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Monatsarchiv für Februar 2015

Ist Bundesrat Schneider-Ammann besser als sein Ruf?

Freitag, den 6. Februar 2015 um 8:59

David Vonplon, ein liebenswerter und erfahrener Journalist der „Schweizerischen Handelszeitung“, hat als erster die These aufgestellt „Schneider-Ammann ist besser als sein Ruf“. Gleichentags haben Joël Widmer und Matthias Halbeis vom „Blick“ dem Bundesrat vorgeworfen: „Bundesrat steuerlos“ und Schneider-Ammann speziell vorgehalten „..produziert mehr Verwirrung als Klarheit.“ Wer hat recht?

Schneider-Ammann ist ein milliardenschwerer Unternehmer, dessen Familie, in welche er eingeheiratet hat, eine der reichsten der Schweiz ist. Er ist ein Vertreter der Schweizer Industrie und speziell der Schweizer Exportindustrie; zu den Banken und Versicherungen hat er bis heute keine stabile Linie gefunden.

Schneider-Ammann ist aber auch Bundesrat der FDP, die seit zwanzig Jahren nahezu führungslos immer mehr Richtung Kleinpartei absinkt. Der kommende Oktober wird zeigen, ob Parteipräsident Philipp Müller, ein Immobilienspekulant und Rennfahrer aus dem Aargau, das Steuer herumwerfen kann. Niemand glaubt recht daran.

Schneider-Ammann geht der elegante Auftritt einer Doris Leuthard und einer Simonetta Sommaruga ab. Er ist kaum wortgewaltiger als Ueli Maurer; beide stehen nicht für intellektuelle Eleganz, sondern für ländlichen „Chrampf“. Das hört man ihrer Sprache an.

Schneider-Ammann hat das Vertrauen der Industrie. Er hat nur noch wenige Monate, um daraus innen-und wirtschaftspolitisch etwas zu machen. Seine Wiederwahl ist sicher, wenn die FDP im Herbst ihre Position hält. Verliert sie weiter, wird ihm Didier Burkhalter vor der Nase stehen, der nicht mehr geleistet, dies aber besser dargestellt hat.

 

Die NZZ hat einen Schatten-Chefredaktor

Donnerstag, den 5. Februar 2015 um 15:02

Noch immer rätselt das gebildete Zürich, wer als neuer Chefredaktor der einst in ganz Europa renommierten „Neue Zürcher Zeitung“ den Ruf der Zeitung wie des Landes verteidigen wird. Derweil sieht man den Zürcher Freisinnigen Markus Somm an den besten Tischen der Limmatstadt sitzen und lächeln. Er war vom Verwaltungsrat der NZZ-Gruppe einstimmig zum neuen Chefredaktor gewählt und dann von einer internen Revolte vor Vertragsunterzeichnung infrage gestellt worden. Markus Somm ist damit zum Schatten-Chefredaktor der NZZ bestimmt, an dem alle Nachfolger gemessen werden.

Wie kam es zu diesem untragbaren Zustand, einer Seldwyla’schen Tragödie Gottfried Keller’schen Zuschnitts?

Es ist der Führungsschwäche des überlasteten VR-Präsidenten Etienne Jornod zuzurechnen, dass die einstimmige Berufung von Markus Somm misslang. Jornod, unter Zeitdruck vor einer Asienreise, gab nach dem einstimmigen Grundsatzentscheid des VR’s dessen Umsetzung intern weiter. Markus Spillmann wurde unnötigerweise zu früh zum Rücktritt aufgefordert, was die Spekulationen um dessen Nachfolge intern und extern auf die Spitze trieb.

Wo grosse Unsicherheit herrschte, trat die Mäzenin Caroline Müller-Möhl in Erscheinung, die, ihr Ersturteil ändernd, als VR NZZ intern ihr Misstrauensvotum gegen Somm aussprach und durch ihren Zürcher PR-Berater Kaspar Loeb verbreiten liess. Die verunsicherte NZZ-Redaktionsmannschaft forderte Klarheit. Markus Somm zog seine Kandidatur zurück.

Seither herrscht Ratlosigkeit bei der NZZ. Auslandchef Erich Gujer gilt als Kronprinz, Inlandchef René Zeller, dessen Führungsstil als umstritten gilt, ist nicht ohne Chancen. Feuilletonchef Martin Meyer, dessen Leistung europaweit wie in Zürich grossen Anklang gefunden hat, hält sich völlig zurück.

CEO Veit Dengler baut derweil sein NZZ-Kleinprojekt in Wien aus. Die moderne Druckerei in Schlieren wird gegen alle Proteste geschlossen. Wie künftig die stolze NZZ-Fahne liberaler Freiheit europäisch sichtbar geschwungen werden soll, ist offener denn je. Markus Somm, welcher derzeit sein „Marignano“-Buch fertig schreibt, lächelt, denn die Schlacht an der Falkenstrasse hat er mit Gewinn überstanden.

 

Das Nationalbank-Rätsel

Dienstag, den 3. Februar 2015 um 8:55

Es ist beeindruckend, wie viele Menschen sich dagegen zur Wehr setzen, den jüngsten Währungsentscheid der Schweizerischen Nationalbank zu verstehen.

In der Stufe 1 wurde der Franken an den Euro angebunden; das Experiment dauerte dreieinhalb Jahre und verschaffte der Schweizer Exportwirtschaft, vor allem dem Maschinenbau, hohe Subventionen auf Kosten der Kantone und ihrer Bürger, die letztlich Eigentümer der Nationalbank sind.

Als dies nicht mehr durchgehalten werden konnte, die Nationalbank mit 500 Milliarden im Obligo stand, wurde die Übung über Nacht abgebrochen mit der Folge, dass es „Betroffene und Nichtbetroffene“ gab (Prof. Dr. Thomas Jordan). Die älteren Ausländer, welche in der Schweiz leben, erhalten nun tiefere Euro-Renten. Wer Aktien- und aktienähnliche Anlagen hatte, war mindestens kurzfristig etwas ärmer. Lebensbedrohend ist die Frankenkrise für leichtsinnige Währungsspekulanten oder ausländische (Hypothekar-)Kreditnehmer wie auch in Franken verschuldete Städte und Gemeinden im Ausland.

Nicht sonderlich beeindruckt zeigen sich die grossen multinational-global tätigen Konzerne, es sei denn, sie rechnen in Franken ab. Schwere Umstellungen erwarten Schweizer Kleinkonzerne vom Stil Lonza oder Spuhler Holding, denn die neue Währungssituation wird sich in den kommenden zwei Jahren kaum verbessern. Stürzt der Euro weiter ab, muss die Nationalbank entweder wieder zukaufen oder die Produktions- und Absatzkrise in der Schweiz verschärft sich.

Gestärkt wird auch die ausländische Konkurrenz, die billiger liefern kann. Gestärkt werden ausländische Dienstleister, die in der Schweiz neue Absatzmärkte suchen.

Gesucht wird ein Schweizer Wirtschaftsminister, der nicht nur vom Maschinenbau und der Exportindustrie etwas versteht, sondern auch von Banken, Finanzgesellschaften und anderen Dienstleistern. Johannes Schneider-Ammann will nach perfekter Vorgabe seiner Liberalen gar nichts tun; die Dinge sollen alleine ins Lot kommen.

Nationalbank-Präsident Thomas Jordan hat das gute Gewissen, eine Fehlentwicklung abgebrochen zu haben. Die Schweiz ist, wieder einmal, mehr denn je zum Hort der sehr Reichen geworden, „The Golden Nugget oft he World“, nichts für arme Leute.

 

 
     
     
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