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Ist die Schweiz im Notwehr-Modus?

23. Dezember 2014 um 8:57

Man könnte auf den Gedanken kommen, die Schweiz befinde sich zunehmend im Notwehr-Modus. Was Aussenminister Didier Burkhalter in Brüssel erreichen kann, ist nicht nur dem Bundesrat rätselhaft, sondern weiten Teilen des Schweizer Volkes. Sein Staatssekretär Yves Rossier, ein Euro-Turbo, ist, vom Bundesrat etwas relegiert, zurückhaltender geworden. Die EU beharrt auf ihren Forderungen; wir agieren verwirrt.

Im Notwehr-Modus ist auch die Schweizerische Nationalbank. Als Beiboot der Europäischen Zentralbank ist sie in die Defensive geraten und gezwungen, weitere Milliarden Euro zu kaufen. Die Schweizer Sparer, Pensionäre, Rentner werden dies früher oder später zu spüren bekommen. Ihr Leben wird teurer. Es freut sich die Schweizer Exportindustrie.

Ganz offensichtlich bereits in den Notwehr-Modus eingetreten ist Monica Rühl, die neue Direktorin des Wirtschaftsdachverbandes économiesuisse. Sie hat im Parlament die Energiedebatte verloren, auch der Gegenvorschlag zur „Grünen Wirtschaft“ ging in die Hose und zur SVP, die sie politisch benötigt, sagt sie: „SVP-Humor ist nicht mein Fall.“ Das verspricht noch mehr Spannungen im kommenden Jahr.

In einem dramatischen Notfall-Modus steckt der Verlag der „Neue Zürcher Zeitung“. Es ist keine Bösartigkeit, wenn man daran zweifelt, sie könne sich mit eigenen Mitteln aus dem Sumpf ziehen, in welchen sie seit gut 20 Jahren langsam eingesunken ist. Am besten wäre es, die Aktionäre auszuzahlen und den Verlag in eine Stiftung zu verwandeln, die sich ausschliesslich der Herausgabe der Zeitung widmet. Den amtierenden Verwaltungsrat könnte man ohne grossen Schmerz abschaffen und einen prominenten Stiftungsrat einsetzen, wo Vertreter der Wirtschaft, der Wissenschaft und der Politik die Linie vorgeben. Ein Herausgeber-Komitee würde, ganz wie bei der FAZ auch, die operative Führung übernehmen. Dr. Martin Meyer, der Leiter des NZZ-Feuilletons, wäre ein europäisch glaubwürdiger primus inter pares. Weil die grossen liberalen Geister in der Schweiz offensichtlich ausgebrannt sind, müsste der Vertreter einer jungen Journalistengeneration die redaktionelle Führung übernehmen. Geht es bei der NZZ weiter, wie dies jetzt der Fall ist, können Grausamkeiten nicht ausbleiben.

Der Notwehr-Modus hat im Ringier-Verlag schon lange Gastrecht. Die geplante Zusammenlegung der Ringier-Magazine mit denjenigen der Axel Springer (Schweiz) AG ist nach der gleichartigen erfolgreichen Übung in Osteuropa verständlich. Was daraus wird und was davon bleibt, wird die baldige Zukunft zeigen. Dass man „Le Temps“ gleich mit entsorgt hat, verrät wenig eigenen Ringier-Führungswillen. Das gut gemachte „L’Hebdo“ der Springer’schen „Bilanz“ anzugleichen, weil diese fragwürdige Reichtums-Statistiken publiziert, darf als gewagt gelten. Die Springer gehörende „Handelszeitung“ hat soeben eine unsäglich schlechte Vorstellung der Schweizer „Unternehmer des Jahres“ publiziert, die auf einer Internet-Leserumfrage beruhte. Was man sonst darin findet, ist viel redaktionelles Füllmaterial aus der deutschen Springer-Redaktionsküche.

Ralph Büchi, der durch den Verkauf der alten „Handelszeitung“ an Axel Springer schon einmal reich wurde,  wird als VR-Präsident die Oberaufsicht für die beiden Aktionäre wahrnehmen. Michael Voss muss als CEO aus vielen kränkelnden Medien beider Verlage ein stabiles „powerhouse“ machen. Spannend.

 

 

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