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Monatsarchiv für November 2015

Zwei Wüsten: El Gouna und Andermatt

Montag, den 30. November 2015 um 8:50

Man muss den ägyptisch-montenegrinischen Investor Samih Sawiris bewundern: Er hat in der ägyptischen Wüste El Gouna aus dem Boden gestampft und er versucht das gleiche nun in der Alpenwüste Andermatt. Seine 3,875%-Anleihe ist sauber über die Bühne gegangen. Im Vertrauen auf diese koptische Familie und deren christlichen Ehrenkodex haben viele gezeichnet, welche dies sonst nicht wagen würden.

Dennoch, als Alpenbewohner seit nahezu 50 Jahren: Wer will nach Andermatt? Jedenfalls nicht meine Generation, die eine militärische Berufung nach Andermatt stets als Verbannung erlebt hat.

Wer will noch Ski fahren? Die Asiaten wollen es nicht, die überalterten Europäer können es bald nicht mehr. Auch der mutige Ausbau der Skilifte rund um Andermatt steigert nicht die Zahl der Benutzer. Die Schweiz, das Urnerland schon gar nicht, hat eine Tourismuswerbung, die junge Touristen nach Andermatt bringt. Meine Zweifel bleiben gross.

Wer will diese Preise bezahlen? Ich erhalte im benachbarten Oberwallis die schönsten Chalets zu Preisen, die wesentlich tiefer sind. Im Wallis habe ich eine wunderbare Landschaft, auch in unbekannten Dörfern Aus- und Weitblicke über mehr als 50 km. Gute Restaurants gibt es im Mittel- und Unterwallis mehr, als sie Andermatt je haben wird.

Samih Sawiris, dessen Mut und Talent auch dann beachtlich sind, wenn man sieht, wie in Ägypten der Tourismus vernichtet wird, ist Spezialist für Wüstenstandorte, einmal abgesehen vom Luxushafen, den er in Montenegro baut. Möge die alpine Wüste in Andermatt ihm besser bekommen als die ägyptische am Meer.

Die SBB reissen das Wallis auseinander

Montag, den 23. November 2015 um 14:11

Die 67 800 Einheimische umfassende Bevölkerung des Oberwallis, bis zu Napoléons I. Zeiten Herrscher über das ganze Wallis, wissen schon lange nicht mehr, ob sie sich eher zu den Welschen oder den Bernern rechnen müssen. Jetzt haben die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) den Gordischen Knoten durchschlagen. Die bisherige SBB-Region Wallis wird aufgeteilt in einen deutschsprachigen Teil mit den Bahnhofen Leuk, Visp und Brig, die neu der SBB-Region Mittelland unterstellt werden. Das Mittel- und Unterwallis (Siders bis St. Maurice) mit gut zwei Dritteln aller Walliser wird der SBB-Region Léman zugeschlagen.

Die SBB spielen dies als „technischen Entscheid“ herunter, sich wenig bewusst darüber, dass das ganze Wallis in einer tiefen Kulturkrise steckt. Die Französisch sprechenden Unterwalliser stehen mit dem Rücken zum Oberwallis. Wer als Deutsch (Walliser Titsch) sprechender Oberwalliser in der Kantonshauptstadt Sitten/Sion Karriere machen will, kommt ohne das Französische nicht aus. Die Welschen selber beherrschen die deutsche Sprache eher selten, das aus dem Hochmittelalter stammende „Walliser Titsch“ schon gar nicht.

Die Oberwalliser, dank guter Zugverbindungen durch den neuen Lötschbergtunnel, richten sich ohnehin mehr denn je Richtung Thun und Bern aus, wo attraktive Berufe angeboten werden. Damit nimmt der soziale Druck auf die romantischen Bergdörfer weiter zu. Die Jugend wandert ab ins Tal oder gleich nach Bern und Zürich. Es bleiben die Alten in immer leerer werdenden Kirchstühlen und mit Musik-, Gesang- und Theatervereinen, die dringend nach Nachwuchs suchen.

Die Walliser Regierung, der Staatsrat, hat bisher kein Rezept gefunden, diesen Prozess aufzuhalten. Im Gegenteil, die Subventionen für die Bergdörfer werden tendenziell eingeschränkt und für das Tal wie die grossen touristischen Zentren ausgebaut.

Kennen Sie Dr. Thomas Edward Gullickson?

Donnerstag, den 19. November 2015 um 17:20

Sie werden Dr. Thomas Edward Gullickson nicht kennen, obwohl er Ihr Schicksal in der Schweiz ganz erheblich beeinflussen kann. Es handelt sich um einen eher pausbäckigen US-Amerikaner, der in Bern am Autokennzeichen CD-BE 1 erkannt werden kann. Gullickson, der eine der grössten dunklen Limousinen in Bern fährt, ist der neue Nuntius der römisch-katholischen Kirche in der Schweiz.

Er ist damit die direkt dem Vatikan unterstellte zentrale Aufsichtsperson, welche als „Seine Exzellenz“ alle Schweizer Bistümer auf ihre Rechtgläubigkeit hin überwacht und letztlich auch die katholischen Bischöfe auswählt, welche nicht nur unsere katholischen Pfarrherren bestimmen, sondern auch den Geist der Kirche prägen.

