Über uns Dienstleistungen Agenda Medien Publikationen Kontakt  


Zürich verliert Zwinglis Geist

10. Dezember 2014 um 16:02

Die reformiert-trockene Wohlanständigkeit und Vernunft, welche Zürich bis vor wenigen Jahren auszeichnete, verliert sich allmählich, Nicht nur hat die amtierende Stadtpräsidentin nicht wirklich ein Gespür für Kultur, wofür sie eigentlich zuständig ist, musste sie doch die Schliessung des Strohhofs zurück nehmen und liess sie einen Rostocker Hafenkran als Eventmaschine im Stadtzentrum zu. Sie förderte auch die Auflösung der alten Zürcher Männerzünfte, indem sie diese dazu bewegte, auch eine völlig überflüssige Frauenzunft in ihre Reihen aufzunehmen.

Die Erben der Unternehmerfamilie Burkhardt verkauften in der vierten Generation ihre Aktien an der Bauchemikalienfirma Sika für nette 2,7 Milliarden Franken an den französischen Mischkonzern St. Gobain, ohne den eigenen Verwaltungsrat und die Konzernleitung zu informieren. Hunderte von Aktionären verloren durch den folgenden Aktiensturz 20% ihres Vermögens. Das ist wenig zürcherisch.

Für viele über Nacht kam die Entlassung des NZZ-Chefredaktors Markus Spillmann. Nach seinem Vorgänger Hugo Bütler, der die NZZ über 20 Jahre in die Stagnation führte, war auch Spillmann keine Leuchte. Wenn VR-Präsident Jornod ihn im Abtrittsschreiben lobt, er habe sich „mit wichtigen Beiträgen an publizistischen Debatten beteiligt“, ist dies niemand sonst aufgefallen.

Das jetzt angetretene Dreigestirn an der Spitze der NZZ kann mit Ausnahme des Inlandchefs René Zeller wenig überzeugen. Auf der Suche nach einem Nachfolger fällt der Zürcher an der Spitze der „Basler Zeitung“, Markus Somm, wohl aus, da der Milliardär Dr. Christoph Blocher ihn vorsichtigerweise zum Drittelseigentümer der gut gemachten Basler Zeitung befördert hat.

Wie der Schweizer Liberalismus, ist auch die NZZ mit einer Auflage von gut 100 000 Exemplaren in der Krise. In deren Verwaltungsrat sitzt niemand, der sich als intellektueller Leuchtturm der Schweiz (oder Europas) hervorgetan hat. Die Ratlosigkeit massgeblicher Vertreter der Deutschschweizer Elite findet hier den geeigneten Spiegel. Ob Veit Dengler, der österreichische CEO, den Schleuderkurs wirklich beenden kann, ist höchst zweifelhaft. An grosse Sprünge denkt in Zürich ohnehin niemand, weil die Kasse leer ist.

 

Einen Kommentar schreiben:

 
     
     
Home Kontakt Sitemap Weblog Home
Home | Über uns | Dienstleistungen | Agenda | Medien | Publikationen | Kontakt | Sitemap | Weblog