nicht tragen dürfen, eine Regel, die immer wieder verletzt wird, gibt es „Unternehmer des Jahres“. In diesem Jahr hat der Thurgauer Multi-Industrielle Peter Spuhler den Titel wieder errungen, als Gründer-Unternehmer und KMU-Vertreter ein glaubwürdiger Entscheid.

Wie falsch man liegen kann mit derlei Volkswahlen, zeigen die Wahl des Touristikunternehmers Samih Sawiris im Jahr 2009. Er hat bis heute nur Verluste gemacht und ein erfolgreiches Andermatt liegt in weiter Ferne.

Philippe Gaydul wurde 2005 ausgezeichnet, aber von seinen Investments, geschweige denn dem geplanten Aufbau eines neuen Luxusgüter-Konzerns, ist wenig übrig geblieben. Geld wird verdient mit Immobiliengeschäften.

André Dosé wurde schon 2002 ausgezeichnet, als er die Swiss führen durfte. Schon bei der Crossair war er unter Moritz Suter eine klare „Nummer 2“, die Swiss musste an die Deutsche Lufthansa für CHF 70 Mio. verscherbelt werden. Von Dosé ist wenig übrig geblieben.

Soeben wurde FIFA-Präsident Sepp Blatter von Roger Köppels „Die Weltwoche“ zum „Schweizer des Jahres“ erkoren. Blatter, das rechtfertigt die Auszeichnung, würde an der Börse als unterbewertet gelten, denn er hat die letzten zehn Jahre kaum in professionelle Kommunikation investiert. Im Gegenteil: Seine früheren Kommunikationschefs stellten sich später alle als bekennende Blatter-Gegner oder als „non performend“ heraus. Als die FIFA-Krise ausbrach, traf sie die FIFA-Führung kommunikativ unvorbereitet.

Wir sollten dennoch weiter „Schweizer des Jahres“ und „Unternehmer des Jahres“ wählen lassen. Gerade eine demokratische Gesellschaft, wie es die Schweiz ist, braucht Leuchttürme.

Philipp Müller – kein stabiler Faktor

Dienstag, den 15. Dezember 2015 um 15:25

Die FDP Schweiz hat nach vier Jahren erneut ihren Präsidenten verloren. Philipp Müller tritt zurück, was ebenso überraschend ist, wie es seine Wahl in dieses Amt gewesen ist.

Philipp Müller war so wenig der ideale FDP-Präsident wie es Fulvio Pelli, sein Tessiner Vorgänger gewesen ist. Pelli blieb in der Deutschen Schweiz praktisch unverständlich, Müller, kein ungeschickter Taktiker, fehlt bis heute eine Strategie für seine Partei.

Müller hätte es in der Hand gehabt, aus der liberalen FDP zusammen mit der SVP einen starken bürgerlichen Machtfaktor zu schmieden. Diese Herausforderung scheute er offensichtlich, auch unter dem Aspekt, dass die SVP seinem Führungsanspruch wohl kaum entsprochen hätte.

So bleibt Müller Episode. Er hinterlässt mit Didier Burkhalter einen Bundesrat, der nach links neigt, um seine Wiederwahl zu sichern, und mit Johann Schneider-Ammann einen weiteren Bundesrat, dessen Stärken bisher verborgen geblieben sind.

Die FDP hat einen halben Wahlsieg, „ein Siegli“, errungen, wie es Philipp Müller formuliert hat. Sie hat heute noch kein Rezept, wie sie diesen Zufallserfolg sichern will. Philipp Müller hätte ihr dabei kaum helfen können. Als Ständerat bleibt er ein guter Lobbyist seines Kantons und diverser Wirtschaftsinteressen.

Die „classe politique“ schliesst die Reihen

Donnerstag, den 10. Dezember 2015 um 8:41

In einem mehrsprachigen SRG-Festgottesdienst mit Blackout nach dem Lunch wurde im Bundeshaus die neue Landesregierung gewählt.

Die „classe politique“ schloss, alle Parteien von links nach rechts übergreifend, demonstrativ die Reihen. Sie wählte einen neuen Gesamtbundesrat, der personell noch schwächer ist als der Vorhergehende.

Das Schweizerfernsehen, Ueli Maurer nach seiner Wiederwahl zur Befragung stellend, erhielt von Ihm, dem sonst fröhlichen Landmann, die schnippige Antwort: „Keine Lust.“ Was wäre da auch zu erklären?

Die SVP erhielt mit einem Landwirt vom Genfersee Ihren zweiten Bundesrat, aber die von Dr. Christoph Blocher gewünschte neue Elitetruppe kam nicht zustande. Wie Hans-Ueli Vogt als Ständerat in Zürich, scheiterte auch Thomas Aeschi aus dem Kanton Zug. Es bleibt als Einziger neuer „Egghead“ der Bauern-, Gewerbe-, Industrie- und Importeurpartei der Verleger Roger Köppel, dem ein aufreibender Kampf bevorsteht.

Gestärkt wurde nur die Verwaltung, was sich im Spitzenergebnis von Walter Thurnherr als neuer Bundeskanzler zeigte. Mehr denn je muss nun die Bundesverwaltung leisten, was die Politik nicht vermag. Die Schweiz wird regiert von einem ehemaligen Zürcher Bauernsekretär, drei Welsche, darunter wieder ein Bauer, zwei Bernern und einer Aargauer Provinzjuristin, der das Regieren sichtlich Freude macht.

Wie dieses Schweizer Formel 1 – Team global oder auch nur in Europa mithalten will, lässt uns erschauernd an das Schicksal des Sauber Rennstalls denken und die Schweizer Skinationalmannschaft, wo heute ein 6. Platz schon als Sieg gilt.

 

 

 
     
     
Home Kontakt Sitemap Weblog Home
Home | Über uns | Dienstleistungen | Agenda | Medien | Publikationen | Kontakt | Sitemap | Weblog