Offiziell wurde die Berufung bisher nur einem kleinen Kreis Auserwählter und Eingeweihter mitgeteilt. Das Schweizer Kirchenvolk („Chillebank-Christe“), einer der besten Kirchensteuerzahler und Spender für gute Dinge in der ganzen Welt, muss mit derlei nicht behelligt werden. Wir sind daran gewohnt, dass US-Amerikaner unsere Konzerne führen, warum nicht auch die Kirche?

Doch Dr. Thomas Edward Gullickson kommt in einer latent angespannten Zeit in die Schweiz. Der als sehr Rom-treu geltende Prälat sieht sich einer hunderte von Priestern umfassenden kritischen Gegnerschaft gegenüber, die jede seiner Bewegungen genau beobachten und kommentieren werden. Eine seiner wichtigsten Aufgaben wird es sein, das Bistum Chur zu teilen, indem Zürich nach 200 Jahren einen eigenen Bischof erhält. Monsignore Martin Grichting in Chur wäre dafür zweifellos ob seiner scharfen Intelligenz und Rom-Treue geeignet, aber das Zürcher und Innerschweizer Volk würde mit grossem Beifall wohl nur den Einsiedler Mönch Martin Werlen, vormals erfolgreicher Abt dieses Klosters und international bekannter Buchautor, begrüssen. Martin Grichting werfen seine eigenen Glaubensbrüder Zynismus vor, Mönch Martin gilt der römischen Kurie als zu progressiv in vielem, obwohl sein Bekenntnis zum amtierenden Papst, Franziskus I., als echt gelten darf.

Auch das Bistum Fribourg, eines der grössten der Schweiz, soll geteilt werden. Die Genfer warten schon lange auf einen eigenen Bischof. Dieser wird einem der multikulturell anspruchsvollsten Bistümer der Schweiz vorstehen müssen, dessen globale Ausstrahlung gross sein wird. In der hohen Genfer Diplomatie braucht man einen römisch-katholischen Bischof von Weltrang, der auch in den Seegemeinden gut aufgenommen wird. Dies alles muss Seine Exzellenz Dr.T. E. Gullickson glücklich einer Lösung zuführen.

Die Aufgabe, der rk Kirche in der Schweiz wieder Leben einzuhauchen, gilt nur deshalb als leicht, weil es der Reformierten Kirche, wo die Zahl der Austritte grösser ist, viel schlechter geht. Letztlich sind es die Freikirchen, wohin sich der liberale und gebildete obere Mittelstand flüchtet, wenn er seinen Glauben leben will.

 

Warum Peter Brabeck die Rätsel der Zukunft löst

Montag, den 16. November 2015 um 16:00

Was die Zukunft der Menschen in Europa angeht, hören wir zu viel auf unsere Politiker, die meist nicht mehr wissen, als wir selbst. Wir lesen dicke Bücher von Schweizer, deutschen und angelsächsischen Wissenschaftlern. Täglich wühlen wir uns lesend durch die „Neue Zürcher Zeitung“, die „Frankfurter Allgemeine“, die „Financial Times“ und „Le Monde“, durch „Foreign Affairs“ und den „Spiegel“. Unsere Verwirrung steigt ins Grenzenlose. Was wird wirklich geschehen?

Dazu genügt die Lektüre des „SonntagsBlick“ vom 15.November 2015, wo Peter Hossli, ein erfahrener Journalist, Peter Brabeck-Letmathé, den VR-Präsidenten des Nestlé-Konzerns, interviewt. Brabeck weiss es und Brabeck sagt es. Es ist die Wahrheit, eine zugegebenermassen schreckliche für viele, aber Brabeck, der ein charmanter Österreicher ist, war dies so wenig bewusst wie seinem Interviewer, Peter Hossli, weshalb ich den Kern dessen, was einer der bedeutendsten Industriellen der Welt aussagt, zusammen fasse.

Auf die Frage, ob E-Commerce Arbeitsplätze kostet, antwortet Brabeck: „Wir erleben die vierte industrielle Revolution, in der Wirtschaftswachstum ohne neue Jobs entsteht. Das birgt soziale Spannungen.“ Die Folgefrage „Beschäftigt Sie das Flüchtlingsproblem?“ beantwortet Brabeck mit den Worten „Es ist doch besser und wichtiger, 500 000 Menschen in einer Notsituation zu helfen, als noch eine Schönheitsreparatur vorzunehmen, die keiner braucht. Wenn die dann später Grundnahrungsmittel kaufen und an unserem Konsum teilhaben, umso besser.“ Nestlé ist Hersteller solcher Konsumgüter für Menschen, Hunde und Katzen.

Brabeck kündigt „eine riesige Herausforderung“ an uns Europäer an, weil die Menschen aus Westafrika in den Norden wandern würden, und sagt: „Wir können noch so viele Zäune bauen, das nützt nichts. Die sozialen Spannungen müssen wir aushalten können.“

Wenn dieser Blogtext Ihnen jetzt schon langweilig wird, sollten Sie durchhalten, denn das Schönste kommt erst.

