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Wenn Verlage zu Entertainern werden…..

11. Mai 2015 um 9:12

Lädt Patrik Müller, Chefredaktor der „Schweiz am Sonntag“, mich zu einem seiner Medienanlässe ein, frage ich mich nur, ob das seine Aufgabe ist. Noch häufiger flattern Einladungen der „Neue Zürcher Zeitung“ auf meinen Tisch, wo ich Philosophen, Literaten oder sonstigen Edeldenkern zuhören kann.

Gabor Steingart, ein Chefredaktor, jetzt Herausgeber des renommierten deutschen „Handelblatt“, treibt dies nun auf die Spitze. An einem „Tag des Nachdenkens“ lädt er seine besten Inserenten und sonstigen Geschäftspartner zu einem „Pfadfindertag 2016“ ein. Dort dürfen Konzernchefs und andere Vordenker vor 800 Nachwuchs-Führungskräften demonstrieren, wo ihre Kraft der Nachdenklichkeit liegt.

Jürgen Fitschen, Co-Chef der deutschen Skandalbank Deutsche Bank, darf dann eine zehn Meter hohe Kletterwand ersteigen zum Beweis dafür, dass er auch Milliardenrisiken zu meistern vermag. Zur Belohnung darf er dann im „Handelsblatt“ in einem grossen Interview sagen „Ohne Vertrauen kommt keine Bank der Welt aus.“ Da gerade seine Bank wegen Dauerbetrugs an Kunden und anderen serienweise verurteilt wurde, wollen wir dieses rituelle Gebet, das ihm ein deutscher Star-Verleger gewährt, in guter Erinnerung behalten.

Damit die 800 Nachwuchs-Führungskräfte auch intellektuell auf Vordermann kommen, bietet sich der Risikoforscher Ortwin Renn mit der hoch riskanten Aussage an „Manche Risiken lohnen sich“. Ja, man müsste nur wissen, welche. Eines weiss er gewiss: „…dass Unternehmen Gewinn machen, ist nicht das Problem.“ Damit hat er sein Tageshonorar wohl verdient.

Als Gebrauchsphilosoph für geringere Ansprüche bewährt sich bei solchen Gelegenheiten auch Richard David Precht. Er behauptet, dass man früher davon ausging, der Mensch handle nur zu seinem Vorteil. Vor Konzernchefs, die sicher zustimmend genickt haben, stellt er klar: „Die grösste Rolle spielt, was andere wichtige Menschen tun.“

Zur Sache spricht der Krankenkassen-Manager Jens Baas. Er empfiehlt, die Mitarbeiter wert zu schätzen, damit sie steigenden Mehrwert bringen. Auch Gabor Steingart, der einem serbelnden deutschen Medienkonzern vorsteht, dürfte damit einverstanden sein.

Was sagen wir Schweizer zu derlei Unfug? Verlage sollten sich gut überlegen, wozu sie einladen. Zwar ist ihr Ruf kaum noch zu ruinieren, aber tiefer geht es immer.

 

2 Kommentare zu “Wenn Verlage zu Entertainern werden…..”

  1. Harry R. Wilkens

    Edelfedern, Edeldenker, Edelschwule, Edelhuren – andererseits Gebrauchsphilosoph, Trophäenfrau usw usw: Der DUDEN und die Wörterbücher müssen unbedingt nachgerüstet werden!

  2. Fritz Goergen

    … schon länger nicht so gekichert …

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