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Tagesarchiv für 11. November 2015

Kleine Fischlin im neuen SRF-Medienclub

Mittwoch, den 11. November 2015 um 15:33

Wer hätte von dem hoch anständigen Franz Fischlin, der als idealer Schwiegersohn der „Tagesschau“ sein jugendlich seriöses Gesicht leiht, Besseres erwartet? Der neue SRF-Medienclub, getragen von vier würdigen Herren und einer etwas temperamentvolleren Frau, geriet bei seiner Erstausstrahlung zu einer Einschlafpille. Es war viel versprochen worden („…kritisch mit unseren Produkten.“), aber es wurde zu einer traurigen Nebelfahrt.

Wären Prof. Kurt Imhof, der leider früh verstorben ist, oder Rainer Stadler von der NZZ mit dabei gewesen, hätte man sicher mehr erfahren über die Bedeutung der Publikumskommentare im Internet. So aber blieb Fischlin die Frage nicht im Hals stecken, ob man „das Publikum erziehen“ müsse oder Sanktionen angebracht sind? Der ewige Schweizer Sekundarlehrer erlebte wieder einige Glücksmomente, das Erlebnis, die Spannung, blieben auf der Strecke.

Ohnehin war der neue „Medienclub“ mehr Radio als Fernsehen. Hansi Voigt, wenig erfolgreiche Kultfigur der Schweizer Internet-Szene, hoffte auf bessere Zeiten, Peter Röthlisberger aus der „Blick“-Gruppe plauderte intelligent, Monica Fahmy fiel mehr durch ihre Körpersprache als durch Inhalte auf und Pedro Lenz, mittelländischer Heimatschriftsteller, blieb bei seinen Wortmeldungen meist unverständlich, was angesichts des Niveaus der Sendung kaum auffiel.

Man muss sich zwei Fragen stellen:

  • Braucht es eine solche Sendung überhaupt; warum tut das Schweizer Fernsehen sich das an? Die Antwort liegt in der eigenen Defensivposition begründet, welche die SRG nun zu ihren Gunsten wenden möchte. Es wird nicht lange dauern, bis wir SRG-PR über den Sender flimmern sehen werden. Zu Beginn muss man stets allgemein bleiben, um den Verfassungsauftrag nicht zu verletzten.
  • Gibt es eine Nachfrage für ein solches Thema? Antwort: Selbstverständlich ist das Massenmedium TV um 22.25 Uhr nicht für derart lahme Auftritte geeignet. Das jugendliche Publikum wird in Scharen zu privaten und ausländischen Sendern abwandern. Die alten Zuhörer, denn das Zusehen lohnt sich bei derlei Auftritten kaum, werden auf ihren Couches sanft entschlummern.

Ich bin kein Freund von Roger Schawinski, weil dessen Exzentrik die Grenzen zum Unanständigen zu oft überschreitet, aber ein wütender Schawinski auf dem Bildschirm ist immer noch attraktiver als ein Intellektueller à la Fischlin.

Der Medienclub muss viel besser werden, um nicht bald als Leiche den Fluss hinunter zu treiben.

 
     
     
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