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Ringier schickt Journalisten in die Wüste

12. Oktober 2015 um 13:42

Ringier schickt Journalisten in die Wüste

An der Stadt Lenzburg fahre ich seit vierzig Jahren meist vorbei, denn dort ist wirklich nichts los. Die Burg eignet sich für gesellschaftliche Ritualveranstaltungen, der alte Buchhändler am nördlichen Stadtrand hat auch aufgegeben, die Beizen sind wie überall – eher trostlos, woran auch die weissen Tischdecken nichts ändern.

Nun ist der Schweizer Grossverleger Ringier auf die Idee gekommen, man könne über 400 hauseigene Journalisten in diese grüne Wüste verlegen. Wo einst Hero seine Marmeladen produzierte, könne man auch angezuckerte Artikel und Kommentare schreiben. Da Boden und Immobilien in Lenzburg günstig zu haben sind, wäre die Produktion solcher verlegerischer Zuckerware auch günstiger.

Journalisten leben vom menschlichen Direktkontakt, wenn sie sich nicht darauf beschränken wollen, ihre Artikel via Internet-Recherche aus anderen Artikeln zusammen zu schneiden. Jetzt frage ich mich, wen sie in Lenzburg im Adler oder im Hirschen treffen, der ihnen sagt, wie es Glencore geht oder der UBS? Vielleicht verirrt sich ein aargauischer Autohändler oder LKW-Transporteur nach Lenzburg, aber die Wirtschafts- und Finanzelite sieht man eher im Zürcher Stadtzentrum.

Bei der „Schweizer Illustrierte“ und der „Glückspost“, die ohnehin meist Träume verkaufen, mag dies angehen, aber wie die Medienpostille „Bilanz“ oder die von der Aktualität abhängige „Schweizer Handelszeitung“ den Informationsanschluss halten wollen, ist mir rätselhaft.

Gut, Ringier ist nicht alleine an derlei schuld, der Schweizer Axel Springer Verlag, der mit im gleichen Boot sitzt, fährt die gleiche Kostensenkungs-Strategie. Ich kann mir nicht vorstellen, dass wirklich gute Journalisten, von Starjournalisten gar nicht zu sprechen, in der Lenzburger Wüste glücklich werden. Eine rasche Flucht nach Zürich? Bei den üblichen Staus am Gubrist wird dies kaum möglich sein.

Vordergründig bedeutet dies eine Abwertung des Journalismus, wie es auch die „Basler Zeitung“ kurz vor ihrem Zusammenbruch und vor der Übernahme durch das neue Markus Somm-Team erleben musste. Die Familie Hagemann verlegte aus den gleichen Kostengründen die Redaktion in das Basler Industriequartier, was sich als grosse Dummheit herausstellte und einen erneuten Umzug in die Basler Innenstadt erzwang.

Der Verlagsverbund Ringier/Springer hat sich auf Lenzburg noch nicht festgelegt. Es darf auch eine andere Aargauer Gemeinde sein. Immerhin kommt die Schweizer Verlegerfamilie aus Zofingen, wo zeitloses Dämmern ohnehin zur Regel geworden ist.

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