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Der Schweizer Sepp Blatter-Krieg

22. April 2015 um 10:27

Die Welt bejubelt einen Schweizer, den Präsidenten der FIFA, Sepp Blatter. In der Schweiz gilt der elegante Walliser, welcher seit vierzig Jahren den Weltfussball aufgebaut hat, als Kandidat für den Rücktritt. Woher kommt dieser Widerspruch?

Die FIFA ist ein Weltkonzern, der von Zürich aus geführt wird. Vor vierzig Jahren, als Sepp Blatter dort angetreten ist, war dies ein 12 Personen-Büro. Der Fussball war europäisch, die FIFA nahezu bankrott. Heute wird der FIFA-Sitz über dem Zürichberg täglich von Touristen aus aller Welt besucht, die sich dort vor dem Hauptsitz fotografieren lassen wie sonst nur Katholiken vor dem Vatikan.

Am 28. und 29. Mai kommen Delegierte aus 209 Ländern der Welt nach Zürich, um Sepp Blatter im Zürcher Hallenstadion wieder zum Präsidenten des grössten Sportverbandes der Welt zu wählen. Daran besteht kein Zweifel mehr. Sie vertreten 1,6 Milliarden Menschen, von denen über 300 Millionen aktive Fussballer sind.

Normale Schweizer, die noch nie im benachbarten Fürstentum Liechtenstein waren und Europa nur von seinen Stränden her kennen, begreifen nicht, was dies an Positivem für die Schweiz und Zürich bedeutet. Wo überall in unserem Land innovative Unternehmen gesucht werden, wird nicht begriffen, dass eines der innovativsten, die FIFA, genau vor uns sitzt.

Die Schweizer Medien sind daran nicht unschuldig. Sie haben meist einen sehr begrenzten nationalen und oft sogar nur regionalen Blick. Die Fussball-Journalisten können auf den FC Basel stolz sein, aber schon die beiden Zürcher Stadtclubs GC und FC spielen eher kniend als auf den Füssen laufend. Einen wirklich grossen Schweizer Spieler haben wir nicht mehr, höchstens einige talentierte Gastspieler, Ausländer meist, die rasch weiter ins Ausland verkauft werden.

Der FIFA fehlt eine stabile „home basis“. Sie ist zu gross, zu erfolgreich geworden für die Fussball-Provinz Schweiz. Sepp Blatter überspielt dies lächelnd, bringt hunderte von Millionen Franken jedes Jahr in unser Land, lässt in Zürich ein FIFA-Museum bauen, eine Attraktion, die künftig zehntausende von Touristen jährlich anziehen wird.

Es wird Zeit, dass wir dies begreifen. In einer Ära nach Blatter werden wir um den Sitz der FIFA in der Schweiz wieder kämpfen müssen. Wenn die Welt ihn ob seiner Leistungen gewaltig verehrt, sollten auch wir es fertig bringen, ihm Respekt zu erweisen.

 

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