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Tagesarchiv für 11. Februar 2015

Die Kommunikationskrise der rk Kirche Schweiz

Mittwoch, den 11. Februar 2015 um 8:56

Die Schweizerische Bischofskonferenz hat offensichtlich kein Konzept, wie sie die Anliegen der römisch-katholischen Kirche der Schweiz gegenüber der Öffentlichkeit vertreten möchte. Erschwerend ist die Tatsache, dass gerade die konservativen Schweizer Bischöfe die Notwendigkeit einer nationalen Bischofskonferenz nicht sehen, sind sie doch direkt vom Papst gewählt und eingesetzt.

Daraus hat sich ergeben, dass eine ganze Reihe von Schweizer Bischöfen eigene Mediensprecher beschäftigt haben, die mehr oder weniger erfolgreich waren, meist weniger. Mit dauerhafter Präsenz glänzte nur Giuseppe Gracia, der Mediensprecher des konservativen Bistums Chur, wo mit Dr. Martin Grichting auch ein Monsignore (päpstlicher Berater) und Generalvikar tätig ist, der sich als hervorragender Theologe erwiesen hat. Adrienne Suvada hat vor zwei Wochen ihre Funktion als Mediensprecherin des Bistums Basel aufgegeben; ein Nachfolger, Hansruedi Huber, ist bestimmt.

Zur Zeit des Einsiedler Abtes Martin Werlen, der heute als „Pater Martin“ und einfacher Mönch erfolgreiche Bücher schreibt, gab es in der Schweizerischen Bischofskonferenz eine kleine Revolution. Werlen, von der Bischofskonferenz zum Medienbischof berufen, machte den Multifunktions-Journalisten Werner de Schepper (demnächst Co-Chefredaktor des „Blick“) zum Präsidenten der wichtigen Medienkommission. Simon Spengler, ebenfalls ex „Blick“, wurde zum Informationsbeauftragten der Schweizerischen Bischofskonferenz ernannt.

Beiden war kein Glück beschieden, irrte Spengler doch von Bistum zu Bistum und suchte dort eine zeitgemässe Kommunikation einzuführen. Man hörte ihn meist an, machte dann aber im alten Trott weiter. Gelegentliche und unsystematische PR-Aktionen machten den Hasen nicht fett.

Werner de Schepper, eher vom Typ „gescheiter, aber unruhiger Belgier“, Theologe und eng vertraut mit kirchlichen wie Schweizer Belangen, scheiterte an den gleichen Rahmenbedingungen auf höherer organisatorischer Stufe. Seinen Versuch, das katholisches Medienzentrum aufzubauen, hat er nun wegen der Kündigung von Simon Spengler unter Protest abgebrochen. Eine Führungsaufgabe bei der „Schweizer Illustrierte“ aus dem Haus Ringier, wo er schon früher tätig war, liegt ihm besser. Wenn er dort leistet, was „Blick“-Chefredaktor René Lüchinger gelungen ist, die monotone Publikation wieder attraktiv zu gestalten, lohnt sich der Umstieg.

Was bedeuten diese innerschweizer Konflikte? Es gab schon immer den Unterschied zwischen Papstkirche, wie sie von den konservativen Bischöfen vertreten wird, und Volkskirche, wie sie vom Benediktinermönch Martin Werlen verstanden wird, der „Die Glut unter der Asche“ wieder wecken möchte. „Papstkirche und Volkskirche im Konflikt“ heisst auch das Buch von Petra E. Dorsch-Jungsberger im Verlag LIT, worin sie sehr kenntnisreich die Kommunikation der Päpste seit Johannes Paul II. beschreibt und kommentiert.

Nach dem nützlichen Motto „You get what you see“ kann ich nur feststellen: Die Bischöfe kommunizieren national und in ihren Bistümern zu wenig; die Schweizerische Bischofskonferenz ist weitgehend handlungsunfähig, diesen Zustand zu ändern. Das ist schade, denn die recht hohen Kirchensteuern werden nutzlos verschwendet in Kirchenpersonal, das seine Aufgabe ungenügend erfüllt, in Kommissionssitzungen, die rein gar nichts bringen und Immobilienprojekte, mit welchen die Millionen Franken der Gläubigen verdampft werden.

Merke: Nichtkommunikation ist immer auch, siehe unsere Banken, ein Hinweis darauf, dass im Hintergrund etwas nicht stimmt. Die Dekadenz der Kirche geht parallel mit derjenigen der Armee und der politischen Organisationen. Wer daran verdient und fest im Sattel sitzt, will sicher nichts ändern.

Der jüdische Wandermönch Jesus Christus würde sich wahrhaft wundern, was seine Nachfolger aus seiner Zeugenschaft gemacht haben.

 

 
     
     
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