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Tagesarchiv für 11. März 2015

NZZ im Angstmodus

Mittwoch, den 11. März 2015 um 16:10

Seit Stunden nur gequälte Gesichter in meiner Umgebung: Warum Gujer? Der bisherige Auslandchef der „Neue Zürcher Zeitung“, ein seit fast 30 Jahren kaum aufgefallener Schweizer, wurde zum neuen Chefredaktor der wichtigsten Schweizer Tageszeitung gewählt. Wer diesen Blog liest, erinnert sich: Schon vor Monaten habe ich ihn als Primärkandidaten genannt in der wohlweislichen Annahme, dass es keinen unabhängigen liberalen Schweizer Intellektuellen europäischen Formats mehr gibt, dem man diese Leitwolf-Funktion übertragen könnte.

Markus Somm, seit seiner gescheiterten Berufung zum Schatten-Chefredaktor der NZZ, wäre geeignet gewesen, das Fundament des Verlags in der Deutschen Schweiz wieder zu festigen. Jetzt wurde unter dem Druck der Mitarbeiter und einflussreicher Freisinniger einer Kollegiallösung der Vorzug gegeben, die den „big change“ zurück zum Erfolg kaum verspricht.

Eric Gujer ist zweifellos ein seriöser Journalist, aber sein gut gemachter Auslandteil kann nicht mithalten mit den grossen Redaktionen Europas zwischen Nordsee und Mittelmeer. Es ist eine Koinzidenz, dass gerade in diesem Augenblick der Verlag des „Tagesanzeiger“ die redaktionelle Zusammenarbeit mit diesen grossen Redaktionen Europas bekannt gibt. Das war eine Position, welche die NZZ vor 30 Jahren inne hatte. Schiebt sich der „Tagi“ nach vorn, während die NZZ stagniert?

Die jetzt bekannt gewordenen Initiativen, mit welchen die NZZ wieder Oberwasser gewinnen will, mögen qualitativ hochstehend sein. Warten wir es ab. Das jetzt neu präsentierte Magazin „Z“ trägt den gequälten Untertitel „Die Substanz des Stils“. Die von Tyler Brûle angekündigten „Geschichten hinter einem Punkt“ habe ich in der ersten Ausgabe nicht gefunden. „How to spend it“ von der „Financial Times“ macht mehr Lesevergnügen.

Die immer wieder aus der Falkenstrasse zu vernehmende Behauptung, die Marke NZZ verfüge international über Autorität, sehe ich weder in den Inseraten noch bei den HIP’s, den “Highly Intellectual Personalities“. In Wirklichkeit ist sie eine sehr anspruchsvolle Regionalzeitung der Deutschen Schweiz, deren Einfluss im linksgrünen Zürich und in der Bundeshauptstadt Bern, parallel zum Niedergang der Freisinnigen Partei, massiv gesunken ist.

Eric Gujer soll seine Chance haben, wie seine beiden eher unglücklich agierenden Vorgänger auch. Er muss den Titel „Weltblatt“ wieder holen; CEO Veit Dengler, der sich in dieser Personalfrage klug zurück gehalten hat, muss dies finanziell absichern.

Bis auf die Knochen blamiert stehen VR-Präsident Etienne Jornod und die Mitglieder des Verwaltungsrates da. Sie haben den grossen Sprung vorwärts gewagt, erhielten aus dem eigenen Kreis das Messer in den Rücken und leben seither im Angstmodus. Keine gute Ausgangslage für mutige Entscheide.

 

 
     
     
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