Brabeck beschreibt, geführt von Peter Hossli, im „SonntagsBlick“, wie er sich seine Zukunft, die eines mehrhundertfachen Millionärs, vorstellt: „Ich bin Präsident der Formel-1-AG.“ (Anm.: Wo Rennautos immer um Kurven fahren). Meine Lieblingsbeschäftigungen sind die Gletscherfliegerei oder das Helikopterfliegen.“    Er freut sich auch sehr auf seinen neuen PC-24-Jet, mit dem er „auch ein bisschen in der Welt herumfliegen wird“. Brabeck will auch mehr auf die Riederalp im Oberwallis kommen, wo er die Hotels seiner Freunde Art und Andreas Furrer seit Jahren sehr attraktiv ausbaut. Eine Kaviarfarm im Mittelwallis rundet das Brabeck’sche Leben ab.

So weit, so gut, aber was können wir daraus lernen? Die normalen Menschen müssen gleich zweimal soziale Spannungen auszuhalten lernen: Sie haben keine dauerhaften Arbeitsplätze mehr und müssen dem Druck der zuwandernden Afrikaner standhalten. Die Mittelklasse braucht auch keine Schönheitsoperationen mehr; am besten ist für sie, sich vor den Fernseher zu setzen und die Formel 1-Rennen zu betrachten, um Brabecks wie Bernie Ecclestones Werbeeinnahmen zu steigern. Dazu können sie den Kaviar aus dem Hause Brabeck schlürfen. Dieser fliegt derweil mit dem Heli über die Walliser und Berner Alpen, um einfachen Chaletbewohnern etwas Unterhaltung zu bieten. Mit seinem neuen PC-24-Jet entkommt er leicht jener traurigen Wirklichkeit, der sich der Rest des Volkes zu stellen hat.

Fragen Sie sich nicht mehr, wie die Zukunft aussehen wird. Genauso, wie der Nachfolger von Heinrich Nestler und Helmut Maucher sie beschreibt, wird es werden. Schlimmer noch, so ist es bereits.

Kleine Fischlin im neuen SRF-Medienclub

Mittwoch, den 11. November 2015 um 15:33

Wer hätte von dem hoch anständigen Franz Fischlin, der als idealer Schwiegersohn der „Tagesschau“ sein jugendlich seriöses Gesicht leiht, Besseres erwartet? Der neue SRF-Medienclub, getragen von vier würdigen Herren und einer etwas temperamentvolleren Frau, geriet bei seiner Erstausstrahlung zu einer Einschlafpille. Es war viel versprochen worden („…kritisch mit unseren Produkten.“), aber es wurde zu einer traurigen Nebelfahrt.

Wären Prof. Kurt Imhof, der leider früh verstorben ist, oder Rainer Stadler von der NZZ mit dabei gewesen, hätte man sicher mehr erfahren über die Bedeutung der Publikumskommentare im Internet. So aber blieb Fischlin die Frage nicht im Hals stecken, ob man „das Publikum erziehen“ müsse oder Sanktionen angebracht sind? Der ewige Schweizer Sekundarlehrer erlebte wieder einige Glücksmomente, das Erlebnis, die Spannung, blieben auf der Strecke.

Ohnehin war der neue „Medienclub“ mehr Radio als Fernsehen. Hansi Voigt, wenig erfolgreiche Kultfigur der Schweizer Internet-Szene, hoffte auf bessere Zeiten, Peter Röthlisberger aus der „Blick“-Gruppe plauderte intelligent, Monica Fahmy fiel mehr durch ihre Körpersprache als durch Inhalte auf und Pedro Lenz, mittelländischer Heimatschriftsteller, blieb bei seinen Wortmeldungen meist unverständlich, was angesichts des Niveaus der Sendung kaum auffiel.

Man muss sich zwei Fragen stellen:

  • Braucht es eine solche Sendung überhaupt; warum tut das Schweizer Fernsehen sich das an? Die Antwort liegt in der eigenen Defensivposition begründet, welche die SRG nun zu ihren Gunsten wenden möchte. Es wird nicht lange dauern, bis wir SRG-PR über den Sender flimmern sehen werden. Zu Beginn muss man stets allgemein bleiben, um den Verfassungsauftrag nicht zu verletzten.
  • Gibt es eine Nachfrage für ein solches Thema? Antwort: Selbstverständlich ist das Massenmedium TV um 22.25 Uhr nicht für derart lahme Auftritte geeignet. Das jugendliche Publikum wird in Scharen zu privaten und ausländischen Sendern abwandern. Die alten Zuhörer, denn das Zusehen lohnt sich bei derlei Auftritten kaum, werden auf ihren Couches sanft entschlummern.

Ich bin kein Freund von Roger Schawinski, weil dessen Exzentrik die Grenzen zum Unanständigen zu oft überschreitet, aber ein wütender Schawinski auf dem Bildschirm ist immer noch attraktiver als ein Intellektueller à la Fischlin.

Der Medienclub muss viel besser werden, um nicht bald als Leiche den Fluss hinunter zu treiben.

 
     
     
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