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Die merkwürdige Welt der Katholiken

9. September 2015 um 15:46

Die merkwürdige Welt der Katholiken

Natürlich liebe ich unsere Barockkirchen mit jenen fast nackten Engeln, die sich in einem rosa- und resedafarbenen Raum dehnen und strecken. Der Kontrast zu Christus am Kreuz könnte kaum grösser sein.

Der Barock, das wird gerne vergessen, war das Signal der römisch-katholischen Kirche nach der Niederlage durch Martin Luther, dass sie mit aller Pracht wieder zurück zu den Gläubigen und diese beeindrucken wollte.

Wenn Weihbischof Marian Eleganti seinen Vorgesetzten, Bischof Vitus Huonder, gegen die Schweizer Medien und deren Artikel verteidigen will, dann sagt er: „Im Hochmittelalter musste man zuerst die gegnerische Ansicht wiedergeben, sich dann beim Gegner erkundigen, ob man ihn richtig verstanden hat, dann Aspekte der Wahrheit in seiner Ansicht so weit als möglich würdigen, erst dann durfte er mit Argumenten bekämpft werden, wo er nach der eigenen Meinung irrte.“

Wie weit die Bistumsleitung in Chur von der Realität des 21. Jahrhunderts entfernt ist, zeigt diese Aussage. Kaum ein junger Journalist weiss noch, wann das Hochmittelalter stattgefunden hat und schon gar nicht, welche Regeln damals galten.

Die Medienarbeit des Bistums ist schon deshalb eine Katastrophe, weil man offensichtlich an der Spitze nicht wahrgenommen hat, mit welcher zeitlichen Beschleunigung heute gearbeitet wird. Das Ergebnis ist unübersehbar: Bischof Vitus Huonder ist zur Unperson geworden; er denkt in Jahrtausenden, die Medien in Minuten.

Aus Frankreich erreicht uns die Nachricht, dass die Bürgermeister streng katholischer Gemeinden nur christliche Flüchtlinge aus dem Nahen Osten aufnehmen möchten. Das hat in unserem Nachbarland einen Proteststurm ausgelöst. Unser Basler Bischof Felix Gmür will an seinem Sitz, Schloss Steinbrugg, jedoch auch nur christliche Flüchtlinge aufnehmen, meint er doch, Moslems könnten sich an den vielen christlichen Zeugnissen in seinem Bischofsschloss stören.

Sein von christlicher Liebe strahlendes Gesicht gilt also nur uns Christen. Moslems können sich bei uns nicht wohl fühlen, sind wir doch so anders.

Mindestens die römisch-katholische Kirche der Schweiz ist wirklich „so anders“. Die Jugend will von dieser verzerrten Welt kaum mehr etwas wissen. Ich sehe in den Kirchen fast nur noch alte Menschen und die Bänke leeren sich von Jahr zu Jahr erschreckend rasch. In einer Generation schon werden die meisten Katholiken in Afrika südlich der Sahara leben, tanzen und beten. Wir europäischen Gespenster werden ihnen kaum mehr etwas zu bieten haben.

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